Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1934)
- Date
- 1934-10-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Nr. 41 Der Israelit 11. Oktober 1934 Korrespondenzen, Deutsches Reich. Rechnungsrevision bei jüdischen Körperschaften. Berlin, 6. Oktober. Die von der Reichsvertretung gegründete „Gesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher Interessen von in Deutschland wohnhaften oder wohnhaft gewesenen Juden m. b. H." hat mit Herrn Stadtrat a. D. Dr. jur. Michel in Frankfurt a. M. ein Abkommen geiroffen, wonach dieser bereit ist, auf Grund seiner vieljährigen Erfahrungen als Dezernent des Revisions- und Organisationsamtes der Stadt Frankfurt a. M. die Verwaltungsorganisation jüdischer Körperschaften nachzuprüfen, um die Möglichkeit von Ersparnissen festzustellen. Es wird bei größeren Gemeinden und Körperschaften zweckmäßig sein, sich vor Verabschiedung des Etats für 1935 dieser Möglichkeit einer Nachprüfung ihres Verwaltungswesens zu bedienen. Anfragen sind zu richten an die eingangs genannte Gesellschaft, Berlin-Char lottenburg 2, Kantstr. 158. Die Gesellschaft ist auch bereit, Interessenten bei der Ausfüllung der Hauslisten für die Personen Staads- und Betriebsaufnahme, die als Grundlage für die Neufestsetzung der Einheitswerte und Vermögenssteuerwerte dienen soll, zur Seite zu stehen. Neuwahl zweier Vorstandsmitglieder der Berliner Gemeinde. Berlin, 4. Oktober. In der letzten Sitzung der Repräsentanten-Versammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde sind Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Kurt Tuchler und Dr. Sally Hirsch zu Mitgliedern des Gemeindevorstandes gewählt worden. Diese Neuwahl war dadurch erforderlich geworden, daß zu Beginn des Sommers die Zahl der Gemeindevorsteher von 11 auf 12 erhöht worden ist und ein anderer Vorsteher, Dr. Aron Sandler, seinen Wohnsitz nach Palästina verlegt hat. Die beiden neugewählten Herren treten als zionistische Vertreter in den Vorstand ein. Rabbiner-Seminar zu Berlin. Berlin, 10. Oktober. Das Verzeichnis der Vorlesungen im Winterhalbjahr 1934/35 (5695) weist an erster Stelle die Talmudvorlesungen von Dr. Jechiel Weinberg auf. Dr. Samuel Grünberg bearbeitet das Gebiet der Bibelexegese. Der Talmudunterricht in Abteilung B. liegt in Händen von Dr. Moses Auerbach. Dr. Jcaob Freimann liest über Literaturgeschichte (Raschi); Dr. Alexander A 11 m a n n über Geschichte der jüdischen Religionsphilosöphie. Dr. Esriel Hildesheimers Lehrvorträge' umfassen die spanische Ju d e n - h e i t i m 13. und 14. Jahrhundert. Die Aufnahmeprüfung^ist auf Dienstag, den 16. Oktober, 9 Uhr, die Eröffnung des Wintersemesters auf Dienstag, 16. Oktober, 17 Uhr im Hörb . i - saal I angesetzt. Tagung des Deutschen Landesverbandes des Hechaluz. Berlin, 3. Oktober. Vom 28. September bis zum 1. Oktober fand eine M o a z a des Deutschen Landesverbandes des Hechaluz statt, zu der über 200 Abgesandte aus den einzelnen Teilen der Provinz in Berlin erschienen, um verschiedene Referate über die Arbeit des Hechaluz entgegenzunehmen und Richtlinien für die künftige Arbeit festzulegen. Auf der Tagung wurden Referate über die Kulturarbeit des Hechaluz, über den Stand des Hachschara-Werkes und über die Gestaltung der Hachschara gehalten. Im Mittelpunkte standen Referate von Prof. Martin B tiber und Rabb. Dr. Leo B a e c k. ■ Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez JisroeL In Nr. 11 (September-Oktober) der Zeitschrift „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik "'in Berlin veröffentlicht Dr. Alfred Marcus- Haifa beachtenswerte Ausführungen über die Lage und die Zukunft der palästinensischen Industrie. Er weist daraufhin, daß bei der außerordentlich starken internationalen Verflechtung der palästinensischen