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Der Israelit · 1934-11-22 · Heft 47 (22.11.1934) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 47 (22.11.1934)
Date
1934-11-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 47 Der Israelit 22. November 1934 Der Kissinger Raw, Rabbiner Dr. Seckel Bamberger (Zum Ende der 0'erVt?)- Eindrucksvoller als alle theoretische Belehrung, wirksamer als jede rhetorische Ueberzeugungskraft ist das praktische Vorbild, wie es das Leben eines vorzüglichen Menschen darstellt. Wenn unsere WeisenV'i den Grundsatz aufstellen ns?j?an kVk ip'» eman vb, so bedeutet das nicht nur die Ablehnung der Lehre, die nicht bis zur Uebung des Wahren und Guten vordringt, es ist sogar damit auch die Ansicht ausgedrückt, daß eine ungleich höhere und stärkere pädagogische Wirkung ausgeht von der Lebens g e s t a 11 u n g eines Menschen als von seiner Lebenserkenntnis. Und hierin liegt auch der erzieherische Wert der Berichte in Tan über das Leben der man, der D'bdiip, der o'X'aj und o">obn, die Bedeutung der Lebensbiographien unserer D'RJfl und DnniöK und der Größen des jüdischen Volkes zu allen Zeiten: D'ja!> ja'D Jim nszrya In diesem Sinne sei nachstehend das Leben und Wirken des heimgegangenen „Kissinger Raws" Rabbiner Dr. Seckel Bamberger V"sr gewürdigt. S. Bamberger ^"ST wurde, im Jahre 1863 zu Fischach (Bayern) als Sohn von ^*st nnnt7'-)/dem späteren Aschaffenburger Raw geboren. nnsE? "i# der älteste Sohn des Würzburger Raws, b'W war ein p'ix und n"n von Format. In einem von min und n»"« getragenen Milieu wuchs b'pyt "i heran, und seine nprn minn entzündete sich in der elterlichen Atmosphäre am Beispiel und an der Erziehung des Vaters, der unermüdlich, bis spät in die Nacht, mit seinen Söhnen lernte. Es wurde dem Schreiber dieser Zeilen von einem Augenzeugen glaubwürdig berichtet, daß an einem naun-Abend, als die Braut von bpvi "i zu Besuch kam, nna» 'n und seine Söhne zu Ehren der Braut ausnahmsweise bereits um 11 Uhr zu lernen aufhörten! Und V*xt nnaw '1 hatte das Glück, seinen Sohn zu einem n*n heranzubilden, der schon in jungen Jahren ein seltenes mna^ besaß. Nachdem Seckel Bamberger zuerst in Würzburg die Lehrerbildungsanstalt seines Großvaters besucht hatte — er selbst hatte, wenn auch nur gelegentlich und als Kind bei Dm?'!? zu Füßen des „Würzburger Raws" sitzen dürfen — widmete er sich der akademischen Laufbahn, und nach dem Studium an verschiedenen Universitäten, u. a, in Berlin, wo er an omjrp rnaa von R. Esriel Hildesheimer V"ST teilnahm, promovierte er (1887) an der Universität Leipzig mit einer Arbeit über denaiö npb ema» deren deutscher Teil die gediegene wissenschaftliche Bildung Seckel Bambergers aufzeigt, in deren hebräischem Teil aber bereits die geläufige Kenntnis in o"p und Q'pois zum Ausdruck kam. In Leipzig trat Seckel Bamberger in sehr enge und freundschaftliche Beziehung zu dem Gaon R. Schimeon Hurwitz V"XT> dem Herausgeber des litna »wv der ihm auch die Hann mnn erteilte. Auch war Seckel Bamberger einer der wenigen deutschen Rabbonim, welcher sich einer mmn nmn von R. Jizchok Elchonon Spektor bM1t in Kowno erfreuen durfte; in ehrenden Worten spricht dieser berühmteste Führer des damaligen Tauroh-Judentums aus, daß er zwar sonst nur selten die nsnn mnn erteile, daß aber dieser junge n*n würdig sei, den Titel Raw zu führen und zu paßkenen. Im Jahre 1888 (5648) wurde Bamberger zum Rabbiner nach Schwersenz (Posen) berufen. Dort gab er das on'iax piar nao heraus. Dasselbe enthält die Glossen des R. Abraham Bing *?