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Der Israelit · 1934-10-25 · Heft 43 (25.10.1934) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 43 (25.10.1934)
Date
1934-10-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 43 Der I s t S te' I I f 25. Oktober 1934 rung in Bezug auf die Zertifikatverteilung mit der Agudas Jisroel getroffen hat. Das ist eine kleinliche und durch nichts zu rechtfertigende Parteilichkeit, deren sich eine Körperschaft, wie die Jewish Agency wirklich nicht schuldig machen dürfte. Es kommt dadurch zu geradezu unwahren Behauptungen, so z. B. auf Seite 22 zu derjenigen, daß ein Zertifikat jemand, der über 36 Jahre ist, nur dann bekommen könne, wenn er „ein in sich gefestigter Zionist" ist. Die englische Regierung würde gegen eine solche Behauptung sehr energisch protestieren. Glücklicherweise entspricht das praktische Verhalten des Berliner Palästina-Amtes nicht der hier zur Schau getragenen Parteilichkeit, die darum um so überflüssiger ist. Die Keren Hathora-Zentrale in Wien, Leopoldsgasse 2 6, läßt die vor zwei Jahren im „Israelit" erschienenen Aufsätze von Oberrabbiner Dr. Josef Carlebach über die „Keren H a - thora-Fahrt zu jüdischen Kulturstätten des Ostens" in einem hübsch und vornehm ausgestatteten illustrierten Sonderhefte erscheinen, dem Dr. Leo Deutschländer ein kurzes eindrucksvolles Vorwort über die wachsende Bedeutung des Keren Hathora .in unserer Zeit voranschickt. Obgleich das Heft im wesentlichen Propagandazwecken dient und daher zum Selbstkostenpreis von Schilling 3.— abgegeben wird, dürfte es doch auch manchem Leser eine geistig anregende und erfreuliche Lektüre sein. Interessant ist die dem Hefte beigegebene Karte der Beth Jacob-Schulen in Polen und Litauen. Die Seminare, Schulen, in Gründung begriffenen Anstalten und Sommerheime des internationalen Beth Jacob- Werkes sind hier als rote Pünktchen in eine- Landkarte eingetragen, die von der Bedeutung des Werkes beredtes Zeugnis ablegt. Die Preßburger Jeschiwa bezw. eine von ihr beauftragte Redaktionskommission bringt die zweite Nummer ihres Jeschiwa-Organs yvnn zum Versand. Es ist wieder ein reichhaltiges Heft, das in der ersten Abteilung unveröffentlichte Arbeiten des Chatham Sofer, Ksaw Sofer und Schewet Sofer (vom Ksaw Sofer den denkwürdigen Hesped, den er auf seinen Vater hielt) sowie einen Brief Rabbiner Sonnenfelds bringt, im halachischen Teil ein Gutachten von Oberrabbiner Spitzer-Kirchdrauf über die Konsequenzen landesgesetzlich vorgeschriebener Beimischungen zu Speiseölen, ferner Beiträge wissenschaftlichen Inhaltes von Freunden und Besuchern der Jeschiwa. Zur Erinnerung an Rabbi Meir Schapira s. A. bringt das Heft ein vor Jahren aus seiner Feder in einem französischen Blatte veröffentlichtes geistvolles Feuilleton: „Preßburg und Prag." Im Verlage von Jacob Lange, Danzig, Fuchswall 1, veröffentlicht Sami Glücksmann, Leiter des Seminars für jüdische Geschichte, Bibel und Talmud in Danzig, eine zeitgemäße Broschüre unter dem Titel: ,, Die Fälschungen der antisemitischen Literatur" (Preis 50 Danziger Pfennig). Hauptvorzug der Broschüre ist ihre knappe, sachliche Form und ihre Reichhaltigkeit. Auf 30 Seiten wird das ganze Material der antisemitischen Fälschungen, wie Ritualmordmärchen, Rassenschädigung, Meineid, Wucher, Betrug, Arbeitsscheu, Weisen von Zion usw. behandelt und treffend widerlegt. Personalien. Rabbi Pinchas Breuer ^""Uf. Wien, 21. Oktober. Die Schiffsohulgemeinschaft, wie die Wiener Judenheit überhaupt haben einen schweren Verlust erlitten. Rabbi Pinchas Breuer, seit 12 Jahren unter den Wiener Jereim tätig, ist nach langem, schwerem Leiden