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Der Israelit · 1934-11-22 · Heft 47 (22.11.1934) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 47 (22.11.1934)
Date
1934-11-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 47 _ Zeit in Zusammenhang mit der staatlichen Neugestaltung in Oesterreich wesentlich verschärft. Neben religiösen Motiven — so verlangen die Vertreter der Schiffschul, daß nur die Religionsgesetze streng einhaltende Männer Mitglieder des Gemeindevorstandes sein dürfen — spielen in diesem Kampf auch politische Erwägungen eine Rolle. Die Anhänger der Sondergemeinde K o w n o , 16. November. Der Ausgang der Gemeindewahlen in Litauen bedeutet einen Verlust der jüdischen Mandate in den von Juden stark bevölkerten Städten um ein Viertel. In Kowno, wo die Juden im Gemeinderate mit 8 Stimmen vertreten waren, haben sie jetzt nur 5 Mandate durchgebracht. Möglicherweise wird noch ein sechstes Mandat an die Juden fallen. In den Gemeindevertretungen der Provinz haben die Juden 104 Mandate erlangt gegenüber 129, die sie bisher besaßen. * * Weiter wird aus Kowno unter dem 16. November geschrieben: Bei den städtischen Wahlen, die als einzige politische Wahlen in Litauen unter dem autoritären Regime erhöhte Bedeutung haben, Aus dem Chaos der politischen Irrungen und Wirrungen unserer Zeit erhebt sich eine Stimme, die zum Frieden ruft, nicht zu einem Machtfrieden, der diktiert und von Bajonetten gehütet wird, sondern zu einem Frieden, der auf Recht und Gerechtigkeit beruht und wahre Versöhnung und Weitbefriedung bedeutet. Es ist ein General, der die Schrecken des Krieges und den Fluch der Gewalt, die fortzeugend Gewalt gebären muß, kennt, der zur Vernunft und Besinnung ruft, nämlich der südafrikanische Justizminister und frühere Ministerpräsident General S m u t s. Er legt mit Hinblick auf die nahende Saarabstimmung ein mutiges Männerwort für Deutschlands unbestreitbares Recht an der Saar und anderswo, wie überhaupt für Wiedergutmachung der bei der Weltverteilung in Versailles dem Deutschen Reiche zugefügten Schäden und Schmach ein. Wir müssen alle hoffen, daß diese Worte eines aufrechten Männer, ein Echo und einen Resonanzboden in den politischen und diplomatischen Kabinetten finden, wo oft bedenkenlos genug mit dem Feuer gespielt wird. Mögen diese Mahnungen an die Welt dazu beitragen, daß jene Quelle alles Uebels in der großen Politik verstopft wird, auf die letzten Endes auch die Schwierigkeiten der jüdischen Rechtslage in Deutschland zurückzuführen sind. '■ Bei dieser Gelegenheit darf wohl daran erinnert werden, daß General Smuts, dessen Name heute mit Stolz und Bewunderung genannt und dessen Worte mit berechtigter Genugtuung vor der gesamten deutschen Presse wiedergegeben werden, daß dieser gleiche General auch schon oft genug eine Lanze für die jüdische Gemeinschaft gebrochen h-at Erst dieser Tage ließ er sich, wie bereits mitgeteilt, auf einer großen Londoner Veranstaltung über die Mission Der Sabbat der jüdischen Die „Reichsvertretung der deutschen Juden" hat an die Synagogengemeinden ein ausführliches Rundschreiben nebst Aufruf zur Befreiung der jüdischen Kinder des 5. bis 8. Schuljahres vom Unterricht am Sabbat und zur Ausgestaltung des Sabbats selbst erlassen. Es wird darin auf die in unserem Blatte wiederholt dargestellten neuen _ Der Israelit glauben, daß in dem Kampf um die Wahrung der Gleichberechtigung andere Methoden als die vom Kultusvorstand benutzten angewendet werden sollen, und hoffen, auf dieser Basis leichter eine