Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-09-14 · Heft 37 (14.9.1934) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 37 (14.9.1934)
Date
1934-09-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450843--80708-2538557
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6 Nr. 37 De Israelit 14. September -1934 Die Grundprinzipien der Versicherungsform bestehen a) in einer mit zunehmendem Dienstalter sich steigernden Versorgungsanwartschaft, ähnlich wie bei den Staatsbeamten. b) in der Begründung sofortiger Renten-Anwartschaften durch jede geleistete Prämienzahlung. Die Versicherungsleistungen und -möglichkeiten werden in einem ausführlichen Prospekt, der in den nächsten Tagen herauskommen wird, eingehend dargestellt werden. Def Landesverband hat, um die Durchführung des Vorhabens zu erleichtern, zum Zwecke der Prämien- .ermäßigung erstmalig einen Betrag von Mk. 20.000 zur Verfügung gestellt. Alle Organisationen und Einzelpersonen, die an der vom Landesverband geschaffenen Einrichtung Interesse haben, werden aufgefördert, unverzüglich dem Landesverband eine entsprechende Mitteilung zugehen zu lassen. Es empfiehlt sich, hierbei sofort die folgenden Angaben für die zu versichernden Personen zu machen: 1. Name und genaue Adresse; 2. Geburtstag; 3. Ledig, verheiratet, verwitwet oder geschieden; 4. Falls verheiratet: Name und Geburtstag der Ehefrau; 5. Name und Geburtstag aller minderjährigen Kinder; 6. Beruf bezw. Funktion innerhalb der Gemeindeverwaltung; 7. derzeitiges Brutto-Gesamtdiensteinkommen; 8. Seit wann in dem jetzigen Beruf tätig und seit wann bei dem jetzigen Arbeitgeber beschäftigt? Die Angabe dieser Daten wird die Behandlung der eingehenden Anfragen und die Beratung hinsichtlich der Wahl des zweckmäßigsten Tarifs wesentlich erleichtern. Alle Zuschriften sind an den „Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, Abtlg. Pensionsversicherung", Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158 zu richten. (Offiziell.) Zwischenfall in Mainfranken, Würzburrg, 6. Sept. Die in Würzburg erscheinende .„Mainfränkische Zeitung" meldet aus Laudenbachbef Karlstadt: „ ... Zu unerlaubter Selbsthilfe gegriffen haben in den frühen Morgenstunden hiesige Einwohner, die, wie uns berichtet wurde, durch übermäßiges. Geschrei jüdischer Viehhändler aus dem Schlafe geweckt wurden. Es wird weiterhin erzählt, die Juden hätten sich auch schwere Tierquälereien zuschulden kommen lassen. Der Viehhändler Josef Hirsch mußte seine Rücksichtslosigkeit und seine Tierquälereien büßen. Er begab sich in die Behandlung eines Naturheilkundigen. Ueber dieses Vorkommnis kursieren die tollsten Gerüchte, und man muß Die französischen Behörden hatten in aller Eile eine Scheune als Kriegslazarett eingerichtet. Als dieses in die Feuerzone geriet, sollten die Verwundeten möglichst schnell aus der Scheune abtransportiert werden. Einer von ihnen war in besonders bedenklichem Zustande. Er bat den Großrabbiner von Lyon, Abraham Bloch, den er für einen katholischen Geistlichen hielt, ihm doch ein Kruzifix zu reichen, damit er es noch einmal küssen könnte. Bloch beeilte sich, den Wunsch des Sterbenden zu erfüllen. In dem Augenblicke aber, als die Lippen des Verwundeten sich dem Kruzifix, näherten, explodierte eine Granate neben dem Großrabbiner und tötete ihn. Nun; soll das. Denkmal,, bei .dessen Einweihung die Vertreter aller. Konfessionen zugegen waren, künftigen. Generationen. Kunde geben von der vornehmen Haltung und der. - Selbstaufopferung des Großrabbiners. ,:. (Siebzig Jahre Wiener „Schiffschul".) In diesen Tagen werden es siebzig Jahre, seitdem die orthodoxe Hauptsynagoge in Wien, die „S|chilfsphul", feierlich ihrer Bestimmung übergeben wurde. — Am letzten Sabbat des Jahres 5624 (1864) weihte Rabbi Salomon Spitzer die Synagoge in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Behörden ein. Das Minjan, aus dem später die orthodoxe Adas Jisroel-Gemeinde entstand, wurde im Jahre 5608 (1848) von einigen, hauptsächlich aus Ungarn stammenden Juden gegründet, deren Führer der, Hofwechsler Ignatz Deutsch und der