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Der Israelit · 1934-09-21 · Heft 38-39 (21.9.1934) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 38-39 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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21. September 1934 Der Israelit Nr. 38/39 Seite 9 Frankreich. 350.000 Pfund-Anleihe für Tel Awiw zu günstigen Bedingungen gesichert. Paris, 16. September. " Wie die ITA erfährt, ist es Bürgermeister Dizengoff, der am 16. September von. Marseille aus die Rückreise nach Palästina angetreten hat, vor seiner Abreise aus London gelungen, die 350 000 Pfund-Anleihe für Tel Äwiw zu dem günstigen Zinsfuß von weniger als 5 Prozent zu sichern.- England. Die „Times" über den Legislative Council in Palästina. — Werden die Funktionen der Jewish Agency durch die Errichtung des Council eingeschränkt? L o n d o n , 30. Äugust. Zur Frage der Errichtung eines Legislative Council in Palästina erklärt die „Times", es werde angenommen, daß die Verhandlungen in Bezug auf die Errichtung des Council zwischen den zentralen Regierungsstellen und dem jetzt auf der Reise.nach London befindlichen High Commissioner für Palästina, Sir Ärthur Wauchope, vor dem Abschluß stehen. Die Juden seien gegen eine Regelung, durch die die gegenwärtige jüdische Vertretung gegenüber der Regierung durch die Jewish Ägency, die von der gesamten Judenheit gestützt wird, zu Gunsten eines halben' Dutzend palästinensischer Juden beseitigt werden würde. Die natürliche Reaktion auf diesen Widerstand sei die Zustimmung der Araber zu dem vorgeschlagenen Legislative Council, wenn auch die meisten Äraber den Council für wertlos halten, weil die sie am stärksten interessierenden Fragen, jüdische Einvvandörung und Bodenverkauf an Juden, von der Behandlung durch den Council ausgeschlossen sein sollen. Zu diesem Bericht der „Times" wird der ITÄ aus maßgebenden Kreisen der Jewish Ägency mitgeteilt, daß Sir Ärthur Wauchope zweifellos nicht beabsichtigt, die Jewish Ägency beiseite zu schieben; doch würden zahlreiche Palästina-Angelegenheiten nach Errichtung eines Legislative Council dem beratenden Einfluß der Jewish Ägency eintzogen sein. Eine wesentliche Einschränkung der Funktionen der Jewish Ägency würde dies nicht bedeuten, da die beiden für sie wichtigsten Fragen, Einwanderung und Bodenkauf, außerhalb der Kompetenz des ^Legislative Council bleiben und weiterhin wie bisher den Gegenstand von Beratungen zwischen der Palästinaregierung und der Jewish Ägency bilden würden. Und wieder die Protokolle der Weisen von Zion. London, 15. September. In Grahamstown, Südafrika, wurden, wie schon kurz berichtet, vor kurzem Mitglieder einer Äntisemitenliga zu einer Geldstrafe von 1775 Pfund wegen Verbreitung des Märchens von den ..Protokollen der Weisen von Zion" verurteilt. Die Urteilsbegründung liegt nun vor und ist an sich ein so wertvolles Dokument, daß man auch in anderen Ländern und Städten, wo, wie etwa zur Zeit in B e r n und Basel, diese Legende wieder ihren Spuck treibt, darauf zurückkommen sollte. Das Urteil stellt vor allem fest, daß die angeklagten Ankläger des Judentums nicht im guten Glauben, sondern aus Haß und blindem Parteidünkel gehandelt und damit eine diffamierende Wirkung erzielt hätten, die es durchaus verständlich mache, daß sich die jüdische Oeffentlichkeit durch ihre leitgimen Vertreter zur Wehr setze. Ueber die „Protokolle" selbst heißt es im Urteil: „Es ist behauptet worden, daß die Protokolle auf dem 1897 in Basel abgehaltenen 1. Zionistenkongreß von Dr. Herzl geheim verkündet worden seien; aus der Aussage des Führers der zionistischen Bewegung,. Nahum Sokolow, dessen Zeugenschaft wir ohne jedes Zögern anerkennen, geht jedoch beweiskräftig hervor, daß auf diesem Kongreß niemals auf ein derartiges Dokument Bezug genommen: oder seiner Erwähnung getan wurde. Herr Sokolow erklärte, daß er dem Kongreß beige^ wohnt hat, daß die Verhandlungen der