Verständigung zwischen strenggläubigen Katholiken und strenggläubigen Juden herbeiführen zu können. ist die Stärkung des Litauertums in den Städten, in denen bisher — als Folge der russischen Rayonvorschriften — besonders die Juden eine wichtige Rolle spielten, bezeichnend hervorgetreten. Die Gesamtzahl der Stadtverordnetenmandate, seit der letzten Wahl 1931 um 3 vermehrt, beträgt 372. Die Litauer haben 34 Sitze gewonnen, die Minderheiten 3 1 Sitze verloren. Von den letzteren entfallen 24 Verluste auf die Juden, 7 auf die übrigen Volksgruppen, Polen, Russen und Deutsche. Künftig verfügen die Litauer über 247, die Juden über 109, Volksgruppen über 16 Wahlmandate. Die jüdischen Zeitungen beklagen sich darüber, daß in der Wahlagitation nicht nur der. nationallitauischen Kaufl'eute, sondern auch der Regierungspartei diesmal scharf antisemitische Töne angeschlagen wurden. der Juden in d § r W e 11 ungefähr folgendermaßen aus: „Die Juden hatten einst eine große Mission in der Welt; und eine große Mission bleibt ihnen noch zu erfüllen, denn die Geschichte ist mit dem Alten Testament nicht zu Ende. Auch weiterhin nimmt die Judenheit an dem Leben der Welt teil und trägt überall zu seiner Bereicherung bei. Einer der hervorragendsten Beiträge zum menschlichen Fortschritt ist den Juden zu verdanken. Wir können nicht das Alte Testament oder das aus ihm hervorgegangene Neue Testament lesen, ohne zu fühlen, daß hier einer der tiefsten Einblicke in das Menschenherz gewährt wird. Wir sehen, wie das Volk von der Idee der Gewalt zu der höheren Vorstellung von Barmherzigkeit, Zartheit, Edelmut, übergeht; das sind die edelsten jemals vom Menschengeschlecht entwickelten Vorstellungen. Erbe der jüdischen Propheten ist die Lehre, daß unsere Welt nicht eine Welt der Macht, sondern der Gerechtigkeit zu sein hat. Es ist erschreckend, zu sehen, daß diese Heilsbotschaft der Liebe und Güte gerade dem Volke versagt wird, das sie zuerst verkündet hat.-- Wir sind hier, nicht nur um Geld zu sammeln, sondern um einen großen Glauben zu bekunden, der in uns lebendig ist, einen Glauben, den wir jüdischer Erkenntnis verdanken; weil wir an die helfende Hand, an Erbarmen und Mitleid glauben, treten wir alle für diese Sache ein. Einer ihrer Punkte betrifft die Bedeutung der Erschließung Palästinas für die Juden. Palästina bleibt einer der hellen Punkte in der Welt. Inmitten aller, Trübsal und aller Enttäuschungen wird der Traum.von einem neuen Palästina zur Wirklichkeit. Wir sehen, wie Tausende -junge Juden in ihre alte Heimat zurückkehren — zweifellos eines der bedeutendsten Ergebnisse des Weltkriegs." , Hinzufügen möchten wir nur, was Smuts in diesem Zusammenhange zu sagen, keine Veranlassung hatte, daß bei aller Auswanderung nach Palästina die Frage der deutschen Juden auf deutschem Boden wird gelöst werdön müssen. Möge diese Lösung im Sinne der Smut'schen Gedankengänge über den Rechtsanspruch Deutschlands in der Welt wie den der Juden in Deutschland sich vollziehen. Momente hingewiesen, die den Dispens am Sabbat außerordentlich erleichtern, ja für, alle religiösen Eltern zur Selbstverständlichkeit machen, und es werden dann Vorschläge zur Ausgestaltung der Sabbatfeiern, den Gemeinden' unterbreitet. ■ So erfreulich und fördernswert alle,.,(diese Be- _ 22; November 1934 , strebungen um einen neuen „Oneg Schabbath"' sind, so darf,doch nicht vergessen werden, daßsie allesamt nur einen kümmerlichen Ersatz bilden für das alte '. jüdische ' „Lernen " , das; allein geeignet ist, unserer Jugend den vollgültigen