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Der Israelit · 1934-09-06 · Heft 36 (6.9.1934) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 36 (6.9.1934)
Date
1934-09-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Jf Seite 10 Nr. 36 D Israelit 6. September 1934 verständigen und einem Richter als Vorsitzendem be stehendes Komitee eingesetzt, das die Echtheit der „Protokolle" prüfen soll. Sobald das Gutachten die ses Komitees vorliegt, wird auch das Berner Gericht zur Urteilsfällung schreiten. Polen. Wohnrecht für deutsche Flüchtlinge. Warschau, 31. Aug Die Frage des Wohnrechtes für die deutschen Flüchtlinge läßt sich das Vereinigte jüdische Hilfskomitee sehr angelegen sein. Bekanntlich bemüht sich das Hochkommissariat des Völkerbundes für die Emigranten unter Macdonald, Wohn- und Ar beitsrecht für die jüdischen Flüchtlinge in den ver schiedenen Ländern zu bewirken. Polen nahm in der Frage von vornherein eine sehr liberale Stellung ein In Verbindung damit hielt das Hilfskomitee mehrere Beratungen mit verschiedenen Ministerien ab, mit dem Erfolge, daß eine Ermöglichung des Wohnrechtes für die Emigranten, die den Schutz des Komi tees genießen, versprochen wurde. Zur Zeit hat das Komitee eine genaue Registratur der in Polen sich aufhaltenden jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland vorgenommen und werden alle in ihrem eigenen Interesse gebeten, sich bei der Hauptverwaltung der Gemeinde zu melden. Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten. Krakau, 30. Aug. Mit einer fast zweitägigen Dauersitzung schloß gestern die Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten. Man mühte sich in den Verhandlungen hauptsächlich um die Zusammenfassung sämtlicher Sondergruppen und Vereinheitlichung des Weltverbandes. Man proklamierte auch vollkommene Unabhängigkeit vom rechten und vom linken Flügel der Bewegung. Die neugewählte Leitung des Weltverbandes teilt sich aber trotz des Einheitsstrebens in eine europäische und in eine palästinensische Zentrale. Letztere mit dem Sitz in Tel Awiw untersteht der Führung von Dr. B. Mossinsohn. Für mehrere Führer der aufgelösten Gruppen wurden Sitze in den Zentralen reserviert. An der Spitze der europäischen Zentrale mit dem Sitz in Krakau steht Dr. Schwarzbar d. Unter den Referaten interessierte besonders ein solches von Professor Brodetzky über die Araberfrage, in dem er zu friedlicher Zusammenarbeit mahnt. Er schloß seine Ausführungen mit den Worten: „Ich fürchte nicht die großen Probleme zwischen uns und England, auch nicht die, die zwischen uns und den Arabern stehen, ich fürchte aber unsere eigene innere Zerrissenheit. Besinnt euch, so lange es noch Zeit ist!" England. Londoner Brief. Das Besdin als Eheschiedsgericht. — Feier für agudistische Chaluzim. — Dem x\W7\ EWi-Feste entgegen. London, 2. Sept. Ein wahrer Kiddusch Haschern war ein Artikel, der in diesen Tagen in dem bekannten konservativen Blatte ,,Daily Express" über das Problem der Ehestreitigkeiten erschien. Nachdem der Verfasser, ein „Spezialvertreter" der Zeitung, über die Schwierigkeit und Dringlichkeit dieser Frage schreibt und dabei betont, daß mehr als 17.000 Heime jährlich durch gesetzliche Separationsariträge aufgelöst werden, teilt er mit, daß die englische Regierung in der Angelegenheit Schritte zu unternehmen gedenke. Es heißt dann wörtlich weiter unter der Ueberschrift: „Der jüdische Weg". „Richter im ganzen Lande haben die Meinung zum Ausdruck gebracht, daß Par- » teien in Ehe-Fällen nicht vor Polizeigerichtshöfe gebracht werden sollten. Beamte des Innenministeriums haben bei ihren Studien über das Problem, wie