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Der Israelit · 1934-09-06 · Heft 36 (6.9.1934) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 36 (6.9.1934)
Date
1934-09-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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...611 September 1934 D e r , I s r a e l;i t Nr. 36 Seite 7 iniS^ö' der „Herrlichkeit der erscheinenden G'tteswelt'' dienen sollen. Prinzipiell besagt diese einzig , authentische Fassung des S. R. Hirsch'schen „Thora im Derech Erez"-Prinzips (wir werden wohl jetzt nicht mehr mißverstanden werden, wenn wir der Kürze halber nunmejir diesen Ausdruck im Sinne des pars pro toto brauchen) nichts anderes, .als was RabbenuuBechaj im hrwri nyw desnian^niain hundert Jahre vor dem Rambam ausgeführt und vor ihm Rabbenu Saadia Gaon sicherlich im rMnJ klang mit dem breiten Strom der talmudischgaonäischen Ueberlieferung gelehrt hat.*) Glauben wir somit Klarheit über die zeitgeschichtlichen, und religionsgesetzlichen Vorausset- Judentum. Von Dr. Abraham Cohn in Halberstadt, Unter dem angeführten Titel erschien in Nr. 32 des „Israelit" .eine Charakterisierung der von der Reichsvertretung der deutschen Juden bezw. der Mittelstelle für Erwachsenenbildung untere nommenen Versuche, weite Kreise der deutschen Judenheit wieder dem Zentrum des Jude* seins näherzubringen. Mit Recht wird festgestellt, daß Erwachsenenbildung als solche nichts Neues darstellt, sondern in der klassischen Form des täglichen „Lernens" (im weitesten Sinn) den traditionstreuen Kreisen durchaus .bekannt ist. Dennoch sind die heutigen Bestrebungen mit den „tausend Formen des Gemeinschaftslebens, die auf die geistige Formung und Beeinflussung der im Leben stehenden Erwachsenen berechnet waren," nicht zu vergleichen. Es handelt sich um etwas Neues, nicht nur weil sich „Martin Buber in den-Mittelpunkt des Ganzen gestellt" hat, sondern weil er,.— der von den Ereignissen und Erlebnissen des letzten Jahres offenbar mit am stärksten beeindruckt wurde, von der neuen geistigen Situation aus an einer inneren..Neugestaltung der Judenheit Deutschlands mitarbeiten will. Das fühlt scheinbar auch der Schreiber des erwähnten Aufsatzes. — Aber man wird dem Unternehmen Bubers nieht gerecht, wenn man feststellt, daß hier ein Judentum angestrebt wird, „das den oberflächlichen kritischen Rationalismus durch einen kritischen Mystizismus ersetzt." Nein! Hier wird eine vollkommene Auflockerung versucht, ermöglicht > und erleichtert durch das neue innere" Erlebnis. Alles, was an kritischer Dogmatik oder erstarrter Weltanschauung vorhanden war, soll vergessen oder gründlicher Prüfung unterzogen werden. Man sucht einen Weg zurück zum Judentum und seinen Quellen; und man übt bis ins Letzte erschütternde, ehrliche Kritik am eigenen Seih. Das ' zeigte sich auch mit restloser Deutlichkeit ,|>ei der letzten Tagung in Lehnitz,, wo neben und ih den völlig neugestalteten Kursen, die der Wis-; *) Auch Rabbenu Bechaj,' der übrigens arabisch schrieb, wie S. R. Hirsch deutsch,' scheut sich nicht, für seine allgemein-menschlichen „Hilfswissenschaften" die Terminologie der damaligen arabischen Wissenschaftskultur zu verwenden, ohne daß hierdurch der autarke, aller Assimilation entrückte jüdische Charakter seines niaaVn rrnin und dessen Siegeszug durch die Bothe-Medrasch aller Zeiten und Zonen beeinträchtigt wurde. Rabb. Hirsch mit der unerschrockenen Einseitigkeit seines ausschließlichen geistig e n Herrschaftsanspruchs für die offenbarte schriftliche und mündliche Lehre, zum Träger und Verkünder deutscher Kultur zu stempeln, weil er in dieser Kultur das allgemein Menschliche und sinaitisch Jüdische verehrte und ihrer Ausdrucksformen sich1 bediente, ist ebenso unwissenschaftlich und unwahrhaftig, als wenn man die aramäisch sprechenden