Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1934)
- Date
- 1934-11-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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22. November 1934 Der Israelit Nr. 47 Seite 5 Das wird begreiflich, wenn man sich' vergegenwärtigt, daß Herr Dr. Grunwald tatsächlich von der ungeheuerlichen Möglichkeit träumt, alle religiösen Richtungen zur angeblichen ,.Festigung der Thora" vereinigen zu können, sobald nur die beteiligten Herren den Beruf eines „Rabbi n e r s " ausüben. Das ist die einzige Bedingung, die Herr Dr. Grunwald für seine das Synhedrion vorbereitende Konferenz zu stellen weiß: Zugehörigkeit zum „Rabbinerstand"! Es ist unfaßbar, wie ein gebildeter, offenbar von ehrlicher Liebe zum Judentum und zur Wahrheit beseelter Mann, es wagen kann, einen solchen Plan zu propagieren, der alle religiöse Wahrhaftigkeit zum Gelächter macht und ein wahrer Hohn ist auf die Würde und Heiligkeit der jüdischen Geschichte. Männer, denen das Fünfbuch eine Sammlung mehr oder minder wertvoller Mythen und Märchen ist, die der mosaischen Gesetzgebung innerlich ungefähr dieselbe sittliche Verpflichtungskraft beimessen wie dem Kodex des Hammurabi, denen die mündliche Lehre, Mischna und Talmud, ehrwürdige historische Quellen, aber nimmermehr das Wort des lebendigen G'ttes sind, mit denen sollen sich die wirklichen 'mW Uli1 sollen sich O^öKO '31 WaXB an einen Tisch setzen, um über die „Festigung der Thora" zu beraten und zu diesem Zwecke eine „religiöse" Zentralinstanz in Jerusalem zu schaffen! Man braucht nur diese Tatsache festzunageln, um die intellektuelle Unredlichkeit und damit die völlige Unmöglichkeit des ganzen Projektes zu erweisen. Wir bedauern, daß ein orthodoxes Blatt sich zur Diskussion darüber hergegeben hat, und auch ein oder zwei gesetzestreue Rabbiner — unter vielen Vorbehalten — Antworten gegeben haben, die leicht mißbraucht werden können. Es müßte traurig bestellt sein um das Gefühl für religiöse Reinheit und Wahrhaftigkeit im Kreise des jüdischen Volkes, wenn eine solche Idee die geringste Aussicht auf Verwirklichung haben sollte. Sie stirbt an ihrer inneren Zweideutigkeit. Wieder eine Boykott-Konferenz. Die ausländischen Blätter melden, daß am nächsten Sonntag in L o n d o n wieder einmal die von dem amerikanischen Advokaten Samuel Unter mayer betriebene Boykottbewegung gegen Deutschland eine Konferenz abhalten wird, um der an dem Widerstand aller großen Kleines Feuilleton, Clemenceau über Baron Edmond de Rothschild. Im Werke von Jean M a r t e t, dem Sekretär Clemenceaus, in dem die interessantesten Unterredungen mit Clemenceau aufgezeichnet sind, findet sich auch eine Stelle über Baron Rothschild: „Gestern war der alte Edmond de Rothschild bei mir," sagt eines Tages Clemenceau zu seinem Sekretär. „Der arme Alte hält sich noch ganz gut auf den Beinen. Wissen Sie, lieber Freund, daß ich diesen Edmond de Rothschild für den besten Juden unter allen Juden der Welt halte? Hier saß er neben mir und plauderte recht klug über allerlei Dinge, so klug, daß es mich eigentlich von einem Bankmenschen überraschte. Er äußerte Ansichten, die von einem großen Edelsinn des Herzens kommen. Dieser alte Rothschild gehört zu den Leuten, die auch in Herzensdingen interessante Anschauungen haben, und es war sicher keine schlechte Idee von ihm, dreißig Millionen Franken zur Errichtung von wissenschaftlichen Laboratorien an der Universität zu stiften. Er ist ein Jude! Und was für ein selbstbewußter