Wirtschaft der Handel (und die Handelspolitik) noch sehr wichtige und lohnende Aufgaben zu erfüllen haben. Ferner wird nachgewiesen, daß bei dem Fehlen von Kohle und Erzen in Palästina und angesichts der Notwendigkeit, gegen die Orangenausfuhr industrielle Produkte einzuführen, auf die Einführung von Halbzeug an Stelle von fertigen Produktionsmitteln (Maschinen) für die nächste Zukunft der größte Wert gelegt werden müsse, wenn auch -für den Auge n b 1 i c k , schon wegen des Mangels an geschulten Arbeitern, Maschinenfabriken noch nicht in größerem Maße errichtet werden könnten. Auch sonst macht der Artikel auf eine ganze Reihe wichtiger, bisher nicht genügend beachteter Gesichtspunkte aufmerksam. (Palnews.) J erusalem. Zur Abwehr des Importes billiger japanischer Seidenwaren hat die palästinensische Regierung Kampfzölle auf Seiden und Kunstseidenwaren eingeführt. Die palästinensische Seidenindustrie erhält durch die neuen Zölle einen starken Auftrieb zur Entwicklung. Jerusalem. Die Imperial; Chemical-Industries hat der Jewish Agency für die Durchführung von Bohrungsarbeiten im Emek eine Anleihe in Höhe von Lst. 35.000 zur Verfügung gestellt. Es sollen mit Hilfe "dieses Betrages die Bohrarbeiten an zahlreichen Punkten des Emek aufgenommen werden, an denen zum Teil schon Was-; ser gefunden wurde, zuerst in Rischon und Afuleh. Jerusalem. Die Gründung einer' neuen Gesellschaft für Straßenbau steht bevor. Das Kapital der neuen Gesellschaft wird Lst. 20.000 betragen. Tel A wi w.. Zwischen der Schuh-Sektion des Industriellen - Verbandes, dem Verbände der Schuhhändler und dein Lederarbeiterverband der Histadruth wurde nach längeren Verhandlungen eine Verkaufskonvention für palästinensische Schuhe abgeschlossen. Die Schuhhändler haben sich verpflichtet,' keine ausländischen Schuhe, die unter einem Mini- : malselbstkostenpreis von Lst. 1,3 liegen, mehr zum Verkauf zu bringen. Die palästinensischen Schuhe werden durch eine besondere Marke gekennzeichnet. Jerusa- 1 e m. Durch eine neue Verordnung ist der Gerstenzoll von 1 Müs für das Kilogramm auf 3 Müs ' erhöht worden. Es soll damit dem starken Fallen des Gerstenpreises im nördlichen und insbesondere im südlichen-, Palästina entgegengetreten werden. T e 1 Awiw. Infolge der Schwierigkeiten des Holzimportes über Jaffa hat die Holz- und- Orangenkistenfabrik Edel u. Sohn beschlossen, ihr Unternehmen nach Haifa zu ver-? legen. Die Fabrik erfährt eine. Erweiterung;^ I und wird in* Haifa 40—50' Arbeiter' beschäf-" tigen. Sie will sich auch mit de,r Fabrika- _ tion von hölzernen Autokarosserieteileri beschäftigen. Jaffa. Die Transportverbin-; dung Palästinas mit den Häfen des fernen Ostens (Japan, China, Indien) hat durch die. Einrichtung eines direkten ständigen Ver- - kehrs durch die holländische Schiffahrtsge-' Seilschaft „Holland Vost Aci Lijn" eine wesentliche Verbesserung erfahren. Die Schiffe verkehren monatlich einmal. Damaskus. Jüdische Kaufleute in Damaskus haben sich in der . letzten Zeit für den Absatz jüdischer Industrieprodukte aus Palästina eingesetzt ' J und Läden und Fensterausstellungen palästinensischer Produkte eröffnet. Es soll in Damaskus ein Lagerhaus für palästinensischen Zement eröffnet werden. Beyruth- Eine französisch-syrische Gesellschaft hat der Mandatregierung einen Vorschlag zur;,| Errichtung einer Zuckerfabrik unter der; Voraussetzung ausreichenden Zollschutzes-| unterbreitet. Angesichts der palästiriensi-,jj sehen Tendenzen, sich in der Zuckerver-üj sorgung unabhängig.,vom, Ausland zu machen,!I sind diese Pläne mit Interesse zu Verfölgen. Dr. Buber sagte u. a.:! ,,Die Problematik des Chaluz ist seine Ausgesetztheit. Der neue Menschentyp ist nichts Gesichertes; ihm sind Volk und Land nur Tatsachen. Sie erscheinen ihm aber nicht mit den