Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1934)
- Date
- 1934-08-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 35 Der Israelit 30. August 1934 legung jener Darstellung. Er weist daraufhin, daß die Juden heute in Palästina nur ein Fünftel der Ebene Jisreel und der Küstenebene besitzen und zwar Gebiete, die vor 50 Jahren noch Sandwüsten und von Malaria verseuchte Sümpfe waren, während der Rest den Arabern gehört. Der arabische Fellache leide wirtschaftlich am meisten durch den arabischen Ef fendi, der den Bauern Wucherzinsen abnimmt. Das Vorbild der jüdischen Genossenschaften könne den Fellachen lehren, wie er sich von dieser Ausbeutung durch seine reichen Stammesgenossen befreien kann Das Pächterschutzgesetz verhindere jedwede Verdrängung arabischer Bauern durch jüdische Einwanderer. Die arabische Bevölkerung in Palästina hat sich in den letzten 10 Jahren um 200.000 Seelen vermehrt, die jüdische nur um 100.000. Das vitalste Interesse der Araber v/ürde ein enges Zusammenarbeiten mit den Juden bedingen, die den Fellachen lehren könnten, sich durch intensive Bodenbewirtschaftung zum dauernden Wohlstand emporzuschwingen. Das Wahlrecht bei den Stadtratswahlen in Palästina. London, 26. August. Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister hat einen Bericht des High Commissioner von Palästina Sir Arthur Wauchope über die Zahl der Wahlberechtigten bei den Stadtratswahlen in Palästina erhalten. In dem Bericht wird mitgeteilt, daß 20.325 Araber und 8585 Juden das Wahlrecht werden ausüben können. In dieser Aufstellung ist jedoch Tel Awiw nicht mit eingerechnet, da dort die Wahlen, wie der High Commissioner mitteilt, erst am 10. Januar 1935 stattfinden werden. In dem Bericht wird weiter hervorgehoben, daß ungeachtet der starken jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Jerusalem die Zahlen der jüdischen und der arabischen Wählen sich die Wage halten. 4362 arabischen stehen 4235 jüdische Wahlberechtigte gegenüber. Der Bericht des High Commissioner verdient im Hinblick darauf besonderes Interesse, daß die Vertretung der einzelnen Bevölkerungsteile im geplanten Legislative Council auf der Grundlage des Ergebnisses der Wahlen in den Munizipien aufgebaut sein soll. Palästina. Ziele und Aufgaben des „Nationalen Arbeiterverbandes" Palästinas. Jerusalem, 27. August. Jizchak Gurion, einer der Führer des „Nationalen Arbeiterverbandes" Palästinas gibt der ITA. die folgenden Informationen über seine Organisation: Der Nationale Arbeiterverband wurde vor einem halben Jahre auf Initiative des ,, Brith Hazohar" und des „Bethar" begründet; ihm gehören Arbeiter an, die mit Taktik und Politik der Histadruth nicht einverstanden sind. Gegenwärtig zählt unser Verband etwa 7000 Mitglieder. Sein Hauptziel ist die Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina. Aus diesem Ziele leitet er seine Grundlagen und seine Taktik ab. Erstes Prinzip des Verbandes ist nationale Arbitrage; der Verband geht von der Ueberlegung aus, daß in der Periode des Aufbaues des jüdischen Staates das ganze Volk, Arbeiter und Bürger, Steine sind in einem Aufbau, der den zufälligen Ergebnissen eines zwischenparteilichen Spieles entrückt sein muß. Die Arbitrage muß Zwangscharakter haben und alle Klassen des Jischuw verpflichten. In allen Stedten und Siedlungen, in denen die Juden eine Mehrheit bilden, müssen bei den Munizipalitäten Kommissionen bestehen, die in allen Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, sowie zwischen Arbeitnehmern untereinander entscheiden. Wo die Juden nicht die Mehrheit bilden, soll diese Funktion durch die jüdischen Gemeinden ausgeübt werden. Das Prinzip der Arbitrage schließt Streiks und Aussperrungen aus. Zweites Prinzip des Verbandes ist die'Forderung nach neutralen Arbeitsvermittlungsbüros, in denen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vertreten sind. Sollte es zu der von den Revisionisten der Arbeiterpartei Palästinas vorgeschlagenen Round Table- Konferenz kommen, so wird der Nationale Arbeiterverband bei der Konferenz die Frage der Einführung der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit und der Errichtung von Arbeitsbüros in