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Der Israelit · 1934-08-30 · Heft 35 (30.8.1934) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 35 (30.8.1934)
Date
1934-08-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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30.. August 1934 Der Israelit Nr. 35 Seite 13 Fahrt unter Berücksichtigung der Feiertage zeigten die Schiffsgesellschaften, besonders der L I o y d Trie.stino, weitgehendes Entgegenkommen. Litauen. Immer wieder judenfeindliche Ausschreitungen in Litauen. Kowno, 24. August. In der litauischen Ortschaft Kurschany ist es, laut Bericht der litauischen Telegraphen-Agentur, zu schweren jude nie i h d 1 i c h e n Ausschreitungen gekommen, die in ihrer Art an die Vorfälle in Schaulen erinnern. In der Nacht zum 24. August ging ein Trupp jugendlicher Litauer gegen das Gemeinschaftshaus der Zionisten in Kurschany vor und warf mit Steinen die Fenster des Gebäudes ein. Der Umfang der Kundgebung ist darauf ersichtlich, daß die örtlichen Behörden polizeiliche Hilfe aus dem über 20 Kilometer entfernten Schaulen anforderten. Der litauische Innenminister hat angeordnet, daß gegen alle Ruhestörer, welcher Seite sie auch angehören mögen, auf das strengste vorgegangen wird. Wie dem Hauptbüro der Jewish Telegraphic Agency von führender jüdischer Seite in Kowno telephonisch mitgeteilt wird, ist die Ordnung in Kurschany wieder hergestellt. Einer jüdischen Delegation, die im Zusammenhang mit den Unruhen bei der Zentralregierung in Kowno vorsprach, wurde erklärt, daß strenge Maßnahmen im ganzen Lande ergriffen werden würden.' In Kurschany wurde ein Chaluz schwer verwundet. In Schaulen ist die Lage noch immer gespannt, so daß die Juden aus Furcht am Abend die Häuser nicht verlassen. Es wird auch über judenfeindliche Ausschreitungen in R a s s e i n und Poniwiecz gemeldet. Der Antisemitismus und seine Entladung. Kowno, 25. August. In Schaulen ist es' abermals zu Ueberfällen auf Chaluzim gekommen. Diesmal wurde auf das Lokal des „Allgemeinen Hechaluz" eine Attacke versucht, die aber von herbeigeeilter Polizei verhindert wurde. Der Kreishauptmann von Schaulen versicherte einer bei ihm erschienenen jüdischen Abordnung, daß er alle Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnnug ergriffen hat. Diese Mitteilung wirkte beruhigend. Die verletzten Chaluzim haben Anzeige erstattet und fordern Untersuchung. Die Nummern der Kownoer jiddischen Tageszeitungen „Unser Moment" und „Das Wort", in denen Berichte über die antisemitischen Exzesse in Schaulen enthalten waren, sind konfisziert worden. Beide Zeitungen hatten übereinstimmend gemeldet, daß von dem Verband der litauischen Jugend ein Pogrom organisiert worden war; gegen alle zionistischen Jugendklubs, unter ihnen den Makkabi, den Verband der Allgemeinen Zionistischen Jugend, Hechaluz und Bethar, waren gleichzeitig Ueberfälle verübt worden. In den Kämpfen wurden von Messern Gebrauch gemacht. Einige der Ueberfallenen sprangen aus dem Fenster. Auch im Stadtpark wurden jüdische Jugendliche angegriffen und mißhandelt. Ein Jugendlicher namens Rubinstein soll tödlich verletzt worden sein. Die Pogromstimmurig in Schaulen dauere an. Das „Wort" hatte gegen die Regierung den Vorwurf erhoben, daß sie zum Teil an diesen Vorfällen mit Schuld sei, da sie die in letzter Zeit geführte antisemitische Hetze geduldet habe. Abordnung des Orthodoxen Rabbiner-Verbandes beim Unterrichtsminister. Kowno, 21. August. Eine Abordnung des Orthodoxen Rabbiner-Verbandes Litauens und der Jawneh-Zentrale wurde vom litauischen Minister für Kultur und Unterricht empfangen. Die Abordnung informierte den Minister über die Wünsche und Forderungen des religiösen Judentums Litauens in Bezug auf kulturelle und