Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1934)
- Date
- 1934-09-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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14. September .1934 Der Israelit Nr. 37 Seite. 7 ler'in-, Polen; Deutschland und; anderen Ländern haben ihre Mitarbeit zugesagt. Milderung der Sonntagsruhebestimmungen in Polen an Sonntagen vor jüdischen Feiertagen. Warschau, 9.' Sept. Anläßlich des Rosch Haschanah- und Sükkoth- Festes haben die Vertreter der - jüdischen Religionsgemeinschaft in Polen bei den zuständigen Behörden vorgesprochen, um eine Milderung der Sonntagsruhebestimmüngeri an Sonntagen' vor jüdischen Feiertagen zu erlangen. Nach längeren Verhandlungen haben sich die betreffenden Stellen bereit erklärt, gewisse Erleichterungen für jüdische Lebensmittelhandlungen und Fleischereien zuzugestehen. Diese Betriebe werden an den drei Sonntagen vor Rosch Haschanah, Sukkoth und Hoschana Rabba einige Stunden an Vormittagen offen halten können, damit die jüdische Bevölkerung nicht genötigt sei, vor fünf Tagen eingekaufte Lebensmittel zu genießen oder auf den Fleischgenuß während der Feiertage zu verzichten. Es ist dies das erste Mal seit dem Inkrafttreten der Sonntagsrüheverordnung, " daß Erleichterungen in dieser Hinsicht für die jüdische Bevölkerung zugestanden werden. Gleichzeitig wurden die Steuereinnehmer von den vorgesetzten Stellen angewiesen, keine Pfändungen und Versteigerungen gegen jüdische Schuldner zu Rosch Haschanah und Jomkippur durchzuführen. Rumänien. Palestine Maritime Lloyd — die erste jüdische Grofi-Schiffahrts-Linie Constanza—Haifa. Bukarest, 5. Sept..; Am 1. September;hat die neu gegründete „Palestine Maritime Lloyd Ltd. Haifa"j die erste jüdische Großschiffahrts-Linie, den Dienst zwischen Constanza und. Haifa aufgenommen. Unter jüdischer Flagge und unter jüdischem Kommando werden jetzt die beiden Schiffe „Progresso" und „Risveglio", die bisher der „Italian Palestine Line" gehörten, zwischen^ Con- , stanza, Istambul, Rhodos, Haifa, Jaffa und Port Said verkehren. Die neuen Besitzer haben die Dampfer, die hauptsächlich dem Passagierverkehr dienen, neu herrichten und ausbauen lassen. Während sie früher nur eine Klasse besaßen, ist jetzt eine zweite Klasse hinzugekommen. Das gesamte Personal,, das mit den Passagieren in Berührung kommt, wird jüdisch sein. Die Verpflegung ist selbstverständlich rituell. Jedes i der beiden Schiffe faßt 5400. Tonnen; die Geschwindigkeit beträgt 13 Seemeilen in der Stunde. Die Reise von Constanza nach Haifa dauert 3% Tage. 1 Der Chefsekretär des Einwanderungsamtes der Palästinaregierung studiert die Lage der Hachschara in Europa. Bukarest, 5. Sept. Mit dem Dampfer „Polonia" ist der Chefsekretär des Einwanderungsamtes der Palästinaregierung und frühere Distriktskommissar des Norddistrikts Edwin S a m u e,l, .;em Sohn Sir. Herbert Samuels( in..C o ns t.a n z a eingefroren, Chefsekretär Samuel, wirddie g0genwärtige Lage .der Ha.chsc h ,a r a in. E u.r opa zwecks Regelung der- Arbeitereinwanderung. .nach Palästina studieren. Zu*(diesem Zweck:-wi,ijd- Edwin Samuel.eine Reihe.:/von Palästina-Aemtern. in Ost^.