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Der Israelit · 1934-10-18 · Heft 42 (18.10.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 42 (18.10.1934)
Date
1934-10-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 42 Der Israelit 18. Oktober 1934 Die blaue Beitragskarte für Hilfe und Aufbau ist ein Ausdruck des jüdischen Lebens- und Gemeinschaftswillens, der Verantwortung und des Opfers! sei ohne Voreingenommenheit an den zur Verhandlung stehenden Fragenkomplex herangegan gen. Für das Schwurgericht habe es sich lediglich um einen reinen Kriminalfall gehandelt und um nichts anderes. Diese Feststellung richtet sich gegen den Staatsanwalt, der, wie berichtet, in seiner Anklagerede erklärte, daß Unterschiede der Rassenzugehörigkeit für die Beurteilung des Falles von Bedeutung seien. Jüdische Jugendverbände. Hamburg, 15. Oktober. Auch Hamburg hat nunmehr eine besondere Polizeiverordnung über jüdische Ju gendverbände erlassen. Verboten wird, wie in voraufgehenden Verordnungen anderer Stellen, u. a. öffentliches Tragen einheitlicher Kleidung, Mitführen von Fahnen und Wimpeln, gemeinsame Auf- und Ausmärsche Verkauf oder Vertrieb irgendwelcher Presseerzeugnisse. Erlaubt sind u. a. sportliche Betätigung, zwangloses Spazierengehen und Wanderungen in kleinem Rahmen. Oesterreich. Die Auswanderung aus Oesterreich nach Palästina. Wien, 4. Oktober. Laut der offiziellen Mitteilung des österreichischen Wanderungsamtes vom 1. Oktober sind aus Oesterreich im Monat Juli 360 Personen (gegen 191 Personen im Vormonat) nach Uebersee und die Sowjetunion ausgewandert. Als Reiseziel wählten u. a. 29 Personen die Vereinigten Staaten, 11 Argentinien, 15 Paraguay, 9 die britischen Kolonien und 35 Palästina. Nur die Auswanderung nach Brasilien, die auf Grund der bekannten Separataktion des früheren Ministers Thaler, der mit einer eigenen Gruppe eine österreichische Landwirtschaftskolonie in Brasilien gründet, für die der österreichische Staat einen erheblichen Kostenbeitrag leistet, weist eine höhere Zahl auf. Jedoch ist dies eine Einzelerscheinung, die bei Beurteilung der normalen Auswanderungsentwicklung außer Ansatz bleiben muß. Im September war die Auswanderung aus Wien nach Palästina etwas höher als im Juli und August. Durch das Palästina-Amt allein sind 50 Zertifikat- Auswanderer und weitere 25 Personen abgefertigt worden. Für Oktober ist eine weitere Steigerung zu erwarten. Am 2. Oktober sind 32 Personen, unter ihnen 25 Chaluzim, abgereist. Ihnen sollen am 16. Oktober 30 und am 30. Oktober 40 Chaluzim und Handwerker folgen. Ungarn. Der Präsident der Budapester orthodoxen Kultusgemeinde über jüdische Probleme. Budapest, 3. Oktober. Anläßlich des Jahresbeginns empfing der Präsident der Budapester autonomen orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde, Abraham Freudiger von Obuda, der vor kurzem vom Relchsyerweser durch Verleihung des Titels eines Königlich ungarischen Oberregierungsrates ausgezeichnet wurde, den Budapester Vertreter der ITA. und äußerte sich ihm gegenüber folgendermaßen über eine Reihe aktueller jüdischer Probleme: ,,Die Verstümmelung Ungarns durch das Diktat von Trianon, das wichtige Handelszentren, wie Sopron, Szegedin, Nagykanizsa, Pees usw. ihres natürlichen Hinterlandes beraubte, hat," erklärt Herr v. Freudiger, „die jüdischen Geschäftsleute begreiflicherweise äußerst schwer betroffen. Wir Orthodoxen, die wir deü Sabbat und die Feiertage durch volle Arbeits- Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez JisroeL (Nach Palnews.) Tel A w i w. Der Jahresbericht der Anglo Palestine Bank enthält einen kurzen Hinweis, daß die Arrangements zur Uebernahme des Bankgeschäftes der Muttergesellschaft der Bank, des Jewish Colon i a 1 Trust, abgeschlossen wurden. Es wird beanstandet, daß diese Transaktion vorgenommen wird, ohne daß eine Generalversammlung des Jewish Colonial Trust