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Der Israelit · 1934-08-30 · Heft 35 (30.8.1934) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 35 (30.8.1934)
Date
1934-08-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Nr. 35 Der Israelit 30. August 1934 Korrespondenzen. Deutsches Reich. Zum Semesterwechsel an der Frankfurter Jeschiwa. Frankfurt a. M., 28. Aug. Vom Kuratorium der Frankfurter Jeschiwa wird uns geschrieben: In dem zu Ende gehenden Sommersemester wurde unsere Jeschiwa von 86 Hörern aus Deutschland besucht. Organisation und Lehrplan trugen den Zeitverhältnissen in jeder Hinsicht Rechnung. Die Jeschiwa hat sich im vollen Bewußtsein der von ihr zu lösenden Aufgaben in den Prozeß der Berufsumschichtung der deutschen Jugend eingeschaltet: Sie gewährt ihren Hörern die so dringend gebotene geistige Hachschara. Das Wintersemester beginnt am 10. Oktober. Anmeldungen sind unverzüglich an den Rektor Rabbiner Dr. Breuer, Theobaldstraße 2, zu richten. Nichtarische oder mit Nichtarierinnen verheiratete Beamte von der Beförderung ausgeschlossen. Berlin, 26. August. Wie die Tagespresse mitteilt, weist der Reichsminister des Innern in einem Erlaß darauf hin, daß gewisse Kategorien von Beamten vorläufig von einer Beförderung ausgeschlossen bleiben müssen. Hierzu gehören jene Beamte, die nicht rein arischer Abstammung oder die mit einer Frau nichtarischer Abstammung verheiratet sind. Der Reichsminister macht für die Berücksichtigung in Einzelfällen einen Vorbehalt. Unter Beförderung ist nicht nur der Aufstieg von einer Besoldungsgruppe in eine höhere, sondern auch jede Heraushebung eines Beamten aus seiner Gruppe zu verstehen. Nach der Anweisung des Reichsinnenministers erhalten diese Grundsätze nicht nur für die Reichsbeamten, sondern auch für die Länderbeamten und Lehrer und für die Gemeindebamten und Beamten der Körperschaften des öffentlichen Rechts Geltung. Schweiz. Dr. Victor Jacobson gestorben. Bern, 23. Auugst. Der Vertreter der Exekutive der Jewish Agency beim Völkerbund, Dr. Victor Jacobson, ist in Bern, wo er zu vorübergehendem Aufenthalt eingetroffen war, im Alter von 65 Jahren plötzlich gestorben. Dr. Jacobson, zum engeren Kreise Herzls zählend, gehörte viele Jahre lang dem Engeren Aktions- Komitee (Zionistische Exekutive) an. Er war Leiter der Beiruter Filiale der Anglo Palestina Company und politischer Vertreter der Zionistischen Organisation in Konstantinopel. Auch andere Vertrauensposten der zionistischen Organisation lagen in seiner Hand. Die jüdischen Minderheiten bleiben dem bevorstehenden Minoritätenkongreß fern. Genf, 26. August. Auf eine Anfrage wird dem Genfer ITA-Vertreter, vom Präsidium des Comite des Delegations Juives mitgeteilt, daß die jüdischen Minderheiten beschlossen haben, sich an dem diesjährigen Minoritäten-Kongreß, der Anfang September in Bern stattfindet, nicht zubeteiligen. Die jüdischen Minderheiten verlangen als Vorbedingung für ihre weitere Mitarbeit am Minoritäten-Kongreß eine eindeutige Stellungnahme dieser Körperschaft zu Gunsten der praktischen Durchführung der staatsbürgerlichen Gleichstellung der Juden in allen Ländern. Die Besprechungen zwischen den Vertretern der jüdischen Minderheiten und dem Vorsitzenden des Minoritäten-Kongresses, Dr. W i 1 f a n , über eine die Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez JisroeL » (Nach Palnews.) Tel A w i w. Die palästinensische Hypothekenbank (General Mortgage Bank of Palestine Ltd.) emittiert soeben öprozentige neue Pfandbriefe mit 20jähriger Laufzeit, die den Pfandbriefumlauf von rund 600.000 auf rund 900.000 Lst. erhöhen. Der Hypothekenbestand belief sich am 1. Juli d. J. auf 600.000 