Wieisen des .Talmuds, die Träger der ns byiv min, <, als j -b a b y 1 o n i s c h e , Rabbenu Saadia und Rabbenu Bechaj, Jehujla halewi', Rambam; als arabisch-sp a nii 's c h e Kulturträger')äüs deih . Te'ifipeT dör" jüdischen Nationalkultur hinausjagen < wollte.; . zungen sowie über den innersten Sinn des Bildungsideals S. R. Hirschs gewonnen zu haben, so können wir uns der Frage nicht entziehen, inwieweit das Ideal, in die Masse geworfen und mannigfaltigsten Durchschnittsbegabungen anvertraut, Wirklichkeit geworden ist, wie S. R. Hirsch selber , über" diese Wirklichkeit wohl denken würde und' welche Wege die thoratreue Judenheit beschreiten körine, um den schweren Kampf, um ihre geistige Selbstbehauptung mit jener -treuen Unterordnung unter ,das G'ttesgesetz, wie j "sie..ihr von ihren Großen und nicht zuletzt von Rabb. Hirsch -gelehrt und Vorgelebt worden ist, auch in einer Welt mit verändertem geistigem Antlitz zu bestehen. sensvermittlung dienten, letzte Fragen jüdischer Gläubenswirklichkeit und — „tätiger Lebensform" mit rücksichtsloser Ehrlichkeit aufgerollt wurden. Wir wissen, daß dieser Weg vor allem ein völlig neuer und begrüßenswerter ist für diejenigen, die bisher an der Peripherie des Judentums gestanden haben. Wir wissen, ebenso wie der Artikelschreiber, daß noch ein' weiter Weg bis •dorthin ist, wo für thoratreues Judentum der Wesenskern des Jüdischseins liegt. Aber es ist ein „Weg zurück", und ein solcher bedeutet immer-einen Anfang, der mindestens die Möglichkeit einer hoffnungsvollen Endlösung in sich . birgt. Wenn '■ nun; -selbst Immerkluge kommen sollten, die konstatieren, daß, 1. das Ende noch nicht abzusehen sei, daß 2. 'unter Umständen gar keine Lösung angestrebt wird, die dem tiefen, inneren Bedürfnis und Wesen des altüberlieferten Judentums (das man mit; „Orthodoxie" bezeichnet) entspricht, dann gibt es daratif nureine Antwort: . : ..;:,! Gewiß, heute noch ist die „gesetzestreue Gruppe, die unmittelbar in der Tradition wurzelt", „strukturell verschieden" von den anderen Gruppen. Wir wissen aber nicht, wie lange noch. Vor allem wird sie sich dann nur noch formal und graduell von den Anderen unterscheiden, •wenn sich die orthodoxe Jugend ■— wie das oft schon in den Jahren der relativen äußeren Ruhe und inneren Saturiertheit der Fall war — mit dem leeren Gefühl der Ueberlegenheit und dem stillen Uebernehmen der von ihren Vätern einst erkämpften Lebens- und Weltanschauung begnügen sollte. Daran würde auch ein tägliches „Lernen" nichts ändern. Darum statt — noch so wohlwollender —• Kritik: eine Tat. Versuche man auf der Seite der thoratreuen Judenheit eine gleiche Auflockerung, und spreche zu den heute empfangsbereiten Gemütern des eigenen Lagers in neuer, vertiefender, befreiender Form unsere alte jüdische Sprache. Versuche man eine „Bildung" im besten Sinne, damit; keine Erstarrung Platz greift. Sonst., könnte es eines r Tages sich ereignen, 'daß :diejenigen, die heute auf dem „We£e zurück'"'sind, ein viel''innigeres, tieferes Verhältnis zu den. Urquellen unseres Judeseins und;zu den letzten Glaubensrealitäten unserer Lehre haben, als wir,, die wir dann nur auf ' einem anderen' Standort stehen. Man stelle sich vor Augen, mit welchem Ernst in dem neuen Kreis um Buber, um die Einheit der Bibel und um ihren stündlichen direkten Gültigkeitsanspruch an den Juden, gerungen wird; man vergegenwärtige sich, wie \ dort für eine wirklichkeitstreue' und gegenwartsnahe Betrachtung der jüdischen Geschichte gewirkt wircj. Dann sage man sich, wie bitter nötig ein gleiches Aufrütteln für viele: u n s-e r e r . Menschen ist. Zum eigenen Hand «In in dieser Richtung nehme man sich ein Vorbild an der Aufgeschlos^ senheit der zurückkehrenden Kreise, an der Ehr- . lichkeit des Ringen-Wollens um den Besitz-; einer 'vsYe ¥s 3ti;:'erkämpfgh?4cjiV?