~su des Würzburger Oberrabbiners vor S. B. Bamberger, zum Schulchan Aruch Orach Chajim, durch den jugendlichen Herausgeber mit wertvollen und reichhaltigen Anmerkungen versehen. Abgesehen von den eigenen Ausführungen — zur Erklärung der Ansichten von R. Abraham Bing — zeigten sich in diesem Werk bereits Anfänge dessen, was er in seinen späteren anso noch stärker entwickelte: das hinterlassene Geistesgut der Gedaulim seiner Familie der Oeffentlichkeit zu vermitteln. Und so führt er im ornax p-DT sehr oft ninw seines Großvaters S. B. Bamberger ^"st an. Nach vierjährigem Wirken in Schwersenz wurde Rabbiner Bamberger nach Schrimm (ebenfalls Provinz Posen) berufen, einer Stadt, in der zur damaligen Zeit noch eine ganze Anzahl wirklicher rrn wohnten. Von seiner dortigen gesegneten rabbinischen Wirksamkeit zeugen die zahlreichen halachischen Anfragen, die er von Schrimm aus an seinen Vater R. Simche V'ST und an andere D'ann richtete, und die z. T. in seinem nnnw naT nso abgedruckt sind. In hebräischen Tauroh-Zeitschriften, so im nvs^fl Vn finden sich sehr interessante Abhandlungen über halachische Fragen, und wir sehen, wie dieser noch so junge Raw seine halachische Ansicht in aller Bescheidenheit, aber mit großer Klarheit und Sicherheit auch gegen D'Vna aufrechterhält und beweist (z. B. eine Auseinandersetzung mit ungarischen Dnai über die Verwendung eines Pulsameters für nwipn)- Auch in anderen Zeitschriften, wie mUl >mw ^HA* /*JD1» Bpb'l verÖf: fentlichte er damals und später nun 't?nn, gewöhnlich praktische Fragen der Halacha betreffend. — Von Schwersenz und Schrimm aus war er geistig und wissenschaftlich mit der dortigen Metropole, der Stadt Posen verbunden, mit deren Raw, R. Wolf Feilchen feld ^"ST ihn freundschaftliche Beziehungen verknüpften. Als im Jahre 1899 durch den Tod seines Schwiegervaters und Onkels R. Moses Löb Bamberger i>"XT, ebenfalls ein Sohn des „Würzburger Raws", den Kissinger Rabbinatssitz verwaiste, wurde Sekel Bamberger zu seinem Nachfolger gewählt. Nicht leicht wurde ihm der Abschied von Schrimm, der Stätte schöner, angeregter und anregender Wirksamkeit, nicht leicht wurde der nVnp der Abschied von ihrem Raw, der sich größter Beliebtheit erfreute. Im Jahre 1902 siedelte er nach Kissingen über, um alsdann in mehr als 30jähriger Tätigkeit Kissingen und die zahlreichen Distriktsgemeinden zu betreuen. (Im Jahre 1932 trat er in den Ruhestand.) Es war eine Ueberfülle von Pflichten, die an ihn herantrat, und die er in vorbildlicher Treue und gewissenhafter Hingabe erfüllte; unter Umständen, die bisweilen seine dem Kampf abholde Natur zur unerschrockenen, unbeirrbaren Vertretung und Durchsetzung der unverfälschten rums verpflichteten. Höher noch als der Friede stand ihm die kompromißlose Jüdischkeit. Dabei zeigte sich die Größe seiner Persönlichkeit, der persönliche Unbilden und Mißdeutungen nichts von der sicheren Ruhe und Zielbewußtheit rauben konnten — er blieb unbetroffen und zufrieden im Bewußtsein der erfüllten Pflicht. Nichts wurde außer Acht gelassen in Gemeinde und Bezirk: die Erziehung der Jugend, die Beaufsichtigung der Schulen und des Religionsunterrichts, die Sorge für die Unversehrtheit der religiösen Institutionen, insbesondere der nwpa. der no'nt? und der smp 'ISO' das religiöse Leben in den Gemeinden usw. — Auf dem Gebiet des sozialen Lebens setzte er sich ein unvergängliches Denkmal durch die Gründung des „Israelitischen Kurhospiz". Einen Anfangsfonds, den sein Schwiegervater V"ST gesammelt hatte, gestaltete er zu einer segensreich wirkenden Badehilfskasse, und schließlich schuf er in unermüdlicher Arbeit die Mittel, um ein Heim zu errichten, das in charitativer und religiöser Hinsicht eine Musteranstalt ist und unendlichen Segen für Kranke und Erholungsbedürftige von überall her stiftet. Es zeugt von einer wundervollen «man nanx, daß er, allen Schwierigkeiten und aller Arbeitsbelastung zum Trotz, dieses Werk aufbauen konnte. Seine Arbeitskraft stellte sich auch der Oeffentlichkeit zur Verfügung. Er war als Vertreter der Freien Bayerischen Rabbinerkonferenz Mitglied des Rats