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Der Israelit · 1934-09-06 · Heft 36 (6.9.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 36 (6.9.1934)
Date
1934-09-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 36 Der Israelit 6. September 1934 Neu ist nur die Ansicht, daß auch die in der geistigen Atmosphäre des Lernens und der tag liehen Mizwafreude lebende Jugend gut daran tue, sich der „auflockernden" Einflüsse der Buber'schen Erziehung für ihre jüdische Weiterbil dung zu versichern. Diese Ansicht halten wir aus den bereits früher von uns dargelegten Gründen für irrig, ja sogar für u n - vereinbar mit den Grundsätzen des überlieferten Judentums. Mit der Wendung, die Berufung auf Rabbi Meir sei im Hinblick auf die heute gegebene „zeitliche Situa tion nicht angebracht" wird der unbequeme Standpunkt der Tradition, der nun einmal mit seinem "tfi niKIlX . "1 HöTT 3in DK klarste Wegweisung auf diesem Gebiete für alle Zeiten erteilt, nicht aus der Welt geschafft. Dagegen scheint uns der Appell, den Herr Dr. Cohn an die thoratreue Judenheit richtet, sie solle zu „den heute empfangsbereiten Gemütern des eigenen Lagers in neuer, vertiefender, befreiender Form unsre alte jüdische Sprache" reden, zwar sehr gut gemeint, aber gerade in diesem Zusammenhang „unangebracht". Nicht nur, daß auf allen Kanzeln unsrer G't teshäuser — das „eigene Lager" ist ja doch am Sabbat nicht durch Berufsarbeit am Hören verhindert — diese Sprache, soweit nur die Fähigkeit unsrer Rabbinen reicht, eindringlich gesprochen wird, daß die gesetzestreue Presse sich im Rahmen ihres Könnens der gleichen Aufgabe widmet, — glauben wir, daß in der reiferen Jugend Agudas Jisroel, Esra und unzählige Lernvereine die Auflockerung an Hand der Quellen in weit, weit wirksamerer, wenn auch weniger sensationeller Form vollziehen, als dies die neue Erwachsenenbildung auf Grund der ihr gegebenen Voraussetzungen auch im günstigsten Falle tun kann. Nicht behandelt haben wir die Frage, ob die Mitwirkung gesetzestreuer Persönlichkeiten als Lehrende erwünscht sei. Es kommt dabei, so stark für jeden warmfühlenden Jehudi der Anreiz sein mag, an einem solchen geistigen LiebeswerK im Großen mitzuwirken, ganz auf den Grad der Reife an, den die lehrende Persönlichkeit sich selber zumißt, entscheidend aber auf die weitere Frage, inwieweit durch solche Mitwirkung dem Ganzen der Stempel einwandfreier Thoragemäßheit auch für die weniger Urteilsfähigen aufgedrückt wird. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Von den jüdischen Schulen in Deutschland, Berlin, 3. Sept. Die neueste Nummer der „Informationsblätter des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau" enthalten allgemein inetressierende Mitteilungen über den Stand des jüdischen Schulwerks in Deutschland. Die Zahl der schulpflichtigen jüdischen Kinder im deutschen Reichsgebiet beträgt etwa 60.000. Von diesen besuchen etwa 18,500 jüdische Schulen. Die Zahl ist natürlich in stetigem Wachsen begriffen. Im Augenblick gibt es in Deutschland 10 höhere jüdischen Schulen, 5 davon mit der Berechtigung zur Abnahme des Abiturs, die übrigen 5 sind Real- oder Mittelschulen. An jüdischen Volksschulen gibt es, nachdem fast alle sogenannten Zwergschulen von der Regierung geschlossen worden sind, noch etwa 80. Zu Ostern 1934 wurden 10 neue Volksschulen, meist von größeren Gemeinden, errichtet. In weiteren 10 bis 15 Fällen sind noch nicht alle Gründungsschwierigkeiten überwunden. 