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Der Israelit · 1934-10-18 · Heft 42 (18.10.1934) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 42 (18.10.1934)
Date
1934-10-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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jaster Presse ius gezr Pa- \ro Pamigrale und it hat, Schafnigrie- 2r Be- Chaim einer isloser sation i Protische einem er der n vor tvaren [aupt- Paris iivurde „Frajegung a Ordnen, schau 18. Oktober 1934 Der Israelit Nr. 42 Seite 3 Die Tragik des Misrachi. [(Fortsetzung von Seite 1.) rung von Jahrzehnten rückschauend genau anzugeben, wie es hätte gemacht werden sollen. Verstehen ist alles. Es hatten die Väter des Misrachi weder Geduld mit sich selbst, noch Geduld mit dem thoratreuen Volk. So entstand der Misrachi, wie er entstand. Und weil er so entstanden war, wie er entstand, und weil er sich so entwickelt hatte, wie er sich entwickelte, sah die Mehrzahl der Thorafürsten in ihm nur eine — Vorfrucht des Zionismus. Zwischen dem Misrachi und uns stand der Zionismus. Nicht das Denken, sondern das Fühlen der Persönlichkeit entscheidet. Das Fühlen des Misrachi aber war durchaus zionistisch. Warum es verschweigen? Die Tefillin am Arm des Misrachisten brachten keine Annäherung, sondern vertieften nur den Gegensatz. Waren es nicht die gleichen Tefillin wie an unserem Arm? Eben darum! Uns schien Zionismus mit Tefillin gefährlicher, als Zionismus — ohne Tefillin. Und dann kam — endlich — die Aguda. Auch sie zunächst im Grunde, gleich dem Misrachi,. ohne klare Selbsterkenntnis; gewissermaßen aus der Not heraus. Es hat damals an Stimmen nicht gefehlt, die sich dafür einsetzten, die Tefillin am Arm der Einzelnen — Tefillin hier und Tefillin dort — zum Schiboleth der Aguda zu machen und in ihr und durch sie die Einigung aller individuell Thoratreuen zu erstreben. Mein Vater V'XT hat diesem Streben, aus innerster Ueberzeugung, schärfsten Widerstand entgegengestellt. Ihm war von Anfang an die Aguda ohne die „Krone" der alleinherrschenden Thora, ohne rückhaltloses Bekenntnis zur Thora als einziger Konstituante jüdischen Gemeinschaftslebens ' jeder Gestalt, ohne entschlossenen Kampf gegen jede Einrichtung und gegen jeden Personenkreis, die neben der Königsfahne der Thora auch die Empörerfahne des Abfalls duldeten, einfach nicht denkbar, — Müßig ist es heute, in , eine Erörterung darüber einzutreten, ob eine Aguda unter Abstraktion von den die Thoratreuen trennenden Gegensätzen überhaupt lebensfähig, ob sie es ohne Gefährdung der von der „unabhängigen Orthodoxie" mühsam gewonnenen Positionen gewesen wäre: es genügt die Feststellung, daß die Aguda diese Abstraktion tatsächlich nicht vorgenommen hat. Je mehr aber die Aguda zum Organ der alleinherrschenden Thora wurde, der Thora also als einziger Gemeinschaftskonstituante, um so deutlicher mußte sich von ihr der Misrachi als — Fraktion der zionistischen Organisation abheben. Hier handelte es sich wirklich nicht mehr um „einzelne Meinungsverschiedenheiten", sondern um nichts Geringeres, als um die öffentlichrechtliche Geltung der Thora im währenden Göhls. Dabei kann man nicht einmal sagen, daß diese Geltung etwa theoretisch vom Misrachi in seinen besten Erscheinungsformen bestritten'' würde, llrteofern waren es überhaupt keine „Meinungsverschiedenheiten", Nicht das Meinen, sondern das Fühlen, nicht das Denken, sondern das Wollen war verschieden, Der Gegensatz wurzelte im Pathos der Persönlichkeit. — Der Misrachist, fühlend ganz. und gar Zionist, sah im Agudisten in erster Reihe den Antizionisten. Der Agudist, fühlend ganz und gar Antizionist, sah im Misrachisten in erster Reihe den . Zionisten. : Im Augenblick aber, da die Aguda an der Gegensätzlichkeit zum: Misrachi Organ der allein-' nerrschenden Thora wurde, setzte in der