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Der Israelit · 1934-10-18 · Heft 42 (18.10.1934) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 42 (18.10.1934)
Date
1934-10-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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18. .Qktober 1934 De r Israelit Nr. 42 Seite 13 Lord Cecil über Judenfrage und internationalen Minderheitenschutz. M; London, 11.j Oktober. Die Jewish Historical'Society öf England hielt' im* University College zu London unter dem''Vorsitz Lord Melchetts ihre Jahresversammlung' ab, die dem Andenken an L u c i e n Wolf gewidmet-war. Unter den Erschienenen war auch der Oberkommis- -sar für Auswandererhilfe, James G. M a c d o n ä 1 d.: Ansprachen hielten der Chiefrabbi von Großbritannien Dr. J. H. Hertz und der Präsident der Jewish Historical Society Gustave T u c k; Hauptredner des Abends aber war Lord 'Cecil of Chelwood, der Vorsitzende des Verwaltungsrates für das Internationale Auswanderer-Hilfswerk. Nachdem er Lucien Wolf als Historiker, Diplomaten und Staatsmann, der nie vergessen habe, daß er Jude und englischer Bürger zugleich war, gewürdigt hatte^filädierte Lord "Cecil für 1 Ueb er'nahme ' des Minderheitenprin- ' zip es durch' alle führende Staaten "Europas. 1 ' | Wohl würden heute große internationale Schwierigkeiten. entstehen, wenn alle Staaten veranlaßt werden sollten, sich an Minderheitenschutzverträge hinsichtlich ihrer eigenen Territorien zu binden. A,her wäre es nicht möglich, fragt Lord Cecil;. daß einige der führenden Staaten, z, B. das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland, solche Prinzipien für sich in Geltung bringen,? Die Aufhebung der Garantien für eine gute Behandlung der' Minder-' heiten würde eine ernste' Bedrohung des Friedens in der Welt bedeuten; sie käme einem Verrat an den" < ' . - ■ '! Prinzipien des internationalen Fortschritts gleich. Die Raumirage in Palästina. London, 11. Oktober., 11 Iii der außerordentlichen Konferenz:' der „English 'Zionlst" Fedefa*tioiJ,{ Würde hach'dter vöhuns in jüngster 'Nummer' Wie^der^egöbenen Rede Dr.' Brodetzkis eine Resolution' gegen die"' geplante Legislative einstimmig gefaßt. ' ■ '! Aus der' Rede- W e i z m a n h s seien' noch ' folgende beachtenswerten Stellen über Transjordanien wiedergegeben: ^.i: „Als zwischen 1918 und 1921 die Schaffung eines Nationalheims erörtert wurde, waren wir uns alle dieser Schwierigkeit bewußt,'obwohl wir,, uns. damals ein Palästina im Westen und im Osten des. Jordans dachten. Später aber .ist Palästina, aus irgendeinem Grunde, Stark beschnitten worden. Sozusagen über- Nacht wurde das Territorium des Landes halbiert. Und nun kommen, unsdie gleichen Per.spnen, die dies getan haben^. oder ihre Anhänger mit der Ausflucht: ,,Ihr werdet nicht viel machen können, Palästina ist ein kleines Land." Wir können antworten: Nich^ w i r haben es zu einem kleinen Lande gemacht. Ais das Problem damals erörtert wurde, gab es nichi eint Westjprdanland und ein Ostjordanland, die Balfour-Deklaration hatte auf Palästina wie auf Transjordanien Bezug. Als irgend, jemand die Ostgrenze erwähnte, wurde ihm gesagt, es gäbe keine Ostgrenze für Palästina, denn im Osten gehe das Land, in die Wüste über. . Jetzt wird,, die Grenze gegen Osten (die jordangrenze, nicht die Wüste) sehr gut . bewacht, aberdoch, nur einseitig: ^raber. dürfen vnafcfr Palästina..kommen,j.juden nach Transjprdanien. ap.err* nicht. iEs ist .eine Tür,, die sich.nur. in einer Richtungöffnet. Dies hat zur,,Folge, - daß ,^ie;iK^leinhei.t .Pa-C lästinas nicht so sehr auf seine geographische. .Gegebenheit, als vielmehr auf einen politischen Gründl zurückzuführen ist. Daraus folgt: Die Juden habend .!>?.-;.,•• . •. ' r:1' <;••• v . '.'ii,= j<'*•-;*.-<•:.