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Der Israelit · 1934-10-18 · Heft 42 (18.10.1934) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 42 (18.10.1934)
Date
1934-10-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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18. Oktober 1934 Der Israelit Nr. 42 Seite 7;len bekannt, daß bei einer Zusammenkunft zwischen dem französischen Haut Commissaire und einem der größten syrischen Staatsmänner, die vor wenigen.,Tagen stattgefunden hat, der erstere erklärte, daß er großen Wert auf den Vorschlag xbezüglxch der jüdischen Ansiedlung im Euphratgebiet lege ,,(„Gezira-Land"). Und sobald das. syrische Volk durch seine zuständige Regierung eine Einwanderung von Juden nach dem erwähnten Gebiet" verlangte, würde, .die französische .Mandatsregierung ein solches Projekt ohne weiteres unterstützen. Es .ist in diesem Zusammenhang erwäh'nens-, wert, daß selbst das. antizionistische arabische Blatt „Aleph Ba" in Damaskus, das mit großer Schärfe sich gegen den Erwerbsversuch der Beticha-Ländereien im Hauran wandte, ganz offen die Einwanderungsfrage nach dem Euphratgebiet besprach und dieselbe wärm unterstützte. Zu-, sammen mit dem genannten Blatte bekundeten auch andere bedeutende arabische Journalisten ihre Sympathien für den Arisiedlungsgedanken der Juden in „Gezira" in dem sie den Segen betonen, der den' dortigen Einwohnern sowie den Juden selbst durch''die Verwirklichung dieser Idee erwachsen würde, und andererseits darauf hinweisen, daß es in dieser Frage keinen Platz zur Befürchtung etwaiger Annektionsgelüste an Palästina gebe.;: ' Es besteht also gar kein Zweifel darüber, daß die Einwanderungsfrage nach/dem Euphratgebiet in der nächsten Zeit wieder auf der Tagesordnung erscheinen wird, und zwar wird diesmal die Initiative von den syrischen politisch bedeutendsten Kreisen ausgehen. Das französische Oberkommissariat" wird ihnen auch;i williges Gehör schenken, da es ganz in seinem Geiste liegt, nachdem die französische Mandatsregierung ebenfalls zur Einsicht kam, daß die jüdische Einwanderung im Stande sein wird, die mühseligen Aufgaben der Franzosen in Syrien bedeutend zu erleichtern. , Was uns nun anbelangt, so ist unsere Aufgabe klar verzeichnet. Da die Tore, aller Länder für unsere Auswanderer geschlossen sind und selbst Palästina für die Gesamtheit der nach einer Zufluchtsstätte lechzenden jüdischen Massen nicht zugänglich ist, so haben wir die Pflicht, alle Anstrengungen auf die Verwirklichung des „Gezira"- Qedankens zu konzentrieren. Hier liegt der einzige Rettungsanker für die meisten unserer Auswanderer' von heute, aber auch für diejenigen unserer Volksgenossen, denen der Boden unter den Füßen allmählich schwindet und die morgen zum Wanderstab greifen müssen. Das Euphratgebiet ist jetzt das einzige Land in der Welt, das ohne dem Aufbau unseres Nationalheimes zu schaden, den Grund für eine erschöpfende Lösung . des jüdischen Auswanderungsproblems abgeben könnte, das mit einer solchen unerhörten Wucht auf unserem Volk lastet. Dazu kommt noch der Umstand, daß die jüdische Einwanderung in jenes Gebiet auf Wunsch der Landesbewohner geschehen wird, die in ihr eine Wohltat auch für sich selbst erblicken. Und noch ein besonders wichtiges Moment soll hier hervorgehoben werden: dieses Wunderland, liegt auf dem Kreuzwege zwischen Syrien, •Mesopotamien, Türkei, Transjordanien, Arabien und Palästina. Einer jüdischen Ansiedlung würde dort die Aufgabe des natürlichen Friedensstifters zwischen den Arabern, Wanderbeduinen und den Juden zufallen. Von dort aus wird das gegenseitige Verständnis zwischen den beiden stammesverwandten Völkern erwachsen -zum Segen für den gesamten Nahen, Osten. Korrespondenzen, Deutsches Reich. Eröffnung des. Wintersemesters in der . Frankfurter Jeschiwa. Frankfurt a. M.r 15. Oktober. Die Eröffnung des Wintersemesters fand am 1. Cheschwah statt. Der Rektor, Herr Rabbiner Dr. B r e u e r, begrüßte in? seiner Ansprache die Vertreter' des Kuratoriums, das Dozenten-Kollegium und diestattliche Zahl der Hörer.