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Der Israelit · 1934-10-11 · Heft 41 (11.10.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 41 (11.10.1934)
Date
1934-10-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 41 Der Israelit 11. Oktober 1934 als ein System vom Symbolen zu deuten und hinter der bildhaften, die Phantasie ansprechenden Ausdrucksweise des Sohar beispielsweise, abstrakte Gedanken über G'tt, Welt und Thora zu vermuten. Er zog darum vor, zur Ermittlung dieser Gedanken auf die ursprüngliche Quelle, die Bibel, und die ebenso alte mündliche Ueberlieferung des Talmuds, die Halacha, zurückzugehen und die achtzig Jahre seines Lebens waren von der gigantischen Geistesarbeit der Aufrichtung und Verkündung dieses „seiner selbst bewußten" Judentums in allen seinen Verzweigungen und seiner imposanten Einheitlichkeit wahrlich reichlich ausgefüllt. Irgendwelche ablehnende, verkleinernde oder gai gegnerische Aeußerungen gegenüber der fi»Dn inOJnoder gegen die auf ihr fußenden chassidischen Strömungen im Judentum sind uns in Hirschs Werken nicht bekannt; er ging über diese Dinge — wie über die Tjon "OTT des Ramban— in schweigender Ehrfurcht hinweg, und er durfte es, denn sein Geist war erfüllt von der Lösung der geschichtlichen Aufgabe, zu der die Vorsehung ihn in schicksalsvoller Zeitenwende berufen hatte. Aber gerade darum kann die Frage, ob nicht eine Synthese Hirschischer und kabbalistischer Weltanschauungs- und Gesetzesdeutungs-Elemente möglich, ja heute zu fordern ist, durch die wenigen negativen Bemerkungen Münks nicht als beantwortet gelten. Die Tatsache besteht jedenfalls, daß es in der gesetzestreuen Judenheit Westeuropas Menschen gibt, die, in der Gedankenwelt Hirschs großgeworden, zum Aufbau ihrer individuellen Welt- und Judentums-Anschauung Gedankenelemente aus den Klassikern der Kabbala nicht entbehren zu können glauben, und die solche Einschmelzung keineswegs als Widerspruch oder auch nur als gedankenlosen Elektizismus, sondern als organische Notwendigkeit empfinden. Was zunächst die eigentliche Weltanschauung, die Lehren von G'tt und Welt, Weltschöpfung, Offenbarung, Erlösung, Unsterblichkeit, Auferstehung, Weltuntergang betrifft, so ist es die schon in anderem Zusammenhang erwähnte keusche Zurückhaltung Hirschs gegenüber diesen Dingen, seine, man möchte manchmal sagen, kindliche 0 b j e k t i v it ä t in der nur formell modernisierten Wiedergabe des biblisch-talmudischen Traditionsgutes, was von vornherein einen grundlegenden logischen Widerspruch zur Kabbala ausschließt. Diese fußt ja auf den gleichen dogmatischen Unterlagen wie Hirsch — sie füllt einen von Bibel und Talmud geschaffenen weltanschaulichen Rahme n aus, dessen Weite von S. R. Hirsch nicht verengert worden ist: nvt?p und fl können dort, so scheint es, ebenso wohl, bei denkerischer Verarbeitung und Weiterentwicklung, eine geistige Heimstätte finden wie die älteren Quellenrepösitorien der Kabbala bis zurück zu den Spuren der esoterischen Lehren im Talmud. Anders könnte es auf den ersten Blick stehen mit der Deutung des Gesetzes, den msan 'ayu* Hier scheint der -logisch-begriffliche Symbolismus Hirschs bei den riVTJ? sowohl wie bei r\U21p und ninti) nXölD zunächst unvereinbar mit der kabbalistischen Auffassung, die dem g'ttgebotenen menschlichen Tun ü b e r alles Bewußtsein hinaus reale Wirkungen im Uebersinnlichen zuschreibt. Aber zunächst ist zu bedenken, daß Hirsch selber in *seiner Einleitung zum Choreb und auch sonst seine einheitliche Deutung — so sehr er sie auf wissenschaftlich nachprüfbare . Grundlage zu stellen sich bemühte — niemals als erschöpfende, die g'ttliche- Weisheit restlos erkennende angesehen haben wollte. Hirsch würde die Möglichkeit gewiß zugegeben haben, daß seine ganz ans Bewußtsein appellierende Symbolik der nnj? und D'pin eine Art Logik der Erscheinung s w e 11 (der i p"mn) darstellt, hinter der sich, als „Ding an sich" gleichsam, das Reich der realen, kosmischen Beziehungen der filXB y">*)T) verbirgt, in das eben die Kabbala mit