•••• . (>j»w-.j : einen triftigen moralischen Grund zu sagen: Iransjordanien muß der jüdischen Arbeit geöffnet werden. Wir wollen nicht den Status Transjordaniens ändern, wollen nicht. die Balfour-Deklaration über den Jordan tragen. Aber die in Transjordanien der jüdischen Arbeit auferlegten Beschränkungen sind etwas ganz Neues: im British Empire. Die 'Ärabpr. Transjordaniens wollen, daß die Juden in ihr .Land kommen, die Araber Palästinas, wollen dies nicht; . so ist beinahe ein Zustand eingetreten,•■ daß der Transjordanier sagt: Wenn die Juden nicht zu' mir* kommen, gehe ich zu ihnen. Ich hoffe, daß eines Tages der Jude nach Trahsjordanien . wird; gehen" dürfen, es ist unvermeidlich, daß Transjordanien jüdischer Arbeit geöffnet wird; dies wird — ich hoffe es f-. im Einverständnis mit den Arabern geschehen.; ,' ' ■ ' .') i: i : . i . ■ ' ' *; . Es werden Versuche gemacht, Palästina größer zu machen; jeder Schiffstransport mit Juden, der im Haifaer Hafen eintrifft, stellt einen solchen Versuch dar.. Ein anderer Versuch nach dieser Richtung ist die - intensive Kultivierung innerhalb der engeren , Grenzen des Landes. .. . Die Natur ist nicht ohne Großmut: Wasser quillt, wo es nie vorher welches gab. Es wird versucht, jüdische Arbeit weiter nach dem Süden, in das Gebiet um Gaza, vorzutragen. Ich glaube, daßdie jüdische Kolonisation dort an Umfang gewinnen wird, denn es liegt im Bereich' der Möglichkeit, Bodenflächen dort urbar zu machen. Die Möglichkeiten für Kultivierung sind in Palästina noch lange nicht erschöpft. Im Süden ist es das Jordantal, im Norden das Gebiet nahe der syrischen Grenze, das zu neuen Feldern jüdischer Arbeit werden könnte. Es wurde, viel darüber geschrieben, daß die Juden die fruchtbaren Ebenen okkupieren und die i Araber ■ in die unfruchtbaren Hügel treiben. Das ist nicht der 'Fall,' Bevor, die Juden kamen, bildeten die Ebenen zu 90 Proz. eine Wüste. Einige unter uns mögen sich daran' erinnern,. wie der Emek Jezreel vor;14 Jahren aussah; ein Sumpf, eine Pesthöhle. Von den wenigen Hügeln, die es dort gibt, wurden die Araber nicht durch.' die Juden, sondern durch Moskitos, durch Malaria vertrieben. Das gleiche gilt für die Küste. Die arabische Landwirtschaft betätigte sich seit jeher auf den Hügeln, dort betrieben die Araber Ländwirtschaft wie vor 1000 Jahren. Auch hier ist es möglich, die Landwirtschaft so zu verbessern, daß sich das Einkommen des arabischen Bauern verdoppelt und verdreifacht. Dieser Bauer leidet nicht an Bodenmangel, sondern an Kreditmangel, er ist in den Händen von Wucherern usw. nicht von jüdischen; Wucherern. Die Regierung kann sein: Lps,, bedeutend verbessern, wenn si'e ihm einen vernünftigen Kredit gewährte Die Regierung kann dies tun, da sie über einen Budget-Ueberschuß von drei Millionen Pf Und verfügt. Dem Araber könnte beigebracht werden, auf den Hügeln etwas anzuhauen, das ihm mehr als 10 Schilling pro Dunam einbringt, was er für einen normalen Ertrag hält. Der Araber könnte Oliven kultivieren, worin er Meister ist. Aber alles, was die Experten dazu sagen, ist? Das Land ist klein und die arabische Bevölkerung wächst. Die Aufgabe, Raunv zu schaffen, wird allein den Interessenten des Jüdischen Nationalheims überlassen," Italien. * Amtliche Erklärung über die Stellung der Juden in Italien, — Eine Ansprache im italienischen Rundfunk.; , Rom, 14, Oktober.; Der italienische Rundfunk hat eine Erklärung über die Stellung der Juden in Italien verbreitet, die in eingeweihten politischen Kreisen als vom Ministerpräsidenten Mussolini persönlich inspiriert.. bezeichnet wird. In der Erklärung heißt . es u. a.: ,,Die Juden genießen , in Italien, dieselben. Rechte wie alle übrigen Staatsbürger, und tragen auch dieselben Pflichten . wie alle Italiener. ^Antisemitismus'• w;ar: ,rn - 'Italien, stets unbekannt 'und , auch, 'heute besteht den-Juden gegenüber;,kein Vorurteil. Die Ju-;!; den: hafcen s^eh j .'immer als ' treue , und zuverlässige ' : italienische Bürger,[er/wiesenj;vimj;Kriege haben sie Schulter an Schulter. .mit ihren' jitalienisphenj Kameraden .tapfer]•■gekämpft. Darum.!wenden Vauch Juden , .wie-alle Wanderen Bürger zu., höchsten 5 A,emtern [Inder "Staatsverwaltung "und in der'' Armee 1 berufen. Auch die höchsten Ehrungen werden den Juden nicht vorenthalten: So zählen Juden auch zu den Mitgliedern der italienischen Akademie. Das vaterländische Bewußtsein ist bei den Juden Italiens $tark entwickelt; sie sind treue Anhänger des Faszismus, der . Rassengegensätze, nicht kennt.".; Palästina, Vom neuen Stadtrat in Tiberias. > -, Jerusalem, 