Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1934)
- Date
- 1934-09-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 36 D_e r 1 s t a e 1 i t 6. September' 1934 tigung auch mit anderen Gebieten der Erkenntnis als gestattet vorausgesetzt. Nur soll uns die Wissenschaft der min und die aus ihr zu schöpfende Erkenntnis das Hauptsächliche und das absolut Gegebene und Feststehende sein. Nur als Hilfswissenschaft, und nur insofern sie dem Studium der mir-Wissenschaft wahrhaft helfend dienen und sich als )>sü dem ip'y unterordnen, sollen auch sie gepflegt Werden. Die min aber und die in ihr gegebenen Wahrheiten seien überall und immer das unbedingt Gegebene und bilden den Maßstab für alle auf anderem Wissensgebiete zu schöpfenden Ergebnisse. Nur das den Wahrheiten der min Gemäße sei für uns wahr. All unser geistiges Aufnehmen und Schaffen bewege sich immer auf dem Standpunkte der min und i.i den von ihren Doktrinen gewiesenen Bahnen, so daß wir nur das an- und aufnehmen, was ihnen adäquat ist, und nichts Fremdartiges, aus anderen Voraussetzungen Erwachsenes, in unsere aus der min zu schöpfende Wissenschaft hineinmischen. Nicht paritätisch sollen wir die min-Wissenschaft anderen Wissensgebieten nur beiordnen, daß uns die mm nur auch eine Wissenschaft in der Zahl aller anderen Wissenschaften wäre, es für uns eine jüdische Wissenschaft, eine jüdische Wahrheit, ebenso aber auch und in gleicher Bedeutung und Autorität nichtjüdische Wissenschaften, nichtjüdische Wahrheiten gäbe, wir, nachdem wir die jüdische erschöpfend in uns aufgenommen glauben, auch im gleichen Sinne uns zur Aneignung der nichtjüdischen wendeten, und so Wissenschaft neben Wissenschaft, Wahrheiten neben Wahrheiten in Geist und Gemüt zu einander "beiordnend gesellten, und so ganz sicherlich, jeder einheitlichen Ueberzeugung und Anschauung bar, in zwiespältigem Wissen und Meinen geistig und sittlich zu Grunde gingen. Vielmehr, so gewiß die min G'ttes ist, alle andere bei Menschen gefundene Wissenschaft und Weisheit nur menschliches Erzeugnis sind und nur von der und nach der beschränkten Menscheneinsicht in die Natur der Dinge gefundene und gefolgerte Resultate enthalten: so gewiß kann es für uns nur e i n e maßgebende Wissenschaft und Wahrheit geben, der gegenüber alle anderen nur bedingte Geltung haben und nur von ihr aus von uns zu würdigen sind, so daß wir auch bei der Beschäftigung mit anderen Wissensgebieten nie den Boden und die Ziele der min verlassen, denen allein alle unsere Geistesarbeit geweiht sein soll und von denen pina it)3>!> >rpi H'K- . . Man beachte zunächst die echt talmudische, jeder Ausdrücksnuance klassischer Quellen gerecht werdende D'öDn'rtflöK'mit der Rabb. Hirsch hier das nbsü DUMD ^Nl Ip^V DWVT) betont, p^a ist, muß man schon sagen. Nur Oberflächlichkeit kann behaupten, der y>T\ wolle mit seiner Lehre alle und jede allgemein-wissenschaftliche Betätigung aus den Hallen des Judentums verweisen. Im Gegenteil. Indem er sie als b^QO/ als der min untergeordnete Hilfswissenschaften zuläßt, legitimiert er sie als solche zugleich und weckt zugleich in den Herzen der OT»Xö QTnNö die Zuversicht, daß es redlichem Wollen und ausreichender geistiger Energie möglich sein müsse, diese nbiyn mm*? nuasn als mmüi mnpn als wohlberechtigte, die „Schmackhaftigkeit und Bekömmlichkeit der Thora-Kost" erhöhende Kräfte in den Dienst harmonischer jüdischer Per-: sönlichkeitsbildung zu stellen. : Jedenfalls aber ergibt sich aus dieser Stelle mit größter Klarheit, daß für S. R. Hirsch die über die n oiwe n d i g e B e r u f s b i 1 du n g und L e b e n s e r t ü c h t'i g u n.g hinausgehendeBesc h ä f t i g u ri g m i t d e r W i ssenschaft fi'a lachisch nur unter solchen Bedingungen als erlaubt gilt," die eine völlige Ein- und Unterordnung aller außerjüdischen Wiss'enselemente in 4as beherrschende Lebenselement der Thora gewährleisten oder mindestens als im hohen Grade wahrscheinlich erscheinen lassen. Für die Beurteilung dieser Wahrscheinlichkeit oder gar Möglichkeit muß — wie in allen halachischen Situationen —: die