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Der Israelit · 1934-11-22 · Heft 47 (22.11.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 47 (22.11.1934)
Date
1934-11-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ess Frankfurt a. M. 22. November 1934 15. Kislew 5695 Nummer 47 Die Palästina-Arbeitereinwanderungsqoote für das nächste Halbjahr; 9700 Zertifikate. Jerusalem, 15. November. Die Palästinaregierung hat für das kommende Halbjahr 9700 Arbeitereinwan.derungs-Zertifikate.bewilligt. Gegenüber der Anforderung der Jewish Agency, die 18.600 Zertifikate betraf, bedeutet die neue Quote eine Kürzung um 47 Proz. 2200 Zertifikate wurden für Einwanderer, die ohne Erlaubnis ins Land gekommen sind, und für Touristen, die um die Bewilligung des dauernden Aufenthalts angesucht haben, zurückbehalten. Wenn auch festzustellen ist, daß die jetzige Schedule größer ist als die früheren, so muß doch gesagt sein, daß die Zahl der bewilligten Zertifikate keineswegs ausreicht, um das Minimum des bei dem starken Arbeitermangel bestehenden Bedarfs nach neueinwandernden Arbeitern zu decken. Die Jewish Agency setzt daher ihre Bemühungen um Erhöhung der Zertiiilcaiezahl für jüdische Arbeiter fort. * * * Jewish Agency legt bei der Regierung Protest ein. Die Bewilligung der neuen Schedule in Höhe "von netto 7500 Zertifikaten, von denen mehr als die Hälfte für landwirtschaftliche Ai-beiter bestimmt ist, bedeutet nicht etwas Abschließendes; angestrebt wird eine Schedule, die den Bedürfnissen der jüdischen Arbeit wirklich entspricht. Jedenfalls besagt die neue Schedule, daß die Theorie über vorweg bestimmte Grenzen der jüdischen Einwanderung falsch ist; dies zeigt die Entwicklung der letzten Schedulen: 4500, 5500, 5500, 6800 und 7500 (letztere mit Aussicht auf entsprechende Erhöhung). Die jüdische Einwanderung im Jahre 1934 betraf über 40.000 Menschen . Bedenkt man, daß die Schedule als Maßstab für die jüdische Einwanderung überhaupt gilt, so kann man — zieht man die höhere Schedule für 1935 in Betracht — mit einem Minimum von 50,000 jüdischen Einwanderern im Jahre 1935 rechnen. London, 18. November. Die „Times" berichten, daß die Jewish Agency for Palestine bei der Palästinaregierung Protest wegen der ungenügenden Berücksichtigung der jüdischen Schätzungen des Arbeitsmarkts bei Erteilung der neuen Schedule eingelegt hat, In dem Protest wird erklärt, daß bei der Festsetzung der neuen Schedule die wirklichen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes im Lande von der Regierung nicht voll in Erwägung gezogen wurden. Aus dem Inhalt: Die Gemeindewahlen in Litauen . . . Seite 2 General Smuts fordert Recht und Gerechtigkeit *ür alle.............Seite 2 Vom Noar Agudati.........Seite 2 Spiel mit der religiösen Wahrheit . . Seite 4 Wieder eine Boykottkonferenz . . . Seite 5 Amsterdamer Oberrabbiner Abraham Onderwyzer ........Seite 5 Die „verbesserte" biblische Geschichte Von Rabb. Dr. Merzbach, Darmstadt Seite 6 Kündigungseinspruch von Nichtariern Seite 7 Deutsche Juden in Genua.....Seite 8 Berichte aus Paläsiina .......Seite 8 Wiener Adaß Jisroel hat die Bildung einer Sondergemeinde bei der Regierung beantragt. Wien, 19. November. Der in der Synagogengemeinde Adaß Jisroel (Schiffschul) vereinigte Teil der Wiener jüdischen Orthodoxie, der seit langem auf die