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Der Israelit · 1934-09-14 · Heft 37 (14.9.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 37 (14.9.1934)
Date
1934-09-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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4 Nr. 37 Der Israelit 14. September 1934 in der USSR. siedeln, hält es für seine Pflicht, wieder seine Stimme zu erheben, um an die Völker der Welt die dringende Bitte um Hilfeleistung für die in der Sowjetunion vom Hungertode bedrohten Menschen der verschiedensten Nationalität zu richten. Er weist in diesem Zusammenhange hin auf die hochherzigen Appelle des Erzbischofs von Canterbury, des Erzbischofs von Wien, Kardinal Innitzer, und der Vertreter aller Konfessionen, die sich diesen Aufrufen angeschlossen haben. Im Sinne der Ausführungen des Erzbischofs von Canterbury hält der Kongreß im Gefühl menschlicher Verbundenheit sich für berechtigt und verpflichtet, es als unerläßlich zu bezeichnen, daß gelegentlich des Beitrittes der Sowjetunion zum Völkerbund eine Hilfeleistung für die in der Sowjetunion hungernden Menschen ermöglicht werden möge," Wenn wir bei der Zeichnung des Hungerdämons auch noch an jenen verzehrenden Hunger nach Geistigkeit, nach Religion und jüdischer Lebensweise in Rußland denken, so haben wir damit den jüdischen Bezirk in diesem endlosen Schmerzensreiche abgesteckt. Es soll nicht etwa damit gesagt sein, daß die Juden von den anderen physischen Gefahren, also vom Hungertode, weniger bedroht wären. Aber für sie kommt noch hinzu die unermeßliche In Jerusalem fällt die Fülle großer öffentlicher Gebäude auf. Besonders haben die christlichen Kirchen und die christlichen Missionsgesellschaften G'tteshäuser, Krankenhäuser und Erziehungsinstitutionen errichtet. Auch der jüdische alte Jischuw zählt eine Anzahl imponierender sozialer Bauten. Neben dem Schaareh-Zedek-Hospital und dem Bikkur- Cholim-Hospital sind ihm. das Diskin'sche Waisenhaus, das Jüdische Blindeninstitut, das Altersheim Moschaw Sekeinim, die Anstalt für Gemütskranke des Vereins Esrath Noschim und das Mädchenheim des Misrachi zuzuzählen. Wehmütige Gedanken erweckt der hoch oben auf einer Bergeskuppe thronende Prachtbau des Diskin'schen Waisenhauses, Denn ein Teil des gewaltigen Hauses starrt seit Jahren mit leeren Fensteröffnungen unfertig in die Weite. Der andere Teil ist freilich noch so groß, daß er 250 Waisenjungen beherbergt und ihnen Unterricht — Talmud — und, soweit sie Handwerker werden sollen, später handwerkliche Ausbildung .gibt. Das Haus hat amerikanische Vorbilder, doch die amerikanischen Banknoten sind nicht reichlich genug geflossen, und heute fließn sie noch weniger, so daß es der Verwaltung schwer fällt, das Bestehende aufrecht zu erhalten. Wege der Tschuwah. In den Schriften des Rabbi Jizchak L u r i a , genannt ,,Ari", werden die einzelnen Phasen der Tschuwah mit folgenden Sätzen aus Thora, Propheten und Psalmen vorgeführt, die in ihren Anfangsbuchstaben das Wort naiwn ergeben. yp!?« "i ds? 'Tin D'jsn van ■hjjV "t ">i)yW Tina ~\y~b nanxl w»f ysiT ■b^v> ypVa mipb ynn Merkworte sind bei den alten Morallehrern, besonders aus der Schule der Kabbala, schon aus mnemotechnischen Gründen sehr beliebt. Hier aber sollen uns wohl die einzelnen Stadien der seelischen Umstellung in geordnetem Aufbau gezeigt werden. Der erste Satz befindet sich in M. 5, Kap. 18 und besagt: „Sei eins mit dem Ewigen deinem G'tte!" Innere Ausgeglichenheit, Einssein mit unserem G'tte, uns auf der L:nie bewegen, die er zwischen sich und uns, zwischen der himmlischen Höhe und dem irdischen Menschen gezogen hat, das ist es, was die Tschuwah im ersten Stadium von uns verlangt. Denn T>nn naiV n vpw (Psalmen Kapitel 16) „Ich habe beständig G'tt vor mir". Wie könnte ich