Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450807-2450849--80813-2538684- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1. November 1934 Der l,s. r a .e i 1 t Nr. 44 Seite 5 Synhedrial-Gedanken, seine Verquickung mit dem Lernen-Wollen jüdischer Analphabeten, denen das Studium von fiirschis Chaurew nicht genug bieten soll, die aber anscheinend „nach selbständiger Prüfung des jüdischen Geistesgutes" — S y n h edrialmitglieder werden sollen, das fordert denn doch zum Protest heraus. Das jüdische Volk wäre, um ein neues Synhedrion zu bilden, trotz seiner Verwaisung g'ttlob j noch immer nicht auf die Zöglinge der jüdischen Volkshochschulen und „Lehrhäuser", nicht ein- , mal auf die,, Herren Dr. Dienemann und Dr. Ita- I liener angewiesen! Darum behält der Aufruf zum „Lernen" dennoch seine Berechtigung, er schließt wirklich den einzigen Weg . zum Heil in sich. Aber wenn es Herrn Feuchtwanger ernst ist mit seinem Streben, einer heimkehrenden Ju-! gend die Möglichkeit des Selbsterlebnisses zu; verschaffen, wenn er — wie er sehr schön Wochenrundschaa „Awodah IwritH." Die jüdische Arbeit in Palästina ist ein Problem, das nicht so einfach nach dem Gesetz „vom satten Wolf und ganzen Lämmchen" gelöst werden kann. Der jüdische Arbeiter in Palästina hat ein Anrecht auf Bevorzugung bei der Einstellung auf jüdischem Boden, und der jüdische Unternehmer hat die moralische und1 auch religiöse Pflicht; dem Bruder dieses Recht einzuräumen. Der jüdische Arbeiter kann infölge seiner Lebenshaltung, irisbesondere gar, wenn er nach jüdischer Vorschrift lebt, sich nicht mit den Löhnen begnügen, wie sie der primitive Fellache bislang bezogen hat und noch bezieht; Auf der andereren Seite bedeutet es für manchen jüdischen Unternehmer im Anfangs- und Uebergarigsstadium eine schwere Belastung, wenn er gezwungen ist, höhere Löhne zu zahlen. In unzähligen Fällen liegt Mangel an Gemeinsam und auch krasse Verletzung der Bruderpflicht vor. In den Widerstreit zwischen Pflicht und Eigennutz' spielen auch zuweilen terroristische Gelüste hinein, die nicht allein aus wirtschaftlichen Quellen fließen. Die Regierung kann und darf Gewalt- Kleines Feuilleton. Sonötfc •nnk pn*n |»ks k&vi ^Vö 'K ■>> Oft wähnen wir uns eines Menschen sicher, Gedenken nicht, daß du ihn nur geliehn: Du aber mahnst uns, daß wir sterblicher, Als jenes sind, das uns Geringes schien. Dannhebst du deine großen Lehrerhände Und weisest uns: ihr seid wie Spreu im Wind! Wir nehmen leise die beschämende Verdiente Lehre hin — und werden Kind. Dann kann es sein, o G'tt, daß dein Erbarmen Den Gang der Zeiten stehen macht . . . Dann wird zum Tag die allertiefste Nacht. Und sieh: ich fleh an deinem Weltenohr: Laß deine Warnung^ diesmalunyollbrächt Und öffne deiner Liebe letztes Tor. Fritz; Rosenthal (Ben-Chorin). („Das Kunsthandwerk".) Der Kulturbund bereitet ür die Zeit' vom' 28- November bis 2. Dezember eine ^üsstellüng' in' Berlin" ,vor; die das KünstKandwerk |ihfässen soll.1 Es soll Künstlern Und' Künstlerinnen Gelegenheit gegeben werden/ ihre1* Arbeiten zü Zeilen.