Erziehungsangelegenheiten. Der Unterrichtsminister bekundete für die Darlegungen der Abordnung lebhaftes Interesse und sagte ernsthafte Prüfung und weitgehende Berücksichtigung der in. einer Denkschrift niedergelegten Forderungen zu. DlC Woche- Berlin. Der Landesverband Berlin des Bunde's Deutsch-jüdischer Jugend veranstaltete am 26. August auf dem Sportplatze : der Berliner Gemeinde im Grunewald sein erstes Bundessportfest. — Nach einem Erlaß des Preußischen Kultusministers ist die staatliche Anerkennung als Volkspfleger (bisher Wohlfahrtspfleger) Personen nichtarischer Abstammung künftig nicht mehr zu erteilen. — Der Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau macht wiederholt darauf aufmerksam, daß sämtliche berechtigten Werber des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau im Besitze eines von der Organisation unterschriebenen Lichtbild- Ausweises sind. Es wird daher gebeten, sich jeweils die Legitimation vorlegen zu lassen. Darmstadt, Nach einem Berichte der Groß- Gerauer „Heimatzeitung" sind in einer der letzten Nächte unbekannte Personen in die Synagoge von Groß-Gerau . eingebrochen, haben viele Gegenstände demoliert und viele andere entwendet. Für die Ergreifung der Täter ist eine Belohnung ausgesetzt worden. Breslau. Dem Kaufmann Albert Rosenthal und dem Verwaltungsdirektor der Breslauer Jüd. Gem., Dr. Ernst R e c h n i t z , die als Verfasser bezw. verantwortlicher Redakteur eines in der August-Nummer des Breslauer Gemeindeblattes erschienenen Artikels vom Sondergericht Breslau am 14. November 1933 zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis verurteilt worden waren, sind auf Grund der von der Reichsregierung erlassenen Amnestie der Rest ihrer Strafen im Gnadenwege erlassen worden. Warschau. Am 26. August wurde in Warschau die zionistische Landeskonferenz für Kongreßpolen eröffnet. Belgrad. Im Gemeinderat von Belgrad, der fünfzig Personen zählt, sitzen fünf Juden, unter ihnen der Präsident der Aschkenasischen jüdischen Gemeinde, Dr. Friedrich Popst. Der Gemeinderat wird vom Minister des Innern ernannt. Riga. An 900 jüdische Freiheitskämpfer Lettlands wird ein Ehrengeschenk von je 500 Dollar überwiesen werden, als Entschädigung für den Grund und Boden, der ihnen, wie allen anderen Frontkämpfern, zukäme, aber der Regierung nicht in genügendem Maße zur Verfügung steht. Rom. Zum Leiter des Wissenschaftlich Kriminologischen Institutes in Rom wurde Professor F a 1 c o von der Universität Neapel, ein Jude, berufen, sein Vorgänger, Professor Ottolenghi, war ebenfalls Jude. — Zwei i t a 1 i e n i s c h e F 1 i eg e r sind nach Jerusalem und T e I A w i w abgeflogen, um Palästina aus Anlaß der Levantemesse in Bari zu grüßen und dem Bürgermeister von Tel Awiw die Einladung ztu; Beteiligung an der Messe in Bari zu überbringen. Jerusalem. Der indische Dichterphilosoph Rabindranath T a g o r e kommt Anfang Sept. nach Palästina und wird an der Hebn Universität einige Vorlesungen halten. — Die Tageszeitung „El Dachamea el Arabia", das Organ des Großmufti, ist verboten worden, weil sie einen Aufruf des bekannten Araberführers Dschemal Husseini veröffentlicht hat, in dem die arabische Jugend aufgefordert wurde, trotz des Verbots des High Commissioner die Bewachung der Küste zur Verhinderung illegaler jüdischer Einwanderung fortzusetzen. — Wie mitgeteilt, sind im Gefängnis von Bethlehem 32 jüdische Frauen aus Polen untergebracht, denen „illegale Einwanderung" vorgeworfen wird. Die Palästina- Regierung erklärt nun, die Frauen zu befreien, wenn sie sich verpflichten, unverzüglich das Land zu veralssen. Simia (Indien). Auf einer in Simla abgehaltenen Konferenz indischer Mohammedaner wurde eine Protestresolution gegen die jüdische Einwanderung nach Palästina abgefaßt