nun geistige Not, jenes schwarze Meer, das einmal abebbt und dann, besonders, und auch dieses Jahr, vor den Hohen Feiertagen, wieder so anflutet, als wollte es den letzten Damm, den diese unglücklichen Menschen noch im Religiösen haben, über den Haufen werfen. Die Alten kämpfen mit ihren letzten Kräften und werden in den heiligen Tagen mit ihrer Seelennot den Weg auch da zu G'tt finden, wo ihre Synagogen in Arbeiterklubs verwandelt sind und an ihren Häusern die Demonstrationszüge gegen Jörn Kippur mit Pauken und Trompeten vorbeimarschieren. Die Jugend aber, im Hause dem Hunger und draußen allen Verlockungen preisgegeben, ist in hohem Maße bedroht, die Zukunft des jüdischen Volksteiles, der Jahrhunderte hindurch das geistige Reservoir für die Gesamtjudenheit treulich hütete, ist gefährdet. In diesem Punkte möchten wir sehnlichst wünschen, daß die Beschlüsse und Anregungen des Minoritätenkongresses bei der Aufnahme Sowjetrußlands in den Völkerbund in Genf gehört und beachtet werden! An amerikanischem Geld fehlt es jetzt auch in dem Jüdischen Blindeninstitut mit seinen 53 Insassen. Durch einen gepflegten Garten — bei Diskin fehlt trotz großen Geländes und trotz des Antriebs, Jungen auch zu Gärtnern auszubilden, ein Garten — betritt der Besucher eine ihn beunruhigende Atmosphäre, denn er glaubt zu lauter bejammernswerten Unglücklichen, die Mitleid wünschen, zu kommen. Doch wenn er dann sieht, wie diese Menschen sich beschäftigen, empfängt er den Eindruck, daß sie ihre Freuden und ihr Streben haben. Dort wird in den Klassen auf Grund der Tastschrift gelernt. Im Bibliothekssaale spricht lehrend ein junger Mensch, und andere junge Menschen wiederholen, was sie hören. Im Musikzimmer übt der blinde Musiklehrer mit einem Schüler. Im Musikzimmer sind Instrumente für eine Musikkapelle aufbewahrt, ein Beweis, daß die Blinden ihr eigenes Orchester haben. Mehrere Räume dienen als Lehr- und als Fabrikstätte für Strohflechterei und Bürsten- und Besenherstellung. Eine würdige .Synagoge zeigt, daß auch die Blinden sich vor G'tt Rechenschaft über ihr Tun geben, wie es die wesentliche Bedeutung der Synagoge als Stätte der „Tefillah", „der Arbeit an sich selbst", sein soll. Das Blindeninstitut ist die einzige derartige jüdische Anstalt in allen die Richtung verlieren, das Ziel aus dem Auge lassen, im Bewußtsein, daß Er mich nie aus dem Auge läßt! „Siehe, er steht hinter der Mauer," hinter der Sündenmauer, die wir zwischen G'tt und uns errichtet haben, „schaut durch die Fenster, lugt durch die Breschen," "tai Mbra ins naiy m nin- Wir legen Breschen in die Sündenmauer in diesen Tagen der Rückkehr und rücken damit dem Blickfelde G'ttes immer naher und näher. Eine Konsequenz des Bewußtseins beständiger G'ttesnähe ist aber die Menschenliebe. JiariRl "JIM "]sni> wie sie uns das Schma-Kapitel in der Thora vorschreibt. Im Angesichte des Vaters werden sich die Kinder als Brüder empfinden und brüderlich miteinander verfahren nnün "7 ■>isb. „Vor G'tt," d. h. in seiner Gegenwart, unter seinem wachenden Vaterauge, werden wir „nach innerer Reinheit streben." Will heißen, nach Erklärung der Weisen, zu allernächst all das, was zwischen Mensch und Mensch trennt, aus dem Wege schaffen, man fiR nsi»w 19- Kann man aber, so fragt man, sein Lebenlang sich in G'ttesnähe bewegen? Nein, wenn man die G'ttesnähe nur im G'ttes- und Lehrhause vermutet. Ja aber wenn uns der weise König lehrt: lnyi "1'DTi Vm, „Auf all deinen Wegen erkenne ihn." (Mischle 6.) Wir dienen G'tt auch und erst recht auf dem Markte des Lebens, durch Redlichkeit im Wandel, durch Werke des Friedens und der Wohltat. „Nur geistige Tankstelle ist das G'tteshaus," drückt sich ein neuerer Erklärer ganz modern aus, „die Kraft, die die Seele in diesen gehobenen Tagen in sich aufgenommen