- fundierten5 jüdischen •Haltung. .^sV'wenriiüetWÜ)^. zu diesem Handeln da ist, wird es an der Zeit sein, noch ein Wort über das „Unter-sich-sein-Wollen" zu sagen. Wenn nun junge Menschen aus unserem Kreise dem Unternehmen der „Mittelstelle" nicht ferngeblieben sind, sondern sich an den Schulungskursen beteiligen, so ist dazu folgendes zu sagen: 1. Sie sitzen weder „als Schüler zu Füßen der neuen Propheten", da sie sehr wohl wissen, daß das altjüdische „Lernen" im engeren und weiteren Sinn den Kern ihrer Fortbildung ausmacht; no^ch will Büber und sein Kreis Prophetensteile vertreten. Es ist während der Lehnitzer Tagung von verschiedenen Seiten und am Schlüsse der Tagung gerade von gesetzestreuer Seite ausgesprochen worden, daß es nicht der Sinn der Tagung sein kann oder darf, daß nun alle Teilnehmer oder einige von ihnen als „Büber-Jünger" nach Hause gehen. Die Teilnehmer sollen lediglich die dort empfangenen — sehr reichhaltigen — Anregungen für, ihre eigene feste Weltanschauung fruchtbar zu machen versuchen. Und Buber selbst will noch heute als Ringender verstanden sein. (Uns scheint ja in dem ewigen Ringen-Können und Ringen- Müssen das Geheimnis eines lebendigen Judentums auch der streng thoratreuen Kreise zu liegen.) 2. Die prozentual starke Teilnahme gesetzestreuer Lehrer hat — wie man ohne Uebertreibung sagen .darf — das äußere Bild der Tagung sehr stark beeinflußt. Es ist fernerhin dadurch vie.-en Teilnehmern anderer Richtung zum ersten Male klar geworden, und in der äußeren und inneren Haltung vorgestellt worden, daß, es noch ein Judentum gibt, das über die von Buber geforderte G'ttgläubigkeit mit allen ihren Auswirkungen noch hinausgeht mit" ihrer Forderurig an die tägliche, Lebensform. Die teilweise recht fernstehenden Teilnehmer haben gesehen, daß es unter denen, die man oftmals um ihrer „orthodoxen Dogmatik" willen einfach übergehen zu können glaubte,, ringende Menschen sinH. Sie haben diese Gesetzestreuen sehen gelernt, sie haben gelegentlich auch ihr festes Einstehen für jüdisches Gesetz und seine Norm kennen gelernt und — sie haben gehört, daß selbst führende Teilnehmer in dem „Noch-nicht-restlos-Erfüllen" des „Gesetzes" ein entscheidendes Manko sehen. Aus dieser Einstellung heraus fand man ein neues Verstehen für die von gesetzestreuer Seite geäußerte Forderung, daß nur der wirklich traditionstreue Jude ein wahrer „Religionslehrer" sein könne. Dies alles gibt erneut die Verpflichtung, auch dort verstehen zu wollen, wo man nicht mithandeln zu können glaubt- Eine Berufung auf Rabbi Meir erscheint darum nicht angebracht, weil die heute gegebene zeitliche Situation eine andere zu sein scheint. * * * Nachbemerkung der Schriftleitung. Wir haben den vorstehenden Ausführungen eines Gesinnungsgenossen, der an einer Tagung der Mittelstelle für Erwachsenenbildung offenbar persönlich teilnahm, gerne Raum gegeben, müssen aber sagen, daß sie keineswegs geeignet scheinen, unsre Bedenken gegen die Beteiligung gesetzestreuer Kreise als Hörer zu erschüttern. Die Bestrebungen selbst, in deren Dienst Martin Buber seine markante Persönlichkeit stellt, verdienen — das haben wir deutlich genug zum Ausdruck gebracht — wärmste Sympathie und können der ungeheuren Mehrheit der deutschen Juden, der „erwachsenen"' Jugend vor allem, triebkräftige Anregung zu einem allmählichen Hineinwachsen ins Judentum gewähren.; In dieser ^Hinsicht fügt Herr Dr. Abraham Cohn . unsren früheren. Ausführungen nichts Neues hinzu, nur daß er durch unvollständiges Zitieren dieser unsrer Ausführungen den falschen A n s cJ(h e i n erweckt," als, seien wir dem wirklichen Werte der Buber'schen Aktion nicht yollkömmen gerecht geworden.: Die „Erwachsenenbüdung" und das thoratreue

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