normale, anThorakun.de,; pädagogin scher Einsicht und geschichtlicher Erfahrung gereifte Erkenntnis jeder Zeit und ihrer berufenen Fü b,.r e r maßgebend sein. - Hierbei werden zeitgeschichtliche, örtliche, persönliche Bedingungen und Voraussetzungen ebenso gewissenhaft in die Urteilsbildung aufzunehmen sein Wie eine vernünftige Vorausschau künftiger Entwicklungen und individuelle Rücksichten. Es ist^ aber diese an die Lehre des .O^fD geknüpfte entschiedene Ablehnung jeder paritätischen Nebeneinanderordnung, jeder Gleichwertung allgemein-wissenschaftlicher und jüdischreligiöser Bildungsstoffe, für Rabb. Hirsch nicht erst ein Ergebnis späterer Erwägung und Besinnung, sondern sie liegt schon dem systematischen Bildungsprogramm zugrunde, das der Dreißigjährige in-.dem großen vierundachtzigsten •Erziehungskapitel seines „Ghaurew" yeörffentlichte. So wie die Tauröh, wird dort ausgeführt, den Juden in den Anblick des H i m m e 1 s u n d der Erde und in den Anblick der Menschh e i t s g e: s c h i c h te hinstellt und aus beiden die Größe G'ttes und die Nichtigkeit alles auf sich selbst gestellten Menschenwirkens erkennen lehrt, mußt auch Du Dein Kind in Natur und Geschichte einführen, auf daß es um so mehr seinen Isroelberuf erkennen und lieben lerne. Dies .ergibt innerhalb des Bildungsprogramms als ,,Hilfszweige für Tauroh -Wiss e n", Naturkenntnis und Geschichts.- kenntnis, (wozu dann diejenigen Lehrfächer hinzukommen, die der „Erwerbs- und Selbständigkeits-Fähigkeit", also dem eigentlichen -p*7 dienen.) So entsteht folgender Lehrplan in § 553 des „Chaurew": „Wir hätten demnach allgemein als .Gegenstände des Unterrichts für Jisroels Jugend: 1. Hebräische Sprache, 2. Muttersprache ':— Deutsch — (gleichzeitig, aber'Trüh schon lebendig mit Sachkenntnis und Verstan'desentwicklung.);- ■ - :; 1 3. ' Taürbh, N'wiim und K'suwim (zuerst mehr in Rücksicht auf Sprache, dann im zweiten Kursus auf Inhalt, fürs Leben. Damit verbunden "als Hilfswissenschaften): 4. Natur- und Menschenkenntnis (Naturgeschichte, Naturlehre, Erdbeschreibung, aber mehr physisch als politisch, Selbstkenhtnis aus psychologischem und anthropologischem Wissen). 5. Geschichte (allgemeine Weltgeschichte, mehr zur Erkenntnis der Menschheits- und Menschtums-Entwicklung, als zur dem Leben fern biegenden Kenntnisder Dynastien usw. -Beides, . Natur- und;Geschichtslcenntnis, von Th'nach aus- gehend, ihm eng sich anschließend, vom Th'nachs- Geist durchdrungen, überall G'tt und Menschtum lehrend für Geist und Herz.) 6. Lebensweisheit (Pflichtenlehre) aus schriftlicher und mündlicher Lehre (aus Rambatn, Schulchon Oruch, womöglich Mischnoh und G'moro.) 7. Schreiben und Rechnen. - Wir haben den allgemeinen Weg für Knaben zu zeichnenversucht, derselbe bleibt für Mädchen. 1. 5 und 7 bleibt, nur vereinfacht; für 6 nur zusammenhängender Unterricht in den Pflichten ihres einstigen Lebens. Alles mehr aus dem Gesichtspunkt des häuslichen Lebens, was für Knaben aus dem Gesichtspunkt des Mensch-Jisroel- und Bürger-Lebens erfaßt wird. Ebenso geheit1 das Mädchenzu Handarbeit und Wirtschaftskenntnis über, wie der Knabe zum Broterwerb;" ' In diesem Programm, das zwar äußerlich ein reiner Lehrplan für den schul'mäßigen Unterricht ist, in Wirklichkeit aber zugleich das entscheidende Wort spricht für die prinzipielle Einstellung des Thoräjudentums zu allem wissenschaftlichen Erkenntnisstreben, kommt der jüdische Einheitsgedanke zu klarstem Ausdruck.! Aus G'tt stammt die Fülle der Ersc h einung s-? w e 1 t in Raum, Zeit und Kausalität,, an deren | Ergi'ündung das menschliche Denken sich in aller Wissenschaft versucht, aus G'tt stammt die T h ö r ä , nach deren Maßstäben 'a 11 ein das Volk der Thora sich denkend und handelnd in dieser Erscheinungswelt orientieren kann. Die Thora — im weitesten Sinne genommen — ist also für den Juden Voraussetzung und Maßstab aller Wissenschaft, neben ihr kann es nur | Hilfswissenschaften von relativem Werte geben, die zur Erkenntnis, des YDS auf dem Königsthrone saß. Der G'tt unserer Jugend ist auch der G'tt unseres Alters. Diese Tatsache kommt mit der angeführten sprachlichen Abweichung zum Ausdruck. 