- Er kennzeichnete die großen Aufgaben, die der Jeschiwa -in der Gegenwart erwachsen, sowie die schweren, prüfungsvollen Lebensforderungen, denen die Jugend entgegengehe, der ein erfolgreicher Jeschiwabesuch 'allein die un- - erläßliche Rüstung verleihe, wies - auf die enge [ Gemeinschaft hin, die die Jeschiwa mit dem Noar Agudätiiverbinde,' die v in iden: i nunmehr ausgearbeiteten iiBeötijnmungen'. für die Ausbildung von Hachjs.charav Anwärtern auf der "Jeschiwa" ihren sichtbaren Ausdruck gefunden habe. ~»Aus den daselbst niedergelegten '-' Bestimmungen wurden vor allem die .'„Erziehungsziele" hervorgehoben und beleuchtet. Dieser Absatz lautet: „Erziehungsziele: Heranbildung von B'ne Thora, die als gefestigte jüdische Persönlichkeiten e<= als ihre Lebensaufgabe ansehen, G'tt mit ihrem ganzen Leben zu dienen, .sich als* lebendige Glieder des G'ttesvolkes zu begreifen, gewillt sind, die hieraus fließenden Forderungen im - Einzelleben und im Leben; der ■■ Gemeinschaft zu verwirklichen, und als überzeugte Agudisten im Geiste. der ' damit gegebenen religiorispölitischen Konsequenzen an dem Auf-, bau von Erez Jisroel nach besten Kräften mitzuar-: beiten." ■ : In diesem Zusammenhang erhalten, neben den im Mittelpunkt-der Arbeit stehenden Schiuarim (T'nach,. TäÜmud, Schülchan Aruch),;die: in den .verschiedenen Gruppen von dem Rektor und den Herren Dozenten; Dr. Posen, Dr. Schlesinger, Ehrentreu, Jakobowitz erteilt werden, auch die vorgesehenen Arbeitsgemeinschaften erhöhte Bedeutung: Dr. Isaac Breuer über Hachschara; Dr. S. Ehrmann, Gegenwarts-Strömungen; Studienrat Münk, aus der Gedankenwelt Rabi biner Hirschs; Redakteur Schachnowitz, jüdische Geschichte; Dr. Katz, Hebr. Sprache. Die Jeschiwa wird z. Zt. von 92 Hörern besucht. Gauleiter Grone über Rassefragen. Berlin, 15. Oktober. In der Messehalle führte Gauleiter Grohe nach einem Bericht des „Deutschen Nachrichtenbüros" und des „Westdeutschen Beobachters" über Rassefragen u. a. aus: „Wir alle fühlen uns verpflichtet, darauf zu halten, daß der Geist, der die Bewegung über den November-Staat siegen ließ und uns zur bedingungslosen Hingabe an Adolf Hitler veranlaßte, auch übergeht auf das gesamte deutsche Volk. Unser Gau liegt im westlichen Gebiet des Reiches. Und wenn ein Grenzgebiet im besonderen Maße Bollwerk unseres .Volks- 4umes sein soll, müssen wir hier der Rassenijrage immer unser besonderes Augenmerk zuwenden. Wenn wir Nationalsozialisten vfo(^tcter. Rassenfrage, sprechen, sollen wir, wie das oft authentisch "betont wurde, ' :.' . : * i i J .;TJ;j;,i : . damit k e i n e r Geringschätzung! der Völker anderer Rassen Ausdruck geben.( Wir denken vielmehr in erster Linie, an jene rassische. Geiahr, die das Judentum für alle arischen Völker bedeutet, und die so lange als akut bezeichnet werden muß, als sie, soweit es sich um unser Volk handelt, nicht von allen Volksgenossen wirklich erkannt ist. Es genügt nicht, daß wir die Juden aus den öffentlichen Aemtern , entfernt haben,, was übrigens infolge der Großzügigkeit und Weitherzigkeit der nationalsozialistischen Regierung nur, bedingt der Fall ist; wir müssen auch, verhindern, daß der Geist des Materialismus und der . Zwietracht blutmäßig Nahrung in tinserm Volke findet.. Der gesunde Instinkt unserer Volksgenossen muß so .gepflegt werden, ,daß einmal Gesetzegegen die Judengefahr in Deutschland als. überflüssig erachtet .werden können. Es ist notwendig,, daß