ihrem ganzen Umfange zur Diskussion stellen. Machane Jisroel. Jerusalem, 20. August. Zu dem von der Warschauer Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in den letzten Tagen ins Werk gesetzten Versuch auf den bisher unverwerteten Boden von Machane Jisroel im Emek eine Anzahl Mitglieder der Poale Agudas Jisroel anzusiedeln, schreibt das Arbeiterblatt „Dawar" folgendes: „In den letzten Tagen ist die Aufbauarbeit in der Siedlung der Agudas Jisroel in Machane Jisroel wieder begonnen worde.n Die Geschichte des jüdl sehen Arbeiters im Lande wiederholt sich. Man beginnt mit der Eroberung des Arbeitsmarktes in einer Kolonie und endet bei der selbständigen Kolonisationsarbeit. Nachdem die Einwanderung von Poale Agudas Jisroel eingesetzt hatte, faßten sie zunächst Fuß in den Kolonien Netania, Kfar Saba, Rechoboth Es war jedoch klar, daß wenn sie im Lande Wurzel fassen wollten, sie sich schließlich der Siedlungsarbeit zuwenden mußten und siehe, die Sache beginnt auch. Was den Zentralen der Agudas Jisroel in Frankfurt, Warschau und Jerusalem nicht gelungen ist, die Wüstenei von Machane Jisroel zum Leben zu erwecken, das versuchen jetzt die Zeirim von den Poale Agudas Jisroel. Nun sind darunter junge Leute, welche Wissenschaft und G'ttesfurcht in ihren Jugendvereinen erworben haben, aber in Bezug auf Kolonisationsarbeit sind sie allesamt Rekruten, denn Machane Jisroel ist ihr erster Ausgangspunkt. Hier muß nun die Hilfe der erfahrenen Arbeiter aus den benachbarten Ansiedlungen im Emek einsetzen. Es existiert noch kein offizielles Abkommen zwischen der Histadruth hoowdim und den Poale Agudas Jisroel (diese Frage steht in ihren Kreisen auf der Tagesordnung und sie ringen noch damit). Indessen ist es eine moralische Verpflichtung gegenüber der Alijah, der Arbeit und der Siedlung, die hilfreiche und erfahrene Hand diesen orthodoxen Arbeitern, die als Anfänger dastehen, entgegenzustrecken. Es ist die Pflicht der Siedler im Emek, den Poale Agudas Jisroel mit Rat und Anleitung zur Seite zu stehen und ihnen die Wege der Anpassung an das neue Leben zu erleichtern. Machane Jisroel hat einen Berg von Mißerfolgen hinter sich. Viel Geld ist hineingesteckt worden und viele Herzen haben sich infolge des Verlustes dieses Geldes mit Bitterkeit und Verzweiflung gefüllt. Es ist unerlaubt, daß die neuen Männer die alten Irrtümer wiederholen. Wenn von Seiten der Bewohner des Emek den neuen Ansiedlern mit aufrichtigem Wohlwollen eine der Zeit und dem Orte gemäße Hilfe geleistet wird, so kann sich dieser äußerste Punkt der jüdischen Siedlung im Nordwesten des Emek in das Netz der Arbeitersiedlungen im Emek einfügen und die Poale Agudas Jisroel werden Genossen sein dem Arbeiter im Lande, der durch seine Arbeit die Grundlagen der jüdischen Heimat für das jüdische Volk in allen seinen Schichten schafft." Die Aufforderung und das Angebot, das in diesen Zeilen sich ausspricht, wird mit Dank und Anerkennung angenommen werden. Nur darf darunter der unvermeidliche Kampf der Weltanschauungen im Interesse der religiösen Wahrheit nicht notleiden. Amerika. American Jewish Committee gegen Weltkonferenz und Weltkongreß. New York, 23. August. Das von Louis Marschall gegründete und gegenwärtig von Dr. Cyrus Adler geleitete American Jewish Committee, das eine große Zahl führender amerikanischer Juden in sich vereinigt, nimmt in einer Erklärung Stellung gegen die Jüdische Weltkonferenz in Genf und somit auch gegen die Schaffung des Jüdischen Weltkongresses in dieser Zeit. In der Erklärung des Committee wird darauf hingewiesen, daß die A 11 i a n c e Israelite Universelle in Frankreich der Jewish Board of Deputies in Großbritannien und autoritative jüdische Körperschaften in anderen Ländern die Genfer Weltkonferenz und den Weltkongreß ablehnen. . Personalien. Eisenach, 27. Aug. Herr Richard Rothschild und Frau Henriette geb. Friedmann, begehen am 10. September (erster Tag Roschhaschono) das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Herr Rothschild ist eine in weiten jüdischen Kreisen bekannte und geachtete Persönlichkeit. Die Familie stammt aus Völkershausen bei Vacha und ist seit dem Jahre 1897 hier in Eisenach ansässig. Seit