'nb'Ktf nnx' das eine, das ich einmal verlangt habe, damals, klein und hilflos, Ppax nniK es ist dies, was ich heute noch von dir, o G'tt, verlange und stets verlangen werde, nämlich, daß ich gewürdigt werde „im Hause G'ttes zu weilen alle Tage meines Lebens." d'»' -psV "\ iroa 'rnw- Kleines Feuilleton. ♦nnay onmö ns Das Neueste auf dem Gebiete des hebräischen Sprachunterrichtes sind die 6 doppelseitigen Schallplatten mit Gesprächen aus dem täglichen Leben in Erez Israel, herausgegeben von Oskar P 1 a w n e r nach dem Lehrbuch von Rabb. Dr. Emil Cohn, Berlin: „Neuhebräisch schnell gelernt." Der Preis des. ganzen Kursus in feiner Kassette mit 6 Lehrheften und einem Leseschieber beträgt Mk. 27.—. Die. Schallplatten gehören in die Sammlung „Praktikus-Platten" (Sperlings Phonothek) der Zentralstelle für das phonographische Unterrichtswesen Otto Sperling, Stuttgart-S. Die Notwendigkeit, die hebräische Sprache zu erlernen, ist in den letzten Jahren an viele herangetreten, insbesondere an die, welche sich'in Palästina eine neue Existenz aufbauen "wollen; Zahlreich sind die Neuerscheinungen der Bücher,;die diesem Bedürfnis genügen wollen, doch da das Buch sich naturgemäß nur an das Auge wenden kann und das Ohr, das wichtigste Organ für die mündliche Verständigung, ganz ausschaltet, so erwachsen dem ohne Hilfe eines erfahrenen Lehrers Lernenden viele Nachteile, die er sofort beim Betreten des Landes zu spüren bekommt: mangelhaftes Verstehen und Verstandenwerden, Hörfieber, Unsicherheit im Benehmen in der' Oeffentlichkeit usw. In Deutschland wird durch die in den Synagogen gebräuchliche aschkenasische Aussprache und Betonung die. Erlernung dersephardischen Aussprache,, die in Palästina üblich ist, sehr erschwert. Da war es ein glücklicher Gedanke der Firma Otto Sperling1 in Stuttgart; die auf dem Gebiet des-'phonographischen Unterrichtswesens eine langjährige Erfahrung besitzt, die. in dem. bekannten Dr. Cohn'schen. Lehrbuch enthaltenen Gespräche und andere dazu, alle das tägliche Leben in Palästina widerspiegelnd, auf Schallplatten aufnehmen zu lassen, wozu ihr drei gute Sprecher, zwei Herren und eine Dame, die das Neuhebräische seit ihrer Jugend sprechen, zur Verfügung standen. Die Sprechmaschine ' scheint sich mit diesen Platten iri einen Menschen mit Fleisch und Blut, zu verwandeln, so deutlich und naturwahr kommen die Laute heraus. Man braucht nur an der Unterhaltung der Sprecher teilzunehmen, ihnen immer' wieder und wieder zu lauschen und sie nachzusprechen, um sich einen großen Wortschatz anzueignen, der für die Verwendung im praktischen Leben bereit ist. Wir boren die Gespräche der Hausfrau beim Einkaufen, den Fremden bei Erkundigungen aller Art, auf der Post, Eisenbahn, ' im Hotel,'? beim'; Friseur, 'Schuhmacher usw. — kurz der Inhalt der Platten verbreitet , sichjj über das ganze Leben« wie es sich-, dem,Einwanderer .darbietet.; Das zu jeder Platte gehörige Textheft ist sinnreich angeordnet, so daß jedermann, auch ohne wesentliche Vorkenntnisse zu besitzen, sich in die Sprache einarbeiten kann. Großen Vorteil werden die haben, die Wissen in der alten Literatur (Bibel, Mischna, Gemara) mitbringen; sie werden die moderne lebendige Sprache mit der Schallplatte rasch erfassen. Dieser Kursus kommt zur rechten Zeit; wir. können ihn allen denen sehr empfehlen, die sich rasch einen guten Worfschatz zur geläufigen Verwendung in Palästina sowie ein gutes Sprachgehörsver mögen < erwerben wollen. Jeder Leiter von hebräischen Sprachkursen wird, .sie mit größtem Nutzen in seinem Unterricht verwenden. Sie lassen sich auf jedem Sprechapparat wiedergeben. (Den Vertrieb für Frankfurt hat Herr M. Hochschild, Backerweg 32, 1.) Wochenkalender. Vom .8^'— 15. Sep^. 1934 / Vom 28. Elul bis 6. Tischr 5695 '»1» 5p Samstag '8 ViVk 28 pWTPp 1 Sonntag 9 29 T Montag 10 »itwi . <1 n ■ Dienstag Qoni" 11 2 ü Mittwoch oepi* 12 3 ■> Donnerstag 13 ,4 »">'" Freitag Ü 5 -!; " -' j Samstag 15 6 J? a-oxi . .rava b?ri iyt *8;bv napn #m /a Di» nas»n'\s>k"> ...^'•K'-jP^1 üXÜ'i ■ i I : . nwfe naw;fk ,