Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1934)
- Date
- 1934-10-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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\ 25. Oktober 1934 Der Israelit Nr. 43 Seite 11 Personalien. Distriktsrabbiner Dr. Seckel Bamberger V'XT« Kissingen, 24. Oktober. Kurz vor Redaktionsschluß geht uns die Trauerkunde vom Ableben des Kissinger Raw, Dr. S. B a mberger, zu. Der erst vor einigen Jahren von ihm angetretene Ruhestand wurde ihm leider zu einem Zeiträume schwerer Leiden, von denen ihn nun »"JPn befreit hat. Rabbiner Dr. Bamberger war einer der hervorragendsten D'aDn 'TöVn im deutschen Rabbinerstande. Mit ihm geht ein Edelsproß aus der bekannten deutschen Rabbiner familie der Bamberger (er war ein Enkel des alten Würzburger Raw) dahin. Eine eingehende Würdigung behalten wir uns für die nächste Nummer vor. Vermischtes- Berlin, 22. Okt. Unvermindert lebt in unserm Innern der große Dank an u n s e r n Meier Hildesheimer b"txr unverkürzt ist unsere große Liebe zu ihm, der unserer Siegmundshofsynagoge die letzten Jahre den Stempel seiner großen Persönlichkeit, seiner unendlichen Güte aufgeprägt hat; treu und fest ist unsere Verbundenheit mit unserem teuren Herrn Rabbiner Dr. Klein, der, „lernend" und lehrend, in Vortrag und Predigt unermüdlich uns und unsere Jugend vor allem, mit echtestem „Kehillogeist", mit dem Ruach Hatauro, erfüllt. Wenn wir. dennoch hier vor weitester Oeffentlichkeit unserer Freude und unserem Jubel Ausdruck geben, daß endlich, nach jahrelangem Zögern, nachdem ihm schon fast die ganze Kehillo vorangegangen war, unser Raw, Herr Rabbiner Dr. Esra Münk, dieser Tage seinen Wohnsitz hier hinaus", in den nunmehrigen Mittelpunkt der Kehillo verlegt hat, dann schmälert dies nicht unsere Liebe zu Dr. Hildesheimer V"2ti und unsere Treue zu Herrn Rabbiner Dr. Klein. Es war aber für uns, die wir die Entwicklung der Dinge seit Jahren verfolgen, immer ein beklemmendes Bewußtsein, daß die Stimme unseres Raw, auf dessen Wort die ganze Welt lauscht, dessen Rat die ganze Welt sucht, dessen Arbeit der ganzen Welt gehört, uns so selten, nie fast, erklang, daß die natürliche Verbundenheit, mit ihm, der 35 Jahre unsere Kehillo führt, so schwer ihren Ausdruck finden konnte, daß unsere Synagoge, die doch schon seit langem als die eigentliche Gemeindesynagoge gelten muß, ohne den Raw doch ihres natürlichsten Mittelpunktes entraten mußte. Wenn Rabbiner Dr. Münk nun in diesen Tagen den Wunsch, den er selbst schon seit 10 Jahren hegte und nur aus übernatürlichem Pflichtgefühl bisher nicht verwirklichte, den Wunsch, am Zentralpunkt der eigentlichen Kehillo wirken «zu können, erfüllt sieht, dann klingt ihm aus unseren Herzen ein hundertstimmiges 13HÖ1 uai yby "bv entegen. Und wir legen in dieses unai um yhv "ito Gebet und' Flehen zu G'tt, daß Er unserm Raw '"3/ die Kraft gebe, noch ungezählte Jahre unsere Adas Jisroel führen zu können in Kraft und Frische, in der Hingebung und Selbstvergessenheit, in der Liebe und Treue, die das Geheimnis seiner Wirkung sind. wyab D'jsn ezi'od: in gleicher Liebe und Treue schlagen ihm unsere Herzen entgegen und in Dankbarkeit und Ehrfurcht huldigen wir ihm, in Verehrung grüßen wir ihn und rufen ihm zu: i^rnp*- m ns/mm nr "jrm "\b Die Frankfurter Woche. Das neue Seier in der Synagoge der Israelitischen ReligioiQSgesellschaft. Nach der