den i h r eigenen Erkenntnis- und Ausdrucksmitteln einzuführen sucht. So wird aber die Kabbala nicht nur zu einer komplementären Ergänzung Hirschs, sondern dieser, so seltsam es klingen möge, auch zu einer notwendigen Ergänzung kabbalistischer Deutung. Die Kabbala beschränkt sich ja immer auf allgemeine Sinndeutung einer Mizwa oder eines Mizwos-Komplexes; sie läßt die halachischen Einzelheiten meist völlig außer Betracht; sie reißt die menschliche Seele hin durch die Größe und Weite ihrer Konzeptionen, aber sie läßt dabei tausend Fragen offen, nach dem Sinn der Nuancen fast jeder Mizwo-Tat. Wer sich dagegen einmal z. B. in Hirschs flllDlp ilEWain ernstem Studium vertieft hat, der wird gerade aus der dort herrschenden B e a c h- . tung der kleinsten halachischen Einzelheiten die Gewißheit schöpfen, daß hier nicht geistreiche Einfälle vorliegen, sondern ein Stück Wahrheit, weil eben die unzähligen Einzelheiten und Nuancen sonst unmöglich zueinander und zur Deutung stimmen könnten. Die Innenseite, gleichsam der transzendente Kern einer von Hirsch symbolisch eigenen hämischen Art und Weise — auch von Scholem (in dem oben erwähnten „Rundschau-Artikel) gesprochen worden, Münk scheint eine Verbindung kabbalistischer Begriffe und Gedankengänge mit den Ideen S. R, Hirschs prinzipiell nicht für möglich zu halten. Scholem wirft Hirsch vor, daß er zwar den Ramban als Depositär echten jüdischen Geistes verherrlicht, aber dessen enge Verbundenheit mit dem Tiomit der Kabbala, quasi unterschlagen habe, und zwar weil mystische Einschläge sein, Hirschs System, in jener Zeit rettungslos diskreditiert haben würden. Also wiederum bloße „Akkomodationstheologie"! Nun hat sich aber Rabb, Hirsch selber — allerdings nur an einer einzigen Stelle seiner Werke — in den „Neunzehn Briefen" über seine Auffassung von der Kabbala ausgesprochen. Es heißt dort im achtzehnten Briefe: „Es trat eine Disziplin ins Leben, von der, als ein Uneingeweihter, zu urteilen ich mir nicht wage, die aber, wenn ich das, was ich von ihr zu verstehen glaube, recht verstehe, unschätzbares Repositorium ist eben jenes Geistes von Th'nach und Schaß; aber dann auch unglücklich mißverstanden worden ist, und was ewiges, fortschreitendes Fortentwickeln ist, als stehender Mechanismus, und was innere Erscheinung und Begriff ist, als äußere Traumwelten begriffen worden. Diese Disziplin trat ins Leben, und der Geist wandte sich entweder jener äußeren scharfsinnigen Entwicklung des Talmuds zu, oder dieser das Gemüt mit ansprechenden Disziplin. Das praktische Judentum, das, wenn sie rein erfaßt worden wäre, vielleicht von Geist sich durchdrungen hätte, ward — da sie mißverstanden worden — in ihr ein magischer Mechanismus, ein Wirken oder Abwehren theosophischer Welten und Unweiten." Aus dieser Aeußerung ergibt sich vor allem, daß Rabb. Hirsch das Studium der weitschichtigen kabbalistischen Literatur in seiner Jugend niemals systematisch betrieben hat, und man geht wohl in der Annahme nicht fehl, daß er auch in späteren Jahren dazu nicht gekommen ist. Von einer bewußten, aus Zweckhaftigkeit geborenen Verleugnung oder Unterdrückung, wie sie Herr Scholem zu unterstellen beliebt, kann also gewiß keine Rede sein. Man mag es bedauern, daß eine so gewaltige, aus dem Gesamtkomplex jüdischer Lehre nicht wegzudenkende Gedankenmasse, wie sie die Kabbala-Literatur von den frühesten Zeiten an darstellt, in den Schmelztiegel Hirsch'scher Judentums-Erfassung nicht mit eingegangen ist, daß sie nicht dort neben T'nach, Schaß und Religionsphilosophie als Ferment der Gedankengestaltung mitgewirkt hat — aber sinnlos ist es, diese historische Tatsache Hirsch als subjektive Verfehlung anzukreiden. Offenbar war Hirsch geneigt, die kabbalistische Begriffswelt Rabbi Meier Schapiro b"pm. Zum ersten Jahrzeitstag am 7. Marcheschwan 5695. Von Rabb. W. Jacobson in Kopenhagen. Hin p inws, Wie sein Name, so war er! Selten, nie vielleicht wurde der Name eines Menschen in so vollendeter Weise zum Zeugnis seines Wesens wie bei ihm: -PK»/ der Leuchtende, «*r»sr» der