Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 44 Der Israelit 1. November 1934 und empfehlen. Daran trägt natürlich in erster Reihe die Palästinaregierung und die noch höheren Stellen in London mit ihrer Einwanderungspolitik die Schuld. Allein ein weiterer Faktor für die Verdrängung der jüdischen Arbeit, für den ganz allein die Histadruth die Verantwortung trägt, ist das sich immer schärfer zuspitzende Mißtrauensverhältnis zwischen der Arbeiterpartei und den Unternehmern. Gewalt ist . eben kein Mittel, um der Geerchtigkeit eine Gasse zu öffnen, Viele Unternehmer, würden gern und mit Vorliebe jüdische Arbeiter anstellen, wenn es nicht durch Vermittlung jener Stellen ginge, die im Kapital und in seinen Vertretern, die ihnen doch schließlich das Brot ge ben, ihre Todfeinde, sehen, und sie als sqlche behandeln. Diesen Gedanken brachte klar und deutlich die. „Vereinigung der Ikkarim" zum Ausdruck, ,die mit einem Schreiben die Beteiligung an der Konferenz in Tel Awiw abgelehnt hat. Eine bessere Atmosphäre muß geschaffen, das Vertrauensverhältnis zwischen Juden und Juden wieder hergestellt, mehr Konsequenz im eigenen Leben und Lager deren, die jüdische Arbeit verlangen, und diktieren, gezeigt werden, dann, aber erst dann, kann das schwere Problem der .„Awodah Iwrith" gelöst-werden. Der „Misrachi Hawatik" und seine Freunde in Erez Israel. Der Begriff pim ist traditionell gegeben. Das Wort wurde von den alten religiösen Dichtern als . Epitheton für G'tt selber gewählt, K1H p'flV Im Talmud werden die Frühaufsteher, die darauf sehen, mit dem Sonnenaufgang ihr Morgengebet zu G'tt emporzuschicken, . f'p'm genannt. Alten: Bräuchen begegnet man oft in den Minhagbüchern unter dem Titel ^"»m Jima« . . , Aber es ist uns gar nicht darum zu; tun, in ethymologische Untersuchungen einzugehen, sondern ein Wort über den j7>mn ">mT»'der eine Schöpfung von Rabbi. Ostrowski . ist, zur Klärung' der vielen unverständlichen Dinge, die im palästinensischen Misrachi vorgehen, zu sagen. Daß der p^mn-THTö' mit jenem bezeichnenden Begriff des p'm nicht das Geringste zu tun hat, bewies und beweist er dauernd durch sein Verhältnis zum radikalsten Flügel der Histadruth. Der Erfolg dieser religiös politischen Mischehe ist frappierend, denn nunmehr fühlt sich die Arbeiterpartei aller Bindungen und aller wiederholt gegebenen Versprechungen frei und eröffnet neuerdings, gestützt auf die neuen Freunde von rechts, eine Offensive gegen die Religion und ihre Vertreter, daß man sich — besonders in und um Haifa — oft nach Moskau versetzt glaubt. Der Vergleich ist durchaus nicht übertrieben, wenn man im „Dawar" eine Artikelserie liest, in der die Religion als „Opium für das Volk" bezeichnet wird. Daß dieses. „Opium" aus Sowjetrußland eingeführt ist', dürfte allbekannt sein und wird in dem Artikel gar nicht geleugnet. Der rühmlich bekannte St ein - mann, dessen richtiger Platz eigentlich in der „Jewsektia" wäre, verkündet im gleichen Blatt d^Enn D'un - „neue- Feste" an Stelle der alten, die „Feste der Rachsucht" seien und „den modernen Menschen-nicht mehr befriedigen." Daß das S u k k o t h f e s t. beispielsweise alle Völker der Erde zur. OpferrMngung und G'tteshuldigung einlädt, daß das Rosch Haschanah-Geb et die tausendjährige Hoffnung ausspricht, daß alle Werke und Menschen der Erde sich um den Willen G'ttes gruppieren, dieses und vieles andere will der Herr, von dem wir hören, daß er aus Cheder und Jeschiwa hervorgegangen ist und früher gelegentlich auch oftmals am „Oneg Schabbath" teilnahm, nicht