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Der Israelit · 1934-11-22 · Heft 47 (22.11.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 47 (22.11.1934)
Date
1934-11-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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: f Seite 8 Nr. 47 D I i t 22. November 1934 'V M i'J I tr 31 '& '■ ,i 'i U t! lf * Li" in •f. / ■;J die Ausschreitungen der nationalistischen gegen die jüdischen Hochschüler.fr* Die Nationalisten demonstrierten vor dem Universitätsgebäude gegen die Juden und hinderten die jüdischen Hochschüler am Betreten des Universitätsgebäudes. Vielfach wurden die jüdischen Studenten aus den Hörsälen hinausgeworfen. Zu größeren Zusammenstößen kam es im chemischen Laboratorium. Auf Anordnung der Universitätsbehörde gingen die Diener des Laboratoriums gegen die demonstrierenden Nationalisten vor, die schließlich das Gebäude verlassen mußten. Der Rektor der Krakauer Universität veröffentlichte bereits den dritten Aufruf an die Studentenschaft, in dem er sie vor einer Fortsetzung der Exzesse warnt. Vier Hochschüler, die am Montag Juden vor der Universität mißhandelt hatten, wurden zu Arreststrafen von sieben bis vierzehn Tagen verurteilt. Bei dem Bombenattentat gegen das Lokal des Brith Trumpeldor in Lemberg wurde nicht allein das Lokal, sondern mehrere Wohnungen in dem gleichen Hause vollkommen zerstört, so^ daß das Haus baufällig geworden ist. Die antisemitische polnische Presse versucht, das Attentat auf inner jüdische Zwistigkeiten zurückzuführen, doch zweifeln die Behörden selbst nicht daran, daß die verbrecherische Tat im Zusammenhange mit dem Waclawski-Gedenktag steht. In Warschau wurden die Zeitungen „Hajnt" und „Moment", die Meldungen über das Attentat in Lemberg brachten, beschlagnahmt. In Warschau haben in der Nacht zum 13. November Organe der politischen Polizei in den Wohnungen mehrerer Mitglieder der aufgelösten nationalradikalen Partei, die unter dem Namen „Nationalrevolutionäres Lager" eine konspirative Tätigkeit entfalteten, Haussuchungen vorgenommen und Flugzettel judenhetzerischen Inhalts, sowie Aufrufe an die Bevölkerung zur Organisierung von Ueberfällen auf Juden in Massen beschlagnahmt. 17 Personen wurden verhaftet. Italien, Deutsche Juden in Genua. Genua, 14. Nov. Es gibt kein Unglück, das nur Unglück ist; eben so wenig, wie es ein reines Glück gibt. Der Glaube an blinde Mächte, wie Glück oder Unglück ist ein Aberglaube. Der G'tt des wahren Glaubens ist sehend und sein Regieren ist stetig und sinnvoll. Das Mißgeschick, das er sendet, trägt eine Bestimmung. Wir deutschen Juden haben Unglück gehabt, aber unser Unglück ist keine sinnlose Zerstörung unserer Hoffnungen; unser Unglück kommt von G'tt und ist der Teil eines g'ttlichen Plans, ein Unglück, das den Träger bei seinem Leiden mit Stolz erfüllen muß, mit Stolz über seine geschichtliche Bestimmung und seine g'ttliche Auserwähltheit. Wenn wir das erkennen und den Zusammenhang überblicken, in den unser Leid, von G'tt bedacht, eingefügt ist, tragen wir unser Geschick leichter, fast freudig. Mit andern Worten: Wenn wir die Früchte sehen, die aus dem Leid der deutschen Judenheit entsprießen, hören wir auf zu murren und werden nur mit noch größerer Bewunderung für den G'tt erfüllt, der uns liebt und erhält. Zehntausende haben mit zerrissenem Herzen ihr bisheriges Vaterland verlassen, eine neue Heimat zu suchen. Welche Keime tragen sie in sich, die sich an ihrem Bestimmungsort zu prächtigen Pflanzen entwickeln werden? Welches ist die sinnvolle Bestimmung ihres Leids im Gesamtzusammenhang des jüdischen Geistes? In alle Teile der Erde sind unsere Brüder verschlagen worden. Ich kam nach Genua. Was fand ich dort? 3000 Juden, alte und junge, Gläubige und Ungläubige, reiche und arme. Aber etwas verbindet sie alle — nicht ihr Judesein — ihr Italienersein . . . Alle wollen sie