am Montag, den 6. Cheschwan, verblichen. "Als Sohn des in Ungarn hochverehrten Rabbiners von Ragendorf, Wolf Breuer ' V'XT, im Jahre 1863 geboren, ergab er sich in jungen Jahren dem Studium des Talmuds mit solchem Fleiß und Erfolg, daß er schon als junger Mann als großer rrn bekannt war. 30 Jahre wirkte er in B o n y h a d im Rabbinat emsig mit und kam vor zwölf Jahren naeh Wien. Seine hohe Gelehrsamkeit, seine tiefe Religiosität, seine außergewöhnliche Bescheidenheit und Herzensgüte, die ihn jedermann mit Rat und Tat zur Verfügung stehen ließen, machten ihn zum Liebling aller, die ihm nahekamen. Die Schiffschul wird diesen herben Verlust schwer empfinden. Zur Bestattung am Dienstag versammelte sich eine große Schar von Freunden und Anhängern in und vor dem Trauerhause, wo Herr Rabbinats-Assessor Salomon Baumgarten einen tief ergriff enen Nachruf hielt. In tiefer Erschütterung sprach auch der Sohn des Verblichenen, Mosche Breuer, Worte des Gedenkens. •Vom Trauerhause begab sich eine' große Schar von Anhängern und Freunden des Verblichenen in die Schiffschul, wo Herr Oberrabbiner Fürst einen tiefergreifenden Hesped hielt und das ideale Lebensbild des allseits beliebten und geachteten Mannes zeichnete. Auf dem Friedhof sprachen die Herren Rabbiner H, Schenk vom Tempelverein Talmud- Thora, M. F1 e s c h für die Stumperschul und H. Schmerler. rrasin- Bad Homburg v, d. H., 20. Okt. Der seit 1926 hier im Ruhestande lebende Lehrer Simon S p i e r vollendet am 31. d. M. m. G. H. das siebente Jahrzehnt seines Lebens. Die Haupttätigkeit seines inhalt- und segensreichen Wirkens galt der Gemeinde Wesel, der er mehr als vier Jahrzehnte als Lehrer und religiöser Führer vorstand. Von seiner hessischen Heimat her im traditionellen Sinne erzogen, hat er in großer Hingabe und treuer Anhänglichkeit von seinen religiösen Grundsätzen keinen preisgegeben und sich gerade durch seine Charakterfestigkeit und Prinzipientreue die Sympathien seiner Gemeinde erworben. Auch hier in Homburg nimmt er am jüdischen Leben regen Anteil und vermehrt sein Wissen durch regelmäßige Schiurim, v~vw Oslo, 20. Okt. Auf Julius Kaufmann in Ladenburg geht uns noch von Rabbiner Samuel in Oslo folgender Nachruf zu: Ueber die Grenzen Deutschlands hinaus trifft uns die Kunde vom Heimgang eines Freundes. Ein Patriarch, der im Leben stets nach der innigsten Verbindung mit G'tt gestrebt hat, ist in diese Verbindung eingegangen. Für den Schreiber dieser Zeilen bedeutet eine zehnjährige Bekanntschaft mit Julius Kaufmann ^"ST und den Seinen ^"nanV einen hohen seelischen Wertzuwachs. Von der Geisteswelt Samson Raphael Hirschs V'SI mit gewaltiger Wucht gepackt, begann Julius Kaufmann sehr früh, ein Leben zu formen, in dem er die Welt des „Chaurew" restlos und minutiös zu verwirklichen suchte. Wer könnte je einen „Freitagabend" in dem wirtlichen Hause des Heimgegangenen vergessen, oder die Thillimstunde am Sabbat-Vormittag, wer konnte dabei sein, ohne den Patriarchen im Kreise der Kinder und Enkel zu bewundern und zu verehren. Als der Schreiber dieser Zeilen vor kurzer Zeit das berühmte Gedicht Bialiks übertrug, das von dem einsamen Juden im Städtchen erzählt, der aufsteht zum rnxn |ipn, da war es kein Städtchen des Ostens, in das mich meine Gedanken entführten, sondern Lade n b u r g, wo ich einen, vielleicht den einzigen deutschen Juden kannte, der diese innige Sitte noch im späten Alter mit Hingebung übte. — Der äußere Ablauf dieses Lebens war sehr glücklich und von G'tt in jeder Hinsicht gesegnet. Doch es war auch damit ausgefüllt, Segen des Judentums in die Familie zu tragen und in die Gemeinde, die er nach seinem Beispiel