wissen. Der Gedanke an Moskau tritt noch lebendiger vor Augen, wenn man über Vorgänge in „Kfar Saba" liest, wo die Arbeiter in großen Plakaten zu Empfangsfeierlichkeiten zu Ehren irgend einer Delegation mit Konzert, Tanz und . Fackelzug am Freitagabend einladen. In „Kirjath Chajim" vor den Toren Haifas wurden die frommen Beter am Vorabend des Rösch-Haschanah im Beth-Am, das ihnen vom Komitee der Kolonie für;die heiligen Tage als Betlokal überlassen wurde, plötzlich mitten im Gebete ins Dunkel gesetzt; die Radikalen hatten die elektrischen Drähte durchschnitten. Am Morgen des Festtages fanden aber Aie Beter die Türen des Volkshausßs mit Brettern zugenagelt, die^der Waad, der die Untaten seiner Kollegen mißbilligt, erst entfernen lassen mußte. „Kirjath Chajim" befindet sich auf Nationalfondsboden. Und damit, der Vergleich mit Rußland gar keine Lücke aufweist: Von der „Poale Zion"; in Haifa wurde für den K o h N i d r e - A b -e n;d ein Vortrag über „Religion und Arbeiter" veranstaltet, gegen Eintrittsgeld von 10 Mil. . . . Andere "Vorkommnisse verlieren ah Bedeutung im Vergleich zu diesen moskowütischen Provokationen. Wir hätten es von uns aus nicht gewagt, diese unerhörten Ausschreitungen in. Verbindung mit dem j?Tnn TllTa zu bringen, täte es nicht das dem Misrachi sehr nahestehendegesetzestreue Wochenblatt HOT! in seiner Nummer vom 2. Marcheschwan. Das Blatt führt den Nachweis,'daß die Linke, die eine Zeitlang mit Rücksicht :auf: Misrachi und in Einhaltung gegebener Versprechungen Ruhe gewahrt hatte, erst in den letzteren Wochen durch die Gründung des Rabbi Ostrowski und die engeren Beziehungen zu diesem Flügel des-Misrachi den Mut und den'Auftrieb für ihre neue Off ensive erhielt. Der „Hajessod" glaubt zwar in diesem: Zusammenhange auch der Agudo wegen ihres. Wahlabkommens mit dem Waad H.eümi eines versetzen zu müssen. Unsere Leser, die über dieses Wahlabkommen vollauf orientiert sind, wissen aber, wie ungerecht dieser Vorwurf ist, wie gerade Rabbi. Mosche Blau mit aller Klarheit' und Deutlichkeit die Grenze des Zusammen g e h e!h s n a c h a u ße n zog und. wie gründlich er in jener großen-Redeauf der Wählversammlung mit d e m R a d i k.a 1 is m u s a ü f ä 11 e n Sei t' e n ä "b t e c E'nV.t e. 1 Da 'der „Hajessod" sich aber gewißlich in der misrachistischen Welt besser auskennt als in der ägudistisch'en, so haben wir keinen Grund, - seinen Angaben über pTlV^ TTlTB irgendwie zu widersprechen.: - Treffen des Noar Agudati. Vom 18. bis 27. Tischri 5695 fand in den Räumen des Beth Chaluz des Noar Agudati Frankfurt a, M. die erste Pegischah des Noar Agudati statt, an der der" größte Teil der Chawerim und Chaweroth'. aus den Bathe' Chaluz ' Enschede (Holland), Siegburg, Bad" Mergentheim teilnahmen, ferner Chawerim in handwerklicher Einzelausbildung, sowie solche aus einigen Snifim und schließlich führende Mitarbeiter des Bundes. Von den annähernd 100 auswärtigen Teilnehmern waren einige im Beth Chaluz, der größte Teil aber bei einer großen Anzähl gastfreundlicher Frankfurter Familien uriteFgebracht. Die Pegischah wurde am Donnerstag Chol Hamoed, den 18. Tischri, durch Chawer Fredi Lustig eröffnet. Im Namen der Palästina- Zentrale und der Israelitischen Religionsgesellschaft begrüßte Herr Dr. Ehr mann die Tagung. Alsdann hielt Chawer Dr. Berthold S t e ßm a n n aus Enschede das erste Referat über „Unsere Stellung zur Arbeit". Er legte dar, daß unsere jetzige Berufsarbeit Ideal geworden sei) Damit sei für unsere persönlichen Bedürfnisse ein alter Wunsch Wirklichkeit