Jude! Und wie stolz er auf sein Judentum ist! Einmal, als er bei mir war und ich mich in recht übler Laune befand, begann ich auf die Juden zu schimpfen. Da sprang der Alte auf, schlug mit der Faust auf meinen Tisch — auf meinen Ministerpräsidententisch, denken Sie nur, und schrie mich an: „Schweigen Sie, Herr Clemenceau, das Judentum und Israel sind das jüdischen Organisationen gescheiterten Boykott- Politik einen neuen Auftrieb zu verleihen. Das Schicksal dieser Konferenz wird kein besseres sein als das der verunglückten gleichartigen früheren Versuche in Amsterdam und London, Es ist wieder nur der greise, mehr als achtzigjährige ehemalige sefardische Oberrabbiner Dr. G a s t e r , der in seinem ästhetisch höchst reizvollen Eigensinn, der Konferenz die Folie, seines Gelehrten-Ruhmes leiht — im übrigen wird das offizielle jüdische England eben so wenig Anteil daran haben wie irgendwelche sonstigen verantwortlichen jüdischen Instanzen anderer Länder. Die Wurzeln dieser Boykott-Politik sind: ein höchst primitives politisches Denken, das sich einredet, Boxen sei ein geeignetes Kampfmittel für die jüdische Minderheit im Golus, und ein ebenso mangelhaftes Verständnis für die Tiefe und Weite der jüdisch-religiösen Weltanschauung, die alles grundsätzlich verwirft, was die Befriedung und Annäherung der Nationen gefährdet und an die Stelle des friedlichen Wettstreites der Kulturen den Haß und die gegenseitige Verkennung setzi. Die deutsche Judenheit insbesondere protestiert di-gegen, daß vom Ausland aus politische Dilettanten in den schmerzlichen Prozeß der geschichtlichen Neuordnung des Verhältnisses zwischen Deutschen und Juden in Deutschland hineinpfuschen und dadurch Fensterscheiben zerbrechen, die nicht die Herren Untermayer und Genossen, sondern andere Leute zu bezahlen haben. Umschichtung und Schweinezucht. Man schreibt uns aus Berlin: „Wir machen einen Besuch in Neuendorf bei Fürstenwalde, fünfzig Kilometer vor den Toren Berlins, dort, wo viele junge Juden „umschichten". Ein lustiges Durcheinander von Zionisten und Antizionisten. Um den „religiösen größte Volk auf dem ganzen Erdenrund!" Dann fing er an, mir einen Vortrag zu halten über die Bibel und die Makkabäer. Na, wissen Sie, ich mache mir nicht viel aus den Makkabäern; aber mir gefällt es ausgezeichnet, wenn sich jemand nicht dessen schämt, was er ist, vor allem, wenn er sich nicht schämt, ein Jude zu sein. Nur der Mensch ist etwas, der vollständig ist. Leider sind nicht alle Juden so geartet wie der alte Edmond de Rothschild." (Der erste jüdische Kriegsgefalleiie der ungarischen Armee ein Jeschiwajünger.) Das Wochenblatt „Orszagos Egyetertes" veröffentlicht einen interessanten, aus ArghivquelUn geschöpften Bericht über die ersten im Weltkrieg gefallenen ungarisch-jüdischen Helden. Den Reigen des Todes eröffnete am 4. August Hauptmann Martin B u r g e r , der dem k. u. k. Infanterieregiment Nr. 72 angehörte. Er fiel nach heldenhaftem Kampfe bei Sabac in Serbien, die Regimentsfahne in der Hand. Als Sohn des orthodoxen jüdischen Pächters der Wesselenyi-Güter in Komitate Szatmar, Isaak Burger,, hatte er noch die Jeschiwa in Hunfalva besucht. Ursprünglich für den Ingenieurberuf bestimmt, blieb er nach Absolvierung seines Einjährig-Freiwilligen-Jahres beim Militär und war ein Jahrzehnt vor dem Kriegsausbruch Leiter der Presseaktion des gemeinsamen Kriegsministenums in Wien. Sofort nach der Mobilisierung meldete er sich zum Frontdienst und so ereilte ihn bei Sabac sein