-und Mittel-Eur.opa, sowie /Ausbildungsstätetn der jüdischen JugendT besuchen. Für den, 6.: September hat er seinen Besuch im Bukarester Palästina-Amt angekündigt. Am Vorabend des Rosch Haschanah-Festes trifft er in Warschau ein. .Palästina. Aktion der «Mufti-Partei zur 'Verminderung' der jüdischen Mandate im künftigen Stadtrat von Jerusalem.. :! " Jerusalem, 2. Sept. ' Wie die arabische Zeitung' „AI Islamia"- > mitteilt, werden untefc den Christen Jerusalems Unterschriften für-eine dem High Commissioner zu überreichende; Denkschrift gesammelt, in der gefördert wird, daß für j die Vertreter der christlichen Bevölkerung. Jerusa-: lems im künftigen Stadtrat nicht wie geplant zwei, sondern vier Sitze reserviert werden. Der Stadträt soll nach diesem Vorschlag aus 8 Arabern (4 Mohammedanern und 4 Christen) und bloß 4 — nicht 6 Juden bestehen. * . Die Aktion geht von denjenigen christlichen Kreisen aus, die der Partei des Großmufti nahestehen, während die gemäßigten christlichen Araber sich, weigern, die Denkschrift zu unterzeichnen, ' Der Vorsitzende des Waad Leumi ohne Abstimmung in den Stadtrat von Jerusalem entsandt. Jerusalem, 7. Sept. Von den sechs jüdischen Kandidaten bei den gegenwärtig stattfindenden Wahlen zum Stadtrat von Jerusalem wurden der Vorsitzende des Waad Leumi, Isaak Ben Z w i, und der Rechtsanwalt Daniel Auster ohne Abstimmung in den Stadtrat entsandt. Nur über die Besetzung der v i e r restlichen jüdischen Mandate wird durch Abstimmung entschieden werden. Nach Mitteilung der ITA. gilt es als. sicher, daß Ben Zwi in den neugewählten Stadtrat das Amt des Vizebürgermeisters bekleiden, wird. . : Allerlei aus Palästina. Tel Awiw, 2(6. August. '■ j- In den letzten Tagen organisierte sich hier aus den Kreisen der orthodoxen Jugend unter dem Namen „Gedud Hanoar Megine Haschabbath" ein Bund, dessen Zweck es ist, die Heiligkeit des Schabbos zu verteidigen, in erster Reihe in der jüdischen Stadt Tel Awiw und einer Reihe anderer kleinerer Städte. Der Bund veröffentlicht jetzt einen Aufruf, welcher die gesamte palästinensische Orthodoxie zum .Kampfe gegen ,die. Sabbatentweihung in schärfster Weise aufruft muL die Boykottierung der Zementfabrik „Nescher'V der Produkte der Molkerei' „Tenüwah", und zum Schluß aüch des Keren Häjessod, Keren'Kajemef; 'der jüdischen Arbeiterpartei, und des Fußballklubs „Makabi", die den; Sabbat trotz aller Warnungen "entweihen, fordert. ■' Mit Unterstützung des, Keren Hajischuw. wurde in P e t a c h T i k w;a h die erste, Krankenkasse für Poale'A. J. unter Leitung des bekannten Arztes Dr. Jakob Segäll aus Berlins Vorsitzender'der PAJ.- Gruppe Petach TikwahT, ins Leben gerufen. Die Institution wird vorbildlich; geführt und die Zahl ihrer Mitglieder wächst von Tagzu Tag. Ein. Filialinstitut 'in Tel Awiw ist bereits im Entstehen. Man hofft* auch an anderen Orten des Jischuws solche Filialen schaffen und die Krankenkasse zu einer , großen zentralen Institution für die orthodoxen Arbeiter aus?? ,bauen zu' können. '.' Am 1. Elul fand in Bne Brak eine imposante Feier . anläßlich des Chinuch-Hasefer auf den Namen der Poale Agudas Jisroel B'nei B'rack statt. In dem großen Saal der mit - Hilfe der A. J. rieüerbauten ^Talmud Thora und. Jeschiwath Rabbi Akiba versammelten sich .die zahlreichen prominenten Persönlichkeiten der palästinensischen Orthodoxie. U. a. sprachen Oberrabbiner Dusch ins k y , Jerusalem, "dessen, Erscheinen von der ganzen Kolonie mit gro.- .ßer Begeisterung ' begrüßt -wurde, und;Rabbi ^Mosche ß 1 a u ,-■ 'Jerusalem.-' (AIPB.)~ ii-;i '.- i ,1;•'?' : [.;; . ..; •' i ■ -; I] \ j,.;. iÄmjefika.