Bildung einer von der als Einheitsgemeinde organisierten Wiener Israelitischen Kultusgemeinde unabhängigen orthod. Gemeinde hinarbeitet, hat einen entscheidenden Schritt zur Verwirklichung seiner Ziele unternommen. Das Präsidium der Schiffschul hat soeben der Regierung offiziell den Antrag auf Loslösung von der Kultusgemeinde und Errichtung einer eigenen orthodoxen Gemeinde unterbreitet. Der Gegensatz zwischen den Anhängern einer orthodoxen Separatgemeinde und der Führung der Wiener Kultusgemeinde hat sich in letzter (Fortsetzung siehe Seite 2.) Grundwerte des Judentums. Von Dir. Dr. Elias in Frankfurt a. M. II. Wir aber müssen uns fragen: Wie weit ist die Einzigartigkeit dieser Wert- und Weltanschauung uns zuzurechnen, daß wir von einer Einzigkeit des jüdischen Volkes sprechen dürften, daß wir hintreten dürften und sagen: Gesegnet sei der, der uns auserwählt hat von allen Völkern! Der gläubige Jude sieht in der Bibel und in den darin vorgeschriebenen Richtlinien Offenbarungstatsachen. Die Geschlechter aber, die am Tag der Offenbarung am Sinai gestanden, gehören längst der Vergangenheit an. Welchen Anteil haben wir an ihnen? Wenn wir uns heute auf sie beziehen, so tun wir es in der Ueberzeugung, daß in jenen Männern und Frauen auch wir angeredet waren, in der Ueberzeugung, daß auch wir und auch heute noch muschbaim weomdim mehar Sinai, in ewiger Verpflichtung zur Bibel stehen, daß wir mit ihnen als Glieder einer Kette, als Glieder eines einheitlichen Ganzen, aus einem Holze geschnitten (chatiwa achad) unter einer und derselben Verantwortung stehen {kol jisrael achim, kol jisrael arewim se base). Dieser Einheit, die wir darstellen sollen, gegenüber steht eine jedem Eingeweihten schmerzliche Vielheit des Seins und Tuns und Fühlens. Im Laufe der Jahrhunderte haben wir den gemeinsamen Mutterboden geräumt, die heilige Sprache verloren, die Religion uns rauben lassen und schließlich auch das Gefühl unserer Zusammengehörigkeit weitgehend eingebüßt. So kommt es, daß im Gegensatz zu der fast sagenhaft anmutenden Vorstellung, die die Nichtjuden von unserer Einheit haben, wir selbst von ihr sehr wenig wissen, und bis vor kurzem auch wenig wissen wollten. Heute ist es anders, heute suchen wir sie und sehnen wir uns nach ihr. So kommt es, daß wir in den letzten Jahren die gewagtesten Versuche wahrnahmen, unsere Einheit zu analysieren. Als erster hat seinerzeit Buber es unternommen, über den blutmäßigen Zusammenhang hinausgehende, im Orientalischen wurzelnde einheitliche Geistesrichtung zu finden. Uns seien, so behauptete er. drei Tendenzen eigen: Das Streben nach Einheit, nach Tat und nach Ewigkeit. Und alle drei seien sie in dem uns mit allen Orientalen gemeinsamen motorischen Wesen begründet. Wie wenig sicher diese Theorie ist, läßt sich leicht erkennen, wenn man die vielen anderen*) Versuche wahrnimmt, mit ganz anderen, zum Teil gerade entgegengesetzten Merkmalen die jüdische Wesenseinheit zu umschreiben. (Fortsetzung auf Seite 3.) *) Max Brod sieht als entscheidend an die Stellung zum „edlen" und „unedlen" Unglück. Goldmann entdeckt bei uns: Rationalismus, geistige Beweglichkeit, Fortschrittlichkeit, Gleichgültigkeit gegen Metaphysik. Stapel: Furcht vor Tod, nüchterne Ueberlegung, Gleichgültigkeit gegen Ruhm.

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