herrlich verlaufenen Abendveranstaltung zu Ehren des neuen Sefer am Sonntag wurde das Sefer am tjjreitag abend mit einem feierlichen Akt auch in der Synagoge eingeweiht. Im festlich beleuchteten G'tteshause standen die Beter Kopf an Kopf, so daß das Bild an hohe Feste in der Glanzzeit der Gemeinde erinnerte. Daß diese Glanzzeit nicht der Vergangenheit gehört, zeigte übrigens nicht allein das volle Haus, sondern auch die ganze Stimmung, das Frohgefühl der Gemeindemitglieder, zu denen sich auch viele Gäste aus den anderen Synagogen und Bethäusern einfanden, in schwerer Zeit der Thora ein Fest feiern zu dürfen. Die Feier spielte sich nach einem in allen Teilen festgelegten Programme ab. Nach dem üblichen Freitagabendg'ttesdienst,' vorgetragen von Herrn Oberkantor Peissachowitsch mit Unterstützung des S y n a g o g e n c h o r e s , der unter Leitung von Max N e u m a n n sein Bestes gab, bestiegen die Herren vom Vorstand und Gemeinderat die Stufen zum heiligen Schrein, um das Ausheben' der sechs Seforim zu flankieren und damit ein echtes Simchas Thora-Bild dem Auge zu bieten. Die große Kinder- Schar harrte strahlenden Gesichtes unten vor den Stufen, um voller Jubel die Thorarollen auf ihrem Rundgange zu küssen. Unter Gesängen setzte sich der Zug in Bewegung, die neue Thora, getragen vom Raw, wurde vom Hörsaale eingeholt und mit einem xan "pia des Synagogenchores begrüßt. Nach einer Ha-; kafah wurde die Thora unter feierlichen Gesängen wieder eingehoben, worauf die Predigt erfolgte. In einer formschönen und wirkungsvollen Rede schilderte unser Gemeinderabbiner J. Horovitz die Eigenart des Festes und das Gebot des Thoraschreibens in all seinen Ausstrahlungen und seiner Bedeutung für die Totalitätserfassung des jüdischen Pflichtenlebens. Ein festliches „Jigdal" beschloß die Feier, die in ihrer Seltenheit den Teilnehmern unvergessen bleiben wird. Am Sabbatmorgen wurde das neue Sefer ausgehoben und mit der Verlesung des Wochenabschnittes seinem eigentlichen Zwecke zugeführt. Allgemein wird die saubere, schöne Schrift und die herrliche Ausführung bewundert, die der Kunst unseres Sofers, Herrn Mendel Schreiber, wiederum ein ehrendes Zeugnis ausstellt. Hermine Hirsch geb. Feuchtwanger Kurz nach Vollendung des fünfundsiebzigsten Lebensjahres ist am Dienstag Abend Frau Hermine Hirsch abberufen worden. Eine Tochter der bekannten Münchener Familie Feuchtwanger hat die Heimgegangene in ihrer Jugend jene stark von schöngeistigen und künstlerischen Elementen durchsetzte Erziehung genossen, die für das München der siebziger und achtziger Jahre charakteristisch war, und die an und für sich das Werden echtjüdischer, in Emuno und hartem Pflichtbewußtsein wurzelnder Naturen keineswegs begünstigte. Hermine Hirsch ist aber aus diesem konfliktreichen Milieu als eine völlig unversehrte, wahrhafte ^'n fiem» als ungebrochene Fortträgerin der Traditionen ihres Elternhauses, als treue, hingebungsvolle Gattin des frommen wackeern, einfachen Mannes, dem sie die Hand fürs Leben reichte, hervorgegangen. Ihre vielseitige Bildung und ihr lebhafter, ideenreicher, weltzugewandter Geist haben sie nicht gehindert, die Schwere der kleinen und doch so großen täglichen Lebenspflichten einer jüdischen Gattin und Mutter mit heiterem, g'ttverbundenem Lebensmute und mustergültigem Ernste auf sich zu nehmen, neun Kindern das Leben zu geben und — mitten im