^:^;" Rosch Haschanah-GlückwünSchb Präsident Roosevelts. New York, 6. Sept. Einem althergebrachten Brauche folgend, haben auch in diesem Jahre der Präsident der Vereinigten. Staaten von Amerika, Franklin;p. Roosevel.t, und eine Reihe anderer amerikanischer Staatsmänner anläßlich; des bevorstehenden IR.osch LlaschonorFestes durch , die ITA. Glückwünsche jund Grußbotschaften an die jüdische Bevölkerung gewichtet.;. Präsident Roosevelt schreibt: i „Ich' freue mich," anläßlich des diesjährigen Rosch Haschariah-FesteS meine besten 'Wünschle für "meine Mitbürger jüdischen Glaubens im Lande' zu erneuern. V Es ist dies ein geeigneter Anlaß, innezuhalten und, 4ndem wir unsvon neuem den Verpflichtungen des Tages widmen,'^ Heiliger Tag - heilige Pflicht! Erwirb die blaue Beitragskarte für Hilfe und Aufbau! meinsam mit allen Amerikanern zur Verwirklichung der Verheißungen des Jahres unternommen haben, das vor uns liegt." Der Gouverneur von Illinois, Henry Horner, schreibt: „Beim Eintritt in das neue Jahr freue ich mich, meine herzlichsten Festtagsgrüße und Glückwünsche meinen Glaubensgenossen, wo immer sie leben, zu entbieten. Das jetzt zu Ende gehende Jahr war gekennzeichnet durch bedeutende Beiträge, die Juden auf vielen Gebieten zur allgemeinen Wohlfahrt geleistet haben, und war in einer Reihe von Ländern von einem tragischen Schatten umdüstert. Durch die Jahrhunderte hindurch hat Rosch Haschanah immer die Melodie ewiger Hoffnung erklingen lassen. Aus dieser Hoffnung schöpfen wir den Mut, weiterzuschreiten und unserem Lande und der Welt das Beste, was in uns liegt, zur Erhöhung der Wohlfahrt der Allgemeinheit zu geben. Unser Glaube an das Morgen wurzelt in einer Vergangenheit, die Zuversicht rechtfertigt. Das Neue Jahr wird ein Markstein der fortgesetzten Ergebenheit der Juden der Vereinigten Staaten gegenüber den Idealen Amerikas und dem Dienst an ihm sein, die sie seit Gründung der Republik stets bewiesen haben. Möge das Neue Jahr allen Gesundheit und Glück bringen und die Welt näher an das Ziel der Gerechtigkeit und des Friedens heranführen." Sprechsaal. Berichtigung. B r e s 1 a u , 28. August. An die Schriftleitung" des „Israelit" Frankfurt a. M. Die warmherzige Besprechung meiner Monographie über Jacob Bernays enthält zwei Irrtümer, die ich berichtigen möchte. 1. Bernays wurde als Nachfolger seines Lehrers Ritsehl als OberbibTiothekar (nicht Bibliothekar) und Leiter der Universitätsbibliothek nach Bonn berufen — der Direktor-Titel war damals nicht üblich. 2. Der Bunsen'sche Briefwechsel betrifft nicht Georg voll Bunsen, den bekannten Parlamentarier, sondern dessen Vater, Chr. Karl Josias von Bunsen, den preußischen Gesandten in London und berühmten Bibelforscher. In vorzüglicher Hochachtung Michael Fraenkel. Balkon-Sukkaus. Vielfach bemerkt man Balkon-Sukkaus, die durch das zu weit überstehende. Dachgesims possul sind. Wenn man feststellen will, wie weit das Dach übersteht, soll man sichkeinesfalls auf das sehr täuschende '„Visieren" von unten herauf verlassen, sondern stets durcla das Herabwerfen eines Lotes vom Dachrand herab' genau die Linie feststellen, bis zu' welcher der Balkon durch das Gesims noch/überdacht' ist. Man kann übrigens "auch, wenn der -nicht' üb erdächte- Raum nicht das Mindestmaß einer Sukko (7 Faustbreit, das sind ca. 70 cm) breit ist; unter Umstähdenr wenn der freie Raum wenigstens 4 Faüstbreit 'beträgt, auf dem Balkon eine koschere Sukko''errichten. Es empfiehlt sich, über die Konstruktion einer solchen Sukko eine Scha'elo an zuständiger Stelle zu machen. Rabbinats-Assessor Dr. Schlesinger, Frankfurt a. M. Personalien. Oscar Wassermann gestorben. Berlin, 13. Sept. Der bekannte Bankdirektor Oscar Wassermann ist am Rüstetag zu Rosch Haschanah in Garmisch nach längerem Leiden im Alter von 66 Jahren gestorben. Wassermann entstammte einem gesetzes-r treuen Hause in Bamberg und bewahrte sich bis zuletzt warme Liebe zu allen jüdischen Dingen, wiewohl er .zwischendurch andere Wege gegangen war. Ein Mann von Energie und seltener Begabung, machte er