hat, muß sich draußen im Leben bewähren." Gewiß bedarf es einer V o r b e r e i t u n i für diesen Weg, von der „inneren Ausgeglichenheit" bis zum „Bewußtsein der G'ttesnähe auf allen Wegen." Ländern des Mittelmeeres und des Orients und stellt sich den größten und besten Blindenanstalten Europas und Amerikas ebenbürtig zur Seite. Originell und vernünftig mutet das Altersheim Moschaw Sekeinim an. Seine dreihundert Greise und Greisinnen wohnen nicht etwa in einem eintönigen kasernenartigen Bau, sondern wie ein Gartendorf liegen einstöckige Häuser und Häuschen und das dazu gehörige Krankenhaus zwischen dem Grün. Es sind auch einige Synagogenhallen vorhanden, und mancher talmudischer Disput tönt in ihren Wänden, Der Friede des Ausruhens schwebt über dem Ganzen. Doch ob auch in diesem Reiche immer und überall Friede ist? So kann es dem Besucher vorkommen, daß beim Betreten eines Zimmers zwei der Insassen ihn als Richter anrufen. Das eine alte Weibchen ist herzleidend und braucht offene Fenster, während der Rheumatismus des anderen nach geschlossenen Fenstern verlangt — und der Besucher kann doch nicht empfehlen, die Fenster solange offen oder zuzulassen, bis die eine stirbt und die andere dann Ruhe gibt. Von der traurigen, aber sehr nötigen und sehr segensreich wirkende Stätte der Gemütskranken, ein Verdienst jüdischer Frauen, sei geschwiegen. Dagegen möge vom Mädchen heim des Misrachi erzählt werden, das auch amerikanischem Gelde zu verdanken ist. Dieses Heim will junge Mädchen für Haushalt und für Beruf, aber auch für das jüdische Pflichtenleben gemäß der Thora erziehen. Es sind schöne, geschmackvolle Räume, wie man sie der lichten Freude und den frohen Farben der Jugend wünscht. Den Garten, die große Eßhalle, die große und schöne Küche, in der es blinkt und glänzt und die würzige Luft der Sauberkeit sich mit würzigen Speisen vermischt, die Schlafzimmer usw., alles wirkt anheimelnd und froh. Nur der Bibliotheksschrank blickt noch betrübt, denn er ist arm an Büchern. Gute jüdische belletristische Literatur in deutscher Sprache würde manches Bleibende geben. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Schulungskurs für Wohlfahrtspflege. Berlin, 5. Sept. Wie bereits mitgeteilt, veranstaltet die Zentralwohlfahrtssteile der deutschen Juden in der Zeit vom Darum haben wir auch die Skala der heiligen Tage vom ersten Elul bis zum Höhepunkt am Tage der Versöhnung, darum mahnt ja der Prophet Arnos (Kap. 8) hw'W» TpVs nrnpV pan, „Richte dich, bereite dich vor auf dem Wege deinem G'tte entgegen, Israel!" Bestimmungen über TlVIp nach dem Eintreffen in Erez Jisroel. (Nach \nbwn nss herausgegeben von der Palästinazentrale der Agudas Jisroel.) 1. Im Talmud wird erzählt, daß hervorragende Männer beim Betreten Erez Isroels den Boden des Landes küßten. (Ket. 112a). 2. Wenn man zum ersten Male eine Stadt Judas aus der Nähe sieht, sagt man die Worteianmv^Bnp'iy (Jes. 64, 9), alsdann reißt man auf der linken Seite r-ijnip (und zwar 9 cm an allen Kleidern bis zum Hemd exkl,, auch nicht am Mantel). Da Jaffa, Tel Awiw und Haifa nicht im Stammgebiet von Juda liegen, reißt man beim Anblick dieser Städte nicht nsmp- 3. Wenn man die Altstadt von Jerusalem zum ersten Male sieht (gewöhnlich am Jaffator, wenn man von Norden kommt am Damaskustor), sagt man die Worte: rmav D'i>»ri» nflv» -nia p'X (Jes. 64, 9), dann reißt man rwnp- , Sieht man die Stelle des «np»n. n»a (gewöhnlich an der 'nw bim) sagt man den Vers: umssni nenp n»a m-mb Ji'n unnn» £ji vx na-ivb nvi lavyn« i"bbn ivx (Jes. 64, 10) und reißt alsdann nochmals nsnp (s. Anm. unten). Bei der Jwnp beim Anblick von Jerusalem und dem vom »Tpttfl n>3 sagt man die drei Worte: nnx ]"t Tna- Soziale Liebeswerke in Jerusalem.

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