Lst. Jerusalem. Die Regierungseinnahmen im ersten Vierteljahr (April bis Juni) belaufen sich auf Lst. 1.132.000, d. h. auf annähernd ein Drittel des Voranschlages für das Gesamtjahr. Während die Einnahmen des ersten Quartals den Voranschlag mit 32% Prozent überschreiten, bleiben die Ausgaben mit 21 Proz. hinter dem Voranschlag zurück. Rechoboth. Die Vorbereitungen für die reibungslose Abwicklung der Orangen Verschiffung in der nächsten Saison sind im vollen Gange: Errichtung neuer Lagerhäuser und Erweiterung der Eisenbahnlagerschuppen. Das Zukunftsproblem der kommenden Jahre, das in der Schaffung eines Exportapparates für 10—20 Millionen Kisten besteht, bleibt noch zu lösen. Tel A w i w. Das größte Wasserbohrunternehmen des Landes, die Continental- Steel Trading u. Co. Ltd., hat jetzt 6 vollbeschäftigte Bohrapparate in Betrieb und ist an vier verschiedenen Stellen, darunter auch Scheich-Abreck, auf Wasser gestoßen. Es gelang hier durch die besonderen Bohrmethoden des Unternehmens die sehr verworfenen geologischen Formationen zu durchbohren. In Jakneam arbeitet die Ge- , sellschaft-zur Zeit in drei Schichten. E k r o n. Die Siedler-Versammlung genehmigte einem polnischen Industriellen die Errichtung einer Fabrik für Butter, Käse und sonstige Milchverarbeitungsprodukte mit einer Investition von Lst. 2000. Die Kolonie liefert die gesamte Milch zu Tnuwa-Preisen abzüglich Transportkosten nach Tel Awiw an die neue Fabrik. Haifa. Die vor einem Jahre in den Cardanie-Quellen begonnenen Fischzuchtversuche in künstlichem Becken entwickeln sich günstig. Die Teiche, die bis jetzt 140 Dunam einehmen, werden erweitert. Die Fische begegnen guter Nachfrage. R i s c h o n L ' Z i o n. Anfangs August werden die ersten Erzeugnisse der Glasfabrik (Geschirre aus weißem Glas) zum Verkauf gestellt. R a m a t - G.a n, Anfangs des Monats brachten die Meshi Silk Mills die ersten Seidenstoffe auf den Markt, die noch in Amerika appretiert wurden. Nach Fertigstellung der eigenen Färberei und Appraturanstalt erfolgt die Appretur im eigenen Betrieb. Die Preise der Stoffe, die aus reiner Naturseide hergestellt sind, liegen .weit unter denen europäischer Seiden und konkurrieren im Preise sogar mit japanischer Seide, die qualitativ aber weit übertroffen wird. Kairo. Die ägyptische Regierung forciert den Export von Zucker nach Palästina durch Unterstützung. Der palästinensische Zuckerverbrauch von .16.000 Tonnen im vorigen Jahre, könnte die Grundlage für eine rentable Zuckerfabrikation i m Lande bilden und würde den Anbau von Zuckerrohr ermöglichen. Leider hat sich die Regierung bisher, offenbar im Hinblick auf die internationale Zuckerkonvention, ablehnend verhallen. Tel Awiw. Die Weinpflanzungsschulen Teleki in Ungarn errichten am 1. November eine Tochtergesellschaft in Palästina unter Leitung des Agronomen Ettinger in Tel Awiw. Die Gesellschaft wird die Winzer Palästinas und der Nachbarländer mit Setzlingen erster Qualität aus den Teleki-Pflanzschulen in Ungarn, Italien und Jugoslavien versorgen. Rechoboth. Hier wird eine pharmazeutische Fabrik Tamar mit etwa 20 Arbeitern eröffnet werden. Tel Awiw. Der Milchabsatz der T n u w a ist von 7 Millionen Liter auf 9 Millionen im letzten Jahre gestiegen. Noch immer wird jedoch der Butterbedarf des Landes zum weitaus größten Teil durch Auslandsbutter gedeckt. Die importierte Buttermenge von 900.000 Kilo entspricht einer Milchproduktion von über 20.000 Liter Milch, von der über 2000 neue Wirtschaften gut existieren könnten. Die Regierung läßt jedoch Butter und: Sahne. ,zu Dumpingpreisen,, impprtier,en. jüdischen Minderheiten befriedigende Erklärung des Kongresses haben bisher zu einer Einigung noch^ nicht geführt. Die jüdischen Minderheiten erachten es als die selbstverständliche Pflicht des zum Schutze aller Minderheiten geschaffenen Kongresses, gegen jede Rechtsminderung, die irgend eine jüdische Gruppe betrifft, den Grundsätzen des Minderheitenrechts entsprechend Verwahrung einzulegen. Polen. Der Radsiniiner Rebbe V ST» Warschau, 27. August. Am Montag ist in Otwozk, wo er sich zur Kur aufhielt, der Radsiminer Rebbe, Rabbi Ahron. Menachem Mendel Gutermann, im Alter von 74 Jahren nach kurzem Leiden verschieden. Der „Radsiminer" gehörte zu den populärsten Chassidimführern in Polen. Viele tausende Anhänger schauten zu ihrem Rabbi, der auch als großer Gelehrter in Talmud und Kabälah galt, in größter Verehrung hinauL Lange Jahre bekleidete er das Amt des Nossi der mn "HEIIP in Polen und verwaltete den Kolel des „Rabbi Meir Baal Haneß". Seine, letzten Jahre füllte der Kampf um den heiligen Sabbat aus, und man konnte den Greis je am Freitag gegen Abend durch die Verkehrsstraßen gehen sehen und beobachten, wie er auf die Geschäftsleute und Arbeiter väterlich mahnend einredete, daß sie rechtzeitig ihre Arbeit niederlegen. Der Heimgegangene kam in Warschau zur letzten Ruhe. Ueber 20.000 Menschen gaben ihm das letzte Geleite. Er fand sein Ehrengrab an der Seite seines 'berühmten Großvaters, der in der Geschichte des Chassidismus ein ruhmvolles Kapitel ausmacht. Der Rabbi ging kinderlos dahin und wird als sein Nachfolger sein Schwestersohn der „Wischkower Rabbi" genannt. y">l* Eine Registratur der Wasserschäden in Polen, Warschau, 28. August. Aus den jüdischen Gemeinden in Neu- und Altsandez und einer Reihe umliegender Städtchen und Dörfer geht uns ein ausführlicher Bericht, zu, aus dem hervorgeht, daß in diesem Gebiete rund 500 jüdische Familien von der Katastrophe betroffen wurden. Der Schaden beläuft sich dort auf 850.000 Zloty, Besonders schwer heimgesucht wurden die Handwerker und jüdischen Landwirte, die Brot und Obdach verloren haben, da die Werkstätten verwüstet und der Ackerboden in eine Steinwüste verwandelt ist. In Neu-Sandez sind jüdischer Friedhof und Spital zum großen Teile verwüstet. Zum Wiederaufbau wird die Auslandshilfe unentbehrlich sein. In der Gegend von R z e s z o w haben in 25 jüdischen Niederlassungen 119 jüdische Familien einen. Gesamtschaden von 96.000 Zloty erlitten. Ein jüdisches Hilfskomitee in Rzeszow ist eifrig an der Arbeit, den Meistbetroffenen Hilfe zu leisten. Aus anderen Gebieten kommen ähnliche Berichte, Viele jüdische Opfer, so heißt es in den Berichten, seien dem Hungertode preisgegeben, wenn nicht bald Hilfe kommt. . 2000 Olim rüsten sich zur Palästinareise. W a r s c h a u , 27. August. Die Alijah aus Polen hat sich in den letzten Monaten und Wochen wesentlich verstärkt. Am Montag fuhren mit Extrazug nach dem Hafen in K o n - s t a n z a , Rumänien, 600 Olim ab. 350 stammten aus Warschau, die anderen aus verschiedenen Gegenden Galiziens und Randpolens. Uebernächste Woche begeben sich weitere 2500 Juden auf den Weg nach Erez Israel. Alle Vorbereitungen sind bis ins Einzelste getroffen, besonders ist auch dafür gesorgt, daß" die Auswanderer nicht an den Feiertagen sich ein- oder ausschiffen müssen. Die „Polonia" landet mit 600 Passagieren am Sonntag, dem Rüstetag vonRosch Haschonoh, vor Jaffa, so, daß die Einwanderer schon das erste hohe Fest in Tel Awiw oder Jerusalem verleben können. Die „Carnaro" fährt in Triest mit mehreren hundert Olim am Rüstetag zu Jom Kippur ab und ist Vorsorge gteroffen", den heiligen Tag auf dem Dampfer nach allen Vorschriften der. Religion zu halten. Bei der Vorbereitung und Regelung der

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