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Der Israelit · 1934-11-01 · Heft 44 (1.11.1934) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 44 (1.11.1934)
Date
1934-11-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 44 Der Israelit 1. November 1934 Fälschung nachgewiesen. N i 1 u s wie seinen Agenten Raschkowsky kannten alle als hemmungslose Fanatiker und Provokateure. Mit den gefälschten „Protokollen" wollte das schwarze Regiment die Juden und die Demokratie treffen. Welche Ironie, diese Machwerke jetzt als Waffe des „jüdischen Bolschewismus zur Erringung der Weltmacht" hinzustellen! Als nächster Zeuge wird der bekannte jüdische Politiker aus Rumänien M a y e r-E b n e r vernommen. Er war Teilnehmer des ersten Kongresses in Basel im Jahre 1897, auf dem die „Protokolle" entstanden sein sollen. Es sei aber auf diesem Kongreß, dafür möchte er einen heiligen Eid leisten, über nichts anderes gesprochen worden, als über die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina. Andere Protokolle über die Verhandlungen als die dem Gerichte vorliegenden gäbe es nicht. Gerade Ach ad Haam, dem die Autorschaft der Protokolle angehängt wird, sei grundsätzlicher Gegner aller Macht- und Herrschaftsgelüste in der Welt gewesen. Die gefälschten „Protokolle" seien Ausfluß reinsten Wahnsinnes. Der Angeklagte Fischer ruft dazwischen: „Können nicht auch die hier vorliegenden Protokolle des Kongresses gefälscht sein?" (Große Heiterkeit.) Unter größter Spannung kommt der frühere russische Außenminister M i 1 j u k o w , ein ehrwürdiger Greis, zu Wort. Er gehörte seinerzeit als Führer der Kadettenpartei zu den populärsten Männern Rußlands. Er erklärt gleich zu Anfang, daß er aus altem russischen Adel stamme und mit Juden nicht verwandt sei. Der Anteil der Juden an der bolschewistischen Revolution übersteige ihr Zahlenverhältnis nicht. Es sei für ihn kein Zweifel, daß die „Protokolle" ein Plagiat der französischen S a - tyre von Joly aus dem Jahre 1864 sind. Nilus, der sie umgefälscht hat, sei von keinem ernst genommen worden. Als Wissenschaftler und Politiker könne er bezeugen, daß kein Gebildeter je an die Echtheit der „Protokolle" geglaubt hat. Nunmehr steht der Stockholmer Oberrabbiner Dr. Markus Ehrenpreis vor der Rampe. Kapstadt, 29. Oktober. Gegen den Hauptschuldigen in dem vor kurzem in Grahamstown durchgeführten Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion'\ den Führer der antisemitischen Grauhemdenbewegung Harry Victor Inch, der zu einer hohen Entschä- Auch er war Teilnehmer des ersten Zionistenkongresses und kann bezeugen, daß die Verhandlungen von Anfang bis zum Ende in voller Oeffentiichkeit stattfanden. Daß es neben den öffentlichen auch noch Geheimsitzungen gegeben hätte, bezeichnet er als Unsinn und grobe Verdächtigung. Ehrenpreis findet zuletzt ein paar warme Worte zur Verteidigung der jüdischen Religion und der jüdischen Ehre. „Unsere Protokolle sind die heiligen Schriften, mit denen wir der Menschheit die Grundlagen des Rechtes und der Ethik gegeben haben". Auch Talmud und Schulchan Aruch seien genügend übersetzt, daß sich jeder ein Bild über den Inhalt dieser Schriften machen kann. Gleiches Zeugnis über den ersten Zionistenkongreß legt als Teilnehmer auch Nationalrat Dr. Farbstein in Zürich ab. Der bekannte Schweizer Großindustrielle T o b 1 e r , früher Präsident der Freimaurerlogen, bezeugt, daß es keinerlei Verbindungen zwischen Judentum und Freimaurerei gibt. Die Zahl der Juden unter den Schweizer Freimaurern sei verschwindend gering. Die B. B.-Logen und andere verwandte jüdische Logen haben mit dem freimaurerischen Gedanken nicht das Geringste' zu tun, noch weniger habe die Alliance Israelite Universelle etwas mit der Freimaurerei gemein. In Deutschland habe es sogar Freimaurerlogen gegeben, die sich gegen Juden abschlössen. Inzwischen ist dem Gericht das Gutachten des bekannten Schriftstellers C A. Loosli zugegangen, das 200 Seiten umfaßt und die Frage« beantwortet, ob die Protokolle echt seien und ob sie unter den Begriff der Schundliteratur fallen. Der Gutachter kommt zu der Feststel- .lung, daß keine einzige Behauptung derer, die die „Protokolle" als echt bezeichnen, einer ernsten Prüfung standhält. Die Verhandlungen gehen am Mittwoch unter wachsender Spannung des Publikums weiter, obwohl das Urteil der Oeffentiichkeit eigentlich schon nach den ersten Verhandlungen feststeht. digung an den Privatkläger, den Rabbiner der Synagoge in Port Elizabeth, verurteilt worden war, ist im Zusammenhang mit derselben Angelegenheit nunmehr die öffentliche Anklage wegen Meineids, Fälschung, Abgabe und Beschwörung falscher Erklärungen an das Gericht und