Schöne! Wie eine leuchtende Sonne strahlte er über den Himmel unseres Lebens, wärmend, befruchtend, die heiße Glut seiner Persönlichkeit über uns ausströmend, ein Bild vollendeter Schönheit, zwang er alle in seinen Bann, bezauberte er die Seelen. ma law. Sein Innerstes entsprach seinem Aeußern! Leuchtend wie seine Miene, strahlend wie sein Auge war sein Geist, in Wahrheit vjb -pkd diu nnan, schön, edel und gütig wie sein Gesicht war seine Seele, ragend wie sein Wuchs die Leistung seines Lebens, wuchtig wie sein Schritt das Werk, mit dem er uns segnete! Drei Wochen — vom 17. Tamus bis zum 8. Aw — zählt das jüdische Volk seit je als die Wochen seiner Trauer, zweimal drei Wochen, sechs Wochen zählen wir vom Sterben des einen Großen zum Sterben des andern Großen: am 24. Elul 5693 ging der Chofez Chajim von uns, am 7, Cheschwan 5694 er, Rabbi Meir Schapiro! Aus der Vergangenheit ragte der Chofez Chajim hinein in unsere Gegenwart, sein Besitz bedeutete uns heilige, g'ttnahe Ruhe und Vollendung, aus der Gegenwart wies Rabbi Meir Schapiro in die Zukunft, sein Besitz bedeutete uns heilige, menschenformende Arbeit und Hingebung! tm in Kn^nisi bvr\v-> mpn. „Der Heilige, gelobt sei Er, Israel und die Lehre, sie bilden eine heilige, unlösbare Einheit!" Der Dienst an dieser Einheit, das war nach einem Wort von Rabbi Meir Schapiro, der Dienst des Chofez Chajim an G'tt und Volk! Durch die D'Tnrv die er verfaßte und vorlebte, tat er diesen dreifachen Dienst: Im D"n psn nao zeigte er Israel, zeigte er der Volksgesamtheit den Weg zum Leben, zur Vollendung, im mm ftftp» nso ebnete er den Weg der min, kündete er die na*-». Im nal>.i »tnp'i» bereitete er die «lTD? vor, den Dienst vor G ' 11! u rmw na ma aixv maa, Das Maß, mit dem Rabbi Meir Schapiro die Wirkung und Wirksamkeit des Chofez Chajim umschrieb, dieses Maß dürfen wir auch an seine weltweite Leistung legen. Ahnte die Welt schon die ganze Größe, als man anfing, bewundernd vom „Schätzer Illui" zu sprechen? Hoffte sie schon auf die gewaltige Persönlichkeit, da der junge Raw von Gliniany begann, an der Stätte seines ersten Wirkens Proben besonderer Tatkraft, besonderer Menschenliebe zu bieten?! Sie sah ein aufstrahlendes Leuchten, sie sah Schönheit sich entfalten, aber ihn, den ganzen Mann und Führer, ihn, Rabbi Meir Schapiro, ihn, unsern Rabbi Meir Schapiro, den sah sie da noch nicht! Sie sah ihn erst, da er an den späteren Stätten' seiner heiligen Arbeit sich vor aller Welt in den Dienst der heiligen Einheit G'ttes, Israels und der Thora stellte! Der „Sanoker Raw": im Dienste des jüdischen Volkes stand er, da er mit aller Kraft den Bau der polnischen, ja, der gesamten Agudas Jisroel errichten half, die erste (und gewiß die zweite) Kenessio Gedaulo ganz in den Glanz seiner Persönlichkeit tauchte, mit seiner unermeßlichen Tatkraft durchströmte. Der „Petrikower Raw": es war sein Dienst an der mm ,wenn er im 'ttv *p einen geistigen Tna oua ^s*i»» schuf, wenn er, unendliche Schwierigkeiten überwindend, den Rabbinischen Rat der Agudas Jisroel wirksam werden half. Der „Lubliner Raw": G'ttes Ehre — er selber hat dies oft ausgesprochen — G'ttes Ehre wollte er auf Erden mehren, wenn er das Riesenwerk der A3'»' l^b^lb '»an errichtete, ganz allein, nur getragen von seinem tintsa, nur beflügelt von der Gewißheit, daß ein Werk O'öp uvb werden und bleiben müsse! In diesen Etappen, die, so kurz sie waren, für uns Epochen wurden, ist seine große öffentliche Arbeit nur angedeutet, wollte man in diesem Rahmen Einzelheiten zeichnen, man fände kein Ende! Denn er war einer der Auserlesenen, die der Gesamtheit dienten, und doch jedem Einzelnen gehörten!1 Seine min*, wir lesen im *»18»n *nK und sind hingerissen von der Leuchtkraft dieses Lichtes. Seine nii&n: wir erinnern uns all der guten Worte, die wir von ihm gehört und können die Träne des Schmerzes nicht einhalten. Seine jyna: hat es Sinn, nur eine hervorzuheben,; wo ihn doch alle guten nm» wie ein Diadem schmückten. :.,•<.•

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