und an die englische Mandatarmacht abgeschickt. Eine Delegation der' indischen Mohammedaner begab sich zürn High Commissioner nach Jerusalem. Rußland. Antireligiöse Kampagne in Sowjetrußland anläßlich der bevorstehenden hohen jüdischen Feiertage. Moskau, 21. August. Anläßlich der bevorstehenden hohen jüdischen Feiertage hat in der Presse die um diese Zeit übliche heftige antireligiöse Kampagne eingesetzt. Bemerkenswert ist diesmal die Forderung, daß in dem „autonomen jüdischen Gebiet" niemals eine Synagoge, ein Beth Harnidrasch oder ein Cheder errichtet werden dürfe. In der Sowjetunion müßten die Wurzeln der Religion zum Verdorren gebracht werden. Frankreich. Wachsende antisemitische Propaganda in Tunis. Paris, 22. August. Angesichts der in letzter Zeit verstärkten antisemitischen Propaganda wurden in zahlreichen Städten in Tunis besondere polizeiliche und militärische Vorkehrungen zur Verhütung etwaiger Ausschreitungen getroffen. Die jüdische Bevölkerung ist in vielen Ortschaften von einer Panik erfaßt, da man mit der Möglichkeit ähnlicher Exzesse rechnet, wie sie sich vor kurzem in Algerien ereignet haben. Die gespannte Lage verschärft sich zusehends. In Paris hat eine Massen-Protestversammlung gegen das Verhalten der Behörden anläßlich der jüngsten judenfeindlichen Exzesse in Algerien stattgefunden. In den Ansprachen wurde die Regierung aufgefordert, mitzuteilen, ob es wahr sei, daß die Garnison von Constantine während der Unruhen in den Kasernen konsigniert blieb, weil das Constantiner Zuaven-Regiment den bedrängten Juden zu Hilfe kommen wollte. Ferner solle die Regierung bekanntgeben, warum die antisemitische Hetze zugelassen, militärische Hilfe nicht sofort in Anspruch genommen und eine Bestrafung der verantwortlichen Beamten nicht vorgenommen wurde. Schließlich wurde die Regierung gefragt, warum die Zensur die Nachrichten über die Ausschreitungen zurückgehalten hat. Das Märchen von der jüdischen Provokation in der Moschee von Constantine. Paris, 23. August. In einem am 23. August in Paris eingetroffenen offiziellen Bericht des jüdischen Konsistoriums aus Constantine wird es mit aller Entschiedenheit in Abrede gestellt, daß, wie es in Zeitungsmeldungen über die Unruhen in Constantine hieß, ein jüdischer Soldat sich in der dortigen Moschee in einer die religiösen Gefühle der Mohammedaner verletzenden Weise betragen und damit die Unruhen provoziert hat. Es wird festgestellt, daß es sich um einen wohlvorbereiteten Plan zur Plünderung des jüdischen Viertels gehandelt hat. Gegen die Behörden werden schwere Vorwürfe wegen ihrer Duldung der Vorbereitungen zu diesen Ausschreitungen erhoben. Inzwischen wird aus Algerien berichtet, daß die in den letzten Tagen häufigen kleineren Zusammenstöße zwischen Juden und Arabern in B o n e nunmehr ernsteren Charakter angenommen und zu verschärften Polizeimaßnahmen geführt haben. Die Atmosphäre sei äußerst gespannt. In der jüdischen Presse von Tunis werden ebenfalls scharfe Angriffe gegen die Behörden von Algier gerichtet, deren sorglose und nachsichtige Haltung die Ausschreitungen ermöglicht habe. In einer von 2000 Personen besuchten Versammlung in Paris würde der Rücktritt des Gouverneurs Jules Carde und des Bürgermeisters von Constantine Morineau gefordert, der schon anläßlich des Dreyfuß-Prozesses seine antisemitische Gesinnung bekundet haben soll. England. Die Araber von Judäa. London, 20. August, Die „Times" hatte in ihrer Ausgabe vom 12. August einen aufsehenerregenden Artikel über die Araber von Judäa gebracht, der Wasser auf die Mühlen der pro-arabischen judenfeindlichen Kreise leitete. Nun veröffentlicht Norman Bentwich in einer längeren Zuschrift an die „Times" eine eingehende Wider-

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