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Der Israelit · 1934-09-21 · Heft 38-39 (21.9.1934) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 38-39 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Seite 4 Nr. 38/39 Der Israelit 21. September 1934 ling eingeladen, sich zunächst auszuruhen und zu erholen, Die Familie wollte sich gerade zu Tisch setzen. Der köstliche Geruch gebratener Tauben stieg empor. Doch auf der Schüssel lagen nur fünf Tauben, während um den Tisch sieben Esser versammelt waren. Der Hausherr wandte sich an seinen Gast, er möge die Tauben verteilen. Bescheiden wehrte der Jüngling ab, doch der Hausherr ließ mit der Erfüllung seines Wunsches nicht nach. So nahm denn der Jüngling eine Taube und legte sie vor den Hausherrn und seine Frau. Die zweite Taube legte er vor die beiden Söhne, die dritte vor die beiden Töchter, und die restlichen zwei Tauben nahm er sich. Die anderen wunderten sich über diese Art der Verteilung, schwiegen aber. Der alte vor kurzem geschlossene Friedhof in Friedberg (Oberhessen) Bei der nächsten Mahlzeit wurde ein gemästeter Truthahn aufgetischt, — und wieder forderte der Gastgeber den Gast auf, den Braten zu zerschneiden. Wieder weigerte sich dieser, und wieder drängte jener, bis er seinen Willen erreichte. Diesmal sah die Einteilung noch merkwürdiger aus. Der Hausherr bekam den Kopf, die Hausfrau die Eingeweide, die Söhne die Unterschenkel, die Töchter die Flügel und der Gast alles Uebrige. Als der Truthahn verzehrt war, konnte der Hausherr seine Neugierde nicht länger zügeln, und lachend fragte er nach der Erklärung für solche Handlungsweise. „Ich habe nicht gercehter zu verfahren gewußt. Je zwei von euch gab ich eine, also je ein Drittel von drei Tauben, und mir als Einem mußte ich die restlichen zwei nehmen. Bei dem Truthahn, der nur einer war, lag aber die Lösung anders. Dir als dem Kopf des Hauses gehörte der Kopf; deiner Frau, die mit ihrem Inneren dem Hause Kinder gab, gebührten die Eingeweide; deinen Söhnen, den Stützen des Hauses, waren die Unterschenkel, die den Körper stützen, zuzusprechen und deinen Töchtern die Flügel, denn sie fliegen den Freunden ihrer Jugend zu, um sie zu ehelichen. So blieb mir der Rest." Alle verwunderten sich über die Weisheit des Jünglings. Der Hausherr aber zögerte nun nicht länger, den Gürtel mit dem Geld seinem Erben zu übergeben. Auch diese Fabel zeigt die Freude an einer klugen Antwort, die Schätzung der . geistigen Kraft. Diese Bewunderung des Geistes war zu allen Zeiten im jüdischen Volke so groß, daß der Reiche seine Tochter dem armen Jüngling zur Frau gab, wenn dieser gelehrt und klug war. Auch das ist zum Guten. In der Stadt Gimso, im Lande Jehuda, lebte ein Mann mit Namen Nachum. Seine Weisheit und seine Lauterkeit wurden im ganzen Lande gerühmt, und jung und alt kamen zu ihm, um von ihm G'ttes Wort zu empfangen. Nachum führte sich mit G'tt so, daß er, wenn ihn ein Unglück traf, sagte :,,Auch das ist zum Guten." Das Volk glaubte, daß dem Nachum jeder Fluch in Segen, jedes Unglück in Glück verwandelt wurde. Der neue Kaiser von Rom bedrückte die Kinder Israel gar sehr, und die Aeltesten des Volkes beschlossen, ihn durch ein wertvolles Geschenk, einen Kasten voll wunderbarer Edelsteine, günstig zu stimmen. Nachum aber sollte das Geschenk überbringen, da offenbar war, daß G'tt sein Tun gelingen lassen werde. Als Nachum die erste Nacht in einer Herberge rastete und — den Kasten unter dem Kopfe — den ruhigen Schlaf des Gerechten schlief, schlich der habgierige Wirt herbei, zog den Kasten hervor, nahm die kostbaren Steine heraus und gab statt ihrer Erde und Stroh hinein. Nachum erreichte Rom, ohne den Betrug gemerkt haben. Seine vornehme Erscheinung, die den Adel der Seele widerstrahlte, und seine weisen Worte gewannen ihm das Herz des Kaisers. Gnädig wollte der Herrscher das Geschenk entgegennehmen. Doch wehe! die Edelsteine hatten sich in Erde und Stroh verwandelt. Wütend über.solchen Spott schrie der Kaiser: „Ich werde dich töten lassen!" Nachum wußte keine Antwort und war wie erstarrt. Im Innersten seiner Seele sprach aber ganz leise eine Stimme: „Auch das ist zum Guten!" Da trat plötzlich aus dem Kreise der Füsrten in prachtvoller Rüstung und in der Gestalt eines reckenhaften Helden ein Fürst vor den Kaiser, verbeugte sich und sprach; „Wisse, mein Gebieter! die Erde ist ein Vermächtnis von Awraham, dem Stammvater des Volkes der Juden. Wunderbar ist ihre Wirkung und mehr als alle Edelsteine ihr Wert. Wirf sie nach oben, so wird sie zu Schwertern und das Stroh zu gespannten Bogen, mit denen der größte Feind besiegt wird. Schicke den Kasten deinem Heerführer, der schon