Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1934)
- Date
- 1934-11-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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22. November 1934 Der Israelit Nr. 47 Seite 11 Vermischtes. Darmstadt, 18. Nov. Am Dienstag, den 13. November, sprach im RaTimen unserer Agudas Jisroel- Veranstaltungen Herr Redakteur S. Schachnow i t z , Frankfurt a. M. über „Leben und Persönlichkeit des Maimonidss". Eine stattliche Zuhörerschaft hatte sich im großen Saale der „Loge Bauhütte" eingefunden, um den Ausführungen des in unserem Kreise bekannten und geschätzten Referenten zu lauschen. Alles, was der Redner über Maimonides berichtete, ob er ,über dessen persönliches, sturmbewegtes Leben sprach oder dessen philosophische Ideen kurz behandelte, alles war mit solcher Klarheit geschildert und mit solch' innerer Wärme des Referenten vorgetragen, daß die geniale Persönlichkeit des Rambam den Zuhörern in bald greifbare Lebensnähe rückte. Von Anfang bis Ende war eine sichtliche Ergriffenheit bei den Zuhörern vorhanden. Man folgte innerlich teilnahmsvoll dem schweren Lebensgang des Maimonides, bewunderte seine ungeheure Arbeitskraft,;,seine philosophische Systematik und vor allem seine tiefe Frömmigkeit..... ' Es war eine höhere Fügung, daß der Vortrag, der, wie alle anderen, für unseren Vortrags-Abend Dienstag gelegt war, auf den 7. Kislew fiel, den . Tag, an dem das gewaltige Werk npmn t seinen Abschluß fand. Uns brachte der Abend des 7. Kislew in die- , sem Jahre ein Erlebnis, für das dem Referenten durch starken Beifall gedankt wurde. W—g. Die Frankfurter Woche- Frau Hedwig Cramer geb. Goldschmidt Wir zitterten lange um dieses kostbare Leben, und nun ist es eingetreten. Frau Hedwig Cramer hat nach langem schwerem Leiden ausgelitten, und sie wird lange in der dankbaren Erinnerung derer bleiben, denen sie die ganze Liebe ihres Herzens und ihre ganze schöpferische Tatkraft geschenkt hat. Frau Hedwig Cramer war ein Name, den man nicht aussprach, ohne mit ihm die Vorstellung von Gutem, Liebem und Hilfreichem zu verbinden. Eine Tochter von Selig Goldschmidt V"sr, hatte sie alle jüdischen Eigenschaften aus dem Elternhause geerbt: den jüdischen Adel, die Liebe zur Thora, das Bestreben, G'tt in Schönheit zu dienen und vor allem das. goldene Herz, das warm schlug für alles, was gut und jüdisch ist. Gattin des unvergeßlichen Hermann Cramer b~XT hatte sie diesem Manne in Jahrzehnten des schweren Leidens in einer Art beigestanden, die die Bewunderung aller Welt erregte. In einer seltenen Seelenharmonie, in Geist und Güte mit diesem Manne verbunden, lebte sie in den letzten Jahren nur noch für ihn, für die Erhaltung seiner bedrohten Gesundheit, für die Verschönerung seines von Krankheit umschatteten Lebens. Was darüber hinaus, nachdem die Kinder erwachsen waren, ihr noch an Zeit übrig blieb, gehörte der Gemeinschaft, der Wohltätigkeit im Kleinen wie im Großen. Es gab kein Wohlfahrtsunternehmen innerhalb der Kehilla, soweit es den Frauen oblag, in dem nicht Frau Hedwig Cramer mit Rat und Tat an führender Stelle stand. Aus ihrer Initiative heraus wurde vor 26 Jahren die Jüdische Frauenvereinigung ins Leben gerufen, und sie blieb — wenn sie es auch ablehnte, erste Vorsitzende zu sein — das Herz der Vereinigung und in dem Vorstande der Tätigsten eine bis zuletzt, an all ihren idealen Bestrebungen und' schweren Aufgaben in und nach den Kriegs jähren eifrig teilnehmend. Auch an den Vorträgen und Veranstaltungen der Jüdischen Frauenvereinigung nahm diese geistesrege, von starkem jüdischen Empfinden beseelte und mit einem großen jüdischen Wissen ausgestattet^ Frau i. regstes Interesse,; Ihre Freude bestand; darin,. Andere zu erfreuen, ihr Glück, Andere zu beglücken., Seit Wochen und Monaten sahe'n -wir; Hedwig Cramer nicht mehr bei ihrer Liebestätigkeit, die ihr zur zweiten Natur geworden war, und da wußten wir, daß die, schwere. Krankheit mehr von ihr Besitz genommen hatte, als , sie sich selber bis zuletzt eingestehen, wollte. Wir beteten und zitterten um sie. Sie selber verbrachte ihre letzte Leidenszeit im Gebet, im Auf blick und Aufschrei zu G'tt. Mit