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Der Israelit · 1934-08-30 · Heft 35 (30.8.1934) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 35 (30.8.1934)
Date
1934-08-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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INoIoll o—o Ifölfölföin Erziehung- und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bandes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands ^IfH ]tH3;^,löiföif^5iföiiöi[3ir Verantwortliche Schriitleitung: L. Kaufmann, Sprendlingei (Kreis Ottenbach) Nussach, Schinuj, Minhag Von Oberkantor R. M, Eschwege in Würzburg. (Schluß.] Bräuche frommer keuscher Frauen und Familien: In einem Kommentar des Schulchan aruch t ein Brauch der Familie Katzenellenbogen angeführt, welche nicht alle Mahlzeiten am Sch'mini azeres in der Sukkoh einnahm. Zu den Bräuchen frommer Frauen gehört die Ai beitsunterlassung am Neumondstag, am Abend der Chanukkahtage, am Sabbatausgang und in der Zeit der Dämmerung an den Omertagen bis nach erfolgter Zählung. Bräuche der Frommen und der Väte Hilleis Brauch, Bitterkraut nicht allein, sondern in Verbindung mit Mazzos zu genießen, wurde allgemein beachtet. Die Anordnung des Schach von dem Genüsse von Fleischspeisen zu dem von Milchspeisen — statt nach dem Talmud 1 Stunde — 6 Stunden zu warten, wird heute noch von streng konservativer Seite gewürdigt, ■paa Tili DSTiias an;-?3 bx Pesachim 84: Aendert nichts am Brauch eurer frommen Väter sei. And. ,D3-,T'3 oaTiias anaaa nmn Beza 4b: Beobachtet strenge den Minhag eurer Väter, der euch überkommen ist. anaa n'm ds ^rnaa wv iws a^iy Vian aon :'a •'bvn t?n» »nna» pns'i /rinn? nbsn jpnv amas? paa ruiwi bx »nm imv ws? 1578 :-iaoz7 mnK nbsn t]'ois 'as t]t? nmn k>e? /rransr apy ■nnnn bib abx na^a ar\b vd? >6 -prnaR Rabbi Chineno sagt: Alle religiösen Dinge beruhen auf Brauch. So kamen eines Tages die Einwohner von Migdal ziwijo zu ihm und frugen, wie sie künftighin ihr Verhalten bezüglich der Verwendung der Zedern aus ihrem Heimatsorte einrichten sollen. Er antwortete: Naehdem ihr von euren Vätern einen Issur übernommen habt, so verändert diesen Brauch ja nicht, den Brauch eurer Väter, seligen Andenkens. Talm. paläst.: otidd IV, 1 vm n"5?ax ^rnaa vn fcen py« anaa Dnain bz Kirn an n»s jvaa ]nb im muy wa iay>» in» pa-n pman m^an '-i^> p^stf laipri i>N no'sa DawiaK anaa iawn ncsa oavnaK pa unat? ■E7oa 'rm navnas in:a Korban hoedo kommentiert diese Stelle wie folgt: Stammvater Jakob habe die Zedern von Migdal ziwijo für die Zwecke der Errichtung eines G'tteshauses gepflanzt und vor seinem Wegzug nach Aegypten dieses seinen Nachkommen als Pflicht übertragen. Seit dieser Zeit habe man diesen Zedern eine Keduscho beigemessen und deren Holz nicht für profane Zwecke Verwendet. Später seien die heilige Lade und die verschiedensten Holzgeräte der Stiftshütte aus diesem Zedernholz gefertigt worden. T'schuwas Maharik: Alle Poskim besprechen die Größe, die Kraft und die Bedeutung der alten Minhagim in Bezug auf das Gebet und die Segenssprüche. Darum ist es uns auch erlaubt, über einige Minhagim, die keine Dinim sind, einen Segensspruch mit Erwähnung des g'ttlichen Namens zu sagen. Wir haben kein Recht und keine Erlaubnis, solche Minhagim abzuschaffen. Bräuche der Propheten: Sukkoh 44, S. 1. Der Talmud bezeichnet die Verwendung der Bachweide im G'ttesdienst am Hoschano rabbo als Brauch und Anordnung der Propheten. D'aiu D'N-'aaa -iman irmas -»p^si 'pn^s 'n ymbn ps-). tp .laTtfban nx psnai o'ama Vapnp D'aion nmananav Nicht unerwähnt bleibe, daß in Babakama 116, S. 2 sogar von einem Minhag der Eseltreiber, der Schiffer und an anderer Stelle von dem der Karawane die Rede ist, der nicht abgeändert' werden soll und zu dessen Beachtung man verpflichtet sei. Folgende Sentenzen erhärten noch die Bedeutung des richtigen Minhag: B. b. 15: Die Welt halte an ihrem Brauch fest. Sanhedr. 