Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1934)
- Date
- 1934-10-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 42 Der Israelit 18. Oktober 1934 3. Von der Mitnahme von Kindergewehren (Luftgewehren) ist dringend abzuraten. 4. Sehr wichtig ist die Frage der Versicherung. Zum großen, vielleicht zum größten Teil kennen die Immigranten noch nicht ihren endgültigen Wohnsitz und den Zeitpunkt der Abnahme ihres Umzugsgutes. Deshalb muß dies sehr oft längere Zeit lagern. Die Versicherung soll deswegen auf möglichst lange Zeit nach Ankunft im Seehafen und zwar mit Option frei Haus Jaffa—Tel Awiw, Haifa, Jerusalem abgeschlossen werden. Die in der Police meist angegebene Frist: ,,20 (oder selbst 30) Tage nach Ankunft im Seehafen" reicht s-shr oft nicht aus. Nachversicherungen machen Schwierigkeiten und hohe Kosten. 5. Die meistenteils kostspielige Bescheinigung des ausgeführten Gutes durch die Heimatsbehörden ist überflüssig. 6. Ebenso überflüssig ist die Taxierung von einzuführenden Kraftwagen durch Lloyds usw. 7. * Es wurde in letzter Zeit sehr oft übersehen, Umzugsgut innerhalb von 6 Tagen nach Eintreffen im Lande bei dem Custom Officer (Beamter im Zollhaus) zwecks zollfreier Einfuhr zu deklarieren. Eine Unterlassung kann von sehr einschneidenden Folgen sein. Rechtzeitiges Rateinholen bei zuständigen Stellen wie „Hitachduth Olej Germania" oder zuverlässigen Speditionsfirmen ist dringend zu empfehlen. M. K. Vermischtes. Altona, 15. Okt. Am Sonntag, den 14. Oktober beging die Gem-sinde einen Festtag, der wohl wert ist, verzeichnet zu werden. Denn das Ereignis eines doppelten Sijums, das die Gemeinde zweimal zur Freude und festlicher Erhebung zusammenführte, war ein Kennzeichen fer das wache und rege religiösgeistige Leben in der alten Kehillo Altona. Am frühen Morgen beendeten die Beter der Synagoge Papagyenstraße, die täglich im Anschluß ans Morgengebet eine Mischna mit Bartinoro lernen, die vierte Ordnung der Mischna Nesikin. Eine feierliche Kaffeetafel vereinte die Teilnehmer im Vorraum der Synagoge. Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach lernte die letzten Mischnaus aus Hauriaus vor und ließ dann den ganzen „juridischen" Lehrgang des Seders Revue passieren, wie Recht und Moral in ihm sich ergänzen, wie mit der Gleichheit des Rechtsanspruchs die Verschiedenheit der Verantwortung und der sittlichen Pflicht sich paart. Herr Sanitätsrat Dr. F r a n c k , der Vorsitzende der Gemeinde, der den ganzen Seder mitgelernt, sprach seine Genugtuung besonders darüber aus, wie hier durch kleine und kleinste Lektionen doch ein Großes erreicht worden, wie durch diesen Kurs auch jeder Laie zum Verstehen der großen Probleme geführt worden sei. Am Abend feierte dann die große Schar der Teilnehmer am Gemoroschiur des Oberrabbiners (ca. 25—30 regelmäßige Zuhörer) im Verein mit zahlreichen Gästen einen Sijum auf den Talmudtraktat „Peßochim". Einige Herren hatten es sich angelegen sein lassen, den Festesrahmen besonders ergiebig zu gestalten, daß auch der kulinarische Teil reichlich ausfiel. Die Stimmung war einzigartig. Gesänge und Aufführungen brachten Lachen und Freude. Der Hadron des Dozenten Oberrabbiners Dr. Carleb a c h, Reden der Klausrabbinen Cohen und D u c k e s z sowie des Ehrengastes, des Rausch-Jeschiwah von Hamburg, Rabbiner R a b b i n o w , gaben die geistige Unterhaltung, so wie die Vorträge der Chasonim, der Herren Ziegel und Cohen u. v. a., die gesangliche Umrahmung des Ganzen lieferten. Zum Schluß gab ein chassidischer Tanz dem Glücksgefühl der Versammelten Ausdruck. Die ganze Veranstaltung war