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Der Israelit · 1934-10-05 · Heft 40 (5.10.1934) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 40 (5.10.1934)
Date
1934-10-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 40 Der Israelit 5. Oktober 1934,i;j Polen, Judenfeindliche Ausschreitungen in Lemberg am Vorabend des Sukkosiestes. Lemberg, 23. Sept. Am Sonntag, den 23. September, ist es in Lemberg zu schweren judenfeindiichen Ausschreitungen gekommen, bei denen in jüdischen Lebensmittelgeschäften, denen mit Rücksicht auf die nachfolgenden jüdischen Feiertage durch eine besondere Verordnung gestattet worden war, offenzuhalten, arge Verwüstungen angerichtet wurden. Die Angreifer, vermutlich Studenten, drangen, nachdem sie antisemitische Flugblätter verteilt hatten, in mehrere Lebensmittelgeschäfte ein, mißhandelten die Besitzer und Verkäufer und Übergossen Waren und Einrichtung mit Brennflüssigkeiten. Diese Vorfälle ereigneten sich an mehreren Punkten der Akademicka- und der Strzyska-Straße, wo der jüdische Lebensmittelhändler Daichfeld, ein Mann von 65 Jahren, und seine Frau, sowie der jüdische Kaufmann Friedmann und dessen Frau erheblich verletzt wurden. Die Exzedenten schlössen die Fenster- und Türläden der Überfallenen Geschäfte und überließen die eingeschlossenen Inhaber ihrem Schicksal. Durch die vergossenen selbstentzündlichen Flüssigkeiten geriet das Verpackungsmaterial in Brand, das Feuer grfif auf die Kleider der eingeschlossenen Menschen über. Es entstand eine furchtbare Panik. Auf die Hilferufe der Bedrängten eilten Nachbarn herbei, erbrachen die Geschäfte und dämmten das Feuer ein. Daichfeld und Friedmann wurden in bedenklichem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Zur selben Stunde wurden jüdische Studenten in der Grodecka-Straße überfallen und blutig mißhandelt. Drei Studenten erlitten ernste Verletzungen. Keiner der Teilnehmer an diesen Ueberfällen konnte festgenommen werden. Türkei« Das erste Paiästina-Auswandeningskomitee in der Türkei. Istambul, 20. Sept. In diesen Tagen wurde in Istambul ein jüdisches Komitee gegründet mit dem Ziel, die Auswanderung türkischer Juden nach Palästina zu erleichtern. Es ist dies das erste jüdisch-palästinensische Komitee in der Türkei, wo bekanntlich ein zionistischer Verband nicht besteht. Die neue Organisation wird sich im wesentlichen der Aufgabe widmen, Juden aus Türkisch- Thrazien und den Dardanellen zu helfen, nach Palästina auszuwandern. Angesichts der dort vor kurzem stattgefundenen antijüdischen Ereignisse belinden sich die Juden in diesen Distrikten immer noch in einer sehr schwierigen Lage. Tscheciioslovakei. Aus der Ostslovakei. Presov, 21. Sept. Der bekannte Presover Raw, Oberrabbiner M. Ch. Lau, der vor V/2 Jahren den gegen ihn von politischen Gegnern angezettelten Intriguen weichen mußte, ist, nachdem es endlich gelang, der Wahrheit zum Siege zu verhelfen, am Erew Roschhaschono wieder in Presov eingetroffen, um sein Amt wieder zu übernehmen. Es schweben allerdings immer noch Bemühungen der Piotrkower Gemeinde, Oberrabbiner Lau für sich zu gewinnen. Doch ist zu hoffen, daß der Presover Gemeinde nun endlich eine friedliche Entwicklung unter Führung ihres verehrten geistigen Oberhauptes dauernd gewährleistet bleibt. In C h u s t fand am letzten Donnerstag die feierliche Amtseinführung des Nachfolgers von Oberrabbiner Duschinski, Rabbi Josua G r ü n w a 1 d , statt. Die Beteiligung an dem feierlichen Einzug war so groß, daß die Gendarmerie ausrücken mußte, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Eine weniger erfreuliche Gelegenheit zum Eingreifen fanden die Organe der öffentlichen Sicherheit am letzten Tschuwo-Nachmittag in Mukacevo, wo aus Anlaß der Predigt des Oberrabbiners Spira die zionistische Jugend den G'ttesdienst störte und den Rabbiner und die Gemeindemitglieder mit Tätlichkeiten bedrohte. Mehrere Personen wurden verletzt und mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Palästina. Jerusalemer