Urkräften geladen. Er erfährt nicht, daß dieses Volk berufen und dieses Land bestimmt ist. Es gibt für diese Menschen nicht ein aufgetragenes ,Werk vom Geheimnis aus. Deshalb ist das ganze Pathos einer solchen Welt vergänglich. In dem Maße, in dem die Lebensformen Mensch nicht mehr als Erfüllung des Lebens erscheinen, entblättert sich der Sinn; insbesondere dann, wenn ein Zustrom von Genossen stattfindet, die wohl den Situationsantrieb gemeinsam haben, aber nicht mehr die echte Wesenshaltung. Es genügt nicht, Gemeinschaftstendenz zu verwirklichen. Wenn man eine Wahrheit nur durchsetzt und nicht zugleich verwirklicht, dann wird sie zur Fiktion. Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, daß in Palästina ein Primat der Politik sich hervorgekehrt .Jiat, ein Primat der Gesellschaft, der Aktion dem Leben gegenüber. Mit dieser Entwicklung büßt der neue Menschentyp an Kernsubstanz ein. Wenn echte Gemeinschaft immer eine Mitte hat, um die sie sich gruppiert, so fehle diese Mitte bisweilen und rufe die Gefahr der Bündelung hervor. Dann sinken die Menschen in ihre Individualexistenz zurück." Zum Schluß bekannte sich Martin Buber wiederum zum Chaluz. Doch gehe es ihm um die Annahme jeder Urentscheidung und gläubigen Arbeit in ihrer Verwirklichung. Er habe den Glauben, daß dem ungläubigen, irreligiösen Chaluz eine große Mitwirkung an der religiösen Erneuerung bestimmt ist. Schulungswoche des Jüdischen Frauenbundes. Bad-Nauheim;, 10. Oktober, Die diesjährige Gesamtvorstandssitzüng des Jüdisch e n Frau e n b u n d e s erhielt ihr besonderes Gepräge durch die Verbindung mit einer Lernzeit, welche die Mittelstelle für Jüdische Erwachsenenbildung den Mitgliedern des Gesamtvorstands und einer Anzahl interessierter Frauen aus den einzelnen Ortsgruppen vom 4. bis 6. Oktober in Bad Nauheim veranstaltete. Der ernsthafte Versuch, einem Kreis von etwa 50 lernfreudigen, bisher vor allem in der Jüdischen Wohlfahrtsarbeit bewährten Frauen Zugang zu jüdischem Schrifttum und jüdischer Gesetzeskunde zu vermitteln, war schon in der Wahl der Themen glücklich gelöst. Die Interpretation dreier Bibelstellen, in denen altjüdische Mütterweisheit prophetischer Inspiration gewürdigt wurde: Deboralied, Gebet der Hanna, Spruch der Frau aus Thekoa waren die Texte, durch welche Professor Buber in mehreren Lernstunden den Hörerinnen Begriff von der Tiefe und Unantastbarkeit biblischer Diktion zu vermitteln suchte. Dr. Ernst Simon gab eine pädagogisch meisterhafte Darstellung der Ableitung des jüdischen Gesetzes aus dem Wortlaut der Thora bis zu seiner Kodifikation im Schulchan Aruch und ging dann speziell auf jüdisches Eherecht und Ehegesetze ein. Der Sabbat, dem das Jüdische Frauenheim Nauheim, das die Tagung und Gäste beherbergte, die würdige jüdische Atmosphäre gab, wird allen. Teilnehmerinnen im . Gedächtnis :bleiben. Der Sonntag brachte eine reiche, stramm durchgeführter[jTagesordnung, welche die Fülle der vom Frauenbund geleisteten Arbeit und sein ernstes Bemühen um die Lösung der heute brennendsten Probleme^ P^j't'fsausMdung und Umschichtung bewies. . Ein in diesen Tagen erschienener Werbeprospekt wird Interessenten einen U eberblick über das bisher vom Frauenbund Geleistete geben. Die Teilnehmerinnen schieden voneinander mit dem Wissen um viele neue Aufgaben und um ein starkes Erlebnis der Gemeinschaft, welches jüdische Lehre, Frauentum und Arbeit für die Gesamtheitgeschaffen hat. : <• B. F.. England. Gegen den geplanten Legislative-Council* London, 9. Oktober. Auf der außerordentlichen Konferenz der Zionist Federation of Great Britain legte Prof. B,r o d e t z k i , der,-politische Referent der Londoner Exekutive, ein großes Exposee vor, in dem er als~die drei brennenden Fragen für das jüdische, Palästina:..E.i;u w a n, -