Psalmgebeten im Munde, so berichtet uns die Krankenschwester, verbrachte sie ihre leidvollen Nächte, bis sie sich zu Ihm hinauf betete, der die reine jüdische Seele, nachdem sie so viel Licht hienieden ausgestrahlt hat, zu sich rief, daß sie fortan dort oben im Lichte der Schechina weiterleuchte. Vor überaus großer Trauerversammlung aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung zeichnete am Dienstag morgen in der Friedhofshalle der Israelitischen Religionsgesellschaft Herr Gemeinderabbiner J. Horovitz ein packendes Lebensbild dieser seltenen Frau, der würdigen Tochter von Selig Goldschmidt V'xt und ebenbürtigen Gattin von Hermann Cramer t>"sr, all ihre beispielhafte Eigenart hervorhebend. Im Auftrage der Jüdischen Frauenvereinigung sprach Herr Red. Schachnow i t z herzliche Worte des letzten Dankes aus. Wir werden den Namen Hedwig Cramer stets in liebevoller Verehrung und Dankbarkeit nennen und ihr Vorbild wird ihren Kindern und uns allen vor- . anleuchten. rv'zmn Frau Paula Saiomon rj"y. Nach langem Leiden ist Frau Paula, Gattin des Herrn Josef Saiomon, .aus dem Leben geschieden. Aus einer frommen Frankfurter Familie entstammend, war Frau Saiomon ihrem Gatten Hilfe und Beistand in vollem Sinne geworden,: Lebensgefährtin im Hause und zugleich Helferin im Geschäft. Was sie aber über ihr Haus hinaus an Werken der Liebe und Güte vollbrachte, komni.t erst jetzt an den Tag, da es ihre Art war, im Stillen zu wirken und Wohltätigkeit mit offenem Herzen und offener Hand zu üben, ohne . ein Wort davon zu sprechen. Viele stille Tränen verschämter Armen werden der trefflichen Frau nachgeweint, der eigener Kindersegen versagt blieb, der es aber gegeben war, sich ein Denkmal im Sinne des Propheten zu errichten. .rmam Dmn mu oiu aw) v ■niairm vpss arb 'nnn ,.Einen Namen erwarb sie sich im Hause G'ttes, der mehr von ihr zeugen wird, denn Söhne und Töchter." Wir werden Frau Saiomon in ewiger dankbarer Erinnerung behalten. rraxan Eine Achtzigerin. Frau Therese Moser wird am 18. Kislew 8 0 Jahre alt. Einer achtbaren Hamburger Familie entstammend, kam Frau Moser zu Afnang der neunziger Jahre in das Haus von Moses Tobias Sondheimer ^"XT in Frankfurt a. M., um das mutterlose Haus und .die Kinder zu betreuen. In kurzer Zeit schon erwarb sie sich kraft ihrer Intelligenz, ihrer Bildung und Tatkraft die Stellung, die sie heute noch einnimmt. Lange Jahre stand sie nachher dem Hause des verewigten Nathan Sondheimer vor, wo sie ebenfalls den Kindern eine Zeitlang die Mutter zu ersetzen hatte. So hatte Frau Moser fast ein halbes Menschenalter sich bewährt und betätigt, und die treue Arbeit hat sie frisch und rüstig erhalten. Auch jetzt noch, als Achtzigjährige, gehört sie zu den Tapfersten und Tätigsten in der Frauenchewrah und obliegt auch ihren Pflichten als Vorstandsmitglied im Versorgungshause. Ihre geistige Regsamkeit, ihre Frömmigkeit und ihre jüdischen Qualitäten werden allgemein hoch geschätzt. Im Haag, wo sich die Jubilarin zur Zeit besuchsweise befindet, wird der Tag im Kreise der Familie Dr. Sondheimer feierlich begangen werden. Auch wir wünschen der verehrten Matrone einen weiteren heiteren Lebensabend. nas? cr-iwsi nsa iy Freitagabend-Veranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. Im Rahmen der „Kurse für jüdische Lebens- und Weltanschauung" finden regelmäßig Freitagabend-Zusammenkünfte (mit Bewirtung) statt. Am Freitag, den 23. November, 20.15 Uhr, sprechen im Hörsaal Friedberger Anlage Herr Rabbiner Josef J. Horovitz und Herr Dr. S. Ehrm'an'n, Anschließend zwanglose Unterhaltung und Gesang. — Besonders Jugendliche (soweit schulentlassen.) fsind herzlich willkommen. Synagogalkonzert. Das am kommenden Sonntag, den 25. November, 20 Uhr unter der Leitung von Max N e u m a n n stattfindende' Synagogalkonzert bringt eine interessante Gegenüberstellung westlichen und östlichen Kantorats. Es wirken mit: Kammersänger Benno Ziegler (Bariton), Heinrich Bornstein (Baß), Dr. Willy Saiomon, Max F i r n b e r g und ein gemischter Chor (50 Knaben und 20 Herren). Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß das Konzert pünktlich beginnt. Bunter Abend der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Am Samstag, den 8. Dezember, abends 20.30 Uhr veranstaltet die A. J.