- Aquarelle, Zeichnungen; Kleinplastiken bis zti Gebrauchsgegenständen von künstlerischer Qualität schreibt — ihr das Eindringen in die unvergängliche Welt unsrer Gebete, der großen klassischen Urkunden ermöglichen will, in denen das Heilige, das Rätsel der G'ttesnähe aufbewahrt ist — dann empfehlen wir ihm, es doch einmal zuerst, ohne nach Synhedrialsitzen zu schielen,- mit— S. R. Hirsch zu versuchen. Auf seiner ebenso objektiven als universellen Deutung des Judentums fußend, werden sich die Heimkehrenden am sichersten die Fähigkeit verschaffen, weiter, tiefer in das Heiligtum der Thora einzudringen, in das ohne Führer niemand ungefährdet einzugehen vermag. Daß Hirschs Lehre eine „Abart deutschen Wesens" sei, ist gewiß eine Legende, aber daß Hirsch für deutsch -jüdische Jugend auch heute noch, der beste Erzie her zur höchsten jüdischen Erkenntnis ist, scheint uns eine unbestreitbare pädagogische Wahrheit. akte nicht dulden, aber jüdische Posten lassen sich trotzdem nicht nehmen, wie das lebendige Gewissen vor den judenfreien Arbeitsstätten Wache zu stehen. Es kommt zu ''Ausschreitungen, zu Verhaftungen, zu Verurteilungen. Diese aber sind am wenigsten dazu angetan, die Atmosphäre zu entgiften. Druck und'Gegendruck komplizieren die Angelegenheit mehr und mehr. In Tel Awiw fand eine große Konferenz der „Vereinigung nationaler Pflanzer" zur Regelung der jüdischen Arbeit-statt. Die Histadruth führte das Wort, die Ländwirte dieses Verbandes, so weit sie nach Tel Awiw kamen, zeigten sich gefügig. Liest man aber die Berichte über die Verhandlungen und Beschlüsse, dann gewinnt man leider keineswegs den Eindruck, daß auf dieser Linie die brennende Frage je einer endgültigen Lösung zugeführt wird. Weil die Problemstellung gfühdfälsch und die eingeschlagenen Wege zur Lösung Irrwege sind,1 die ins Chaos führen. Ginge es ersten und letzten Endes nur darum, jüdischen Händen Arbeit zu geben, jüdischen Feldern, Weinbergen, Plalvtagen und Baustätten jüdische Hände zuzuführen, wer könnte was dagegen einwenden? Hier aber gilt es, unter dem Deckmantel der „Awodah Iwrith" Prämien auf da s Parte i b u c h au szusetzen, den Boykott gegen Juden dieser und jener politischen oder religiösen Gruppe zu proklamieren, die ganze „Awodah Iwrith" zu einem Monopol für un jüdische und antijüdische Juden herauszubilden. Ist aber dem so, dänn lasse man es schon lieber bei der bissollen zur Ausstellung gelangen. Die Ausstellung soll gleichzeitig als Anregung zu' Chahukkah-Geschenken dienen. Anmeldungen unter Angabe der Arbeiten sind zu richten an das Büro des Kulturbundes, Abt. Kunsthandwerk, Berlin S. W. 68, Charlottenstr. 90. Sprechstunden: Montag und Mittwoch von 4—6 Uhr. Ablieferung der Arbeiten bis 12. November. (Das Alter des jüdischem Kalenders.) In der „Jüdischen Rundschau" veröffentlicht Prof. A. Fraenkel in Jerusalem im Anschluß an einen dort früher erschienenen5 Artikel von Rabbiher Dr. S. Levi eine Bemerkung,: die besagt, „daß der feste Kalender nicht, wie man im Anschluß an eine Tradition von Rabbi Hai Gaon lange geglaubt hat, im Jahre; 4105 unter Hillel IL, sondern erst mehr als vier Jahrhunderte später eingeführt1 worden ist. Sogar noch viel später, zur Zeit Rabbi Saadja Gaons, gab es prinzipielle Differenzen." Ein' mit den einschlägigen Gebieten vertrauter jüdischer Gelehrter schreibt uns hierzu folgendes: „Die Angabe, daß durch Hillel II. im Jahre 670 sei. 358/59' unser Kalender festgesetzt wurde; findet sich in* den bei R. Abraham b. Chija (Sefer Ha-Ibbur VII, ed; Lond. S; 97) zitierten Responsen des R. Hai Gaon, S. a. Lewin Ozär ha Geonim, Rosch b. S. 16 ff. Die Angabe findet sich aucn bei Ramban, Sei; ha Sachut, zu Rh* Git IV. — Mit einer kleinen Modifikation bringt auch Mahler diese Angabte in seiner Chronologie;'^ ohne sie zu bezweifeln. Außer von Fraenkel sah ich; eine Ablehnung der Ueberlieferung, aber ohne Begründung, bei Cassuto in der" E. J. sübi Kalender; — Die von Fraenkel gegebene Begründung ist unzufeiefiendf Die1 Ueberlieferuilg besagt ja, nur, daß Hillel II. die Regeln für die Kalenderberechnung festgelegt hat.