Gespräche. Jerusalem, 26. Sept. Der Magistrat soll in den nächsten Wochen neugewählt werden, und es . gilt, für die Juden, die weit über 60 Proz. der Bevölkerung ausmachen, eine gebührende Vertretung zu schaffen. An den Arbeiten der jetzigen Stadtverwaltung haben sich die Juden, sehr zum Schaden ihrer Interessen, seit Jahren nicht beteiligt, der arabische Bürgermeister Nashashibi und sein ergebener Anhang herrschten fast unbeschränkt. Die Aufstellung der Wählerlisten ist beendet, danach stehen sich Juden und Araber ungefähr gleichmäßig gegenüber. Stimmberechtigt sind natürlich nur palästinensische Staatsangehörige, und das sind nur wenige Juden des Landes (von ca. 280.000 Juden nur etwa 12.000!). Um die Stimmen nicht im ganzen Lande zu zersplittern und um dem Jischuw die angemessene Vertretung durch Ausnützung aller Stimmen zu sichern, haben fast alle Parteien und Gruppen sich auf eine Einheitsliste geeinigt. Auch Agudas Jisroel hat ihren Kandidaten auf dieser Liste, und die Leitung der Aguda hat damit zu erkennen gegeben, daß sie gewillt ist, der Einheit des Jischuw und der wirksamen Geltendmachung seiner Interessen überall da zu dienen, wo dies ohne Gewissensbedenken und ohne Verletzung halachischer Vorschriften möglich ist. Anders die Revisionisten, die sich zunächst — bei Aufstellung der Wählerlisten — als Gegner der Wahl betätigten, dann aber plötzlich, als die Einheitsliste zustandekam, ihre eigene Liste aufstellten und mit großem Lärm propagierten. Der Oberrabbiner der Kneseth Jisrael hat, nachdem er die offizielle Liste begrüßt hat, nunmehr auch den Kandidaten der Splittergruppe seine Segnung entboten. Rabbi Meier Berlin, der Präsident des Misrachi und Mitglied der Kneseth Jisrael, hat ebenfalls die revisionistische Liste befürwortet, obgleich der offizielle Kandidat des Misrachi auf der Einheitsliste steht. Hier zeigt sich wieder das Bestreben des Misrachi, sich an die revisionistischen Rockschöße zu klammern — für alle Fälle! Die Aguda wurde von den Revisionisten ebenfalls umworben, hat aber eine glatte* Absage erteilt. * * * Schon seit einiger Zeit entzückt den Jerusalemer, der nach Tel Awiw fährt, der Anblick der längs der Landstraße niedergelegten Wasserrohre, die dweinst das Wasser aus dem Yarkon in die heilige, aber an Wassermangel leidende Stadt bringen werden. Und in den letzten Tagen hat man gar schon mit den Erdarbeiten begonnen, die von den Fellachen der umliegenden Dörfer verrichtet werden. Nur wenige machen sich klar, welche historische Umwälzung sich mer vollzieht: Seit den Zeiten des Königs Salomo brachte man das Wasser einiger wenig ergiebiger Quellen, das in den heute noch bestehenden Salomonischen Teichen gesammelt wurde, mittels Pumpen in die hochgelegene Stadt, und diese Wassermenge reichte, auch zusammen mit dem in Zisternen angesammelten Regenwasser, zur Versorgung der Bewohner nicht aus. Heute ist die Wasserversorgung derart geordnet, daß in jedem an die Leitung angeschlossenen Hause Tanks aufgestellt sind, in die das Wasser alle paar Tage von einer Zentrale aus eingepumpt wird. Mit dem so eingefüllten Vorrat muß man bis zur nächsten Füllung auskommen '— falls nicht, so entsteht eine wasserlose Zeit bis zum nächsten Termin. Im Hochsommer liegen die Füllungstermine etwa 5—6 Tage auseinander. Die Wasserleitung, deren endliche Installation auf das energische Betreiben des jetzigen High Commissioner vorgenommen wird, wird der Stadt Jerusalem das Odium der Wasserarmut nehmen, sie wird die Bau- und wirtschaftliche Entwicklung ungeheuer steigern, die Hygiene verbessern und nicht zuletzt den landwirtschaftlichen Anbau der Umgegend fördern. Sieht man z. B., welche Vegetation die Fellachen des Dorfes Silwan (Kfar Schiloah) in nächster Nähe der Stadt mit ihren primitiven Mitteln nur darum erzielen können, weil die altberühmte Siloa-Quelle ihnen die Bewässerung des Bodens gestattet, so läßt sich ermessen, welche Anpflanzungsmöglichkeiten im Weichbild Jerusalems bestenen. Hoffentlich gelingt es, das historische, große Werk der Wasserversorgung Jerusalems binnen kurzem ohne Unterbrechung durchzuführen; die Mittel dazu werden der vor kurzem gewährten englischen Palästina-Anleihe entnommen. M. N. Ben Gurion über die Bedeutung des Wahlergebnisses in Jerusalem. Warschau, 30. Sept. Auf einer in Warschau abgehaltenen Presse-Konferenz äußerte sich der Leiter des politischen Departments der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, David Ben Gurion, .