formte und sorgfältigst mit allen jüdischen Institutionen zu einer Mustergemeinde gestaltete. n*3!»n. Paris, 15. Okt. Am Donnerstag voriger Woche ist unerwartet der geistige Führer der ostjüdischen Gemeinschaft in der französischen Hauptstadt, Rabbiner J. L. Herzog, im 69. Lebensjahre verschieden. Rabbiner Herzog ^>*3T» hat 22 Jahre in Paris rabbinische Funktionen ausgeübt. Schon in der Heimat kraft seines gewaltigen Gedächtnisses und seines Scharfsinns als 'l^y geltend, betätigte er sich schon frühzeitig auch als und erhielt mnn von den hervorragendsten rabbinischen Größen seiner Zeit. Eine Anzahl Jahre war er als Dajan in Lomza tätig. Vor 36 Jahren wurde er zum Rabbiner in Leeds (England) gewählt. Dort erwarb er sich während einer 14jährigen Tätigkeit die Liebe und Achtung von Juden und Nichtjuden. Von früher Jugend an mit der Chowewe-Zion-Bewegung in Polen verknüpft, hater auch im Westen aus seiner zionistischen Gesinnung nie ein Hehl gemacht, wenn er auch politisch nicht aktiv hervortrat. In Paris veröffentlichte er unter dem Namen in fünf Teilen Predigten und halachische Abhandlungen und er hat außerdem eine Anzahl halachischer und agadischer Werke im Manuskript hinterlassen. Der Sohn des Heimgegangenen ist der bekannte Oberrabbiner von Irland, Dr. J. Herzog in Dublin. An der Bahre widmete Rabbiner Amiel aus Antwerpen dem Heimgegangenen warme Worte des Gedenkens und der' Würdigung, rrasan- Vermischtes. Berliin, 20. Okt. Am 16. Oktober fand die feierliche Eröffnung des Wintersemesters statt. Sie stand völlig?unter dem Bann des Mannes, dessen Lebensaufgabe dem Rabbinersemihar galt, des unvergeßlichen Herrn Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer V"ST- Nachdem der derzeitige Vorsitzende des Dozentenkollegiums, Dr. Auerbach, die Erschienenen, unter denen sich Rieben" der Familie des Verewigten sowie den Dozenten und Hörern auch die Mitglieder des Kuratoriums und viele ehemalige Hörer des Seminars befänden, begrüßt hatte, ergriff Dozent Dr. G r ü n b e r g; das Wort, um in ergreifenden Worten das Bild Meier Hildesheimers noch einmal erstehen zu lassen und um der künftigen Führergeneration die vorbildlichen Tugenden dieses großen Führers in Israel vor Augen zu führen. Dr. Meier Hildesheimer — er glich einem Baum des Lebens,- der jedem, der mit ihm in Berührung kam^ neues Leben einflößte, und dessen urjüdischer Optimismus tief in seinem Wesen verwurzelt war, Er war das Symbol jenes Optimismus, der schöpferisch ist, weil er allein zur Tat, zur lebenerhaltenden Handlung treibt. — Anschließend nahm der Vorsitzende der Hörerschaft, Dr. K a p u s t i n , das Wort. Aus dem großen Chor der Klage um den Dahingeschiedenen lösen sich einzelne Stimmen derer, die der Verlust besonders schwer trifft. Dr. Meier Hildesheimer hat die Hörer des Seminars stets mit besonderer väterlicher Fürsorge betreut. Er wurde von der Hörerschaft als ein Vater angesehen für alle, weil er neben der Sache nie die Menschen vergaß oder übersah. So konnte man sich nie denken, daß auch Meier Hildesheimer einmal von dannen gehen könnte. Jetzt, da das Unfaßbare eingetreten ist, bleibt nur die Erinnerung und diese gewinnt ihren Inhalt, indem man in den Wegen dieses Großen in Israel geht, in den Wegen Dr. Meier Hildesheimers. — Mit Worten des Gedenkens schloß Rabbinar Dr. Freimann die ergreifende Feier. Darmstadt, 21. Okt. Das Programm der Agudas Jisroel in Darmstadt sieht für diesen Winter folgende Vorträge vor: Jeden letzten Dienstag im Monat (mit Ausnahme des Dezembers), also 30. Oktober 1934, 27. November 1934, 29. Januar 1935, 26. Februar 1935; Vortragszyklus: Grundlagen des jüdischreligiösen Denkens, Herr Rabbiner Dr. J. Merzbach, Darmstadt. 