in erster Linie Italiener sein, wollen die letzte Faser ihres Fleisches an ihre italienische Umgebung assimilieren. Es fällt ihnen nicht so schwer, wie es ihren geistigen Verwandten früher in Deutschland fiel; denn der Italiener ist uns von Natur aus Die Woche- Köln. Wie der „Westdeutsche Beobachter" mitteilt, erklärte in der ersten Hauptversammlung der Kölner Großschlächter-Pflichtinnung der Innungsleiter Obermeister Josef Pütz, es sei beabsichtigt, d i e Stände der arischen und der nichtarischen Großschlächter auf dem Fleischgroßmarkt von einander zu trennen und jede Gruppe besonders zu plazieren. Zürich. Eine Demonstration gegen eine Varieteeaufführung wuchs sich zu einer regelrechten antisemitischen Kundgebung der sog. „Fronten" aus, an der auch Studenten teilnahmen. Die Polizei schritt energisch ein. Wilna. Anläßlich des Jahrestages des Studenten W a c 1 a w s k i, der vor drei Jahren bei einem Zusammenstoß durch eine verirrte Kugel seiner Parteigenossen getötet wurde, kam es in mehreren Städten zu antisemitischen Kundgebungen nationaldemokratischer Studenten. In Wilna wurden gegen zwei Synagogen Bomben geworfen. Es entstand erheblicher Sachschaden. Ein Passant wurde leicht verletzt. Riga. An der anläßlich der Feier der lettländischen Befreiungskämpfe veranstalteten großen Parade nahmen in den Reihen der Abteilungen der lettländischen Armee, die vor den Mitgliedern der Regierung vorüberzogen, starke Gruppen jüdischer Freiheitskämpfer teil. Dem jüdischen Rechtsanwalt Salman Levenson, der sich in den lettischen Freiheitskämpfen besonders ausgezeichnet hat, wurde anläßlich der Feier der hohe Orden der drei Sterne verliehen. Außerdem erhielten die beiden Brüder Josef und Samuel Hop und Robert M a 1 e t z k i hohe Tapferkeitsauszeichnungen. Prag. Das Pressegericht in Prag hat die tschechische Ausgabe der Broschüre „Protokolle dre Weisen von Zion" beschlagnahmt und ihre Weiterverbreitung verboten. Budapest, Unbekannte Täter haben in der S y n a g o g*"e in der Franz Deakstraße zu Debrezin einen Einbruch verübt und vandalische Verheerungen angerichtet. Sie erbrachen die Bundeslade und warfen die Thora-Rollen heraus. Der Versuch, den in einem Nebenraum befindlichen Geldschrank anzubohren, mißlang. Die Polizei hat im Zusammenhang mit diesem Einbruch zwei Personen verhaftet, denen jedoch bis jetzt die Täterschaft nicht nachgewiesen werden konnte. London. Auf einer anläßlich des Waffenstillstandstages von der Jüdischen Friedensgesellschaft in London veranstalteten Kundgebung gaben Prof. Selig Brodetzky, Chiefrabbi Dr. J. H. Hertz und andere Redner dem Bekenntnis zum Frieden als einer Forderung ihrer Religion Ausdruck. Insbesondere Prof. Brodetzky führte die gegenwärtige Unruhe in Europa darauf zurück, daß der November 1918 nicht den wahren Frieden gebracht habe. Haifa. In der nächsten Zeit werden Hunderte jüdische Lastträger und kräftige junge Leute, die durch Sonder-Delegierte des Einwanderungsamtes der Jewish Agency in verschiedenen Ortschaften Polens ausgesucht wurden, als Hafenarbeiter nach Haifa abreisen. Kurze Zeit vorher sind 130 Salonikier Hafenarbeiter für Haifa angeworben worden. Tel Awiw. Die Vereinigung der Orangenpacker in dem der Histadruth angeschlossenen Landarbeiterverband hat Kurse für Orangenverpackung eröffnet, in denen jetzt 400 junge Leute, darunter 300 Mädchen, in diesem eine hohe Qualifikation erfordernden Arbeitszweig ausgebildet werden. In ihrer überwiegenden Mehrzahl sind die Kursteilnehmer aus Deutschland eingewanderte Juden, die nach ihrer Ausbildung derzeit mit Arabern besetzte Arbeitsplätze einnehmen sollen. New York. Auf einem Bankett, an dem 1200 Sozialarbeiter und Vertreter jüdischer Wohlfahrtseinrichtungen teilnahmen, wurde ein Drive zur Schaffung eines Fonds von 2.000.000 Dollar für den Verband der jüdischen philanthropischen Vereinigungen Amerikas eröffnet. Der Fonds ist