thoratreuen Welt eine Entwicklung ein, innerhalb, oere'n wir noch heute stehen, eine Entwicklung, die selbst im Kreise der Aguda einstweilen nur von Wenigen erkannt und richtig verstanden wird, von der aber die ganze 'Zukunft unseres Volkes — nach menschlichem Ermessen r-rf abhängt; ich meine die Entwicklung des thoratreuen jüdischen Volkes in allen seinen Gliedern zu geschichtlichem Fühlen, zu geschichtlichem Wollen, zu geschichtlichem Handeln: Kurzum, zur bewußten Rückkehr in die Geschichte,in dieMetageschichte des G'ttes. volkes. Im Zionismus trat das jüdische Volk in die Geschichte ohne die Thora. Im Misrachi trat das jüdische Volk in die Geschichte, und es hatte ein jeder die Thora für sich im Arm, gleichwie unsere Väter einst aus Mizrajim zogen und für die eigene Zehrung den Backtrog auf der Schulter trugen. Im Agudismus soll das jüdische Volk in die Geschichte treten, und es soll die Thora ihm auf diesem Wege gleich einer Wolkensäule tags und gleich einer Feuersäule nachts vorangehen. Denn dies, und nichts anderes, bedeutet ja die Organschaft für die alleinherrschende Thora: den Einzelnen und die Verbände der Einzelnen aus der Vereinsamung ihres individuellen Galuthdaseins herausholen und durch die volkbeherrschende Thora in unmittelbare Beziehung zu diesem Volke selber bringen, daß der Einzelne sich ihm geschichtlich verantwortlich weiß, daß er die tausendfältigen Gefahren persönlich erlebt, die heute die Thoraherrschaft im Galuth mehr als je umdrohen, daß er die tausendfältigen Wunden, persönlich fühlt, aus denen das Thoravolk im Galuth heute mehr als je blutet, daß er den Zusammenbruch des G'ttesstaates, die Zertrümmerung des G'tteshauses also empfindet, als wäre es gestern geschehen —: und daß er entsprechend handelt. Es ist eine wahrhaft revolutionäre Umgestaltung der ganzen Seelenhaltung der Einzelnen. Vom Tage des Chorban setzte eine Entwicklung ein, die uns immer mehr zerstreute, uns immer mehr in unserem geschichtlichen Dasein als Volk der Thora, in unserer Handlungsfähigkeit als Volk der Thora verkümmern ließ, die Thora in immer wachsendem Maße nur. als Herrscherin der Individuen, der Gemeinden, der Gemeindeverbände, nicht mehr aber als Herrscherin des ganzen Volkes als solchen walten sah, uns immer mehr also aus unserer nationalen Thorageschichte hinausführte. Schon aber ist der Jezer hora des jüdischen Volkes geschichtlich am Werk. Der 5Lgudismus ist dazu berufen, ihm den Jezer hatauw des jüdischen Volkes entgegenzustemmen und ihn zu überwinden. Der Agudismus ist die große Konzentrationsbewe.gung der Glieder des jüdischen Volkes zur Wiederherstellung der Volkseinheit der Thora über alle Galuthräume hinweg, zum Aufbruch in unsere eigenste Meta- .geschichte, zur irdischen Darstellung der ewigen Knesseth Jisrael, untfennbar von Israels. Thora, untrennbar von Israels — Land. Auch Von Israels Land, Nur wenige, selbst in unseren; agudistischen Reihen, verstehen bereits heute die Stellung von Erez Jisroel in. der. Idee des Agudismus, Noch steht die. Entwicklung in ihren'Anfängen. — Es hätte der Misrachi, fortgerissen vom Zionismus, die Geschichtlichkeit unseres Volkes und damit auch die Geschichtlichkeit unseres Landes erfühlt, ohne freilich zugleich für die Geschichtlichkeit der Thora fühlend zu entflammen. Schon hat die Aguda die Geschichtlichkeit der Thora und damit zugleich die Geschichtlichkeit unseres Volkes erfühlt. Noch aber ist sie nicht so weit, auch die Geschichtlichkeit des Landes wirklich zu erfühlen. Noch ist bei ihr das Gefühl für die Geschichtlichkeit der Thora und damit für die Geschichtlichkeit unseres Volkes'nicht, so weit erstarkt, daß allenthalben das Gefühl für die g e s c h i c h 11 i c h e Einheit von Thora, Volk und Land elementar. zum1 Durchbruch kommen und damit allererst 1' die Aguda: i zur wirklichen