Diebstahls erhoben werden. Um den Sabbat in Erez JisroeL Jerusalem, 24, Oktober. In Sachen der S a b b a t hat t sind einige erfreuliche Erfolge zu verzeichnen, - Der Verband der jüdischen Autobusse „Agad" ist eine Verpflichtung eingegangen, von jetzt ab jede Sabbatentweihung zu vermeiden. Das letzte Auto, das von Tel Awiw nach Jerusalem fährt, muß spätestens zwei Stunden vor Sabbatbeginn die Stadt verlassen (die Fahrt dauert fünfviertel Stunden). Das Abkommen des „Agad", das zunächst mit dem Oberrabbinate geschlossen war, soll jetzt auch mit der Agudas Jisr o e 1 getroffen werden, Vorstoß des englischen Antisemitismus. Oswald M o s 1 e y , der Führer der englischen „Schwarzhemden", sprach am letzten Sonntag in der Albert Hall vor 10 000 Menschen, Parteigängern und Gästen. Nach Entwicklung seiner Gedankengänge über den seiner Ansicht nach zunehmenden Faschismus in England, kam er auf die Judenfrage zu sprechen. Dieser letzte Teil der Rede war eine Ka mpfansage gegen'die „jüdischen Finanzinteressen, die England in einen Krieg gegen Deutschland hineinzerren wollten." „Wir haben," erklärte der Redner, „im Jahre 1914 gegen Deutschland gekämpft, weil damals Englands Interessen auf dem Spiele standen. Wir* werden aber nie gegen Deutschland zur Waffe greifen, um jüdische Interessen zu schützen." Die Juden hätten durch ihre antideutsche Boykottbewegung England um wichtige Märkte gebracht, erklärte der Redner weiter, und hätten auch versucht, in England selbst die faschistische Bewegung zu boykottieren. Die Schwarzhemden, so erklärte Sir Oswald Mosley unter Beifallsstürmen, nähmen den Fehdehandschuh auf. Da eine eigentliche Diskussion über einige schriftliche Anfragen hinaus nicht zugelassen war, war es leider nicht möglich, eine Reihe unzutreffender Behauptungen und ungerechtfertigter Verallgemeinerungen an Ort und Stelle zu widerlegen, was aber nun in der politischen Presse in ausgiebiger Weise geschieht. Parallelklassen-Verordnung der Österreich. Regierung vor Gericht. Wien, 28. Oktober. Die Wiener „Jüdische Presse" hat bekanntlich zu der von der österreichsichen Unterrichtsverwaltung erlassenen Verordnung über die Aufteilung der Schulklassen in konfessioneller Hinsicht eine Stellung genommen, die in der zionistischen Presse einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen hat. Die Wiener Tageszeitung „Die Stunde" hat in einem Artikel „Gegen die konfessionelle Schule" die „Jüdische Presse" schwer beleidigt. Auf Intervention der „Jüdischen Presse" wurde diese Nummer der „Stunde" gerichtlich beschlagnahmt. Am Mittwoch, den 25. Oktober, fand nun vor dem Strafbezirksgericht Wien I die Verhandlung über die Klage der „Jüdischen Presse" gegen den verantwortlichen Redakteur der „Stunde" statt, die mit der Verurteilung desselben zu 150 Schilling Geldstrafe oder drei Tagen Arrest, ferner zur Publizierung des Urteils in der „Stunde" endete. Antiterroräbkqmmen. London, 26. Oktober. Wie die ITA, berichtet, ist es auf der Zwi-. schenparteili c h e n i on i s t i s c h e n. Konferenz in London zum Abschluß eines An titerrorabkommen s gekommen. Ben Gurion und . J a b o t i n s k i haben das Abkommen unterzeichnet. Die Palästinaregierung vere Sabbat Jerusalem, 25. Oktober. Als ein öffentlicher Fußballmatch auf dem Makkabiplatz unter Beteiligung einer englischen Militärsportgruppe angekündigt war, wandte sich die Agudazentrale am Freitagmittag mit einem dringlichen Appell an das Hochkommissariat, in dem an das Versprechen des High Commissioner erinnert wurde, wonach es dem Militär und der Administration nicht gestattet werden soll, sich offiziell an öffentlichen Spielen am Sabbat zu beteiligen. Sofort kam auf eiligem Wege die Antwort, daß das Spiel abgesagt sei. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: . 1934 naiüpN 17 •d^wyt» .^xir maK td->ö yds*? dtxj naanaa nVap dk imb 'mos: ••»:nx Tsmtp bii pmyn psn pn '1934 laiüpix 12 telt einen Fußballmatch am pai n>N32 nanap pa 'laiöpiN 12 mw'nvh m law _pjn nxnoa »D..-M»mrrt>V nsiap •■psp x1? pmpanff ^td rcrnn •win töh »"» 'pXTtt *Ö m naaa Zu deutsch: An die verehrte Zentrale der Agudas Jisroel, Jerusalem. Meine Herren! Ich bin beauftragt, den Empfang Ihres Schreibens vom 12. Oktober 1934 in Sachen des auf Sabbat angesetzten Fußballkampfes zwischen einer Militärabteilung und dem Makkabi zu bestätigen. Ich habe Ihnen mitzuteilen, daß noch rechtzeitig das Nötige unternommen wurde, um das Spiel nicht stattfinden zu lassen. . ' . In großer Hochachtung M. N u r o k , Generalsekretär. Neue Anklage gegen den Hauptschuldigen im Grahamstowner Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion".

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