Kaufmann I. L. Freistadt waren. Das orthodoxe Bethaus entwickelte sich, immer mehr zu einer, > wenn auch gesetzlich nicht anerkannten, selbständi- gen Gemeinde. — Der Vorstand der Adas Jisroel,; dessen Rabbinat seit 37 Jahren unter Führung von ' Rabbi Jeschajah Fürst, der auch Mitglied des Präsidiums des Rabbinischen Rates der Ägudas Jisroel ist, steht, hat beschlossen, von offiziellen Jubiläumsfeierlichkeiten Abstand zu nehmen. Näheres über die Geschichte der Gemeinde und ihrer Synagoge bringen wir in der nächsteh Nummer. Die Woche. Frankfurt a, M. Der bisherige Chefarzt der Röntgenabteilung am Krankenhaus der * Israelitischen Gemeinde in Frankfurt a, M., Dr. med. Albert Oppenheim er, erhielt •" einen Ruf als Professor der Röntgenologie! an: die amerikanische Universität in Beyr u t (Syrien) Dr. Oppenheimer nimmt seine neue Tätigkeit bereits am 1. Oktober auf. Berlin. Aus Anlaß des Rosch Haschonoh erließen verschiedene jüdische Instanzen, u. a. auch der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" M a n i - feste an die Freunde, in denen mit Hinblick auf die Zukunft gesagt wird, die Lage sei trübe, aber nicht verzweifelt. Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde verspricht, im neuen Jahre auf neuen Wegen den gleichen Zielen entgegenzustreben. Erlangen. Die Burschenschaft „Bubenruthia" in Erlangen war, wie eine Korrespondenz berichtet, wegen N i c h t d u r c h f ü h r u n g des erweiterten Arierparagraphen aus der Deutschen Burschenschaft ausgeschlossen worden. Die Burschenschaft wollte einem Mitglied, dessen burschenschaftliche Gesinnung und Haltung sie achtete und auf dessen bedeutsame Arbeit für Deutschland sie stolz war, die Treue halten, auch wenn . sie deshalb ihre Existenz aufgeben müßte. Jetzt hat Reichsminister Rust in einem Er- ' laß an den Reichsführer der Deutschen Studentenschaft zugunsten der Burschenschaft „Bubenruthia" entschieden. Der Reichsführer der Deutschen Studentenschaft | hat daraufhin von dem' Verlangen des Aus- I ' tritts des Prof. B. aus seiner Altherrenschaft- I A b s t a n d: ,g e n o m m e n. Darmstadt. In der Badeanstalt; zu J u g e n h e i m an der: Bergstraße war eine Tafel mit der Inschrift „Judenfreies Schwimmbad" angebracht. Das hessische Ministerium hat nunmehr die Entfernung der Tafel verfügt. Danzig. Das Danziger Arbeitsgericht machte die fristlose Entlassung zweier jüdischer Mützenmacher, denen außer ihrem Judentum nichts vorzuwerfen war, rückgängig und verurteilte die Firma zu der gewünschten Entschädigung oder einer Wiedereinstellung. Wien. Prof. Dr. Erich Russin, einer der hervorragendsten Wiener Othologen, ein deutscher Jude, ' hat eine ehrenvolle Berufung an die Universität -von Konstantinopel erhalten.- Warschau. Auf Intervention der Agudas Jisroel wurde allen Mitgliedern von Hachse h a r a'g r u p p e n eine wesentliche Fahrpreisermäßigung auf den polnischen Bahnen gewährt. Die Ermäßigungen können auch Chaluzim anderer Verbände . genießen. Londcin. Wie der ITA. auf eine Anfrage aus Regierungskreisen mitgeteilt wird, wird die von der ägyptischen Zeitung „El Mokattam" veröffentlichte Meldung, der gegenwärtige High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchope, werde von seinem Urlaub nicht mehr ' nach Palästina - zurückkehren und an seiner Stelle werde Feldmarschall Lord Allenby zum High Comsioner ernannt werden, völlig unbegründet ist. Brünn. In Lundenburg wurden bei der Revision eines Sonderzuges aus Polen; mit 236 Palästina-Auswanderern im Reisegepäck drei .junge Leute entdeckt, die keinen Paß und keine Fahrkarte besaßen. Die drei blinden Passagiere mußten ihre Reise unterbrechen.,und wurden in die Haft des Bezirksgerichts in Lundenburg ein-! geliefert. Paris..:; Blätter, geben. ,bekannt,: daß , die Bibel nunmehr in 667 Sprachen übersetzt ist. Zur Zeit wird an der Masaryk- Universität in Brünn an einer Bibel in der Zigeunersprache gearbeitet. Brüssel. Im Amtsblatte wird die Ernennung des Herrn Rosenfeld, eines Juden, zum b e 1g i s c h e n K ö n s u 1 in Haifa veröffentlicht. Rom. Auf derr: L e v a nH;*e - Messe in Bari, ist eine