Oeffentlichkeit zugänglich waren, daß er Mitglied sämtlicher Kommissionen war und zu einem wesentlichen Teil an. der Zusammenstellung der Tagesordnung mitwirkte. Dem Kongreß wohnten viele christliche Studenten bei und es gab keinerlei Geheimnis irgendwelcher Ärt im Zusammenhang mit den Sitzungen. Er bemühte sich, der Entstehungsgeschichte des Dokumentes nachzugehen und zufällig entdeckten Beamte des Britischen Museums ein unter der Herrschaft Napoleons III. veröffentlichtes Pamphlet, das im Museums-Katalog unter „Antinapoleonische Pamphlete" verzeichnet ist. Das war die französische "Ausgabe der „Protokolle". Er fand, daß die „Protokolle" ein plumpes Plagiat dieser Streitschrift darstellen." Die Urteilsschrift spricht sodann von den G'tteslästerungen in den im Anschluß ah diese „Protokolle" verfaßten „Dokumenten" und den in ihnen enthaltenen „stupiden und herabwürdigenden" Angriffen gegen den Stifter der christlichen Religion und die Jungfrau-Mutter, sowie von den Versuchen der Angeklagten, sich der Verantwortung dadurch zu entziehen, daß sie dem Kläger die Klage-Legitimation bestritten. Diese in solchen Fällen üblichen Ausflüchten gingen in diesem Prozeß so weit, daß die Angeklagten schließlich' erklärten, sie hätten von einem Rabbi gesprochen, während der Kläger „Prediger", sei. Der Richter hat selbstverständlich eine' Erörterung des „akademischen und technischen Unterschieds zwischen einem Rabbiner und einem jüdischen Prediger oder Priester" als unerheblich abgelehnt. Griechenland. Minderheitsrecht oder Rechtsminderung? Athen, 17. September. Der ehemalige griechische Ministerpräsident V e n i z e 1 o s dementiert die ihm in den Mund gelegten antisemilischen Äeußerungen. Er wolle vielmehr die jüdisch W a h 1 k u ri e wieder herstellen und die Zahl der jüdischen Abgeordneten vermehren. Freilich geht die von Venizelos erstrebte besondere Wahlkurie auf das Minderheitsrecht hinaus, das in Griechenland von den Liberalen und nicht zuletzt vom Gros der Judenheit als Minderung des jüdischen Rechtes empfunden wird. So wird es nicht zu vermeiden sein, daß die freigesinnte Presse noch weiterhin von antisemitischen Absichten Venizelos sprechen wird. Palästina. 167 Juden wegen illegaler Einwanderung in palästinensischen Gefängnissen. Jerusalem, 14. September. Wie die Leitung der Palästinapolizei der ITÄ mitteilt, sind jetzt 167 Juden, unter ihnen 56 Frauen, als „illegale Einwanderer" in den Gefängnissen Palästinas untergebracht. Von diesen Gefangenen haben MO bereits ihre Strafen abzubüßen, während 27 noch auf das Urteil warten. Auch 199 Nichtjuden sind wegen illegaler Einwanderung in Haft. Die meisten wegen illegaler Einwanderung Verhafteten befinden sich im Gefängnis zu Akko. Die mit dem griechischen Dampfer „Inonion" eingetroffenen und wegen illegaler Einwanderung, eingetroffenen 17 jungen Juden sind in den Hungerstreik getreten; sie wollen damit gegen den Beschluß, sie zu deportieren, und gegen schlechte Behandlung im Gefängnis protestieren. Da die Häftlinge . keine Heimat-Dokumente besitzen, sind die Behörden in Verlegenheit; sie wissen nicht, wohin die illegal Eingewanderten geschafft werden sollen. Ein eigenes Lokal der Aguda- Jugend in Tel Awiw. Tel Äwiw, 18. September. Am Dienstag, dem Jahrzeitstage von Chofez Chajim, haben die Z ei r e Ä g u das Jisr.o e 1in Tel Awiw unter Beteiligung von 500 Personen auch aus Jerusalem und den Kolonien ihr neues eigenes Heim in der Grusenberggasse eingeweiht. Man sah unter den hohen Gästen auch Oberrabbiner Duschinski, Rabbi Mosche Blau und viele andere. Die Feier eröffnete mit einer Ansprache Abraham G o 1 d r o t h , worauf Herr Oberrabbiner Duschinski mit einer Ansprache alle Herzen bewegte. Es sprachen dann Rabbi Schmuel H a 1 p e r n , Rabbi Mosche Blau, Rabbi Raphael Katzenellenbogen und viele andere. Es fielen viele schöne Worte, die von Begeisterung und Arbeitswillen der Jugend für Thora und Erez Israel