Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-09-21 · Heft 38-39 (21.9.1934) · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 38-39 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450844--80738-2538588
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

21. September 1934 Der Israelit Nr. 38/39 Seite 3 ist, eine ganze Reihe von Q^nn ö'JHU. Dort ruht auch Rabbi Chajim Lgw, der Bruder des Hohen Rabbi Low aus Prag, der Lehrer von „Tosfos Jomtow". Im Jahre 5601 (vor 94 Jahren} wurde der letzte Friedberger Rabbiner Feibisch Frankfurtery^t dort beigesetzt. Die alte Gemeinde Friedberg, die bereits im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt ist, hat leider in der letzten Zeit 25 Proz. ihres Bestandes eingebüßt Immerhin ist sie noch eine stattliche Gemeinde, deren Vorstand im Einklang mit dem für miaitt min treu wirkenden Herrn Lehrer Seelig bemüht ist, die alten Traditionen zu pflegen. Aus dem jüdischen Fabelschatz, Nacherzählt von Saly Geis. Der kluge Diener. Ein Grieche verweilte Geschäfte halber einige Jahre in Jerusalem. Da ihm jedoch seine Unternehmungen nicht glückten, so beschloß er, nach Hause zurückzukehren. Er kaufte sich zwei Reittiere und einen Diener, füllte seine Mantelsäcke mit Speisen und machte sich auf den Weg. Der erste Tag näherte sich seinem Ende. Nirgends war ein Zeichen sichtbar, daß sie hoffen durften, noch vor Nacht zu Menschen zu kommen, die ihnen Dach und Schutz bieten konnten. Der Diener hatte schon lange nach Spuren auf der Erde geschaut. Jetzt wandte er sich an seinen Herrn und sagte: „Wenn wir uns beeilen, können wir noch Reisende erreichen." Verwundert fragte der Herr, woher er diese Kenntnis habe. Als sage er etwas ganz Einfaches, erwiderte der Diener: „Ich weiß auch, wie weit die Leute von uns entfernt sind, wie viele ihrer sind und welchen Volkes, was für ein Reittier sie haben, und welche Last es mit sich führt." „Na, dann erzähle mir, was du von dem Tiere weißt!" — und der Mann lächelte ungläubig. „Ein Kamel, das auf einem Auge blind ist und Zwillinge in seinem Leibe beherbergt, trägt einen Schlauch mit Wein und einen mit Oel." „Doch laß mich auch gleich meine übrigen Behauptungen näher ausführen," fuhr der Diener ruhig und sicher fort. „Es sind zwei Männer, ein Jude und ein Mann anderen Stammes. Ihre Entfernung von uns kann höchstens vier Meilen betragen." „Du sprichst deine Worte leicht dahin; — aber wie willst du sie mir so beweisen, daß ich ihnen Glauben schenken darf?" Diese Frage wurde von einer stolzen und verachtungsvollen Gebärde begleitet. Glaubte der Sklave, sich über seinen Herrn lustig machen zu dürfen? Jener dagegen blieb Tn seinem Benehmen und in seinem Tone so fest wie vorher. „Herr, sieh diese Spur! Rechts von ihr ist das Gras abgefressen, doch links steht es unversehrt. Also muß das Kamel, dessen Hufe in den Sand gedrückt sind, auf dem linken Auge blind sein. Du siehst auch, daß zwei Flüssigkeiten hinabgetropft sind. Auf der einen Seite hat der Boden die Tropfen aufgesaugt, nur die hellere Farbe zeigt sie noch. Auf der anderen Seite ist eine glänzende Oberfläche geblieben. Ein Schlauch Wein und ein Schlauch Oel hingen an dem Kamel. Dort aber, wo sich das Kamel lagerte, sind auch die Gestalten zweier kleiner. Kamele im Sand ausgehöhlt." Jetzt unterbrach der Herr. „Diese Beweise lassen sich wirklich hören. Für deine übrigen Behauptungen wirst du aber keine Antwort wissen." „Erlaube, mein Gebieter, daß ich auch sie zu deiner Zufriedenheit beantworte. Beide Männer Jüdische Wanderer durch die algerische Landschaft hatten ein Bedürfnis, der eine erledigte es mitten auf der Straße, der andere ging abseits. Der zweite ist ein Jude, denn das Volk der Juden ist schamhaft. Zum Schluß will ich auch erklären, wieso ich die Entfernung angeben konnte. Die Spuren eines Kamels halten sich nur bis vier Meilen im Sande." Der Mann war sehr begierig geworden, die Worte seines Dieners auf ihre Bewahrheitung zu prüfen. Sie eilten sich und erreichten wirklich zwei Männer und ein Kamel. Aber auch alles andere stimmte. Ruine am Wege in Algier Wer sich erzieht, auch das Geringfügigste in Ruhe zu beobachten, schärft seinen Verstand, wird weise Au! dem Markte zu Constantine und kann sich erretten; wie auch dieser Diener sich gerettet hat, denn sein Herr gab ihm die Freiheit. Aber noch ein anderes lehrt die Fabel: das Lob des jüdischen Volkes. Es war in der Welt bekannt, daß Juden schamhaft sind. Den Völkern fiel dies© Eigenschaft auf, weil sie sie nicht kannten. Die Erbschaft. Es ist nicht immer leicht, zu seinem Gelde zu gelangen. Das mußte auch ein Jüngling erfahren. Sein Vater hatte alles Geld in seinen Gürtel gebunden und war nach einem einige Tagesreisen entfernten Orte geritten, um dort eine Ware einzukaufen. Doch die vereinbarte Frist verstrich, ohne daß er zurückkehrte. So mußte nun auch der Sohn ein Pferd satteln und sich auf den Weg begeben. Wohlbehalten kam er nach dem Orte; aber er merkte bald, daß ihm niemand Auskunft geben wollte, denn die Leute wußten von dem Tod des Mannes und dachten bei sich, es sei doch besser, wenn das Geld im Orte bleibe. Der Jüngling überlegte, wie er zu dem richtigen Haus gelangen könne. Da sah er an einer armseligen kleinen Hütte eine Last Holz liegen. Er kaufte das Holz von seinem Besitzer und ersuchte ihn, es zu dem Manne zu bringen, der die und die Ware verkaufe, dessen Namen er aber nicht wisse. Mit dieser Klugheit erreichte der junge Mann, daß er in das Haus geführt wurde, bei dessen Besitzer sein Vater eingekehrt und gestorben war. Der Mann war redlich und wollte das Geld herausgeben. Er glaubte auch, daß der Erbe vor ihm stand. Allein der Sterbende hatte ihm als seinen letzten Willen aufgetragen, daß derjenige sich als sein Sohn beglaubige, der drei Dinge mit Weisheit ausführe. Eine Probe hatte er bereits abgelegt. Die Last Holz zeugte, daß eine der drei Proben bestanden wurde. Doch zwei Proben waren noch zu erfüllen. Zu diesem Zwecke mußte aber erst einmal Zeit gewonnen werden. Daher wurde der Jüng-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.