darüber ordnungsgemäß beschlossen hat. Das Kapital des Jewish Colonial Trust soll ganz oder zum größten Teil verloren sein. — Haifa. Der Stellvertreter des High Commissioner hat der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Bau der Haifa-Bagdad-Bahn, die nach Teheran verlängert werden soll, innerhalb der nächsten 5 „Jahre beendet sein werde. Jaffa. Die jüdischen Zeitungen des Landes verbreiten eine Nachricht, nach der die Handelskammer Hamburg der cyprischen Regierung den Export cyprischer Orangen nach Deutschland im Austausch gegen Industrieerzeugnisse vorgeschlagen habe, Die Initiative hierzu hat indessen die cyprische Handelskammer ergriffen. Der Orangenexport Cyperns belief sich in der letzten Saison auf wenig mehr als 100.000 Kisten. Die neue Ernte ist ungünstiger ausgefallen. Jerusale m. In den ersten 6 Monaten des Jahres 1934 hat sich die Zahl der jüdischen Palästina- Touristen von 30.000 im Vorjahre auf 35.000 erhöht. Tel A w i w. Die Wiener Lederwarenfabrik Rabl u. Grün hat die Errichtung einer Lederwarerifabrik zur Herstellung feinster Lederwaren (Handtaschen) in Tel Awiw .mit einem Kapital von 4000 Lst. in Aussicht genommen. Haifa. Die Pläne zur Errichtung einer Papierfabrik in Palästina nehmen greifbare Formen an. Die Fabrik, die in der Nähe von Haifa errichtet werden soll, wird in erster Linie Papier für Briefumschläge, Pack- und Tütenpapier, insbesondere auch Plakatpapier und dergl. erzeugen und zwar 8—10 Tonnen im Tag. Die Maschinen sind in Holland gekauft worden. Tel Awiw. Die Berliner Speditionsfirma Silberstein beabsichtigt in Palästina ein Speditionsunternehmen ins Leben zu rufen. Haifa. Unter den verschiedenen Fabrikprojekten, die in der Haifa-Bay zur Ausführung gebracht werden sollten, ist die Errichtung einer Gummi- sowie einer Hefefabrik aufgegeben worden. Jerusa- 1 e m. Die Ackerbauabteilung der Regierung wird als Hilfeleistung an die Bienenzüchter in Anbetracht der teilweisen Fehlschläge der Imkereien,in der letzten Saison den Imkern zollfreien Zucker abgeben. T e I Awiw. Die anfangs 1933 in Tel Awiw gegründete Filmgesellschaft Orient Film Cooperation Ltd. mußte ihren Betrieb einstellen, nachdem sie 12.000 Lst. in das Unternehmen investiert hatte. Der Mißerfolg soll auf Mangel an Erfahrung in der Organisation zurückzuführen sein Die filmindustriellen Möglichkeiten Palästinas warten also noch auf Inangriffnahme durch gründlich erfahrene Kräfte. Nablus. Die hiesigen Seifenfabrikanten haben beschlossen, in diesem Jahre keine von lokalen Produzenten hergestellten Olivenöle zu kaufen, weil, die Dorfbewohner das Olivenöl mit minderwertigen importierten Oelen mischen. Tel Awiw. Zu Beginn des Monats ist eine 40prozentige Steigerung des Brotpreises erfolgt, was eine ernsthafte Belastung der an. sich bereits außerordentlich hohen Lebenshaltungskosten in Palästina darstellt. Die Brotpreissteigerung übersteigt jedes gerechtfertigte Maß, da lediglich die Mehlpreise um 30 Proz, gestiegen sind. Der Mehlpreis macht aber nur einen verhältnismäßig geringfügigen Teil der Brotherstellungskosten aus und würde höchstens eine lOprozentige Steigerung rechtfertigen. — Jerusalem. Die Palestine-Land-Development Cy. hat die Konzession für die Trockenlegung des Huly-Sumpfgebietes von der Regierung gegen eine Gebühr von Lst. 150.000 gekauft. Die Gesellschaft muß, nachdem sie das ganze Gelände trockengelegt hat, der Regierung kostenlos ein Drittel des Gebietes abgeben.