palästinensische;;;. ..Sonderschau, eingerichtet. Mussolini stattete dieser Abteilung einen längeren Besuch ab und zeigte lebhaftes Interesse für die Produkte; der palästinensischen Landwirtschaft" und Indusirie. Er ließ sich auch durch den Leiter der Abteilung, Dr, Ei^en- . stadt, über den Aufbau, und die Lage der Flüchtlinge in Palästina berichten'.' '' >: sich nur wundern, daß die Juden noch so viele mitfühlende Freunde ihr eigen nennen können. - Wenn wir auch die Gemütsaufwallung der aus dem besten Schlafe geweckten und durch Tierquälereien empörten Volksgenossen nur zu gut verstehen können, so können wir jedoch die Ausschreitungen im Interesse der öffentlichen Ruhe und Sicherheit, nicht für gut heißen. Die Gendarmerie Karlstadt hat sich des Vorfalles bereits angenommen und wird' in objektiver Weise dazu Stellung nehmen." Man wird über die Vorkommnisse in Mainfranken über die. das Blatt nur dunkle Andeutungen, macht, vielleicht aus den Berichten der Polizei, die sich erfreulicherweise der Sache angenommen hat, etwas Näheres erfahren. Schweiz. Sitz des Oberkommissariats für Auswandererfürsorge wird nach London verlegt. Lausanne, 5. Sept. Das unter Leitung des vom. Völkerbund . eingesetzten O b e r k o m m.i ssars Ja m esG. . Macdonald stehende Internationale Amt für Auswandererhilfe wird, wie vom Büro des Oberkommissars mitgeteilt wird, in nächster Zeit nach London verlegt, wo bessere Möglichkeiten für die Koordinierung der Hilfsaktionen gegeben sind. Ferner wird mitgeteilt, daß die jugoslavische Regierung ihren ständigen Delegierten beim Völkerbund, Exzellenz Constantin Fotic, zu ihrem Vertreter, im Verwaltungsrat des internationalen Auswanderer- Hilfswerks ernannt hat. Der Vertreter Jugoslaviens wird bereits an der nächsten für Ende Februar nach London einberufenen Sitzung des Verwatlungsrats teilnehmen. Gleichzeitig evröffentlicht das Büro des Oberkommissars einen Bericht, aus dem hervorgeht, daß bereits 25.000 Ausgewanderte eine daüernde Niederlassung, zum größten Teil in Palästina, gefunden haben. In allen Nachbarländern Deutschlands können die Ausgewanderten Identitäts- und Reiseausweise erhalten'.' Dagegen waren die Bemühungen des Büros um Besorgung von Arbeitsbewilligungen weniger erfölgfeicfi. Polen. Sitzung des A. C. der Agudath Harabbanim. Warschau, 3. Sept. Das A. C. des Rabbinerverbandes befaßte sich in einer längeren Sitzung mit. den brennenden Problemerl der jüdischen Gemeinde und Gemeinschaft in Warschau und in Polen. Es wurde die Einsetzung einest permanenten Bes-Din ins Auge gefaßt, mit der Aufgäbe,'die gelegentlichen Konflikte in den Gemeindenr besonders zwischen Rabbinat und Verwaltung, zu schlichten. Das Besdin soll sich atis 36 Rabbinern zusammensetzen, von denen je drei eine Woche im. Monat beständig konferieren. Auf Grund von verschiedenen Klagen wurde beschlossen, eine Delegation ins Ministerium zu schikken,- um die- Rücknahme des Verbotes')für iJuden^- inden-Eisenbahnwagen in Tallith und Tefillin ihre Gebete zu verrichten, zu erwirken/ Ebenso soll-beim Bildungsministerium bewirkt werden, daß jüdische Kinder von ' gewissen manuellen Arbeiten in der Schule zu Gunsten eines 'erweiterten Religionsunterrichtes befreit werden. Ferner' sei dahin zu'wirken, daß" das dreigliedrige^KoIle'giuni mit der Befugnis; Rabbinatsautörisationen zu erteilen oder zu bestätigen, sobald wie möglich wieder eingesetzt wird. Bis dahin bestand das Kollegium aus den Rabbinern von Lublin, Rzeszow und Luck, Da an Stelle des heimgegangenen Lubliner Raw noch kein anderes Mitglied von der Macht ernannt wurde, wärteh;über 40 Rabbiner der Bestätigung . ihrer Autorisatiqn und, damit auch;,der Genehmigung! ihrer Amtswirtisamkeit.; Zu Rosch Haschonoh-erscheint die erste Nummer des hebräischen Wochenblattes laa-n, dem man mit den größten Hoffnungen entgegensieht. Das Blatt, wird das Zentralorgan der Agudas J,isr o e.l - W e 11 o r g an i s>a t i o u sein und zur Zeit: die einzige hebräische Z e i t s,c h r if(t in -Polen. . Prominente Führer, Publizisten und Schriftstel-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.