ein geistiger Genuß, Stunden der reinsten geistigen Erhebung. Von allen Seiten wurde es ausgesprochen: nichts Höheres und Besseres kann ein Führer seiner Gemeinde geben als das Glück der Geistesgemeinschaft mit den erhabenen Lehrern des Talmud. Haanover, 16. Okt. In den Sukkaustagen besuchte uns Herr Artur N e u h a u s und wies der Jugend den Weg zielbewußter Selbst- und Erziehungsarbeit. In überaus anregender Weise und auf hohem jüdisch-geistigen Niveau stehend, gab er vier Arbeitsgemeinschaften, zeigte uns zunächst dadurch, wie ein Stoff verarbeitet werden muß und vermittelte uns durch den gewählten Stoff eine Fülle von Mehrwissen. Natürlich kam auch die Festigung der Gemeinschaft zu ihrem Recht, durch ein in Jomtow- Stimmung verbrachtes gemütliches Beisammensein. Am Mittwochabend fand ein außerordentlich gut besuchter Elternabend statt, auf dem Chawer Neuhaus in rhetorisch fortreißender und gedanklich überzeugender Art über agudistische Erziehung sprach. Reicher und ehrlicher Beifall wurde ihm gezollt. Nach ihm sprach D. U 11 m a n n über E r e z Jisroel. Dieser schon bei uns gut bekannte Redner hat gewissermaßen schon sein Stammpublikum und es erübrigt sich daher, hier Eingehenderes über diesen Vortrag zu sagen. Dieser Abend bildete einen würdigen Abschluß der vorangegangenen beiden Tage, und wir übertreiben nicht, wenn wir sagen, es bleichen uns unvergeßliche Stunden gemeinsamer ernster und uns fortbildender Arbeit. Recklinghausen, 16. Okt. Den Bemühungen von Rabbiner Dr. Auerbach ist es gelungen, sämtliche schulpflichtigen jüdischen Schüler vom Samstagunterricht zu dispensieren. Die Schüler besuchen gemeinsam den G'ttesdienst. Anschließend daran findet im Gemeindehaus eine Unterrichtsstunde' in Form eines Heimnachmittags statt, in der über den Wochenabschnitt und die Religionsvorschriften des täglichen Lebens gesprochen wird. Ferner konnte wieder dlz Einrichtung des täglichen G'ttesdienstes ermöglicht werden. Personalien. Dr. Siegmund Jampel V"T« Berlin, 17. Oktober. In Berlin ist am 16. Oktober der bekannte Rabbiner Dr. Siegmund Jampel aus Schwedt a. d. Oder nach kurzer Krankheit im 60. Lebensjahre gestorben. Dr. Jampel genoß als Lehrer wie als Gelehrter und Mensch weit über die kleine Gemeinde, deren geistliches Oberhaupt er war, hinaus, Anerkennung und Verehrung. Seine wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiete der vorderasiatischen Vorgeschichte der gesamten Semitistik und auf talmudischem Gebiet haben vielfach Kritik hervorgerufen, sind aber in der Welt beachtet worden. Daneben rühmen alle, die mit ihm in Kontakt standen, seine hervorragende Hingabe an sein Amt und heben die religiöse Eigenstellung hervor, die er sich erarbeitet hatte. Daher hatte auch die Jüdische Gemeinde zu Berlin sich seine Lehrkraft seit Jahren für ihre Unterrichts- Anstalten gesichert. -n"3Sjn Dr. Leopold Hausmann b'^l- Basel, 15. Okt, Vergangene Woche gab auf dem hiesigen jüdischen Friedhof eine ungeheure Trauergemeinde aus nah und fern dem ältesten Beamten der Jüdischen Gemeinde Basel. Dr. Leopold Hausmann, der im Alter von erst 63 Jahren aus einem Leben der Pflicht und Arbeit vom Tode gerissen wurde, das Geleite. Geboren 1871 in Dornheim (Bayern), widmete er sich dem Lehrerberuf. Er besuchte die Präparandenschule in Burgpreppach und kam dann in das Israelitische Lehrerseminar in Würzburg. Nach kurzer Amtstätigkeit in Hessen kam er in ganz jungen Jahren als Lehrer an die Israelitische Gemeinde in Basel. Hier absolvierte er bald seine Universitätsstudien und promovierte erfolgreich mit einer naturwissenschaftlichen