10. Oktober. .. i ... , ' Nach, Jerusalem Tiberias! Hier ist der Sieg der jüdischen Wähler und innerhalb derselben der; Orthodoxie . noch durchgreifender. Und noch' mehr als der eigentliche Sieg wird' überall das sichere, zielbewußte und taktvolle Vorgehen der Aguda anerkannt. Erst spät, als in allen anderen Städten der Wahlrummel schon das ganze Leben im Banne hielt, begann sich in Tiberias langsam das Wahlinteresse zu regen. Kneses Jisrael trat als erste mit einer eigenen Liste auf, obwohl sie wissen mußte, daß sie gerade in Tiberias keinen großen Resonanzboden hat. Dieses ungebetene Hervortreten hatte aber sein Gutes, daß auch die Gegenkräfte mobilisiert wurden. Freilich geschah es in. größter Kopflosigkeit, so daß sich neun Kandidaten scharf gegenüberstanden. Sendboten des Waad leumi, die die Einheitslinie bringen wollten, mußten unverrichteter Sache wieder zurückkehren, da die Vertreter der Orthodoxie es als eine Untreue gegenüber den frommen Massen der Bevölkerung betrachten mußten, das Feld zu räumen. Kurz vor dem Wahltermin" aber gelang es, eine aus Mitgliedern der Aguda; undi des Waad leumi bestehenden Kommission aus Jerusalem herbeizurufen, um die Dinge zu ordnen. Es kamen von der Aguda Rabbi Mosche Blau und vom Waad leumi die Herren Ben Zwi und Alma Iah. Nach Verhandlung mit allen Ständen gelang es, fünf Herren zum Rücktritte zu veranlassen. Nach Ueberreichung der Resignation der fünf Kandidaten sind nun die anderen vier automatisch und o hne.W ahlgang g e w; ä h 11. Diese vier Stadtverordnete sind: Rabbi Abraham Weinberg, Advokat Schimon d e ,H a a n ,- Saki al Chatiw, der bisherige Bürgermeister von Tiberias, und Josef Nachmeni. Rabbi Weinberg ist Vertreter der Aguda, während Schimeon de Haan zu den sefardischen Gesetzestreuen zählt, so daß in der viergliedrigen Fraktion die Orthodoxie mit zwei Stimmen vertreten ist. Diese Lösung ist mit .ungeteiltem Jubel aller Klassen aufgenommen worden, Opposition bis zu einer gewissen Intrigenpolitik machte sich nur bei einer der Kneses Jisrael . nahestehenden Gruppe bemerkbar, die aber ohne Bedeutung und ohne Einfluß auf die Gestaltung der Dinge blieb. Die Auswirkung dieser ■ friedlichen;RegeIung zeigte sich'bald auch bei den A r a b e r ri. Unter dem Eindruck des jüdischen- Abkommens schlössen auch die widerstreitenden arabischen Parteien einen Frieden, so daß ein 'Wahlkampf in Tiberias überhaupt vermieden wird. Alle sieben Stadtverordnete, unter denen vier Juden, zwei Mohammedaner und ein Christ, sind nun ohne Wahlkampf gewählt. Wie verlautet, werden die vier jüdischen Abgeordneten in einer Fraktion zusammenstehen und im Einvernehmen mit den berufenen Instanzen der jüdischen Oeffentlichkeit (Aguda und Waad' leumi) bleiben. Eine gemischte Kommission an der Seite des Kehillakomitees und'der Agudas Jisroel wird die verschiedenen Schichten der aschkenäsischen und sefardischen Bevölkerung zusammenschließen. Erwähnt sei noch, daß die genannten orthodoxen Vertreter das Vertrauen der gesamten Bevölkerung Tiberias weit über Aguda und Orthodoxie hinaus genießen, ' Für Pälästina^Wanderer.'' ' , Haif a, 10, Oktober. Aus Haifa_ wird uns von unterrichteter Seite geschrieben: .7; ri ,.,^'>t.. ,,* .. Die Alijah .aus Deutschland und anderen Ländern ,,,hat stark zugenommen; es kommen jetzt viel, Menschen, die über die Erforderlichkeitenund Zweckmäßigkeiten der Vorbereitungen und Formalitäten hinsichtlich ihres Einfuhrgutes nicht genügend unterrichtet sind. Es sind folgende Einzelheiten zu beachten: 1. Von . der; Mitnahme allzu großer Lifts (Möbelkisten) ist abzuraten, .da die Immigranten sehr oft nicht wissen, wo sie Ihren Wohnsitz nehmen werden und'der Transport von Liften von über ca. 4 Meter Länge :und über:3J4 Tonnen Gewicht über Land oft mit, Schwierigkeiten verbunden ist. .Es ist dann besser, einen etwa überschießenden Teil der Sachen in Kisten zu verladen und. zwar Wäsche, Bücher usw., iMöbel, Glas, und Porzellan sollen in erster Rjeihe im Lift .befördert werden. «,. f 2. Möglichst genaue Spezifikation des Inhalts auch ' einzelner Kisten ist neuerdings erforderlich. < ■ ' ".• ••i.i-ff: .: , &

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