- Die Sanierung der 50.000 Dunam stellt sich schätzungsweise auf eine halbe Million Pfund, so daß die Kosten nach Abtretung des Regierungsdrittels recht hoch sein werden. -''''' :'■ ruhe heiligen, leiden natürlich unter den erschwerten wirtschaftlichen Exlstenzyerhältnissen und der sich immer weiter verschärfenden Konkurrenz am meisten. Die Bewegung, die jetzt in der ganzen , Welt zur Neuregelung der Produktion und zur Einführung der 30 Arbeitsstunden-Woche eingesetzt hat, also je sechs Arbeitsstunden an fünf Tagen der Woche systemisieren will, verfolgt ein Ziel, dessen Erreichung für unsorthodoxe Juden ein wahrer Segen wäre. Wir könn^ ten dann ohne besondere Belastung den Sabbat halten, zugleich aber "würde sich das Glaubensleben der gesamten Judenheit vertiefen, da auch die neplogen (liberalen) Juden nunmehr keinen Grund hätten, den Sabbat zu entweihen. Wenn auch diese Ziele von ihrer Verwirklichung noch weit entfernt sind, so läßt sich doch schon jetzt in den Reihen unserer Gemeinschaft — ich denke da vor allem an die nichtorthodoxen Kreise — ein gewisser konservativer Zug feststellen, wie dies erfahrungsgemäß nach jeder bedeutenden weltgeschichtlichen Epoche, nach Kriegen, Revolutionen usw. der Fall zu sein pflegt. Die bedrückten Seelen nehmen zu den Tröstungen der Religion, freilich oft auch zum Mystizismus ihre Zuflucfit. In dem heutigen Chaos muß das uralte g'ttliche Gebot „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" unser Leitstern sein. Die jüdischen Eltern müssen zu den Grundprinzipien der Thora zurückkehren und der rat- und ideallosen Jugend die verlorene Religiosität und den Glauben an G'ttes Güte wiedergeben. Nicht G'tt hat uns verlassen, sondern wir haben die Wege G'ttes verlassen , . . Thora und Tradition der jüdischen Jugend! Was aber Erez Israel betrifft, so handelt es sich hier meines Erachtens um ein wirtschaftliches Problem. Hunderttausende unserer jüdischen Brüder sind existenzlos geworden. Viele Landesgrenzen sind vor ihnen versperrt; wohin anders sollten sie sich wenden als nach Palästina, wo sich der Jude vor der Konkurrenz der Neuankömmlinge nicht zu fürchten braucht, sondern dem obdachlosen Bruder eine neue Existenz bieten kann? Es ist überaus bedauerlich, daß die Einwanderung noch immer derart erschwert ist. Wohl müßte eine maßlose, unkontrollierte Einwanderung zu einer WirtschaftskatastropTie führen, andererseits aber dürfte das jüdische Einwanderungsproblem nicht mit solcher Engherzigkeit behandelt werden,- wie dies heute geschieht, obwohl in Palästina fühlbarer Mangel an geschulten Arbeitskräften besteht. Es sollten unbedingt soviel Juden wie das Land zu erhalten vermag, frei zugelassen werden. Orthodoxie und Neologie in Ungarn. Aeußerungen des Präsidenten der ungarländischen orthodoxen Landeskanzlei, Budapest, 12. Oktober. Der neue Präsident der ungarländischen autonomen orthodoxen Landeskanzlei, Samuel Kahan- Fr an kl, äußerte sich zwecks Vermeidung von -Mißverständnissen in den Kreisen des ausländischen Judentums über die Stellungnahme der ungarischen Orthodoxie zu dem bevorstehenden neolog-jüdischen Landeskongreß dem ITA-Vertreter gegenüber wie folgt: Wenn wir Orthodoxen auch nicht unmittelbar durch den Landeskongreß tangiert werden, so haben vir doch großes Interesse für diese Versammlung, die dazu berufen ist, die Statuten der neologen ungarisciren Judenheit zu ergänzen. Anläßlich der ersten Meldungen über die Einberufung des Kongresses war im Auslande hie und da die Auffassung verbreitet, als ob es sich um einen einheitlichen Landeskongreß der gesamten ungarischen Judenheit handelte. Das ist nicht der Fall, da dieser Kongreß nur die neologe Judenheit angeht. Das hat seine wichtigen Ursachen. Die Kongreß-Statuten vom Jahre 1868/69 wurden bis auf den heutigen Tag nicht abgeändert, obwohl dieselben ursprünglich für das gesamte ungarische Judentum gedacht und für Groß-Ungarn zugeschnitten waren. Da die Orthodoxie dieselben nie akzeptierte und im Jahre 1871 König Franz Josef I. die Autonomie der ungarischen jüdischen Orthodoxie sanktionierte, hatten die Kongreß-Statuten demgemäß nur für die Neologie Gültigkeit und waren daher von Anbeginn einer Revision bedürftig. Die damaligen Führer der Neologie hatten diese Revision nicht yprr

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