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Der Israelit · 1934-09-14 · Heft 37 (14.9.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 37 (14.9.1934)
Date
1934-09-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 37 Der Israelit 14. September 1934 rasch Karriere und war bald als Direktor der Deutschen Bank eine der populärsten Persönlichkeiten in der deutschen Finanz- und Bankwelt. Er gehörte auch dem Generalrat der Reichsbank an. Im Jahre 1933 schied er aus seinen Aemtern aus, behielt aber trotz seiner geschwächten Gesundheit seine meisten Ehrenämter in den jüdischen Organisationen bei. Die Liebe seines Herzens gehörte dem Palästinaaufbau, doch hatte er auch Zeit und Sinn für alle anderen sozialen und kulturellen Aufgaben der jüdischen Gemeinschaft. Bis zu den Jahren seiner Krankheit war er auch Vorsitzender des Keren Hajessod für Deutschland und eifriges Mitglied des Administrative Com mitteederJewishAgency. Er pflegte seine geistvollen Reden gern mit Bibel-, zuweilen sogar auch mit talmudischen Zitaten zu würzen. Der Heimgang Wassermanns rief in weiten jüdischen Kreisen große Bestürzung hervor. Die Bestattung fand am Mittwoch, den 12. September, auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee statt. Man sah viele bekannte Führer der Wirtschaft, der Industrie und besonders der Bankwelt bei der Trauerfeier, in deren Mittelpunkt eine eindrucksvolle Gedenkrede von Rabb. Dr. Leo B a e c k stand. Berlin, 12. Sept. Am 3. Tischri beging Herr Benjamin L ö w y , Artilleriestr. 13, seinen 8 0. Geburt st a g. Vor 25 Jahren kam er nach Berlin und ist fast ebenso lange als nVan Vya an der o"vr man tätig. Herr Löwy, ein ]~tnb alten Schlages, der in Vertretung des Rabbiners sehr oft vorlernt, erfreut sich wegen seines bescheidenen Wesens und aufrichtigen Charakters in den orthodoxen Kreisen großen Ansehens. Möge n"3pn ihm Kraft und Gesundheit schenken. n-axan Frankfurt a. M., 9. Sept. Am 26. September feiert Herr Emanuel Meyerhof, Heppenheim a, d. Bergstraße, ab ältester Bürger in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 9 0. Geburtstag.! naw D'-itf!tt nx» 19 Darmstadt, 12. Sept. Am ersten Tag mso begeht die Lehrerswitwe Frau Rahel Oppenheimer, . Grafenstr. 13, in geistiger und körperlicher Frische ihren 7 0. Geburtstag. Eine edle Frau von seltener Reinheit, Güte und Bescheidenheit, eine echtjüdische Frau von bewährter, alter Tradition, ist sie ausgestattet mit vornehmster Gesinnung und einem warmfühlenden Herzen für jedermann. Möge rr'P ihr noch viele Jahre eines ruhigen, gesegneten Lebensabends schenken. Hamburg, 3. Sept. Einen schweren Verlust hat die thoratreue jüdische Jugend Hamburgs zu beklagen. Durch einen jähen und allzufrühen Tod wurde dem E s r a und der A g u d a - Jugend eine begabte Führerin genommen. Mit ernstem Verantwortungsgefühl und einer unbestechlichen Wahrheitsliebe hat Herta Spitzer unter der Jugend gewirkt, um im Sinne ihres großen Vaters V"XT> junge Menschen zum wahrhaften Judentum zu erziehen. Sechs Jahre hat sie im Esra geführt, und zeitweilig als Führerschaftsleiterin die Bundesarbeit maßgebend beeinflußt. Immer wieder hat sie es versucht, Anregungen und Anleitung den Jüngeren zu geben und in Schiurim den Mädchen das geistige Rüstzeug für den Kampf mit der Umwelt zu übermitteln. Dabei stand ihr nichts höher als der Frieden und die Eintracht der den Bünden anvertrauten Jugend. Gerade in dieser schweren Zeit, in der wir jeden einzelnen Jugendführer so dringend benötigen, trifft uns der Verlust eines solchen begabten und vielversprechenden jungen Menschen besonders schwer. Wir wollen ihr Andenken durch Wirken in ihrem Sinne ehren. rraxa/v Würzburg, 3. Sept. Herr Rabbiner Sasmon Rafael Weiß, Breslau-Mir, wurde zum Seminarrabbiner nach Würzburg