3200 Kinder traten zu Ostern letzten Jahres neu in jüdische Schulen ein. Alle Schulen haben den Unterricht in den jüdischen Fä- ***************** Ein neues Jahr in alter Verbundenheit Kein deutscher Jude ohne die blaue Beitragskarte für Hilfe und Aufbau* xxwxxgggmm Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Jaffa. Im Bostanei weist M. Smi- 1 a n s k y auf eine italienisch-österreichischschwedische wirtschaftliche Verschwörung gegen den palästinensischen .Orangenexport hin. Unter dem Deckmantel einer privaten Institution ist in Italien eine Organisation ins Leben getreten, die den sizilianischen Orangenpflanzern staatliche Prämien zahlt, um Orangen zu besonders niedrigen Preisen nach Oesterreich und nach Schweden zu verkaufen. Die gezahlten Prämien werden durch die. österreichische bezw. schwedische Industrie zurückvergütet, der als Gegenleistung Vorteile auf dem italienischen Markt eingeräumt werden. Alle drei Länder haben dabei einen starken Exportüberschuß nach Palästina, und dieses ist gegen diese Abkommen wehrlos, weil es nach dem Mandatsystem allen Völkerbundstaaten offene Tür gewähren muß. Jerusalem. Unter der Firma A. M. und J. H e i 1 b r o nn e r, Bank Ltd. ist ein Bankgeschäft mit einem voll eingezahlten Kapital von Lst. 10.000 errichtet worden. Jerusalem. Nach dem Augustbericht der Ackerbauabteilung sind in der Saison 1933/34, abgesehen von Citrusfrüchten 780.000 Weinreben und etwa 1 Million sonstiger Fruchtstämme (Mandeln, Feigen, Oliven usw.) neu angepflanzt worden. Tel A w i w. Die Außenhandelsumsätze erreichten im März 1934 2,2 Millionen Pfund gegenüber 1,6 Millionen im März des Vorjahres. Die Einfuhr stieg auf Lst. 1.260.000, die Ausfuhr auf Lst. 906.000. Gegenüber dem März 1933 ist insbesondere stark gestiegen die Einfuhr von" Lebensmitteln, Zement- und Porzellanwaren, sanitäre Artikel, Eisenwaren, Bau- und Citrus-Kistenholz, Textilwaren, Chemikalien, Autos und Lastwagen. Jaffa. Wegen der Notwendigkeit von Renovierungsarbeiten muß der Jaffaer Hafen in der Zeit vom 1. September bis 1. Dezember zum Teil gesperrt und durch Umleitung von Schwergütern nach Haifa entlastet werden. Der Bahntarif Haifa- Jaffa wird ermäßigt und man hofft, daß 'die Schiffahrtsgesellschaften auch den Transporttarif nach Haifa reduzieren werden. Die Handelskammern wenden sich sehr energisch gegen das Projekt, das dem Handel untragbare Kosten verursachen werde. Man hat offenbar kein Vertrauen dazu, daß die Hafenpolitik der Regierung in der Tat auf eine Berücksichtigung der berechtigten Anforderungen des Wirtschaftsbezirkes Jaffa- Tel Awiw hinziele. Jerusalem. Nach einer neuen Regierungsverordnung soll unter gewissen Bedingungen der zur Herstellung von exportierten Marmeladen verarbeitete Zucker vom Zoll befreit werden. B e y r u t. Am Gemüseimport nach Syrien ist Palästina an zweiter Stelle mit 47.000 syrischen Pfund, an Früchteimport ebenfalls an zweiter Stelle mit 112.000 Lst. beteiligt. Jerusalem. Nach dem Bericht des Ackerbaudepartements ist die Qualität der Getreideernte im ganzen Land außergewöhnlich gut. Mit vereinzelten Ausnahmen fällt die Somerernte befriedigen daus. Sommergemüse kommt anhaltend in großen Mengen auf den Markt und wird zu niedrigen Preisen verkauft. Im allgemeinen haben die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse sinkende Tendenz, die bei Getreide sich in mäßigen Grenzen hält, bei Futter und Gemüse aber stärker in die Erscheinung tritt. Die Preise für milchwirtschaftlich© Erzeugnisse bleiben verhältnismäßig hoch, die, Olivenernte wird klein sein, aber viel besser als im letzten Jahre. Die Entwicklung der Citrusernte geht normal vonstatten. ehern