Ersatz zu bieten für alles das, was sie heute an außer jüdischen Kulturgütern entbehrenmuß.; , ,!; A.uch der „Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände" unterstützt den Aufruf der- Reichsvertretung durch "einen Sonderaufruf an_ die Bünde. Vom Noar Agudathi. Frankfurt a. M., 19. November.,,, Von der Bundesleitung des Noar Agudati: wird uns geschrieben: Um einen Ueberblick darüber zu erhalten, wieviel Jungens und Mädelszum. Frühjahr auf Aufnahme in eine Hachscharades Noar Agudati reflektieren, bitten wir alle Bewerber, uns sofort davon Mitteilung; zu machen, damit, die entsprechenden Vorarbeiten jetzt schon geleistet werden können. Diejenigen, deren Meldung erst in letzter Minute erfolgt, müssen damit rechnen, daß ihre Unterbringung nicht mehr erfolgen kann. Die Zulassung von Jungens zur Hachschara-Ausbildung ist neben der allgemeinen charakterlichen Eignung und jüdischen Zuverlässigkeit von einer gewissen jüdisch-wissensmäßigen Grundlage abhängig, die, falls sie noch nicht vorhanden ist, durch einen vorangegangenen Jeschiwabesuch. erworben werden soll. Auch bei Mädchen soll u. a. ein Mindestmaß jüdischen Wissens Voraussetzung für die Aufnahme sein. Außerdem hat sich herausgestellt, daß. im Interesse des zu erreichenden Hachschara-Zieles es vorteilhafter ist, wenn die Mädchen vof Eintritt in die Hachschara schon ■etwas Haushaltspraxis haben. Es sollen nun in Kürze während des Winters vorläufig in zwei Städten Fortbildungskurse für Mädchen eingerichtet werden. Halbtags soll im Haushalt und halbtags geistig unter fachmännischer Leitung nach einem festen Stundenplan gearbeitet werden. Chumisch, Tefila, T'nach, Dinim, jüdische Geschichte, Iwrith, Palästinakunde usw. Wir glauben mit dieser Einrichtung einem dringenden Bedürfnis gerecht zu werden und sollen künftighin diejenigen Mädchen, die einen solchen Fortbildungskurs absolviert haben bezw. sonst nachweisen können, daß sie über das Mindestmaß des geforderten jüdischen Wis- : sens verfügen, bei der Aufnahme bevorzugt werden. Zulassung erfolgt im allgemeinen von 16—17 Jahren aufwärts. Die Kosten sind minimal. Alle Einzelheiten werden wir auf Anfrage gerne mitteilen. In allen Orten, wo sich eine Anzahl einstellungsgemäß zum Noar Agudati gehöriger Menschen befinden, soweit dies noch nicht geschehen ist, sollen Ortsgruppen i!(Chugim, Snifim)' gegründet werden, die in Zusammenarbeit mit den Agudabezw. Esragruppen die Träger der dortigen Erez Jisrael-Arbeit bilden. Kleinere Orte, die selbst keine Gruppen bilden können oder einzelne gesinnungsgemä§ zu uns gehöriger Leute, sollen sich der Örtlich nächstgelegenen Ortsgruppe anschließen. Die Bundesleitung, bzw. die von ihr beauftragte Snifleitung (Waad hasnifim w'hachugim, Anschrift Dr. Abraham Cohnr Halberstadt, Lindenweg 13) wird bemüht sein, die Gruppen in ihrer Arbeit tatkräftig zu unterstützen und jedem Einzelnen auf Anfrage mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. — Alle an einer Aufnahme in eine Ortsgruppe (Snif) des Noar Agudati Interessierten, soweit sie uns noch nicht direkt von einer bereits bestehenden Gruppe gemeldet wurden, ebenso wie die Hachscharabewerber, sowie alle Interessentinnen für die Fortbildungskurse bitten wir um sofortige Mitteilung an die Bundesleitung des Noar Agudati, Frankfurt a. M., Schwanenstraße 12. Die Gemeindewahlen in Litauen, Die Zurückdrängung der jüdischen Stadtbevölkerung. General Smuts fordert Recht und Gerechtigkeit für alle- Jugend in Deutschland-

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