lange unentschieden mit einem tapferen Feinde kämpft." Erstaunt hatte der Kaiser den ihm unbekann- Auf dem Hofe der neugegründeten jüdischen Schule in Darmstadt (Aus dem Heit des Z. A. d. D. J. für Hilie und Aufbau) ten Mann im Fürstengewand angesehen. Mißtrauisch antwortete er daher: „Dich kenne ich nicht. Aber der Jude macht den Eindruck eines rechtschaffenen, edlen Menschen. Seinetwegen werde ich deinen Worten folgen. Ihr beiden aber seid inzwischen meine Gefangene, bis ich die Wahrheit oder den Trug festgestellt habe." Man führte die beiden als persönliche Gefangene des Kaisers mit Achtung ins Gefängnis. Außer der Freiheit fehlte es ihnen dort an nichts. Als die beiden allein waren, schwand plötzlich die Rüstung von dem Fürsten, und er stand in Mantel und Gürtel. „Fürchte dich nicht! Ich bin Elijahu, G'tt hat mich zu deiner Rettung geschickt, damit das Werk des schurkenhaften Wirtes nicht dir und unserem Volke zum Unglück werde. Doch nun, Nachum, laß uns beide die Zeit ausnutzen, in den Tiefen der heiligen Thora zu forschen." Es vergingen Tage auf Tage. Die beiden lernten und lernten und beachteten kaum, wenn die Diener Speise brachten. Da — eines Morgens — näherte sich das Geräusch vieler Menschen. Die Tür öffnete sich. Fürsten des Kaisers traten ehrerbietig ein, den Gefangenen die Freiheit, zu geben und sie zum Kaiser zu geleiten, denn das Wunder mit der Erde und dem Stroh hatte sich bewahrheitet. Der Kaiser war von nun ab ein Freund des jüdischen Volkes." Den Wirt aber traf die Strafe. Als er von dem Wunder hörte, nahm er in seiner Habgier ein Kästchen mit der Erde vor seinem Hause, die doch das Wunder getan hatte, fuhr nach Rom und trat vor den Kaiser. Doch er wurde des Betrugs überführt und getötet. Das Judentum sagt: Erfülle treu die Gebote G'ttes, dann wird auch das scheinbar Schlechte zu deinem Guten sein. Hebräi&cher Anfangsunterricht in der Talmudthoraschule zu Hamburg (Aus dem Hefte des Z. A. d. D. J. für Hilfe und Aufbau) Ein Königreich um eine Sintflut l Phantasieen aus dürrem Sommer. Von B. Cohen. Wer in diesjährigen Hundstagen ausrief: Di» 'ffm -[nv der ist doppelt zu entschuldigen. In seinem Hirn blüht die prasselnde Phantasie. Der ausgebliebene Regen, der von außen das Schädeldach erfrischen sollte, wird innen erzeugt aus angeblichen altjüdischen — Regen-Mythen. Da klingt in einer der letzten Rundschau-Nummern M. Grunwald in erfrischendem Traum der Schall des Weidenabklopfens von *)*7i ähnlich dem — prasselnden Regen. Und da der Talmud dieses Klopfen einen Brauch der Propheten nennt (und die Propheten das Geheimnis seines Sinnes mit ins Grab genommen haben), — so sieht G., auf einer 1923 und in der Breslauer Festschrift schon vor 30 Jahren erschienenen Studie fußend, im Schlußkapitel Secharjas eine Bestätigung dafür, daß — eine Regen-Messe mit Warenaustausch stattfand. Wer denkt da nicht an Fritz Hellers Erzählungen, wonach Judentum von Anfang an nicht Nation, sondern Waren-Tauschgesellschaft war? Das also bleibt für G. vom Ideal Secharjas über die Messiaszeit! Früher wurden nur die sadduzäischen Meinungen als die älteren gegenüber den pharisäischen (so Wiener Schebuoth 5692 in der „Rundschau") dargestellt. Jetzt soll gar Jerobeams Cheschwanfest älter als das Sukkoth der Thora gewesen sein. Vielleicht in weiser Voraussicht solcher Phantasmen steht das eindeutig hiergegen sprechende (T Reg. 12, 33) mV» ma ipk: Er ersann es sich aus seinem Herzen. Das einfache D'ian \>lir>3 NU der Mischna erklärt von selbst für den schlicht Denkenden Wasseropfer und Regengebet und erübrigt alle anderen Begründungen dieser Bräuche. Vollends die Propheten auf eine Stufe mit den Medizinmännern der Wilden zu stellen, die das Geräusch des ersehnten Regens herbei „bannen", — das sollte im Zeitalter der Religions-Psychologie dem Unvoreingenommenen nicht mehr möglich sein. Die Sintflut begann wohl auch am 17. Cheschwan, und auch in jüdischen Erklärern der alten Zeit wird der Gedanke gewagt, es sei um jene Wende des Jahres die Kraft des Regens immer die größte und daher „die Welt im Gerichte G'ttes", ob der Regen gut oder böse wirken oder ausbleiben soll. Aber weiter wird dieser Gedanke nicht geritten. Das entsprechende „Frühjahrsfest" soll nun anfangs des 18. Ijar gewesen sein. Vielleicht das Omer- Opfer am 16. Nissan? — Aber nein, das ist je nach zionistisch neusadduzäischer Meinung (Wiener .1 cj nicht datumsgebunden. Am 17. Nissan kam doch die Arche auf Grund? Nun, wenn die aufgewärmten Friedmann'schen Phantasieen auf Grund geraten, dann wollen wir ein neues Fest feiern und bnan bbn singen wie nach Eintreffen des Regens.

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