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Der Israelit · 1934-10-25 · Heft 43 (25.10.1934) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 43 (25.10.1934)
Date
1934-10-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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25. Oktober 1934 Oer Israelit Nr. 43 Seite 7 ten! Und so'möchten wir denn Bubers verschie-. •dene Behandlung der jüdischen GesetzesfordeT rungen aus folgender Unterscheidung heraus deduzieren: Büber bejaht laut die Seinsgesetze jüdischen Gegenwarts:,,Da-Seins" (wie die Brismiloh), er bejaht auch solche Sollensgesetze, die;nur noch in der jüdischen Vergangenheit liegen (wie Opfer, Priester und Königsgesetze), er schweigt jedoch zu denjenigen Sollensge^etzen, welche nach der Tradition auch in der Gegenwart noch G'ülti^keil hätten. Entgegen seiner eigenen Auffassung vom umfassenden Wesen des „Geistes" möchte man Buber somit gern einen Propheten des Intellekts und des Gefühles im Judentum nennen, vielleicht auch des Willens zum Judentum, kaum aber einen Propheten des Willens i m Judentum. . . Warum aber tut Buber, der Denker und Führer, also?; Diese Frage aufwerfen, hieße, an das •geistige ■ Phänomen, ■ an das innerste Wesen Bubers selber rühren! Solche Analyse aber auf' Grund einer einzigen Rede oder-auch drei und vier Reden bei einer Persönlichkeit wie Bub er zu wagen,t; wäre .vermessen und unbescheiden —■- und wär.e auch ungerecht, denn. Persönlichkeiten sind nioht nur (im Querschnitt) da, sondern halben auch das Recht, geworden zu. sein und zu werden, sich zu entwickeln und zu wandeln — nach. Ursachen und nach Zielen, wie alles Leibende! Schweigt also Bub er vielleicht gar an einem Punkte, wo und weil auch er sich . . , „entwickelt"? Oder schweigt er nur aus Rücksicht für eine Zuhörerschaft, die meist noch in der Gedankenwelt -eines liberalen Judentums verharrt? Oder schweigt Buber vielleicht nur n och (und bald nicht; mehr), weil der psychologische Moment^ noch nicht i gekommen''ist, wo :seine Hörer seelisch'reif und bereit wären, für Tatsachen und Forderungen des alten Judentums? Schweigt er also nur noch deshalb, weil er selber seine Menschen entwickeln will? .... Wo solche hehren Schweigensgründe auch nur denkbar sind, muß auch unser Fragen verstu mm e n, denn es ist ja nicht der kühle Drang zur (Kritik, sondern ein warmer - Wille zum.jKIären' und Verstehen und Mitarbeiten, der solche, Fragen aufwirft. Dies um so mehr, als eines Tages die Zeit ja selbst die Antwort bringen wird, ob Buber einst für sich schwieg, oder für seine Zuhörer. V. .■'!,.-•■ Was ist aber nun mit seiner Hörerschaft? Da findet sich zuerst ein intellektuelles Pub-' likum, das den glänzenden Redner und Denker einmal hören und sehen will — hier fehlt der letzte geistige Kontakt. Aber dann kommen Menschen, sehr viele meist reifere .Menschen, 'Ehepaare viel aus einer assimilierten Randzone der Judenheit Deutschlands, bürgerliche Men- ' sehen, geistig Seßhafte, die nun plötzlich ins Rollen gebracht sind. Sie suchen^ Hält und Er- > schütterung. Und schließlichsieht man religiös positive, noch liberal' denkende1 •„Synagogenbe Sucher", deren religiöses1 Bedürfnis sich nunmehr •' ( ins große Leben hinein ^ausweiten und ins Persönliche ' hinab vertiefen will, nachdem-in ihnen ein Streben nach' erneuter Prüfung' ihrer längst geordnet geglaubten Beziehung zum1 Judentum neu erwacht und aktiviert wurde. Für diese Frager ist Martin Buber die Antwort, der Weg ins Judentum, das Auffangbecken. Daß er allein dies ist, bleibt ein lebendiger Vorwurf f ü r a 11 e , die es'nicht sin d , die "es nie ht s e i n'' kö n n e n u n d die eis , n r oh t s e in- :w o 11 e n! ' ■ . " : Auch' für den orthodoxen Hörer könnte Martin Büber ein Erschütterer sein, denn er treibt letzten Endes in