dieser Zeit ist der Jubilar Beamter der Israelitischen Kultusgemeinde. Von seinen Funktionen als Schochet, Rechnungsführer und Hilfsvorbeter ist ihm heute nur noch das letztere Amt verblieben. Trotz seines hohen Alters von 81 Jahren versäumt er fast keinen G'ttesdienst, und die Ausübung des Hilfsvorbeteramtes ist ihm, der von tiefster Religiosität erfüllt ist, eine Herzenspflicht. Die Frankfurter Woche- Hindenburg-Feier des Reichsbundet Frontsoldaten. jüdischer Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten e. V., Frankfurt a. M. hielt am Sonntag eine Hindenburg-Gedenkfeier ab, an der über zweitausend Angehörige des Bundes und Gemeindemitglieder im Saalbau teilnahmen. Nach dem Trauermarsch aus der Eroica und einem Sologesang würdigte der ehemalige Feldrabbiner, Herr Dr. Salzberger die tiefe Religiosität des verewigten Heerführers und Reichspräsidenten und sein Streben nach Gerechtigkeit gegen jedermann. Danach sprach Dr. Felix Kauffmann, der Vorsitzende des Bundes. Auch er pries Paul von Hindenburg in seinen überragenden menschlichen, soldatischen und staastmännischen Eigenschaften, erinnerte an die vielen Schlachtfelder, auf denen jüdische Glaubensgenossen unter dem Feldherrn Schulter an Schulter mit den übrigen deutschen Volksgenossen gekämpft und geblutet haben und gefallen sind. Wie nun der tote Heeres- und Reichsführer das ganze deutsche Volk zu Deutschlands Ehre und Ruhm geführt habe, so sei er den jüdischen Glaubensgenossen eine ewige Mahnung, das Kleinliche zu vergessen. Und wenn sie in dieser Stunde auch ihrer in tausend Schlachten gefallenen zwölftausend Glaubensgenossen gedächten, so sei dies im Sinne des Feldherrn, dem die Kameradschaft nie ein leerer Wahn gewesen sei und der zu den deutschen Volksgenossen jüdischen Glaubens das Wort gesprochen habe: ,,Ich danke Ihnen in ehrfürchtiger Erinnerung an die Kameraden, die aus Ihren Reihen gefallen sind." Nach dieser Rede erhoben sich die Versammei-. ten und verharrten eine Minute in ehrfürchtigem Schweigen. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied vom guten Kameraden fand die Feier ihren Abschluß. Der neue Wandkalender der Israelitischen Waisenanstalt. Alljährlich, wenn die Blätter fallen und das Elulhorn zur großen Jahresabrechnung ruft, wird uns . als erste Rosch Haschonoh-Gabe der Kalender der Israelitischen Waisenanstalt auf den Tisch gelegt. Es spiegelt sich darin die Treue der sechzig vater- oder mutterlosen Knaben und Mädchen auf dem Röderbergweg, die das Jahr über Gegenstand unserer Liebe und Fürsorge sind und nun froh sind, uns zu erfreuen. Der Wandkalender ist, wie immer, mit Liebe, Fleiß und Kunstsinn hergestellt. Der weißgrün schillernde Deckel ist noch um eine Nuance farbenfroher als sonst, wie eine Kinderoffensive gegen Dunkel und Trübsinn, Aus dem grünen Mögen Dovid-Stern leuchtet uns das bekannte schöne Haus entgegen, umrahmt von Gebetssprüchen, die G'tt als den Vater der Waisen und Annehmer der Witwen preisen. Vortrefflich, belehrend für Groß und Klein, sind dieses Mal die Sprüche, die die einzelnen Feste begleiten. Nicht zu übersehen die eingestreuten Zahlkarten mit der Postschecknummer 15 181, Frankfurt a. M. und die schönen Telegrammablösungsformulare. Interessenten können weitere Exemplare des Kalenders auf dem Büro der Waisenanstalt, Röderbergweg, beziehen. Körper- und Sehbehinderte. Die erste Mitgliederversammlung der Frankfurter Ortsgruppen der Körper- und Sehbehinderten fand am 31. Juli im Turnsaal des Israelitischen Kinderhortes statt und erfreute sich guten Besuchs. Unter Vorsitz des Obmanns der Blinden, Max Leopold, berichtete die Vorsitzende und Geschäftsführerin Irma Dresdner über die Umschulung von Mitgliedern, besonders für Bürstenbinden und Korbflechten, über Einrichtung von Kursen und über Arbeitsvermittlung für die erwerbstätigen Mitglieder oder ihre Ernährer. Herr Emil Münster gab die Vergünstigungen bekannt, die die Geschäftsstelle, vor allem für Blinde, vermittelt. Der zweite Teil würde eingeleitet durch Rezitationen des Schauspielers Ludwig N e u g a ß." Dann behandelte Herr Rabbiner Dr. .Lernte in besonders eindrucksvoller Weise sein Thema „Schicksal und Wille".