-J. eine Chanukahfeier, bei der u. a. Theaterstücke, musikalische Darbietungen und Sprechchöre der Pirche Agudas Jisr o e 1 zur Aufführung gelangen. Unsere Mitglieder und Freunde sind herzlichst eingeladen. Karten sind bei unseren Mitgliedern erhältlich. * Jeremias-Aufführung im Kulturbund deutscher Juden, Bezirk Rhein-Main. Nun haben wir Jeremias, die dramatische Dichtung von Stefan Zweig, die wir seit eineinhalb Jahrzehnten kennen und die seit ihrer Aufführung in Berlin vor einigen Monaten in Wort und Bild die jüdische Presse der Reichshauptstadt beherrscht, auch hier gesehen. Wir waren erschüttert, wir waren gehoben — und waren auch ein wenig enttäuscht, Die goldenen Worte der Tröstungen und Verheißungen in der Schlußszene haben uns aber in die Nacht hinausgeleitet, werden durchs Leben weiter mit uns gehen. Daß ein Prophet sich heiser redet, ist vollkommen in Ordnung, daß er aber schon heiser auf die Bühne kommt, ist ein kleines Malheur, das Jeremias (Leopold Sachse), der gewaltigste aller Mahner und Tröster, in den weiteren Szenen und besonders gegen Schluß durch hinreißendes" Spiel wieder restlos ausgeglichen hat. Ben Spanier als König Z i d - k i j a h u bot, Altmeister der Schauspielkunst, der er ist, eine vollkommene Leistung. Wir sahen den letzten unglücklichen König des ersten Judenstaates so groß und so stark und so stolz und ach so klein und so schwach im entscheidenden Momente, wie wir ihn eben aus dem Buche der Könige kennen. Und immer wieder dieser Jeremias, den wir lieber Jirmejahu nennen wollen! Ueberall ist er dabei, wo es zu strafen, zu Warnen, zu protestieren und zu trösten, Fürst und Volk den Spiegel der Wahrheit vor Augen zu halten gilt. Sein Redestrom versiegt nie, Angst kennt er nicht, er beschwört König und Krieger, die Stadt dem Feinde zu öffnen, um das Volk zu retten, er selbst aber ist bereit, tausend Tode auf sich zu nehmen, um nur eine jüdische Seele zu erhalten. Er fleht und beschwört, mahnt und droht und flucht so lange noch was zu retten ist; weint, tröstet und segnet nachdem alles verloren ist. Sein höchster Wunsch ist, daß er mit seinen Strafandrohungen Lügen gestraft werde, und sein höchstes Unglück ist, daß sich alles so wortwörtlich erfüllt, wie er es vorausgesehen und vorausgesagt hat. Auch den Menschen Jirmejahu sieht man —■ im Verhältnis zu der alten Mutter, die an ihn glaubt, da er von aller Welt als Narr verstoßen und gemieden wird. Alles in allem: Wir sahen einen biblischen Jirmejahu, wie wir ihn nie anders kannten, und hörten den Propheten, den wir immer hörten und hören, wenn wir die Bücher „Jirmejahu" und „Klagelieder" lesen. Die Chöre waren in Sprache und Spiel eine Leistung für sich, ein Erlebnis im Erlebnis, und was sie an Tröstungen und Verheißungen in der Schlußszene uns in die Seele sangen, wird ewig unvergessen bleiben! Ueber zweitausend Menschen füllten den großen Saalbau unten und oben bis auf den letzten Logen- und Galerieplatz. Und die Vielen, die keinen Eintritt mehr bekamen, werden Gelegenheit haben, am Montag, den 3. Dezember (Chanukkahmontag), die Aufführung im gleichen Räume und in der gleichen Besetzung zu sehen. Ton undv Wort; Unter obigem Motto und unter der bewährten künstlerischen Leitung des bekannten Chordirigenten und Kapellmeisters Max N e u m a n n wickelte sich im vollbesetzten großen Saale, des Saalbaus ein buntes Programm ab. Einleitend brachte Max Neumann eine temperamentvolle Wiedergabe der „Carmen"- Ouverture von Bizet. Benno Ziegler mit seinem herrlichen lyrischen Bariton sang ein Lied „Des Schwanda" aus Weinbergers gleichnamiger Oper. v^}s0%F nwwn Ei HORh&F*" n Di3 n GUTSCHEINE? Buchen* zu TOlin Buchhandlung Hugo Oppenheimer Franklurt-M., Rückertstr. 57, Tel. 42833 Sbc™:Seilenieslell zu kaufen gesucht. Offerten unt. 1211 C an die Exp. d. Bl. erb. Wäsche Siriimpfe Kurzwaren SpKzenhäus DAVID KELSEN geschlossen . *® ZEIL 26 3fl- Gasherd m. Röhre, gut erhalt, a. rit.' Hause, z. verk. Off. unt. 1210 C an die Exp. d. Bl. erb. Sofort gesucht str. fromm. 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