mit Unglücklich-Verheirateten vorzugehen ist, ein Beispiel in dem beachtenswerten jüdischen Gerichtshof des Beth-Din, welcher regelmäßig in Ost-London zusammentritt, gefunden. Beth-Din ist ein Schiedsspruch-Gerichtshof und von freundschaftlicher Vereinbarung. Es hat keine rechtliche Machtvollkommenheit und kann die Ausführung seiner Entscheidungen nicht durch Polizei erzwingen. Dennoch werden Hunderte von jüdischen Familienzwistigkeiten, die sonst den Polizeigerichtshöfen vorgelegt worden wä ren, von den „drei weisen Männern" des Beth-Din zusammengeflickt. Man glaubt in Rechtskreisen, daß eine Anpassung an das Beth-Din die Eheprobleme des Landes mit größerem Erfolg als die Polizei-Ge richtshöfe vielleicht lösen wird." Es ist erfreulich, daß die Engländer trotz ihres berechtigten Stolzes auf ihr Engländertum es nicht für unwürdig halten, sich betreffs solcher Fragen, über die sich die größten englischen Gelehrten und Persönlichkeiten den Kopf zerbrochen haben, von dem Beth-Din im Londoner Judenviertel Whitechapel belehren zu lassen. Vier deutsche Agudisten, die ihre land wirtschaftliche Ausbildung auf der Hachschara von St. Albans, in der Nähe von London, jetzt beendigt haben, wurden Palästinazertifikate überreicht. Einige Tage vor ihrer Abfahrt von London wurde ihnen zu Ehren eine kleine Abschiedsfeier vom Noar Agudati veranstaltet, wobei in einigen Reden auf die Bedeutung der agudistischen Chaluzimarbeit hingewiesen wurde. Es ist zu hoffen, daß diese vier Chawerim auch in Erez Isroel mit selbstbewußtem Stolz zur agudistischen Fahne halten werden und ihren Bei trag leisten werden zur Durchdringung des jüdischen Landes mit jüdischem Geiste. Luach 5695 Allen Abonnenten des „Israelit", die es schriftlich wünschen, stellen wir, wie in früheren Jahren, zum Roschhaschono-Feste 5695 einen Luach als Festgabe zur Verfügung. Bestellungen erbitten wir umgehend. Verlag des Israelit u. Hermon GmbH. Der herannahende nnwn px*> wirft seine Strahlen bereits voraus. Die vielen Synagogen in London reichen zur Aufnahme der Hunderttausende von Betern bei weitem nicht aus und überall werden Sonderg'ttesdienste organisiert. Auch diejenigen, deren religiöse Veranlagung eine sonst nicht so starke ist, haben für die Heiligkeit des Rausch Haschonoh die Ehrfurcht nicht verloren und bleiben selbstverständlich ihren Geschäften fern. In Nord-London ist von deutschen jungen Leuten ein eigenes Minjan für B"' arrangiert, wo alles gemäß deutschem oder, genauer gesagt, Frankfurter Minhag aufgezogen werden soll. Das Minjan wird in dem bekannten Boarding House J. K 1 a h r satttfinden, das seit Jahrzehnten bereits einen Mittelpunkt fast aller Gesetzestreuen vom Kontinent, die sich in London aufhalten, bildet. Wollen wir zum Schlüsse hoffen, daß das aus tausend Wunden blutende Golusvolk, wenn es sich in diesen Tagen in allen Winkeln der Diaspora zu dem herannahenden Feste rüstet, G'ttes Wohlgefallen finden wird. Günstige Bedingungen für die Niederlassung von Juden in Cypern, London, 26. August. Wie aus Cypern mitgeteilt wird, haben die dortigen englischen Verwaltungsbehörden sehr günstige Bedingungen für eine jüdische Einwanderung festgesetzt. Von jeder Einwandererfamilie wird ein Vorzeigegeld von nur fünfzig Pfund verlangt. Anstelle dieses Vorzeigegeldes wird auch eine Garantie dieses Betrages seitens einer in Cypern ansässigen Person als ausreichend anerkannt. Nach zweijährigem Aufenthalt im Lande können die Einwanderer die britische Staatsangehörigkeit erwerben. Die Ansiedlung von Juden, in Cypern, darunter auch aus Deutschland stammender Juden, hat bereits seit einiger Zeit begonnen. Es wurden