Dissertation und einer öffentlichen Doktorrede. Hier in Basel war es dem Verstorbenen vergönnt, in 41 Jahren mehrere Generationen zum Urquell des Judentums, zur Tauroh zu führen, er suchte seine Schüler, die in die Tausende gehen und seiner heute in aller Herren Länder ehrend gedenken, für Jüdischkeit und wahrhaften jüdischen Lebenswandel zu begeistern, eine schwere Aufgabe bei Kindern, die freiwillig und nur kurze Zeit die Schule besuchen. Dann verwaltete der Verblichene auch im Nebenamte das gesamte Sekretariat, das Kassenwesen, die Armenpflege , und alle der Gemeinde unterstellten Institutionen mit größter Umsicht und Gewissenhaftigkeit. Daneben widmete er seine Kraft und seinen Rat den vielen Ehrenämtern der Vereine und Institutionen. Der Verstorbene, der auch in nichtjüdischen Kreisen sehr geachtet und gerne gesehen war, gehörte seit der Gründung der Studentenverbindung Nehardea an, war tätiges Mitglied der Chevroh Esperance, gehörte dem Vorstande der Krankenschwesterninstitution an. Vor allem aber war er auch eifriges und aktives Mitglied der Chveroh Kadischoh und gehörte deren Kommission an; dann bemühte er sich besonders um die Talmud Thora-Schule des Schomre Thora-Vereins, als deren Vizepräsident er einen Schiur im Beth-Hamidrasch gab. Auch war er ein besonders geschätztes Mitglied des schweizerischen Lehrerverbandes, der ihm manche gute Anregung und Tat verdankt. Als Vortragsredner vorzugsweise über pädagogische Themata war Dr, Hausmann sehr bekannt und beliebt. Seine ganze Begeisterung und seine Arbeit galt aber auch besonders dem Keren Hathora, als dessen neuester Landespräsident der Verstorbene ihm neuen Impuls und Aufschwung verlieh, um auch so an der Verbreitung der Tauroh mitzuhelfen. Ein wahrhafter Zaddik, dessen Gesicht leuchtete, wenn er Tauroh lernte und lehrte, wenn er Armen und Bedrückten Freude verschaffen und sie aufrichten konnte, wenn er für Mizwos eilte und kämpfte, ein Familienvater, der ängstlich um seine Gattin und seine Kinder besorgt war und letztere, wie er es lehrte, zu wahren Jehudim erzog, ist von uns gegangen. .An der Bahre sprachen Herr Rabbiner Dr. Weil, Herr Alfred Bloch, Vizepräsident der Israelitischen Gemeinde, sowie die Herren F r ö h J i"c h\, Baden als' Vertreter des Lehrerverbandes- und\ Herr Rabbiner Dr. Lewenstein aus.Zürich im Auftrage der Ker ren Hathora-Zentrale, die sich in bewegten und ergreifenden Worten von ihrem Kollegen trennte*.. Am Grabe sprachen auch die drei jungen Söhne des Verstorbenen wehmütige und unvergeßliche Worte des Abschiedes, •rraitjn Recklinghäusen, 15. Okt. Am Sonntag, den 7. Oktober, fand in der festlich geschmückten Synagoge zu Recklinghausen die feierliche Einführung des neuerwählten Bezirksrabbiners Dr. Auerbach, bisher Würzburg, statt. An dieser Feier nahmen zahlreiche Vertreter der Bezirks- und Nachbargemeinden, sowie der zuständige Kultusdezernent des Preußischen Landesverbandes, Gemeinderabbiner Dr. G a 11 i n e r, Berlin teil. Nach einleitendem Chorgesang begrüßte der Vorsitzende der Synagogengemeinde Recklinghausen, Herr Ludwig Hirsch, die erschienenen Gäste und den neu erwählten Rabbiner, dem er die Gefolgschaft der Gemeinde Recklingnausen versprach. Dem Preußischen Landesverband dankte Herr Hirsch für seine Bemühungen und die Opferbereitschaft, das konservative westfälische Bezirksrabbinat weiterzuerhalten und den Sitz nach Recklinghausen, der größten Bezirksgemeinde und dem ehemaligen Sitz des Rabbinats zurückzüverlegen. Sodann führte Gemeinderabbiner Dr. G a 11 i n e r , Berlin den neuen Bezirksrabbiner namens des Preußischen