1. Tauroh — die Offenbarung. 2. Erez Jisroel — die Stätte der Erfüllung. 3. Moschiach — das Endziel. 4. Aulom habo — die Ewigkeit. -— Dieses Jahr sind 800 Jahre seit dem Geburtstage des Maimonides (Rambam) vergangen. Es soll als Rambamjahr im Gedenken jenes großen Meisters stehen. Herr Redakteur Schachnowitz, Frankfurt a. M., spricht Dienstag, den 13. November, abds. 8.15 Uhr in der „Bauhütte" über Leben und Persönlichkeit des Maimonides! — Herr Lehrer Wahrhaftig, Darmstadt. Dienstag, den 11. Dezember, abds. 8.30 Uhr: Messianische Ideen und Bewegungen. — Herr Lehrer B i c k, Darmstadt, Dienstag, den 7. Januar 1935, abds. 8.30 Uhr: Unsere Kinder und die Erfordernisse der Stunde. — Herr Dr. K a h a n , Fulda, Samstag, den 22. Dezember, abds. 8.30 Uhr: Einleitendes zur jüdischen Geschichte. Weitere Vorträge mit auswärtigen Rednern werden, ebenso wie die Veranstaltungen der zweiten Winterhälfte, gesondert bekanntgegeben. Sämtliche Vorträge, außer Vortrag Schachnowitz, finden abends 8.30 Uhr, im Vortragssaal der Israelitischen Religionsgesellschaft, Darmstadt, Grafenstr. 13. (Eingang linke Synagogentüre), statt. Arbeitskurse für Herren: Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, 14tägig, Samstag abends 8.30 Uhr, Beginn am 20. Oktober: „Probleme des alt-üdischen Rechts" (Eine Einführung in die Gedankenarbeit des Talmuds). — Für Damen: Herr Lehrer Wahrhaftig, Darmstadt, 14tägig, Samstag abends 8.30 Uhr, Beginn am 20. Oktober: „Pirke Owaus". Sprüche der Väter. — Für Jugendliche: Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, 14tägig, Mittwoch abends 8.45 Uhr: „Tenach". — Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, 14tägig, Samstag abends 8.30 Uhr: „Ar-, beitsgemeinschaft". — Herr B i c k , 14tägig, Donnerstag abends 8.45 Uhr: „Jehudi ha-Levi, Kusari Lektüre". — Alle Arbeitskurse finden in den Räumen der jüdischen Schule statt. Auf die dauernden Schiurim der Israelitischen Religionsgesellschaft (allabendlich) Dienstag und Donnerstag: Mischnoh. Montag und Mittwoch: Gemoro. Sonntag:' Schulchan Oruch. Freitag-Abend Chumisch wird aufmerksam gemacht. Hebräische Sprachkurse: Anmeldung bei Frl. Lea Feinstein, Grafenstr. 13. Lehrer: Wollmann stud. rer. pol., Frankfurt a. M. Sudoh Schlischis (Oneg Schabath) jeden Schabbos 1 Stunde vor Nacht. Ebersheim-Harxheim, 20. Okt. Mit Rücksicht auf seine Gesundheit verließ Herr Ferdinand Mayer am 15. Oktober ds. Js. seinen Heimatsort Harxheim, um nach Frankfurt a. M. zu übersiedeln. Durch diesen Wegzug verliert unsere Gemeinde Ebersheim-Harxheim einen Mann, dessen Bereitschaft es zu verdanken ist, daß in den trübsten Zeiten des Krieges und der Nachkriegszeit uns ein regelmäßiger G'ttesdienst erhalten blieb. 38 Jahre war er ehrenamtlicher Vorbeter, und viele Jahre war er Vorstand in der Gemeinde und der Chewra. Nicht nur unsere engere Gemeinde, sondern das rheinhessische Landjudentum verliert durch den Wegzug des Herrn Mayer einjs! sehr markante Persönlichkeit. — In einer ^würdigen Abschiedsfeier dankte der erste Vorsteher, Herr La-, zarus Goldschmidt, Herrn Mayer für sein segensreiches Wirken in der Gemeinde und übermittelte ihm im Namen der Gemeinde ein Abschiedsgeschenk. Der Landesverband Hessen überreichte in einem Brief und einem Diplom seinen Dank. ,;; Preßburg, 18. Okt. Von der Vereinigung, ehema'-' liger Hörer der. öffentlichen Rabbinatsschule zu Bratislava werden alle, die in ihrem Besitze Manuskripte des "isio nriri haben, gebeten, diese an die Vereinigung, Bratislava, Edlgasse 6, gelangen zu' la'ssen. '<

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