*) Das schließt herigen gemischten jüdischen und arabischen Arbeit. Und noch etwas: Ziehen die fanatischen Verfechter der „jüdischen Arbeit" die Konsequenzen aus dieser Einsicht, da wo sie selbst einmal in der Lage sind, Brot und Verdienst zu vergeben? Lebten die nach vielen Zehntausenden zählenden jüdischen Arbeiter in ihren Arbeiterküchen wie in ihren Privathäusern alle nach jüdischer Vorschrift rituell, wie viele Hunderte von jüdischen Metzgern, Fleischhändlern, Lebensmittelgeschäften, Schächtern usw., wieviele jüdische Arbeiter und Angestellte fänden dann Brot! So aber kommen Unsummen aus den Restaurationen und Riesenküchen in Haifa, TelAwiw und auch Jerusalem einzig und allein arabischen Metzgern, arabischen Lebensmittelhändlern, arabischen Arbeitern und Angestellten zugute. Wo bleibt hier die „Awodah Iwrith?" Solche Inkonsequenz in der „Histadruth" steht nicht vereinzelt da, die Interessenpolitik unter dem Namen „Gemeinnutz" macht sich auf allen Gebieten bemerkbar. So auch in Sachen der von ihr kategorisch verlangten Zentralisation des Schulwesens, auf die in diesem Zusammenhang nicht weiter eingegangen werden soll. Histädrtith proklamiert die Heiligkeit des Streikes, tut jeden Streikbrecher als Verräter in Acht und Bann. Als aber die Lehrer aller nationalen Schulen wegen. Beschneidung und unpünktlicher Auszahlung ihrer Gehälter streikten, waren es einzig die Lehrer des H i s t a d r u t h s c h ü. I n e t z e s , die auf Diktat der Leitung sich" mit ihren Berufskollegen nicht solidarisch erklären durften, Weil Histadruth gegen Tel Awiw die Zentralisation des gesamten Schulwesens, d, h. die Finanzierung ihrer Schulen durch die Schulzentrale in Tel Awiw erzwingen will. Es ist billig;, über' die Arbeitgeber den Stab zu brechen. Aber man muß gerechterweise auch die Gegenseite anhören. „Man predigt uns", so sagen sie, „jüdische Arbeiter anzustellen, wo sind aber dieselben? Wir wären schon bereit, höhere Löhne zu zahlen, wenn wir nur qualifizierte jü* \ dische Arbeiter in genügendem Maße bekämen." Die Vermittlungsstellen konnten manchen Landwirten, die 30 Arbeiter anforderten, mit drei Arbeitern, von denen zwei ungelernte waren, dienen, so daß Bestand und Zukunft der Pardessiiri gefährdet wurden. Auf einigen Plätzen mußte die Histadruth selbst die Einstellung arabischer Hilfskräfte vorübergehend erlauben aber durchaus nicht die Möglichkeit aus, daß über ihre Anwendung in Einzelfällen Differenzen bestehen konnten, nicht einmal, daß über-die Kalenderregeln selbst später verschiedene Auffassung herrschen konnte. Die Tatsache des Kalenderstreites zwischen . Saadja Gaon und Ben Meir ist daher kein Argument gegen die Ueberlieferung R. H a i' s. Es wäre auch sehr auffällig, daß R, Hai eine Ansicht ausgesprochen hätte, die durch den ein Jahrhundert zurückliegenden, ihm sicher bekannten, Streit widerlegt wäre." *) Es handelte sich dabei nicht eigentlich um eine Neuerung, sondern um die öffentliche Fixierung der im Patriarchenhaüs überlieferten Regeln. Wöchenkalender. Vom 3. - 10. Nov. 1934" / Vom 25. Marcheschw. bis 3. Kislew 5695 'Öl' 5)1 wihn i?3*on ..niw «n .pwvpp 30 Mauled: Mittwoch frü Samstag 3 25 2 Uhr 511T/is Min. Sonntag 4 26 JD Montag 5 27 TO »ap A'iwi Dienstag Nov: 6 pmh» 28 no Mittwoch 7 29 •o ]tjp T1S3 BV Donnerstag' 8 1 TO vnii v»i Freitag 9 2 '• 5P Samstag 10 3 . .. 00' nnbw