die Gedankenwelt des Mussar, der Selbstprüfüng, der gefühlsmäßigen Vertiefung altgewohnter religiöser Tat, in die geistige Neudurchdringürig einer abgeschlossenen Gedankenwelt. - Görade weil Bubers Vorträge in ihrer blen*-;deriden: Rhetorik, scharfen Wortprägung und Selbständigkeit der Gedankengänge immer wieder im Augenblick den Zuhörer gedanklich packen und sein Gemüt ergreifen, und auf diesem Wege geradezu die Selbständigkeit seines Denkens hemmen»..muß von diesem Zuhörer (gefordert werden,; daß er Bubers Systeme nicht alsfreischwebendesPhänomenendgültig in sich aufnehme, sondern, daß er sie von außen her in den Rahmen der Wissenschaft und des Judentums hineinstelle und p'r'ü.'f e. - , - Trotzdem darf gern zugegeben werden, daß diese Vorträge nicht nur für jeden Hörer Genuß und Anregung bedeuten, sondern daß sie, besonders auch den religionsfernen und unsicher tastenden Zuhörern einen Weg zum wahren Judentum darstellen könnten, —■ — wenn ihnen nur schließlich das logische Ziel ge zeig t w ü r d e. Einstweilen aber bewegt sich Buber bezüglich seiner Programmatik vom Judentum immer noch in einer allzu historischen Betrachtungsweise, welche nur das sogenannte „Judentum der Propheten" ' als Basis annimmt. "Demgemäß schloß Buber auch dieses Mal sein Suchen nach der „Mächtigkeit des Geistes" mit einem eindrucksvollen Hinweis auf die jesajanische Weissagung vom Siege des Geistes beim Einbruch des Königs Sanherib bis vor die Tore Jerusalems (Kap. 37, 22—29), dem Wunder nämlich von Sanheribs überraschender Vernichtung. Aber warum Buber gerade diesen historischen Vergleich aus der an Geistessiegen reichen Geschichte Israels wählt, bleibt unklar. Denn hier vollzieht sich zwar die Mächtigkeit des g'ttlichen Geistes über den geschichtlichen Elementarvorgängen, — — was Buber aber beweisen wollte, war der Sieg des m e n schlichen Geistigen über seine elementaren Gewalten. Verwischt sich bei Buber dieser Unterschied? ... Oder möchte er vielleicht mit dem Trostbeweis der altjüdischen Lehre — ohne ihn auszusprechen — aufmunternd schließen — WIN p^i» nxV) ^113?- daß das höhere geschichtliche Walten in demselben Sinne dem Menschen hilft, wie er sich in seiner niederen Welt entscheidet? . . . Fragen über Fragen! Vielleicht wird die nächste Rede auch hier die Antwort bringen. rn_y > Ifci \\.^^2£iL *i vv ^■fc'V, Korrespondenzen. Deutsches Reich. Reichstagung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Berlin, 22. Oktober. Die Bundesleitung des Reichsbundes jüdischer F r o nts o l d a t e.n teilt mit: Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hatte zum Sonntag, den 21. Oktober, die Vorsitzenden seiner 16 Landesverbände zu einer Tagung bei der Bundesleitung in Berlin einberufen. Ihr ging am Sonnabend abend ein schlichtes gemeinsames Essen voraus, bei dem der Bundesvorsitzende, Herr Dr. Löwenstein, die Teilnehmer aus dem Reich mit herzlichen Worten begrüßte und auf das oberste Prinzip des RjF., den Geist der Kameradschaft, sein Glas leerte. Anschließend folgte man mit regem Interesse einem Vortrag von Herrn Prof. Dr. Doegen, dem Schöpfer des Laut- Ärchivs, mit Lichtbild- \md Schallplatten-Vorführungen:' „Stimmen der Völker", der während des Krieges;in den deutschen Gefangenenlagern entstanden ist. Zu Beginn der eigentlichen Tagung am Sonntag vormittag, an der neben den Vorsitzenden der Landesverbände auch der engere Führerrat und die Bundesleitung teilnahmen, gab Herr Dr. Löwenstein einen Ueberblick über die- Entwicklung der Gesamtsituation wie der innerjüdischen Lage. Es ergab sich hieraus sowie aus der anschließenden angeregten Aussprache die einmütige. (Erkenntnis, daß dem RjF. aus seiner" Gesämtverantwortung. Aufgaben von entscheidender Bedeutung'für das;:;deutsche t Judentum, besonders;aber für die cJugend, zufallen. Nach