Verhängnis . . . Der erste ungarische jüdische Frontsoldat, der verwundet wurde, war Ludwig Hohenberg vom k. u. k. Infanterie-Regiment Nr. 6 aus Budapest. In den ersten Kämpfen mit den Serben fielen ferner der Leutnant Oscar Singer vom 58. Infanterie-Regi- Gefühlen" einiger Menschen Rechnung zu tragen, wird die Küche rituell geführt. Wir, die wir nur einige Stunden hier sind, werden und wollen dies nicht nachprüfen. Der Stolz dieses jüdischen Gutes," zu dessen. finanziellen Stützen unter anderen auch die Gemeinde Berlin gehört, der jüdische Stolz ist hier — eine Schweinezucht, übrigens, wie uns dort versichert worden ist, in der Größe einzig dastehend für die Gegend und mustergültig. Wir fragen einige ,,Umschichtler", wie sie sich das denken, wie sie das auch als nichtreligiöse Menschen mit der Ehre des jüdischen Volkes vereinbaren können, dort zu arbeiten? — ,,Nun, wenn schon . . . die armen Tiere . . ." Dieser alles tötende jüdische „Nun-wenn-schon"- Geist. Aber schuld sind nicht die Chaluzim und die anderen Umschichtler, die dort hineingestoßen werden, meist weil ihnen materiell kein anderer Ausweg bleibt, schuld haben die Menschen, die irgendwo am grünen Tisch hocken und befehlen: entweder — oder! und denen die Chaluzim dann noch dankbar sein müssen, daß sie überhaupt Arbeit gefunden haben. Ist dies mit unserer jüdischen Ehre vereinbar?" (G—n, Berlin.) Nein! muß unsere Antwort lauten. Das ist nicht allein mit der jüdischen Ehre nicht zu vereinbaren, sondern noch weniger mit dem jüdischen Religionsgesetze, das mit einem glatten im Schulchan Aruch, an dem mit keinem „Nun wenn schon" gedreht noch gedeutelt werden kann, einem Juden die Schweinezucht verbietet. Versteht man gemeiniglich unter Umstellung auch eine innere geistige Umstellung, so darf diese Umstellung nicht im Schatten des Schweinestalles vor sich gehen. Es wäre auch unklug von aus ererbten Berufen herausgeworfenen Menschen, sich wiederum einem Wirtschaftsgebiete zuzuwenden, das von je her Domäne der Anderen war. ment, der am Tage seines Heldentodes zur allerhöchsten Auszeichnung vorgeschlagen worden war,, die Majore Emanuel Krausz und Isidor Deutsch, der Budapester Advokat und Begründer der zionistischen Pfadfinderbewegung Ludwig Dömeny, der Komponist Aladar Rade u. v. a. In der Kunstgewerbestube J. Westheim, Frankfurt a. M., Eckenheimerlandstr. 6 (Tel. 52626) ist alles in schönster Ausführung zu erhalten, was Kindern und Erwachsenen am Chanukah Freude bereitet, so Spiele, Chanukahleuchter und allerlei Kunstgegenstände, nicht minder Stickereien für Synagoge und Haus, Silberglanzflaschen, die besonders für na» geeignet sind usw., alles solid und preiswert. Keiner versäume eine Besichtigung. Wochenkalender. Vom 24. Nov. bis 1. Dez. 1934 / Vom 17. — 24. Kislew 5695 ■>»V» 5p 24 17 Xnp K33 Samstag 3 n^sn Sonntag 25 18 5 Montag 26 19 1 ■ Dienstag Nov. 27 1^03 20 n Mittwoch . 28 21 1 Donnerstag 29 22 T Freitag 30 23 n Bnfih panan np'i Samstag Dez. 1 24 u Mauled Donnerst, nachm. 3 Uhr 36 Min. Oberrabbiner Abraham Onderwyzerv Amsterdam. 'ST, Die holländische Judenheit hüllt sich in Trauer. Ihr geistiges Oberhaupt, der Amsterdamer Oberrabbiner Abraham Samson 0 n d e rwyzer, ist ihr in der Nacht zu Montag im Alter von 72 Jahren genommen worden. Eine starke und markante jüdische Persönlichkeit von großer Bedeutung für das gesetzestreue Judentum der Welt weit über Hollands Grenzen hinaus geht mit Oberrabbiner Onderwyzer dahin, ein treuer Schlüsselbewahrer der altehrwür-