dazu bestimmt, das zu erwartende Defizit von 91 jüdischen Organisationen zu decken. ähnlich im Wesen, im Herzen, im Aussehen. Italiener und Juden sind äußerlich nicht zu unterscheiden. Diese braven Italiener, die ihre Religion nur darin dokumentierten, daß sie vielleicht nicht, wie ihre Mitbürger, am Sonntag zur Kirche gingen, werden durch nichts an ihr Judesein erinnert. Kein Rabbiner verbreitet hier in Genua den Geist des Glaubens ihrer Väter unter sie, oder rüttelte sie in einer Predigt auf, an ihren G'tt zu denken. Ein Schochet versieht den Dienst für ein paar Ostjuden und einige Italiener, die aus mehr katholischer als jüdischer Pietät geschächtetes Fleisch essen. Kein imposantes G'tteshaus, das am Jomkippur die 3000 zum Bußgebete fassen könnte. Ein enger Betsaal im zweiten Stock eines baufälligen Hauses birgt zweimal täglich zehn arme Schlucker, die auf diese Weise Geld erhalten, um sich ein Glas zu leisten. Ins Leere stierend sitzen sie da, während der Schochet 30 Minuten lang Gebete heruntersagt; von Zeit zu Zeit stehen sie auf, um im Chor dem Chason etwas Auswendig-Gelerntes zuzuschreien, denn lesen können _ die meisten nicht. Doch eines Tages erwachen auch die Genueser Juden. Menschen aus Deutschland, denen die Existenzmöglichkeiten genommen sind, pochen bei ihnen an und verlangen Hilfe. Und eines ist es, was sie ihren italienischen Brüdern mitbringen, ein gewaltiges Geschenk: Das klare "Bewußtsein, wir sind Juden. Und was wir auch anstellen, um es nicht zu sein, wir bleiben es. Wir sind Juden und zwar in erster Linie Juden. Das sollen wir unsern Brüdern beibringen; deshalb hat G'tt uns in die Welt geschickt. Diese deutschen Juden stellen ihr ganzes Leben in Genua unter das Zeichen ihres Judeseins. Sie haben es schwer, denn sie müssen alles neu schaffen. Als erstes kommt ein koscherer Mittagstisch nach Genua. Deutsche fordern es. Dr. Brasch, ein ehemaliger Berliner Tierarzt, läßt sich Via Palestro im Zentrum der Stadt mit seiner Familie nieder und eröffnet eine koschere Pension unter Aufsicht des Hamburger Vereins. Das ist die Voraussetzung für anderes. Jetzt kommen deutsche religiöse Studenten, die die Kinder im wahren Thorageist unterweisen können. Familien lassen sich nieder. Die alte Schul wird besuchter; am Sabbat sieht man regelmäßige Schulgänger. Nun reicht auch der enge Betsaal nicht mehr aus. Der Bau eines neuen würdigeren G'tteshauses wird begonnen. Der Ruf nach einem Rabbiner wird laut, denn die deutschen Juden wissen, daß nur eine geistige Autorität ein wahrhaft jüdisches thoratreues Leben gewährleistet. Kurz und gut; in Genua, wo das Judentum Jahrzehnte geschlafen hat, beginnt sich durch die deutschen Juden etwas jüdische Aktivität zu regen. Noch ist es wenig. Aber die deutschen Pioniere geben sich alle Mühe, um es zu vermehren; sie versuchen andere deutsche Juden nach Genua zu ziehen, denn mit der Zahl der thoratreuen Juden wächst auch der religiöse Geist in der Gemeinde. Die ersten Voraussetzungen sind gegeben: eine ordnungsgemäße Synagoge, ein streng koscheres Restaurant! Palästina. Jüdische Arbeiter in Palästina von öffentlichen Bauarbeiten ferngehalten. Jerusalem, 16. Nov. Die Tageszeitung „Dawar" weist darauf hin, daß bei der Ausführung von Regierungsbauten jüdische Arbeiter systematisch ferngehalten werden; auch die qualifizierten jüdischen Arbeiter erhalten dort keine Beschäftigung. Beim Bau des staatlichen Seminars für arabische Lehrer, das mit einem Kostenaufwand von 25.000 Pfund errichtet wurde, ist kein einziger jüdischer Arbeiter beschäftigt worden. Die Regierung erlaubt den arabischen Bauunternehmern, aus Aegypten qualifizierte arabische Arbeiter zu bringen, obwohl es im Lande genug jüdische Arbeiter gibt, die für die betreffenden Arbeiten ausreichend geschult sind. Gut und billig! la Benzin 3lflg/iipa tiiep

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