berufen. Herr Rabbiner Weiß, Sohn des Oberkantor Weiß in Breslau, verbrachte nach guter Vorbildung annähernd fünf Jahre an der Jeschiwa zu Mir und gilt trotz seiner Jugend als bedeutender aan Y>nS>n. Freiburg i, Br., 30. Aug. Einen der Besten in unserer Gemeinde, Abraham Kahn, den treuen langjährigen Mitarbeiter des altangesehenen Bankhauses E. Mayer, betteten wir gestern zur ewigen Ruhe. Eine der stärksten Stützen und Förderer aller religiösen Interessen, ein Verfechter des überlieferten Judentums, hauchte nach langem Leiden seine edle Seele aus. Wo es galt, einzutreten für unsere heilige Lehre, setzte er sich mit der ganzen Kraft und Wärme seiner Ueberzeugung ein und trug er so zur Erhaltung und Befestigung unserer Institutionen bei. Mit dieser Treue zu den geheiligten Einrichtungen verband ihn innige Liebe zu allen karitativen Organisationen, die er durch seine kluge Mitwirkung und seine stets offene, freigebige Hand förderte und stärkte. Der Adel seiner Gesinnung, seine mit großer Bescheidenheit gepaarten edlen menschlichen Eigenschaften sicherten ihm die Achtung und Verehrung in allen Lagern der jüdischen Gemeinschaft Freiburgs und auch in nichtjüdischen Kreisen. Der Heimgang dieses vortrefflichen Mannes, der auch im Stillen Wohltätigkeit in reichem Maße übte, bedeutet für unsere Gemeinde und für das Judentum einen großen, schmerzlichen Verlust. Möge das Verdienst des Verklärten der trauernden Familie beistehen, n-asan- Ihringen (Baden,) 5. Sept. Am man 'p xuip hauchte Maier Mayer, einer unserer Besten, seine reine Seele aus. Obgleich der Verstorbene in seiner großen Bescheidenheit sich jeden Nachruf an seiner Bahre verbeten hatte, halten wir es für unsere Pflicht, an dieser Stelle seiner zu gedenken. Aus einer alten Ihringer Familie hervorgegangen, machte er sich schon in jungen Jahren selbständig und hielt auch später nach seiner Verheiratung die Traditionen seines Elternhauses aufrecht. Zusammen mit seiner Gattin führte er ein echtjüdisches Haus und erzog seinen einzigen Sohn im Geiste der Thora. Beinahe vier Jahrzehnte stand er der' Gemeinde als Führer vor. Was er da leistete, sucht seinesgleichen. Mit Einsatz seiner ganzen Kraft und Energie war er in dieser langen Zeit stets bemüht, die Einrichtungen der Gemeinde in Ordnung zu halten und wo es notwendig erschien, dieselben durch neue, zeitgemäße, — aber alles rnai m: — zu ersetzen. Wenn es galt, die alte Tradition der Gemeinde aufrecht zu erhalten, und Neuerungen, die dem Sinne der min widersprechen, zu verhindern, sahen wir den sonst so gutmütigen, friedlichen und herzensguten Menschen tatkräftig und bewußt auftreten und seine Sache bis ins allerkleinste verteidigen. Er scheute keine Kämpfe, wenn es galt, das Wort G'ttes zu vertreten und in die Tat umzusetzen. Viele und harte Prüfungen waren ihm vom Himmel auferlegt. Nie verzagte er. Stets konnte man von ihm hören: „So will es G'tt." Als ihn zuletzt eine tückische Krankheit ans Bett fesselte, war er immer guten Mutes und trug das ihm auferlegte Los mit Ergebenheit und Zufriedenheit. Bis zum letzten Atemzuge waren seine Gedanken und Sorgen: „die Kehilla". Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung erhielt er im vergangenen Jahre den Tugendpreis des badischen Oberrats. Was er im Bereiche der Wohltätigkeit leistete, läßt sich gar nicht in Worte kleiden. rrasan Vermischtes, Frankfurt a. M., 28. Aug. In Oberaltert heim, Rabbinatsbezirk Würzburg, einer noch streng frommen Gemeinde, fehlt durch den Wegzug des bisherigen Lehrers, der pensoiniert ist, ein Mann zum Minjan. Da das Leben dort sehr billig ist und eine Wohnung für eine Familie gegen ganz geringe Vergütung freigestellt wird, so wäre die Gemeinde sehr glücklich, wenn ein pensionierter Lehrer dorthin ziehen würde. Derselbe