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Der Israelit · 1934-10-05 · Heft 40 (5.10.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 40 (5.10.1934)
Date
1934-10-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 40 Der Israelit 5. Oktober 1934 Edwin Samuel in Berlin, Berlin, 26. Sept In den Tagen vom 21. bis 26. September weilte der stellvertretende Leiter des Einwanderungsamtes der Palästinaregierung, Edwin Samuel in Berlin, um auf seiner Europareise zum Studium der Bedin gungen der jüdischen Palästinawanderung sich über die Verhältnisse des deutschen Judentums zu informieren. Er nahm Gelegenheit, mit den leitenden Persönlichkeiten über die aktuellen Fragen der Aus Wanderung deutscher Juden nach Palästina zu konferieren und die Arbeit der Berufsumschichtung auf einem der großen Lehrgiiter kennenzulernen. Auf einem Empfang, den das Palästina-Amt für den Gast gaben, antwortete Edwin Samuel auf eine Rede von Dr. Sereni mit einer hebiäischen Ansprache, in der er über seine Eindrücke in Berlin berichtete. Der Besuch Samuels dürfte für die weitere Gestaltung der Zusammenarbeit mit den Regierungsstellen in Jerusalem von erheblicher Bedeutung sein. Von Berlin aus begab sich Edwin Samuel nach Holland. Berliner Polizeianordnung über jüdische Jugendverbände. Berlin, 26. Sept. Die Berliner Zeitungen veröffentlichten in den letzten Tagen eine Anordnung, die der Berliner Polizeipräsident als Leiter der Staatspolizeistelle des Landespolizeibezirks Berlin erlassen hat, und in der in Anlehnung an bereits früher ergangene ähnliche Erlasse in anderen Polizeibezirken den Angehörigen der jüdischen Jugendverbände für die Zukunft verboten wird; 1. das öffentliche Traden einheitlicher Kleidung, Uniform, Kluft usw. Hierzu gehört auch das Anlegen einer Bundestracht oder zu einer solchen gehörenden Kleidungsstücke und Abzeichen unter Zivilkleidern sowie das Tragen jeder sonstigen auch nur teilweise einheitlichen Bekleidung, die als Ersatz für die bisherige Bundestracht anzusehen ist. 2. gemeinsame Auf- und Ausmärsche, wehrsportliche und Geländeübungen, insbesondere solche in feldmarschmäßiger Ausrüstung, sowie jegliches geschlossene Marschieren. Sportliche Uebungen, Spaziergänge, Ausflüge und Wanderungen in kleinerem Rahmen werden von diesem Verbot nicht umfaßt, soweit hierbei jeder demonstrative Charakter fehlt. 3. das öffentliche Zeigen oder Mitführen von Fahnen, Bannern, Wimpeln sowie Feldzeichen aller Art. 4. das Zusammenleben in Wohngemeinschaften und jegliches gemeinsame Uebernachten, insbesondere in Privaträumen und Zelten. 5. die Herstellung und Verbreitung von Presse- Erzeugnissen aller Art, insbesondere von Flugblättern und Filmen. Die Nichtbefolgung dieser Anordnung kann die Verhängung von Schutzhaft nach sich ziehen. Unerlaubt getragene Kleidungsstücke und Abzeichen, unerlaubt geführte Fahnen, Banner, Wimpel und andere Feldzeichen sowie unerlaubt hergestellte oder zur Verbreitung gelangende Preise-Erzeugnisse, insbesondere Flugblätter, ebenso Filme können beschlagnahmt werden, Zwei markante Auslassungen. Berlin, 26. Sept. Oberpräsident Wilhelm K u b e , Gauleiter der Kurmark, äußerte sich im „Niederbarnimer Kreisblatt" vom 7. d. M., im Rahmen eines Artikels „Nationalsozialismus", zur Judenfrage: „Bei uns im Osten verstehen wir den Kampf gegen das Judentum; denn für uns im Osten war der Jude stets der neiderfüllte Feind, der Parasit, die Pest für unser Volkstum. Nie vergessen wir das Wort Moltkes, daß der Jude in den Napoleonischen Kriegen beiden kriegführenden Parteien diente und beide verriet. Nie vergessen wir Könitz! Nie vergessen wir, daß Galizien, Kongreßpolen und Posen die ewi-~ gen Pestilenzherde des nach Mitteleuropa und Westeuropa flutenden Judentums waren. Bei uns in der Ostmark übten diese durch Natur zum Betrug und zur Volkszersetzung bestimmten Hetzer und Zerstörer ihr gemeines und niederträchtiges Handwerk, ehe sie auf den Kurfürstendamm Das Schicksal Aller gestaltet des Einzelnen helfende Tat! Kein deutscher Jude ohne die blaue Beitragskarte für Hilfe und Aufbau. Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. Tel A w i w, Ein Sonderbeauftragter der englischen Zentralluftschiffahr tsgesellschaft besuchte Palästina, um die Frage der Errichtung eines zentralen Flughafens im heiligen Lande zu prüfen, der als Stützpunkt für die Linie London—Indien und London— Kapstadt dienen soll. — Istambul. Die Türkei hat ein Clearingverfahren für ihren Import und Export eingerichtet. Da Palästina bisher lediglich für 162.000 Lst. aus der Türkei importiert, dorthin aber nichts exportiert, so besteht für Palästina die Aussicht, im Rahmen des türkischen Clearing- und Kontingentssystems auf dem türkischen Markte Fuß zu fassen, wenn es gelingt, den Austausch zu organisieren. — Tel A w i w. Die im Jahre 1931 gegründete Carosseriefabrik „Har Gaash", welche Carosserien aus Stahl herstellt, ist bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit voll beschäftigt. Der Bedarf an Carosserien für Autobusse ist jedoch in Palästina zur Zeit ein außerordentlich hoher und beläuft sich monatlich auf etwa 40 Wagen, Darüber hinaus konnte das Unternehmen auch für den Bedarf der angrenzenden Länder arbeiten. Die Fabrik wird in Kürze in eine neue Fabrikhalle von 6—700 qm Fläche übersiedeln. — Tel A w i w. Zu der von uns jüngst gebrachten Nachricht über private Abkommen zwischen Italien, Oesterreich und Schweden zur Verdrängung der Jaffa-Orangen wird von Schweden aus ein Dementi veröffentlicht. Eine weitere Klärung der Angelegenheit bleibt abzuwarten. — Jerusalem. Trotz der berechtigten Befürchtungen vor Ueberproduktion werden zahlreiche Neuanlagen von Orangengärten vorbereitet. — Nach England, Sumatra und Batavia wurde eine Versuchssendung von 300 Kisten Weintrauben aus Hebron exportiert. Ein Teil davon ist in Korkpackungen auf Kühlschiffen. — Haifa. Ein arabischas Blatt teilt mit, es sei beabsichtigt, eine Oelleitung von Haifa nach Akaba zu legen, um die strategische Basis von Akaba mit Brennstoff zu versehen. Die Nachricht, obgleich nicht verbürgt, ist in Verbindung mit der jüngst veröffentlichten Meldung über die Anlage einer englischen Flottenbasis in Akaba immerhin beachtenswert. — T e 1 A w i w. Die Haavara hat beschlossen, Transferzahlungen von Rentnern und Schülern in Zukunft bei der Abwicklung zu bevorrechten und ihnen sofort nach ihrem Eintreffen im Lande die ihnen zustehenden Beträge auszuzahlen, ohne daß sie auf die Realisierung ihrer Einzahlungen durch das W a r e n c I e a r i n g warten müssen. — Bagdad. Den Japanern soll es nach einer Pressemitteilung gelungen sein, Irak'sche Kaufleute zur Errichtung japanischer Fabriken unter Leitung industrieller japanischer Fachleute zu gewinnen. Es liegt dies ganz in der Richtung der japanischen Expansionsbestrebungen im nahen Osten. — B e y r u t. Die Zementfabrik in Damaskus hat beschlossen, einen zweiten Ofen nebst der notwendigen Apparatur einzurichten. (Vielleicht wäre es möglich, durch den Bezug von Zement aus Damaskus die palästinensische Zementfabrik Nesher, die bekanntlich in provokatorischer Weise den Sabbat entweiht und Hunderte von Juden zum Chillul Schabbos zwingt, durch Boykottierung zur Wahrung des Sabbatgesetzes zu zwingen?). — T e 1 A w i w. Wie der Haarez berichtet, beabsichtigt eine Gruppe deutscher Juden in Transjordanien in der Nähe des Toten Meeres ein großes Gelände zu pachten, von dem sich 10.000 Dunam für landwirtschaftliche Bearbeitung eignen. Auch eine andere Gesellschaft deutscher Juden soll sich für transjordanischen Boden interessieren und einen Vertreter' nach Ammann zur Verhandlung mit den Bodenbesitzern entsandt haben. und die Jerusalemer Straße losgelassen wurden. So manche Leuchte des Systems von Weimar hat in Krotoschin, Brody und Lemberg das Licht der Welt erblickt. Der 9. November 