harten Kampf um das tägliche Brot — an der Seite ihres Gatten diesen,Kindern das Glück einer wahrhaft jüdischen Erziehung' zuteil werden zu lassen. So war ihr Leben ausgefüllt vom Ernst und von der Befriedigung religiöser Pflichterfüllung, und der Schimmer des Friedens, den das Bewußtsein erfüllter Pflicht allein verleiht, ruhte auf ihrem Antlitz, wenn sie in den letzten Jahren geruhsamen Rückblicks von vergangenen Zeiten erzählte und in milder Weisheit Kindern und Enkeln Rat und Wegweisung spendete. Langsam erlöschend, ist dieses Leben des Äusruhens in die ewige Ruhe übergegangen: pinx dvV pnwm! An der Bahre rühmte Herr Gemeinderabbiner Jos. Horovitz die Heimgegangene in warmen Worten als Vorbild echter jüdischer Mütterlichkeit, während Herr Jacob Rosenheim der Trauer und dem Danke der Familie Ausdruck verlieh. n"3S3n Jüdische Frauenvereinigung uind Agudistische Frauengruppe. Der am vorletzten Montag aus technischen Gründen abgesagte erste Geschichtsvortrag des Herrn Redakteur S. Schachn o.w itz findet diesen Montag, den 29. Oktober, 8.45 Uhr abends im Hörsaale Friedberger Anlage statt. Der Winterplan umfaßt die Zeit von den gaonitischen Schulen in Babylon bis einschl. Maimonides. Der Eröffnungsvortrag befaßt sich vornehmlich mit der Entstehung der Karäersekte und dem „Uebertritt des C h a - sarenvolkes zum Judentum". Gäste willkommen. Kleidersammlung. Die Jüdische Frauenvereinigung Schwanenstr. 22, bittet dringend um warme, noch gut erhaltene Kleider und Unterwäsche; auch für Spielsachen für den Henriette Besthoff-Hort für jüdische Mädchen ist sie sehr dankbar. Auf Anruf 42 135 werden die Sachen abgeholt. Vortrag im Centraiverein. Die Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V. veranstaltet am Samstag,, den 27. Oktober, abends 8.30 Uhr im großen Saal des Vereinshauses eine Versammlung, zu der alle Gemeindemitglieder eingeladen sind. Es wird sprechen der Syndikus der Berliner Hauptgeschäftsstelle des Centraivereins, Dr. Hans Reichmann, Berlin über das Thema „Für unseren Arbeits- und Lebensraum! Für deutschjüdische Zukunft!" Gesellschaft für jüdische Volksbildung. Der bekannte Vortragskünstler Otto Bernstein wird am Montag, den 29. Oktober, im Gesellschaftshaus Eschersheimer Landstr. 27, um 20.30 Uhr u. a. aus Werken von Thomas Mann (Die Geschichten Josefs) und S c>h olem Alechem rezitieren. Karten sind beim Kastellan des Gesellschaftshauses, an der Abendkasse und bei den bekannten Vorverkaufsstellen zu haben. Ton u/nd Wort. Als Auftakt des großen Makkabiah-Treffens findet am 10. November ein großer künstlerischer Abend im Großen Saale des Saalbaues statt. Mitwirkende sind: die Kammersänger Hans Erl und Benno Ziegler, der Tenor Herbert Heß, Lilli Langenbach und die Koloratursopranistin Hanna Stein, ein Orchester jüdischer Berufsmusiker und Dr. Willy S a - 1 o m o n am Flügel. Mit der künstlerischen Leitung des Abends wurde Max N e u m a n n beauftragt. Die Conference liegt in den bewährten Händen von Willy P r a g e r , Berlin. Beethoven-Abend des Kulturbundes. Der Kulturbund eröffnete seine diesjährige Konzertsaison mit einem Abend, der ausschließlich Werken Beethovens gewidmet war. Hans Wilhelm Steinberg an der Spitze seines Orchesters leitete den Abend mit einer großangelegten Wiedergabe der ,,Coriolan"-Ouverture ein. Der Solist des Abends, Franz O s b o r n , in dem man einen Pianisten von großem