könnte in Oberaltertheim und Unteraltertheim sich noch kleine Verdienste durch Lehrtätigkeit usw. verschaffen. Näheres bei der „Freien Vereinigung" Frankfurt a. M., Rechneigrabenstraße 10 zu erfahren. Berlin, 9. Sept. Das „Heim des Jüdischen Frauenbundes" in Wyk a. Föhr, Südstrand, das das ganze Jahr über geöffnet ist, dient der Kräftigung und Erholung von Kindern und weiblichen Jugendlichen. Es liegt ganz nahe an der See, an bester Stelle des geschützten und sonnigen Südstrandes der Insel. Durch die günstige Lage am Wattenmeer und die Nähe des Golfstromes ist ein mildes gleichmäßiges Klima bedingt. Ein schöner Waldstrand ermöglicht auch bei Wind geschützten Aufenthalt im Freien. Von der Aufnahme sind ausgeschlossen: an Lungentuberkulose und anderen ansteckenden Krankheiten leidende Kinder. — Das Heim dient gemeinnützigen Zwecken, ist aber durch seine Führung und Einrichtung jedem guten Privatheim an die Seite zu stellen. Infolge der gewissenhaften pflegerischen und pädagogischen Betreuung konnte im Laufe der Jahre einer großen Zahl von erholungsbedürftigen und schwächlichen Kindern gründliche Erholung und Stärkung der Konstitution zuteil werden. Anmeldestelle in Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 158. Berlin, 20. Aug. Der Verein zurFörderung der israelitischen Taubstummen Deutschlands, E, V., Berlin, erstrebt die Förderung der jüdischen Taubstummen auf wirtschaftlichem, religiösem und kulturellem Gebiete; durch Rat und Hilfe sowie Unterstützung in allen Notfällen des täglichen Lebens. Durch Erfüllung der statutenmäßigen Voraussetzungen erwerben die Mitglieder bei Eintritt der Invalidität Anspruch auf eine kleine Monatsrente als Zuschuß zur Invaliden- oder Sozialrente. Bei Gesuchen um Aufnahme in das Altersheim für jüdische Taubstummen in Berlin-Niederschönhausen werden in erster Linie Mitglieder des Förderungsvereins berücksichtigt. Büro und Beratungsstelle in Berlin, Rosenthalerstraße 19; Sprechstunde jeden Dienstag abend von 7—8 Uhr. Auskunfterteilung in allen Angelegenheiten der jüdischen Gehörlosen unentgeltlich. Schriftliche Anfragen jeder Art werden sofort beantwortet; Rückporto ist möglichst beizufügen. — Rechtsberatung durch eigenen Rechtsanwalt. — Die Anschrift lautet: Geschäftsstelle des „Förderungsvereins", Er- •win Kaiser, Berlin NO. 55, Pilckemstraße 1. — Es liegt in heutiger Zeit in eigenstem Interesse eines jeden jüdischen Gehörlosen, gleich welchen Alters und Geschlechts, dem „Förderungsverein" als Mitglied beizutreten. Der genannte Verein ist der älteste und an Mitgliederzahl stärkste und darum leistungsfähigste Verein in Deutschland. Der Monatsbeitrag beträgt 60 Pfg. Für die Aufnahme werden 1—2 Mk. erhoben. Die Gemeindevorstände, in derem Bezirk jüdische Gehörlose leben, werden gebeten, diese auf den Verein aufmerksam zu machen und ihren Betiritt möglichst zu fördern. Vertrauenspersonen zur Bildung von Orts- und Bezirksgruppen werden gesucht und wollen sich melden. — Der „Förderungsverein" ist Mitglied der von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau geförderte „Selbsthilf egemeinschaft jüdischer Körperbeschädigter". Berlin, 27. Aug. Von dem Patenschaftskomitee für das Schulwerk der Adaß Jisr o e 1 und dem Israelitischen Krankenheim, Berlin wird ein künstlerisch wertvolles Mappenwerk für das Jahr 5695 herausgebracht, das allen Freunden und Gönnern der beiden Institutionen gern zur Verfügung gestellt wird. Zu dem Kalender hat der Altmeister der deutschen Kunst, Herr Prof. Dr. h. c. Max Liebermann, eine Spende mit dem Motto: „Hilfreich sei der Mensch, edel und gut" und der bekannte deutschpalästinensische Künstler Hermann Struck eine Radierung „Palmen bei Haifa" gestiftet. Das Mappenwerk hat die Größe 26X37 cm und besitzt, da es nur in einer verhältnismäßig