des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden und wußte dort immer seinen in Tauroh- Dingen unabdingbaren Standpunkt zu vertreten und durchzusetzen. Er war Kuratoriumsmitglied des Würzburger Seminars, der Schöpfung seines Großvaters, und war sich auch hier voll und ganz seiner Verantwortung als Hüter der Tradition bewußt. In der Ar beitsgemeinschaft der frommen bayerischen Rabbonim war sein lehrendes Wort besonders angesehen. In vielen anderen Organisationen war er tätig, so im Orthodoxen Rabbinerverband und in der Freien Vereinigung, wo er sich stets die Sorge für wnv und nntra — auf beiden Gebieten war er ein besonderer Kenner — angelegen sein ließ. In den letzten schweren Jahren des Kampfes um die Schechita war er in Wort und Schrift ein unerschrockener Verteidiger der unversehrten Schechita. Die bedeutendste Wirksamkeit Rabbiner Bambergers aber lag auf dem Gebiet des „Lernens". Rabbiner Bamberger hat trotz seiner immensen Arbeitslast das na'ia ns oniK ama^i nicht vergessen, und er brachte es fertig, sehr viel Zeit der religiösen Erziehung seiner Kinder zu widmen und seine Söhne zu minn npem heranzubilden. Die Rücksicht auf das eigene Wohl ließ er zurücktreten, um mit seinen Söhnen zu lernen. — Dieser große Mann fand sich nicht zu gering für Kleinarbeit. Vom einfachsten Mischnajoth-Lernen wußte er seine ü'l'tt^n bis zum Verständnis der snaa vordringen zu lassen, und er pflanzte in sie eine unversiegbare Liebe zur Tauroh. Eine ganze Anzahl von Schülern, die bei ihm lernten, sind zu sehr charakterfesten und im Lernen ihr Ideal erblickenden Persönlichkeiten geworden. An dem Wirkungsort des Verstorbenen gibt es jetzt noch Kinder im mxa-a-Alter, die eine beispielhafte Liebe zum Lernen besitzen (diese Schüler wollen während des Trauerjahres jeden Tag im Lernzimmer des Verstorbenen zusammen kommen, um dort einen nrwa zu lernen). — Mit den hierzu geeigneten '^ya DT3 seiner Kehilla lernte er jahrzehntelang täglich einen wunderbar klaren Schuir in erpons; der im Sommer oft ein größeres Publikum anzog. Die Fortbildung der Lehrer seines Bezirks ließ er sich in den regelmäßigen Lehrerkonferenzen angelegen sein, die jedem Teilnehmer unvergeßlich bleiben durch die kollegiale, freundschaftliche Art, wie hier ein großer Gelehrter gerne aus dem reichen Born seines Wissens und seiner Erfahrung mitteilte. Seine größte Wirkung auf die weite Oeffentlichkeit aber ging ebenfalls von seinem stillen Lernzimmer aus: er war ein treuer Hüter der Tradition seiner Familie. Im Jahre 5685 gab er unter dem Namen nnnt? nar einen Teil der niaicn seines Vaters nnw '"> S>"3T heraus, denen er gleiche Themata behandelnde mawn des Würzburger Raws b"it beifügte. Dieses nüt> das vornehmlich praktische Fragen der Halacha betrifft, ist in Deutschland zu einem gerne und. oft benützten Ratgeber des Paßkenens für die rabbinischen Kreise geworden (wir verweisen z. B. auf die niaiwn betr. l't^s m»w) . Die Approbationen litauischer und ungarischer Gedaulim zu diesem nso legen Zeugnis ab von dessen Vortrefflichkeit, aber auch von der Anerkennung, derer sieh der Herausgeber in östlichen Kreisen erfreuen durfte. Aber er hat sich nicht nur mit der Herausgabe begnügt, sein eigenes außerordentliches fiiN'pa und rnnzb beweisen die wertvollen Anmerkungen, die er beinahe jeder nswn anfügte. Bescheiden ließ erseine Person zurücktreten, obwohl diese Anmerkungen allein schon dem ISO dauernden Wert verleihen würden. Er leitete dieselben mit dem hierfür bezeichnenden Zusatz ein: »"iiR (= p'Wan m«/ es spricht der Abschreiber.) Ein weiterer Schritt auf dem Weg der Veröffentlichung der niawn n^K» der Ahnen, aber auch zugleich ein Akt der Verehrung für diese, war das im Jahre 5688 erschienene nnafr b& ns'üi- Er gab dieses Werk anläßlich des 50jährigen Todestags des Würzburger Raws V'XT heraus und