zeugten. Personalien. Fronhausen, 14. Sept. Eine trauernde Gemeinde war es, die eine weit über die Grenzen der engeren Heimat überaus hochgeschätzte, von allen geliebte und geachtete Frau zur letzten Ruhestätte führte, zu dem m-Opn!)">> das ihr sei. Vater vor vielen Jahren der n^np geschenkt und auf dem alle Glieder seines Hauses ihren Ruheplatz finden sollten: Frau Ida Isenberg aus Gießen, deren Gatten David Isenberg man schon im Jahre 1906 hier heraufgetragen hatte. Schon gar früh hat diese wackere Frau das Leben an verantwortungsvolle Stelle gestellt und sie hat ihren Posten treu behauptet. Schon mit 19 Jahren reichte sie ihrem tiefen angesehenen Gatten zu Ehebund die Hand, dem sie elf Kinder schenkte, wovon noch 9 leben und sich großer Beliebtheit erfreuen. In ihr Leben griff das Schicksal oft mit rauher Hand ein und getragen von einer echten D'iaw nm', gestärkt durch unsre nainK hat sie allen Stürmen standgehalten, besonders als in ihrem 38. Lebensjahr durch den Tod ihres Gatten das traute, schöne Familienleben zerrissen wurde und sie nun mit einer alten Mutter und noch zehn unmündigen Kindern allein stand. Bei der Fülle der nun auf sie einstürmenden Aufgaben und Pflichten hat sie nie gewankt und ihren heiteren Lebensmut verloren, eine seltene Frau, die nach ihrer Erziehung so nnxaa pipia war, daß sie zum Vorbild für viele gelten könnte. Wo Not und Armut war, war sie hilfsbereit zur Hand, ob es galt, im Gießener Krankenhaus oder auch in Privathäusern Kranke zu besuchen oder das heilige Gebet von n»K bo Ton '»a« zu erfüllen. Am «vw erlitt sie einen Schlaganfall und am Donnerstagmorgen erwachte sie aus ihrer Bewußtlosigkeit, um, mit dem ynv auf den Lippen, ihre mnö nnw auszuhauchen. Herr Lehrer N e u m a n n , Gießen entwarf ein kurzes Lebensbild der Verstorbenen, der fast die gesamte n^'np von Gießen das letzte Geleite gab; auf dem Friedhof in Fronhausen hatten sich viele Trauernde eingefunden. •n-MXan Vermischtes, Berlin, 30. Aug. Ueber „Sinn und Form der Autorität im Judentum" sprach im Rahmen der Berliner Kulturbundvorträge Rabb. Dr. Alexander A 11 m a n n. Gegenüber dem Autoritätsideal der Griechen, wie es sich etwa nach dem neuen Werk „Paideia" von Prof. W. Jaeger darstellt, entwickelte Dr. Altmann die Sinngestalt jüdischer Autorität. Verkörpert sich für den Griechen Autorität bildhaft im heroischen Menschen, der kraft seines bloßen Seins „Vor-Bild" ist, so kennt das Judentum gegenüber dieser „Bildautorität" nur die „Botschaftsautorität" des Menschen, der g'ttliche Lehre kündet. Kein Mensch ist sündenfrei, kein Mensch ist im Besitz des vipn nn, kein Mensch kann also selbstherrlich in seinem Sein Autorität darstellen, vielmehr ist von jedem Menschen die Haltung der anawa, der Demut, gefordert. Auch Moses fällt eine Entscheidung, die man von ihm wünscht, nicht aus eigener Machtvollkommenheit, sondern er wartet den g'ttlichen Auftrag ab. Ebenso findet der Prophetismus eine Grenze am Gesetz, und das Synhedrion darf nicht Unfehlbarkeit für sich beanspruchen. Selbst in der jüdischen G'ttesauffassung läßt sich die Struktur dieses Autoritätsbegriffes erkennen: G'ttes Eigendasein bleibt der menschlichen Sphäre verschlossen — die jüdische Religionsphilosophie ist durchgehend negative Attributenlehre —; wir wissen von G'tt nur seine Forderung an den Menschen; also auch die g'ttliche Autorität offenbart sich als eine Botschaftsautorität. Nicht eine „Imitatio Dei", eine Nachahmung g'ttlichen Seins wird von uns gefordert, sondern ein Wandeln in G'ttes Wegen, d. h. aber ein Erfüllen seiner Lehre. Und so ist kein Ernstnehmen G'ttes ohne Ernstnehmen der Thora; sie ist die „Verfassungsurkunde der jüdischen Theokratie"; der Schwur Israels am Sinai ist ein unaufhebbarer Rechtsakt, der auch die kommenden Generationen bindet. Im zweiten Teil seines Vortrages behandelte Dr. Altmann die verschiedenen Autoritätstypen der jüdi-

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