zwei Kolonisations- und Pflanzungs-Gesellschaften, die „Cyprus-Palestine Plantation Company Ltd." und die „Cyprus Farming Company" gebildet. Diese Gesellschaften haben 70.000 Dunam Land zur Anlage von Pflanzungen, hauptsächlich von Orangenpflanzungeri, erworben. Zwei Siedlungen deutscher Juden wurden geschaffen. Die eine Kolonie, die bei Dama-Augusta gelegen ist, zählt 200 Einwohner, Die andere Kolonie ist kleiner;, sie liegt bei Larnaca und zahlt 50 Siedler. Eine Anzahl weiterer jüdischer Familien hat sich in verschiedenen Dörfern und Städten der Insel verstreut niedergelassen. Die griechischen und türkischen Einwohner begegnen den neuen Ansiedlern mit Freundlichkeit und Wohlwollen, Palästina. Von der orthodoxen Frauenbewegung in Jerusalem. Jerusalem, 28, August. Am 15. EIul begannen die Schülerinnenanmeldungen für das neue Schuljahr der Bes Jakow- Schule und des Kindergartens in der Schechunath „Ruchamah". Das Programm der Schule paßt sich den Lehrplänen der Beth Jakow-Schulen in der Golah an. Die Lehrerinnen sind vorgebildet und haben z. T. ihre Studien an dem Seminar in Krakau absolviert. Eine Unterrichtskommission, bestehend aus bewährten pädagogischen Kräften aus der gesetzestreuen Bevölkerung, übt die Aufsicht über die Schule aus und steht in steter Verbindung mit dem Elternrat der Schule. Nach einer Bekanntmachung und Einladung finden alle vier Wochen je am D'ona» rap in den Schulräumen Zusammenkünfte der Jerusalemer Frauengruppe der Agudas Jisroel statt. Es werden Vorträge gehalten und Aussprachen veranstaltet über die Pflichten der gesetzestreuen Frau auf dem Gebiete der Kindererziehung. Die erste Versammlung am jüngsten Sabbat nachmittag war sehr stark besucht und fand größtes Interesse. Verfolgung illegaler Einwanderer und Streikpostensteher. J e r u s a l.e m , 2. Sept. 17 Juden hatten sich vor dem Polizeigericht wegen illegaler Einwanderung zu verantworten. Vor der Urteilsverkündung zog die Polizei die Beschuldigung wegen illegaler Einwanderung zurück, so daß ein Urteil nicht ergangen ist; die angeklagt gewesenen Juden werden aber des Landes verwiesen werden. Der Eigentümer und drei Offiziere eines griechischen Dampfers, der diese Juden nach Palästina beförderte, werden sich deswegen vor dem Gericht in Tel Awiw zu antworten haben. Drei jüdische Instruktoren, die auf dem Gelände der Levante-Messe einen Kursus für Körperkultur abhielten, sind wegen Beihilfe bei der Landung dieser Juden angeklagt. Das Haifaer Gericht hat gegen 52 wegen Streikpostenstehens vor verschiedenen jüdischen Betrieben und Neubauten, bei denen Araber beschäftigt sind, angeklagte jüdische Arbeiter sehr harte Urteile gesprochen. Sechs Hauptangeklagte wurden zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt, die übrigen 46 zu je einem Monat Gefängnis. Andere 25 Streikpostensteher wurden verhaftet. Afrika. Behauptung von einer jüdischen Verschwörung zur Erringung der Weltherrschaft als Verleumdung gebrandmarkt. Johannesburg, 21. August. In dem Grahamstowner Prozeß gegen die Führer der antisemitischen Grauhemden-Organisaion Südafrikas, Harry Victor I n c h , Johannes von M o 11 k e und David Hermanus O 1 i v i e r ist das Urteil gesprochen worden. Dem Kläger, Rev. A. L e v y , von der Western Road Synagogue in Port Elizabeth, wurde ein Schadenersatzanspruch von 1000 Pfund gegen Inch, von 750 Pfund gegen von Moltke und von 25 Pfund gegen Olivier zugesprochen; äußerem wurden den Angeklagten die Kosten des Verfahrens auferlegt. Dieaußerordentlich umfangreiche Begründung des Urteils stellt ein 130 Seiten starkes Dokument dar.

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