geringen Anzahl auf japanischen Blüten hergestellt worden ist, Sammlerwert. Der Kalender liegt zur Ansicht im Patenschaftskomitee, Siegmundshof 11 aus. Das Patenschaftskomitee des Schulwerks der Adaß Jisroel, Berlin konnte auch in diesem Jahre dank der tatkräftigen Hilfe seiner Mitglieder und Freunde fast 250 Kindern schöne Ferienwochen vermitteln. Der größte Teil, der Kinder war in dem Moriz Lehmann- Heim Niederschönhausen untergebracht, eine Gruppe wurde vom Czarnikauer Frauenverein zu einem vierwöchentlichen Aufenthalt eingeladen, eine dritte Gruppe war Gast holländischer Familien, und eine vierte fand Erholung in und bei Kopenhagen. — Unseren Gönnern, dem Frauenverein zu Czarnikau, den holländischen und dänischen Familien gilt unser herzlichster Dank. Die Kinder denken mit inniger Freude an die wundervollen Wochen, die sie bei ihren gastlichen Pflegeeltern verleben konnten. Berlin, 18. Aug. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden macht nochmals darauf aufmerksam, daß der von ihr veranstaltete Schulungskurs für Wohlfahrtspflege in der Zeit vom 3. Oktober bis. 3. November d. J, stattfindet. Der Preis für den Kursus beträgt 30 Mk. Es besteht die Möglichkeit, auswärtige Teilnehmer in den Räumen des Lehrganges für Kindergärtnerinnen unterzubringen. Der Preis für Wohnung und Verpflegung für die Dauer des Kurses beträgt 60 Mk. Meldungen von Teilnehmern sind an die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158, zu richten. Hamburg, 6. Sept. Der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser E. V. (Sitz in Hamburg) übersendet uns folgende Nachträge zum' Heft 197 (Juli 1934) : A. Zu streichen: 1. S. 29. O s t e n d e : Hotel-Rest. Straschun. 2. S. 34. Amsterdam: Huize Cats. 3. S. 35. Zandvoort: A. Cohen. 4. S. 22. S u d e r o d e : Pension Lichtenstein (geschlossen). 5. S. 30. Riva/Gardasee: Geschwister Scheer (geschlossen). B. Aenderungen: 1. S. 18. Köln: Gaststätte Berlin, jetzt: Pension und Mittagstisch, Rieh. Wagnerstr. 35. 2. S. 34. Gf oning e n : Hotel Odewald, Stations straat 7, C. Neu bezw. wieder aufgenommen: 1. Brüssel: Rest, de Brouckere (Rotstajn) Bvd. Ad. Max 161. 2. B r ü s s e 1 : Charcuterie Varsovienne, Nathan Jasny (Aufs. Rabbinat der orth. Gem.) Rue du Finistere 18. 3. Karlsbad: Rest. Chaim Fakler, Haus Korfu, Gärtenzeile. 4. Knocke: Grand Hotel du Phare, Spira, Digue 118. 5. Bad Mondorf: Villa Emmy, L.H emmendinger. 6. S p a : Villa de Namur, Frau Bertram, 45, Av. d. Marteau. 7. T r i e s t : Simone Rosenwasser, Via Valdirivo 33, 2. Halberstadt, 5. Sept. Eine schlichte, aber eindrucksvolle Feier veranstaltete die hiesige Agudas Jisroel -Jugendgruppe am Sonntag, den 15. Elul mit einer „Elul-Veranstaltung". Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag des Herrn Dr. Abr. Cohn über das Thema „Jahreswende — Aufbruch der Jugend". Der Vortrag wurde von Gedicht- und Gesangsvorträgen umrahmt und hinterließ bei allen Erschienenen einen guten Eindruck. Kassel, 4. Sept. Der Verlag der parteiamtlichen „Kurhessischen Landeszeitung" veröffentlicht auf der ersten Seite eine „Warnung an jüdische Firmen", in der gesagt wird, daß zwei jüdische Firmen infolge der Unachtsamkeit eines Akquisiteurs je ein Inserat in der „Kurhessischen Landeszeitung" untergebracht hätten. Nach Feststellung des Tatbestandes sei der Akquisiteur entlassen und die Forderung an die jüdischen Firmen dem Winterhilfswerk überwiesen worden. Die Erklärung schließt mit dem Satz: „Wir warnen hiermit nichtarische Firmen jeder Art, Inserate in unserer Zeitung auf Umwegen aufzugeben zu versuchen, da wir sonst gegebenenfalls gegen die betreffenden Firmen auf dem Gerichts-, w e g e vorgehen werden." (Weiteres Vermischte siehe Seite 11.)

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