1918 sah das Judentum in Mitteleuropa siegen. Es hätte nicht siegen können, wenn der Kaiserstaat der Hohenzollern den Juden nicht Tor und Tür geöffnet hätte. Wir wollen nie vergessen, daß alle drei Kaiser aus dem Hause der Hohenzollern betonte Judenfreunde waren. Die Kette führt von Bleichröder zu Ballin und Rathenau. Und während Johann Georg Juden henken und verbrennen ließ, ließen seine Nachkommen im 19. und 20. Jahrhundert Juden in den Grafen- und Fürstenstand erheben. Die meisten Dynastien in Deutschland handelten ebenso ... Das Judentum bleibt der Feind des deutschen Volkes. Das Judentum bleibt der Feind der deutschen Kultur. Das Judentum bleibt der Feind der deutschen Wirtschaft. Das Judentum bleibt der Feind des deutschen Bauerntums und des deutschen Arbeitertums. Das Judentum war auf dem besten Wege, uns rassisch zu versauen. Das Judentum hat den Ruf Deutschlands in der ganzen Welt in Schande und Verruf gebracht. Das Judentum verriet uns am 9. November 1918, das Judentum zerrte den ehrwürdigen Generalfeldmarschall von Hindenburg vor das Schandforum des verbrecherischen Reichstages der Judenrepublik von Weimar, Das Judentum machte die Inflation in Deutschland. Das Judentum war führend bei den Geheimorganisationen der Freimaurer und Illuminaten. Das Judentum beherrschte Presse, Theater, Kino, Politik, Wirtschaft und Kunst im Deutschland der Hohenzollern wie der Republik des Friedrich Ebert. Das Judentum hat allen bürgerlichen und marxistischen Parteien Programme gemacht. Das Judentum hat die deutschen Kolonien genau so ausgeschlachtet, wie die Kraft des arbeitenden deutschen Menschen. Auch nach unserem Siege versucht das Judentum, sich frech und unverschämt wieder breitzumachen. Daran denken wir als alte nationale Sozialisten, wenn wir in Nürnberg tagen. Julius Streicher ist eine durchaus berechtigte Persönlichkeit in der Gesamtfront unseres Führers Adolf Hitler." Einem Bericht des Kölner Westdeutschen Beobachters" zufolge, hat Gauleiter Staatsrat Grohe in einer auf einer Gau-Sporttagung des Bundes deutscher Mädel gehaltenen Rede u. a. folgendes ausgeführt: „Wir wollen auch körperlich schöne Menschen und einen Geist, der wirklich deutschem Wesen entspricht. Wir haben dabei schon immer in der Rassenpolitik erkannt und immer wieder mit Deutlichkeit und Betonung gesagt, daß es wertvolle Rassen, aber auch minderwertige Rassen gibt. So wie ich es vor den Hunderttausenden Hitlerjungen in Aachen betont habe, so spreche ich es auch wieder zu euch und benutze diese ^Gelegenheit gern, wieder zu erklären, daß die jüdische Rasse eine minderwertige Rasse ist. So wie wir in der Oppositionszeit den Juden kennen gelernt haben, so haben wir ihn auch in; diesen Wochen wieder gesehen. Er versucht Aeußerungen von Nationalsozialisten gegeneinander auszuspielen und Mißtrauen zu säen. Wenn er nicht immer Anstrengungen machen würde, in unserem Vaterlande als ein Unsichtbarer einherzugehen, wir würden es nicht nötig haben, ihn zu bekämpfen. So aber müssen wir es. Wir lehnen den Juden nicht nur ab, sondern wir bekämpfen ihn bewußt, so lange, bis er sich aus unserem Volksleben heraushält und uns in Ruhe läßt. Deutsche Art und deutsches Blut rein zu erhalten, dazu habt auch ihr Mädchen verantwortlich beizutragen. Hütet euch vor jedem Kompromiß, der euch in der Theorie liebliche Versprechungen macht, in der Praxis aber etwas ganz anderes will. Mit diesem Kompromiß darf das junge Deutschland nichts zu tun haben. Sehen wir den Juden als eine Gefahr für die menschliche Gesellschaft an, dann können wir anderseits auch nicht freundschaftlich mit ihnen verkehren, als wäre er unsersgleichen. Der Jude ist nicht nur äußerlich gekennzeichnet, sein Empfinden ist auch ein ganz andres als unsers. Er denkt" und handelt anders als wir. Er steht uns fremd und feindlich gegenüber. Wenn wir ihn entschieden bekämp-

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