verstärkt. Ein Teil hat Neuhebräisch in den Lehrplan aufgenommen oder gibt den Schülern fakultativ die Möglichkeit, diese Sprache zu erlernen. Fast überall ist ein sogenannter Werkunterricht, der die Grundlage für eine spätere handwerkliche Ausbildung schafft, eingeführt worden. An ausgebildeten jüdischen Lehrern gibt es in Deutschland etwa 1200, von denen 600 bereits an jüdischen Schulen beschäftigt sind. An nichtjüdischen Schulen sind etwa 300 jüdische Lehrer in ihren Aemtern verblieben. Es stehen also für die Erweiterung des jüdischen Schulwesens noch etwa 300 jüdische Lehrer zur Verfügung. Man ist bemüht, durch Schulungskurse diese bisher an allgemeinen Schulen tätigen und jüdisch nur mangelhaft ausgebildeten Lehrer für die besonderen Aufgaben der jüdischen Schulen zu befähigen. Für die Neuausbildung von jüdischen Voll-Lehrern steht als einziges Institut das Volksschullehrerseminar Würzburg zur Verfügung, Bei der Errichtung neuer jüdischer Volksschulen ist von Seiten des „Zentralausschusses für Aufbau und Hilfe" in der Regel, so verfahren worden, daß er ein Drittel der Kosten übernimmt, während ein Drittel von der örtlichen Gemeinde und das letzte Drittel von den beteiligten Eltern selbst getragen werden muß. Fortfall des Verwendungszwanges von Kartoifelstärkemehl. B e r 1 i n , 3. Sept. Mit Bezugnahme auf Erklärungen aus dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft wird von der Wirtschaftlichen Vereinigung der deutschen Stärkeindustrie darauf hingewiesen, daß der Zwang zur Verwendung von Kartoffelstärkemehl vom 15. Oktober 1934 in Wegfall kommt. Bis zu diesem Termine bleibt er in Kraft. Sabbatdispens. Oldenburg, 3. Sept. Die Einführung des Staatsjugendtages im Reich hat auch in hiesiger Gemeinde bewirkt, daß alle Schüler der Religionsschule auf Antrag der Eltern vom ganzen Unterricht an den städtischen Schulen Son nabends befreit sind und daher am Sabbatmorgeng'ttesdienste teilnehmen können. Damit ist der erste Schritt zur Gewinnung der Schuljugend für den Sabbatgedanken getan. Freistaat Danzig. Die Frage des jüdischen akademischen Nachwuchses in Danzig. Danzig, 29. Aug. Der Danziger Senat hat die Ernennung von mehreren jungen jüdischen Juristen zu Assessoren abgelehnt und damit die Frage des jüdischen akademischen Nachwuchses in Danzig, wo es bekanntlich laut Verfassung keinen Arier-Paragraphen gibt, erneut aufgerollt. In jüdischen Wirtschaftskreisen, in denen im Hinblick auf die anhaltenden Bestrebungen zur Ausschaltung jüdischer Kaufleute und Handwerker starke Verstimmung herrscht, wird darauf hingewiesen, daß die zielbewußte Behinderung des jüdischen Nachwuchses in der juristischen Laufbahn ebenfalls eine Beeinträchtigung der Interessen der jüdischen wirtschaftlichen Unternehmungen darstellt. Oesterreich. Gegen Intoleranz. Wien, 3. Sept. Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg hielt auf einer Katecheten-Tagung in Mariazell eine Rede, in der er sich sehr eingehend mit der Frage der religiösen Uebungen in der Schule befaßte, wobei er u. a. erklärte: „Wir sind nicht allein in unserem Lande, neben uns, um uns sind Menschen, die in einer anderen Gedankenwelt aufgewachsen sind. Nichts sei gegen sie gesagt. Es gehört zum Wesentlichen österreichischer Auffassung, daß, sofern in letzten Dingen das notwendige und vitalste Interesse der Gemeinschaft bewahrt ist, jedermann seinen eigenen Weg gehen kann. Unsererseits wird niemandem, insbesondere auf konfessionellem Gebiete, ein Stein in den Weg gelegt."

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