es enthält,hauptsächlich Responsen dieses Großen an seinen Sohn R. Mosche Löb ^"Si in Kissingen. Dieses nso war bereits von seinem Schwiegervater b"TSt zusammengestellt (siehe Vorwort). Auch hier tritt der Herausgeber zurück, trotzdem viele Anmerkungen die einzelnen Nummern begleiten. In den letzten Jahren war Rabbiner Bamberger mit einem alten Lieblingsplan beschäftigt: der Bearbeitung und Herausgabe der überaus zahlreichen niaipn und sonstigen nun wih des Würzburger Raws. Diese nuiPn waren ursprünglich durch eine nim des Verfassers der Veröffentlichung entzogen;; doch hatten später R. Jizchok Elchonon Spektor b"Hi in Kowno und R. Naftoli Zwi Jahudo Berlin, der Woloschiner Raw V^xr* deren Herausgabe in Anbetracht der überaus großen Bedeutung derselben als eine nixa erklärt (siehe Vorwort zum nnaw iaT 'o) In Uebereinstimmung auch mit seinem Onkel, dem Sennheimer Raw b'it, hatte Rabbiner Bamberger bereits in den, früheren Werken einzelne miwn veröffentlicht. Aber der größte Teil dieses Schatzes war und ist noch ungehoben. Der Tod hat diese Aufgabe nicht zur Ausführung kommen lassen und es dürfte sich schwer ein kompetenter Bearbeiter finden, der dieses Werk mit gleicher Liebe und Sachkunde fortsetzen könnte. Auch daran sei erinnert, daß Rabbiner Seckel Bamberger die Neuherausgabe des apy> n'3^ ni^aR seines Großvaters, das viele Auflagen in jüdisch-deutscher Schrift erreicht hatte, den veränderten Zeitverhältnissen entsprechend in deutscher Schrift in mehreren Auflagen besorgte. Er entschloß sich hierzu, in Uebereinstimmung mit seinem Onkel R. Nathan Bamberger b'tt in Würzburg, obwohl S. B. Bamberger unter seinen Zeitverhältnissen diesen Wunsch immer abgelehnt hatte (siehe Vorwort zur ersten deutschen Auflage im Jahre 5670) und war so beteiligt an dem Segen, den dieses Werkchen fortdauernd für das reine, heilige Familienleben in Israel stiftet. Eine weitere wichtige Tätigkeit Rabbiner Bambergers ist noch zu erwähnen. Seine halachische Entscheidung hatte gewichtigen Klang. Außerordentlich viele Anfragen kamen an ihn, den praktischen ntmn $>sn, von Nah und Fern heran, insbesondere von seinen bayerischen Kollegen. In diesen mawn tritt sein fllN'pa. — besonders auch in der Responsenliteratur der D'mns — in glänzende Erscheinung, sowie sein mops, das treffsicher zum richtigen Psak führte. Sein großes Wissen und sein klares mna^> gestatteten ihm oft, dort ^'pn zu sein, wo es scheinbar keinen Ausweg gab. Es zeugt von der Bescheidenheit und Selbstlosigkeit Rabbiner Bambergers, daß er niemftfs auch nur daran dachte, seine eigenen rvaiwn und sonstigen Tmt\ 'B?nn gesammelt zu veröffentlichen. Rabbiner Seckel Bamberger hatte die große Freude, durch seine Tätigkeit in dem internationalen Badeort, insbesondere vor dem Krieg, mit zahlreichen Gedaulim des Ostens in mündliche Berührung und dadurch auch schriftliche Korrespondenz zu kommen. Man kam gern nach Kissingen, wo das mpis des Kissinger Raws für ein einwandfreies rrnwa in Bezug auf die Schechita und Restaurationen garantierte. Und sein Lernzimmer mit der außerordentlich schönen, reichhaltigen Bibliothek war dann der geistige Treffpunkt der Rabbonim, die seine Persönlichkeit, seine HRI» und sein r—iil"t»b hochschätzten. Der Schreiber dieser Zeilen war Ohrenzeuge, wie ein noch heute lebender Godaul Litauens zu dem Verstorbenen in größter Anerkennung sagte: „Ihr seid kein Deutscher"! Wir möchten diese Zeilen der Erinnerung an einen Godaul b'Jisroel, der unser an Tauroh-Größen ärmer gewordenes Geschlecht trauernd zurückläßt, mit den Worten schließen, die der heute in Jerusalem wirkende Oberrabbiner Duschinsky ">"~\1 vor vielen Jahren auf den Verstorbenen prägte: „Der Kissinger Raw ist ein D'an p'is." Möge sein mai uns beistehen, a"a pns bms n^a n».

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