geworden. Es wird jedoch hierdurch das folgende Problem akut. Die ideelle Tätigkeit ist für uns Limmud. Judentumist etwas Geistiges. Daneben duldet das Schrifttum nur Arbeit zum Zwecke der Parnassa. Wo ist der Ort für ideale Pionierarbeit? Dieser Ort wurde an vier verschiedenen Stellen aufgesucht. ' IT Zur Vermeidung ' eine's Chillul Haschern, 2. in der Mizwath Jischuw Erez Jisrael,;, 3. in der Sorge, für einen materiellen Lebensraum für unser Volk, gänz ^besonders für •die Jugend, r, ' 4. in der Erziehung zu Chowoth halewawoth.. Neben dieser theoretischen Diskussion äst Motiv für unser persönliches Verhältnis zur Arbeit, unsere Freude z. B. an der Landwirtschaft, Das wurde näher ausgeführt. Für uns bedeutet die Arbeit tatsächlich einen seelischen Wert. Unsere jetzige Tätigkeit hat auch Sinn als Vorbereitung für die Ländwirtschaft in Erez Jisrael. Als erster Diskussionsredner gab Herr Jacob Rosen heim eine Darstellung des Verhältnis-- ses vonj>Arbeit* und Berufim überlieferten Judentum. Im selben großen Rahmen und in der Form von Vortrag und Aussprache wickelte sich der erste Teil der Pegischah in enger Folge bis Sabbat Nachmittag ab. Donnerstag abend sprach Chawer Dr. Selig Cohn, Bad Mergentheim über „Chaluziuth". 1. „Unser Chaluzbegriff kann im Gegensatz zu dem der Zionisten nur an Thora und Malchutk Haschern orientiert sein (vergl. IV. B. M. 32), 2. Aus dem Chaluzbegriff Trumpeldors übernahmen wir die Forderung zu schlechthininniger Bereitstellung. „Wo' der Chaluz benötigt wird, ist sein Platz." 3. Chaluziuth zeigt sich auch in äußerer Form, wie in Kleidung, die sich mehr den Anforderungen nähert, die unsere Arbeit an sie stellt. Doch bleibt Kleidung stets etwas Aeußerliches. — Wesentliches Hilfsmittel zur Gestaltung unserer Chaluziuth-Gemeinschaft ist Gemeinschaftserziehung durch Gemeinschaftserlebnis (siehe hierzu 4,).. 4. Gemeinschaftserlebnis ist besonders wesentlich für die innere Chaluziuth, das erfordert a) Abstreifung des übertriebenen . Individualismus, b) um Chawerim zu sein, müssen wir „Brüder und Schwestern" werden. Dabei müssen wir uns vor öder Gleichmacherei hüten, und im Gegenteil, auch die wertvollen Eigenheiten des anderen als solche anerkennen. -5. neben-3 und 4 ist für uns besonders'wesentlich die geistige Chaluziuth. Wir treten heute stets mit von außen kommenden Begriffen an die Thora heran. Ziel unserer geistigen Erziehung muß sein, die Thora als regierenden Zentralpunkt unseres Lebens nicht nur logisch zu erfassen, sondern auch gefühlsmäßig zu empfinden. „Kol Massecha jiheju l'schem schamajim". „Für den Chaluz lifne. HaschemJst Lernen der gesamten Thora unerbittliche erste /Pflicht. — Erziehung zu unserer Chaluziuth bildet j unsere ' Arbeit'und'Wser Streben nach Erez Jisrael. 6. Erziehung ■ zur Chaluziuth kann nur geboten werden.in der Zusammenarbeit zwischen Jeschiwa und Gemeirischaftshachschara, deren Absolvierung daher von jedem Chaluz zu verlangen ist." Freitag vormittag entwickelte Chawer Fredi Lustig in längeren Ausführungen über die Hachschara als Gemeinschaft Forderungen über Gememschaftsgestaltung, Limmud, Erwerbung der Ideologie, „Eine vollständige Umstellung des ganzen Menschen auf die Gemeinschafttut not"; die alten Ideale — Gemilath chassadim, Dan l'chaw s'chuth, hocheach tochiach-, Wahrhaftigkeit, werden mit neuem lnhalt in der Hachschara- Gemeinschaft erfüllt, Einstellung auf: Erez Jisrael: Die Hachscharagemeinschaft ist also Dirath kewa, nicht Dirath. arai. — Der gegenwärtige Mangel an Mädchenzertifikaten erfordert ein