Erscheinungsform der ewigen Knesseth Jisrael, nicht nur der gedachten, sondern der geschauten, erheben könnte. Seltsame Tragik: diejenigen Thoratreuen, die am frühesten von der Geschichte ergriffen waren, am frühesten die Geschichtlichkeit des Landes erlebten, verlassen das Lager der Thoratreuen und berauben es damit eines Ferments, das die Entwicklung wesentlich hätte beschleunigen können, indes sie sich nun im Lager der Thorafremden in einem zukunftlosen Kampf aufreiben, im Lager der Thoratreuen aber die Entwicklung schon durch den gegen sie selber notwendig gewordenen Kampf nicht nur nicht fördern, sondern hemmen. Seltsame Tragik: vielleicht ist es, geschichtlich gesehen, gerade der Gegensatz zum Misrachi, der die Aguda den richtigen Weg gehen ließ. Richtig, trotz des Torso, das die heutige Aguda noch darstellt. Geschichtlichkeit der Thora ohne Geschichtlichkeit des Landes ist weit weniger gefährlich, als Geschichtlichkeit des Landes ohne Geschichtlichkeit der Thora. Läßt man alle „Ambitiönchen und kleinlichen Interessen" gänzlich fort, so kann man wohl sagen:- Ideell trennt den heutigen Misrachi von der heutigen Aguda das bei der Aguda noch nicht zum Durchbruch gekommene Gefühl für die Geschichtlichkeit des Landes; trennt die heutige Aguda vom heutigen Misrachi das bei diesem nicht zum Durchbruch gekommene Gefühl für die Geschichtlichkeit der Thora. Mögen Amiel und die Seinen im Lager des Misrachi für die Geschichtlichkeit der Thora kämpfen. Im Lager der Aguda werde ich nicht aufhören, für die Geschichtlichkeit des Landes zu kämpfen. Setzen wir beide uns durch, so sind zwei Weltorganisationen erstanden, denen Thora, Volk und Land, denen Knesseth Jisroel geschichtliche Realität geworden sind! Wie zwei Quecksilbertropfen werden sie alsdann bei der leisesten Berührung ineinander aufgehen. Und dann erst wird die Tragik des Misrachi beschlossen sein. — — X. Und bis dahin? Soll das Land, kann es denn so lange warten? Unsäglich schwach ist heute die Thoratreue, wenn man die Kolonien zählt, in denen die Thora herrscht, wenn man die Schulen zählt, die die Jugend einen erprobten Weg zur Thora führen, wenn man die heimischen Jünglinge zählt, die sich den Jeschiwoth zuwenden, wenn man die Struktur der Geistigkeit erwägt, die dem ganzen gesellschaftlichen Leben das Gepräge verleiht, wenn man an Histadruth und Revisionisten denkt, deren Gegensatz die Gemüter bewegt- Die Stimmung der Gasse ist nur zu sehr geneigt, den. wirklich Thoratreuen mit dem Sohne Zurischaddai's zu verwechseln. Sie hat keine Antipathie gegen ihn. Aber sie genießt die großen Leistungen der neu erstandenen Wirtschaft, die fast durchweg von Thorafremden stammen. Und sie sieht bei den Thorar treuen Hader und Zwietracht, sieht nichts, was ihr imponieren könnte. Können Aguda und Misrachi nicht heute schon irgendwie zusammengehen? Das hängt vom Echo ab, das die Schrift Amieis im Lager des Misrachi finden wird, Ein in völlig er Zersetzung b e -. f i n d 1 i c h e r Misrachi k a nn kein Bundesgenosse se i n. Orthodoxer Zionismus ist, jede Zeile der Schrift Amieis bezeugt es, ein Widerspruch in sich. Vergebens sucht Amiel für diesen Widerspruch ein geschichtliches Vorbild in der westeuropäischen Orthodoxie Rabbiners Hirschs Niemals hat Rabbiner Hirsch die westeuropäische Kultur übernehmen und ihr die Thora — aufpfropfen wollen. Die Jugend seiner Frankfurter Gemeinde mündete, ohne jede Abkehr von seiner Lehre und von seiner Tradition, in der — Jeschiwoh. Die Tragik,, des Misrachi ist ohne Beispiel. An ihr droht der Misrachi zu' zerbrechen, wenn selbst das erschütternde Mahnwort Amieis ungehört verhallen sollte, . . Es gibt keine bessere. Aussprache zwischen Aguda und Misrachi, als die Aussprache in den Kreisen des Misrachi selber über die Schrift

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