Format kennen lernte, spielte das Klavierkonzert in G-dur Nr. 4. Er spielte es mit virtuoser Technik, mit hinreißendem Elan und mit eigener, souveräner geistiger Gestaltungskraft, von Steinberg und dem Orchester trefflichst begleitet. Zum Schluß hörte man eine in all ihren Sätzen fein ausgefeilte Interpretation der Sinfonie Nr. 4 in B-Dur. Der Gesamteindruck des Abends: Hans Wilhelm Steinberg hat durch seine künstlerischen und pädagogischen Fähigkeiten in dem Kulturbundorchester einen Klangkörper geschaffen, der den Verglech mit anderen Orchestern absolut nicht zu scheuen braucht. A. K. Arbeitstagung der Pirche Agudas Jisroel in Darmstadt. Der Schabbos Parschas Nauach vereinte die Führerschaften der Gruppen Frankfurt a. M. und Darmstadt in einer zweiten Arbeitstagung der P, A, J., diesmal in Darmstadt, die dank der Gastfreundschaft der Damen und Herren der Religionsgesellschaft und der Schule zu einem außerordentlich befriedigenden Ergebnis gelangte. Die Tagung wurde von warmen Begrüßungsworten des Vertreters der Ortsgruppe, Herrn A. Dernbürg, am Freitagabend eingeleitet. Die eigentliche Tagung begann am Schabbosmorgen mit einem groß angelegten Referat des Herrn Lehrer Wahrhaftig über „Die Eingliederung der biblischen Geschichte und des Tenach in den Rahmen der Gruppenarbeit", dem sich eine der Aktualität des Themas entsprechend rege Diskussion anschloß. Der Nachmittag war für eine. „Gruppengemeinschaft" der Darmstädter Pirchim vorgesehen, die Chawer Sally Storch, Ffm., mit großem Geschick leitete. Die Arbeitsgemeinschaft des Herrn Rabb. Dr. J. Merzbach mußte zum großen Bedauern aller ausfallen; doch wurde die Zeit durch eine Arbeitsgemeinschaft von Chawer Artur N e u h a u s , Ffm., „Grundlegende Ueberlegungen über das Wesen des Agudismus" fruchtbar ausgefüllt. Die folgende „S'udo schlischis" war in jeder Beziehung gut arrangiert und brachte gut gelungene Darbietungen einiger Gruppen. Der offizielle Teil der Tagung fand seinen Abschluß mit einem Elternabend. In den Referaten über Agudistische Erziehungsarbeit wurde von Herrn David U 11 m a n n und Artur N e u h a u s das zum Ausdruck gebracht, was geeignet ist, das Verhältnis zwischen Bund und Elternhaus in harmonischer Weise zu gestalten. Beide Referate wurden mit starkem Beifall aufgenommen. Ein gemeinsames Lied schloß den eindrucksvollen Abend. Ein Beisammensein bei Kaffee und Kuchen gab nochmals Gelegenheit zur Aussprache und Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen. Das ganze Treffen, von der Darmstädter Gruppe unter Führung von Jakob Hirschkorn ausgezeichnet vorbereitet, hinterließ bei allen Teilnehmern einen bleibenden Eindruck. fiflHtiPP" *ww- Familien-Nachrichten. Geburten: Eine Tochter, Arthur und Edith de Beer geb. Sachs, München, 20. 10- 34. Barmizwoh: Ernst, Sohn des Herrn Ludwig Grünebaum, Baumweg 33. ft*VD "rt na», Synagoge Börneplatz. Verlobte: Ruth Kajet, Berlin/Amsterdam mit Paul Wallerstein, Siegburg/Ämsterdam, — Ruth Levi, Neustadt/Hessen mit Emanuei Weißmann, Köln, Dasselstr. 58. z. Zt. Tel Aviv. Gestorben: Frau Lina Rothschild, Randegg, 67 Jahre, 21. Oktober. rSiär^'af »;.■=> Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim E. V. Freitag abend nach Schul .* Mikro-Vortrag, Herr Dr. J. Saffra. Samstag abend 8.30 Uhr im Vereinslokale, Vortrag des Herrn Ch. Jakobowitz über „Sinn der Prüfung." (Alles andere wie üblich.)