einent'i'fruchtbaren Gedankenaustausch über die' Arbeit, die sieh:Jür:.den Frontbund aus der zeit-, bedingten Situation des deutschen Judentums; ergibt und über zahlreiche Einzelprobleme organisatorischer und charitativer Art, namentlich aber über Jugend- und Sportbetätigung, schloß der Bundesvorsitzende die Versammlung mit Worten des Dankes, an die sich die mit Beifall aufgenommene Vorführung des. ersten deutsch-jüdischen Films „RjF-Sportfest in Hannover" anschloß. . . Tschechoslowakei* Landesversammlung der Agudas Jisroel in der Slovakei. .; Bratislava, 16. Oktober. Nachdem in der Diskussion (s. Bericht in Nr. 42 des „Israelit",' S.; 9): mehrere Redner mit Anfragen und. kritischen Bemerkungen zu Wort gekommen waren, ergriff Herr J. M. Lewin zum zweiten Mal das Wort, um zu den verschiedenen die Weltorganisation betreffenden Fragen Stellung zu nehmen. Für die Delegierten war es von besonderem Interesse, von dem Gast einleitend zu vernehmen, daß man auch in Polen die völlige Loslösung der orthodoxen Juden von den freien Elementeh und die Zusammenfassung in eigenen orthodoxen Gemeinden erstrebe. Als Beweis für die Unentbehrlichkeit der agudistischen Organisation führte der Redner die Entwicklung in Litauen an, wo man Jahrzehnte geglaubt hatte, allein, durch das Thorastudium dem Abfall vom Judentum einen Schutzdamm entgegenzusetzen, während man sich jetzt zu der Ueberzeugung durchgerungen, hat, daß nur der Zusammenschluß der Orthodoxie im Rahmen der Agudas Jisroel die wahre Rettung für die kommenden Generationen bringe. In der gleichen Weise wird die Entwicklung alle Bedenken widerlegen, die etwa heute noch in manchen Kreisen der Slovakei gegen Agudas Jisroel bestehen könnten. Das gilt auch für die Erez Jisroel-Arbeit. Sie mag gewisse Gefahren für die orthodoxe Jugend mit sich bringen. Aber sind denn die Gefahren der Passivität, des tatenlosen Zusehens nicht noch viel größer? Gerade wenn wir davon durchdrungen sind, daß es unsere sittliche und religiöse Mangelhaftigkeit war, die uns aus Erez Jisroel heraustrieb, haben wir die Pflicht, alles einzusetzen, um piNn nWVTp heute zu retten. Auf eine Interpellation des Kirchdraufer Raws, Oberrabbiner Spitzer, erklärte J. M. Lewin, Agudas Jisroel habe niemals daran gedacht, in die Jewish Agency in ihrer heutigen Form einzutreten und auch ein Zusammengehen mit dem Misrachi komme nicht in Frage, solange dieser der zionistischen Organisation angehört. Generalsekretär Jacob Joel Braun brachte nach Beendigung der Generaldebatte den neuen Satzungsentwurf der Landesorganisation zur Verlesung, der vorbehaltlich der Zustimmung " des Landesthorarates angenommen wurde. Der Entwurf bringt insofern Neues, als jeder einzelne Agudist unmittelbar der Landesorganisation angehört und durch diese erst seiner Ortsgruppe zugewiesen wird. Der..gleiche Grundsatz gilt für die Jugend, die Frauen und die Poalim. Nur daß diese Gruppen außer der Zugehöirgköit jedes Einzelnen zur Landesorgangisation in je einem Sonderverband zusammengefaßt werden. Eine große Diskussion entspann sich über die bisher geltende Bestimmung, nach der Agudo-Gruppen an einzelnen Orten nur mit Zustimmung des XlflKT JOÖ gebildet werden dürfen. Trotz der von der Jugend' hiergegen einsetzenden starken Opposition wurde die Bestimmung beibehalten. Sie hindert natürlich den Ausbau der Agudas Jisroel, insbesondere in der Ostslovakei, WO zahlreiche Ortsrabbiner unter dem Einfluß des Munkaczer Raw Agudo-Gruppen nicht aufkommen lassen, so daß der Abwehrkampf gegen den Zionismus nur in mangelhafter Weise. geführt werden kann. Ueber die Folgen dieses Verhaltens berichtete Herr H ö n i g - Kosice in eindrucksvoller Rede. Der Munkaczer Raw hat mit all seinem Antiagudismus nicht verhindern

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