über die Bedeutung des Ergebnisses der Stadtratswahlen in Jerusalem für die weitere Gestaltung der politischen Verhältnisse in Palästina. Das Jerusalemer Wahlergebnis, erklärte Ben Gurion, gebe ein Spiegelbild der letzten Entwicklungs- und Wachstumsperiode des Jischuw. Während dem früheren Stadtrat bloß vier jüdische Mitglieder angehörten, zähle er jetzt sechs jüdische Ratsmänner, soviel wie Aie mohammedanischen und christlichen Vertreter zusammen ausmachen. Dem arabischen Bürgermeister werde ein jüdischer Vize-Bürgermeister zur Seite gestellt werden. Analog der Entwicklung in Jerusalem sei die in Haifa, wo früher von neun Stadtverordneten bloß zwei Juden waren, während sich der neue Stadtrat aus vier Juden, vier Mohammedanern und vier Christen zusammensetzt. Auch dort stellen die Juden den Vize-Bürgermeister. Diese Aenderungen seien von weittragender Bedeutung. Man müsse sich vergegenwärtigen, daß Jerusalem im Kleinen die ganze Buntheit der Zusammensetzung der Judenheit aufweise. Nicht weniger als zwanzig verschiedene Sprachen und Dialekte seien dort im Gebrauch. Aber trotz dieser vielfältigen Zusammensetzung der jüdischen Bevölkerung sei es. gelungen, einen jüdischen Einheitswahlblock zu schaffen, in dem die verschiedensten Richtungen von der Aguda bis zur Arbeiterpartei vertreten waren. Die Revisionisten, die zunächst eine Beteiligung an der Wahl überhaupt abgelehnt hatten, hätten später überraschender Weise eigene Listen aufgestellt, jedoch trotz eifrigster Wahlpropaganda nur eine unbedeutende Stimmenzahl auf sich vereinigt. Die jüdischen Mitglieder des Stadtrats seien in ihren Wahlkreisen mit absoluter Mehrheit gewählt worden. Die Aguda, über die man das Gerücht ausgesprengt hatte, sie werde die Wahlen boykottieren und in den Legislative Council eintreten, habe durch ihr tatsächliches Verhalten hohe politische Reife bekundet: Petach Tikwah soll Stadt werden. Jerusalem, 26. Sept. Wie bereits vor einiger Zeit gemeldet,; soll die im Jahre 1878 gegründete Kolonie Petach Tikwah, die gegenwärtig etwa 16.000 Einwohner hat und mit ihren Orangengärten und Plantagen ein Gebiet von rund 45 Quadratkilometern umfaßt, zur Stadtgemeinde er- . hoben werden. Dieser Beschluß ist nunmehr dem Kolonierat vom Distriktskommissar für den palästinensischen Süd-Distrikt offiziell mitgeteilt worden und bildete den Gegenstand der Beratungen in der letzten Sitzung des Kolonierats. Mit der Erhebung Petach Tikwahs zur Stadtgemeinde wird einem langjährigen Wunsch der palästinensischen Judenheit Rechnung getragen. Es war immer wieder darauf hingewiesen worden, daß es ein anormaler Zustand sei, wenn Petach Tikwah mit seiner großen und stets wachsenden Bevölkerung weiterhin ,hn Range einer Ortsgemeinde, deren Vertretung nur beschränkte Vollmachten besitzt, verbleiben solle, während arabische Ortschaften wie Khan Junis, Meschdel, Beit Dschallah und andere arabische Dörfer, deren Bevölkerungszahl | und Gebiet nur halb so groß sind wie diejenigen Petach Tikwahs, als Stadtgemeinden gelten und ihre eigenen Bürgermeister haben. Der Ausbau der nach Dr. Chaim Arlosoroff benannten Siedlung K i r j a t h C h a j i m im Emek Sebulun, dem großen Terrain des Nationalfonds an der Haifa-Bay, macht bedeutende Fortschritte. Bisher wurden in der Siedlung bereits 400 Häuser errichtet, in denen 2000 Menschen leben. Die Siedler haben sich an die Behörden mit der Bitte gewandt, in Kirjath Chajim ein Postamt zu errichten und eine Telefonverbindung mit Haifa herzustellen.

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