Landesverbandes in sein Amt ein. Er dankte zunächst dem bisherigen Bezirksrabbiner Dr. Köhler für seine Arbeit und wandte sich dann in herzlichen Worten Herrn Dr. Auerbach zu, dem er. seine neuen Pflichten unter Hinweis auf seine im Elternhaus genossene Erziehung und seine Ausbildung eindringlich ans Herz legte. Rabbiner Dr. Auerbach dankte in seiner Antrittsrede allen Instanzen für das ihm bekundete Vertrauen, stattete dann auch seinerseits dem bisherigen Rabbiner des Bezirks seinen Dank für die hingebungsvolle Arbeit ab und schilderte die vielfachen Aufgaben des Rabbiners in der heutigen Zeit. Er müsse Lehrer und Sozialarbeiter, Freund und Berater einem jedem sein. Um diese Arbeit voll leisten zu können, müsse der Rabbiner sich selbst treu bleiben, dürfe von der Gemeinde nichts verlangen, was er nicht auch selbst erfüllt. Es folgten . dann Begrüßungsansprachen der Rabbiner der Nachbargememden sowie des Vertreters des Rheinisch-westfälischen Rabbinerverbandes. Die Feiere war von Gesängen des Kantors Mannsbach- Recklinghausen und Gesängen von Mitgliedern des Gelsenkirchener Synagogenchors umrahmt. Im Anschluß an die Einführungsfeierlichkeiten in der Synagoge gab die Gemeinde Recklinghausen den Ehrengästen sowie den Vertretern der Bezirksgemeinden ein Mittagessen. Kempen (Rhein), 15. Okt. Der frühere, langjährige Vorsteher der Synagogengemeinden des Kreises Kempen (Rhein), Herr Simon Winter, vollendete na riEns sein 9 0. Lebensjahr in geistiger und körperlicher Frische. Herr Winter ist Veteran von 1866—70/71. Er erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Auch seitens der christlichen Bevölkerung wurden ihm viele Ehrungen zuteil. -wyMiy Ladenburg a. N., 15. Okt. Kaum war die Festesfreude verklungen, hauchte am tt"' 'KXia Julius Kaufmann seine reine Seele aus. So ist er im patriarchalischen Alter von 84 Jahren seiner vor fünf Monaten heimgegangenen Gattin rrsr in die Ewigkeit gefolgt. •n-isa nmam nrp'na d'bto Darwin Julius Kaufmann war der Seniorchef der weitbekannten Firma Gebrüder Kaufmann, einer der 'WH Wins, wie sie leider immer seltener werden und besonders in den Landgemeinden kaum mehr zu finden sind. Einem frommen Hause entstammend, erzog er mit seiner gleichgesinnten Gattin seine Kinder in echt jüdischem Geiste, die auch alle in diesem Sinne ihre Häuser gründeten, so daß die heranwachsenden Enkelkinder zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Ueber fünf Jahrzehnte bekleidete er das ehrenvolle Amt des ersten Vorstehers, immer eifrig bestrebt, das Wohl der hiesigen Kehillo zu fördern und deren Institutionen in großzügiger Weise zu erhalten.-^ In erster Linie ist es Ihm zu verdanken, daß das tägliche l'a» regelmäßig stattfindet. Die höchste aller Pflichten erblickte er in nori m^öV denn in vorbildlich vornehmer Art übte er npix- Ob es galt, Vereine, nivw oder Krankenhäuser zu unterstützen, Armen, Witwen und Waisen zu helfen, überall spendete er mit vollen Händen. Die Liebe und Wertschätzung dieses edlen Mannes zeigte sich so recht bei der ''lS die einen Tag nach an v>dk stattfand und dadurch jeder nson unterbleiben mußte. Möge das mar des teuren Heimgegangenen seinen Kindern und Kindeskindern beistehen. -n'axan... Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Paul, Sohn des Herrn Lehrer Leo Sonneberg, Wachenbuchen b, Hanau, KVl 'S 'p na»- — Walter, Sohn des Herrn Felix Mayer, Strasbourg- Neudorf, Rue de Stosswihr 5. «TV'D naw- — Joseph, Sohn des Herrn Siegfried Blach,. Berlin, Flotowstr. 8. »"in'snaer Synagoge Sigmundshof. 6 0. Geburtstag: Bendix Blumenthal, Ffm., Windeckstr. 48, 24. Oktober. 4