gerade unserer Jugend auch die wissenschafÜichenj,Erkenntnisse auf dem Gebiete der |R'assenfrage nähergebracht werden; denn nicht umsonst hat der einstmalige englische Staatsmann Jude Disraeli die Rassenfrage als Schlüssel zur Weltgeschichte bezeichnet und hinzugefügt, daß die Weltgeschichte nur deshalb für viele so konfus sei, weil sie von der Rassenfrage keine Ahnung hätten. Es gibt heute Kreise, die zwar die wissenschaftlichen Erkenntnisse ' der Rassenfrage hinnehmen! und als richtig anerkennen, aber' aus mangelndem Instinkt oder auch aus andern Gründen' dennoch die Praxis anders gehandhabt sehen möchten. Mit solchen Kreisen hat die NSDAP, nichts zu tun. Es ist allein schon eine Sache des Charakters, daß auch praktisch so verfahren wird, wie es die gewonnenen Erkenntnisse einem aufgeben." Gemeinden und Reichsvertretung. Berlin, 12. Oktober. Die Pressestelle der Jüdischen Gemeinde zü Berlin teilt mit: - In der jüdischen Oeffentlichkeit wird vpn interessierter Seite die Auffassung verbreitet, daß die,, Herstellung einer organischen Verbindung zwischen Gemeinden und Reichsvertretung eine Forderung sei, die nur von einzelnen Richtungen, insbesondere aber von einer dünnen Schicht in der Berliner Jüdischen Gemeinde erhoben wird. In den mit den Instanzen der Reichsvertretung geführten Verhandlungen haben die daran beteiligten Gemeinden und Landesverbände überdies den gleichen Standpunkt wie die Berliner Jüdische Gemeinde eingenommen. In der am 11. ds Mts. abgehaltenen Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde gelangte die , Frage der Beziehungen . zwischen den Gemeinden und der Reichsvertretung der deutschen Juden zur Verhandlung. In einer von großem Ernst und hohem Verantwortlichkeitsgefühl getragenen Aussprache stellte sich der weit überwiegende Teil der Repräsentantenyersammlung auf den Standpunkt, daß nur durch Schaffung einer von der Autorität der Gemeinden, als fien Urzellen jüdischen Lebens, getragenen Reichsvertretung eine der Gesamtheit der deutschen Juden verantwortliche und ihr 'nützliche Reichsorganisation möglich sein. In der Versammlung wurde angeführt, daß hinter diesem Willen der Repräsentantenversammlung der Wille der'gesamten jüdischen Bevölkerung in Berlin stehe. Die nachstehende Resolution wurde mit allen Stimmen gegen eine Stimme angenommen. Hieraus ergibt sich mit Deutlichkeit, daß der. in der Entschließung zum Ausdruck kommende Wille der Gemeinde Berlin der einmütigen Zustimmung der Gemeindemitglieder sicher ist. „Die Reichsvertretung der deutschen; Juden wolle Kenntnis nehmen von folgenden Beschlüssen: 1. Die Reichsvertretung der deutschen Juden muß die Autonomie der Gemeinden unangetastet lassen. 2. Die Reichsvertretung der deutschen Juden muß sich grundsätzlich auf der Grundlage der jü- " . dischen Gemeinden aufbauen, sie kann daher auf die organische 'Eingliederung der Gemeinden nicht verzichten/!' . Die ..umgestaltete kexchsvertretung soll ein getreues Spiegelbild der im deutschen'Juden vorhandenen Kräfte, darstellen." Das Essener Urteil. Essen, 14. Oktober. Im Essener Abtreibungsprozeß wurde folgendes Urteil gefällt: Der Angeklagte Goldberg wurde wegen gewerbsmäßiger Abtreibung zu 2l/2 Jahre Gefängnis, der Angeklagte Stern wegen Beihilfe Zur einfachen Abtreibung' zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Beiden Angeklagten wurde die Untersuchungshaft angerechnet; damit gilt für 'den Angeklagten Stern die Strafe bereits als verbüßt. Die Begründung des Urteils weicht .erheblich vom Antrag des Staatsanwalts ab, der 6 Jahre bezw. 2%'JJahre Zuchthaus beantragt hatte. Der Vorsitzende führte u. a. aus; Es seien alle Umstände gewissenhaft geprüft worden' und das Gericht

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