46: Man ändere nicht: am Minhag. Wenn ich oben bereits erwähnt habe, daß nur jene Minhagim Berechtigung auf Würdigung und Erhaltung haben, die in keiner Weise gegen die Thora und gegen die mündliche Ueberlieferung verstoßen, so möchte ich nicht unterlassen, einige Bräuche zu erwähnen, die mit „Minhag schel Sch'tus" benannt werden. Schon Rambam bezeichnet manche Minhagim als Irrtum und G'ttesleugnung, wenngleich sie auch schon in den T'schuwas hag'onim niedergelegt sind. (Hierfür paßt die humoristische Abreviatur des Wortes Minhag; Manch© Narren haben's gern.) Josef Caro benennt den Minhag des Kapores am Erew Jörn Kippur als Minhag schel Sch'tus, und die Art, zum Kapores Weißgeflügel zu nehmen, als Handlungsweise der Emoriter. — Würdigung dieses anaö durch bn wirb msan pi' :rr*?z? und b'inn pxa n»n erwidert dem R"acn auf Anfrage wya ^>as Kin ]v> anaa m anaaa sia»^ pama. Vor dem Einziehen in ein neues Haus nahm man einen einen schwarzen Hahn und ließ ihn durch den Kamin fliegen, damit er zum Felsen Asasel gelange und Sühne für die Einziehenden erwirke, in Anlehnung an den Sündenbock, der am Jom Kippur zum Felsen Asasel geführt und dorthin abgestürzt wurde. Andere wieder schlachteten vor dem Einziehen in das neue Haus ein Hühnerpaar — Hahn und Henne — und begruben dieselben zwischen die Ziegelsteine der Hausmauer. Man hatte nämlich den Aberglauben, daß die Ersteinziehenden sterben müßten. Man brachte daher vor dem Einzug in das neue Haus genannte Tiere in dasselbe und ließ sie durch den Schächtschnitt sterben. So waren die Ersteingezogenen, das Hühnerpaar, bereits gestorben. Der Pische T'schuwo zum Joreh deoh 129 bezeichnet solche Bräuche als die der emoritischenG'ttesleugner. In einer mährischen Gemeinde war es Brauch, daß bei der Neumondsverkündigung sich die ganze Gemeinde wie bei Kabolas Schabbos umdrehte. Eine Begründung für diesen Brauch kannte man nicht bis zum Zeitpunkt der Syangogenrenovierung. Gelegentlich dieser entdeckte der Weißbinder an der Westseite der Synagoge eine in die Mauer eingelassene Marmortafel mit hebräischer Inschrift, auf welcher der J'hi rozon eingemeißelt war. Es wird ferner von einer mährischen Gemeinde erzählt, daß die während der Sukkostage an der Hakofoh Beteiligten sich an einer bestimmten Stelle vährend des Umzuges ehrfurchtsvoll in die Kniee warfen. Die Begründung dieses Brauches führte ein hristlicher Handwerker herbei, der gelegentlich einer Reparatur an der genannten Stelle einen Haken in der Decke vorfand, an dem zweifellos früher ein Leuchter hing. Um nicht mit dem Lulof den Leuchter zu berühren, mußten sich natürlich die Umziehenden in Acht nehmen und machten deshalb eine Verbeugung. Meine Ausführungen gingen zu weit, wollte ich auch noch Minhagim aus dem häuslich-religiösen Leben, aus dem Gebiete des Awelus, aus dem öffentlichen G'ttesdienst, der K'rias hatoroh usw. anführen. Jedoch kann ich nicht umhin, einige Minhagim, die speziell den tos n'Vw betreffen, noch zu erörtern. Im Traktat Taanis I lesen wir von dem alten Brauch, am Sch'mini azeres den Vorbeterdienst auf zwei Personen zu übertragen, von denen die eine Schacharis und die andere Mussaf vorbetet. Sefer chasidim 251: Früher war es so, daß der Vorbeter dort weiter betete, wo die Gemeinde abschloß. Die Vorbeter der heutigen Zeit, welche in sündhafter Weise nochmals da beginnen, wo die Gemeinde bereits begonnen hat, tun dies nur, um die Schönheit ihrer Stimme zu beweisen und laden der Gemeinde dadurch eine Last auf, die unnötig ist. Maharil: In der Provinz Sachsen besteht der Brauch, daß Knaben bereits einen Monat vor ihrem 13. Geburtstag als Vorbeter fungieren dürfen, jedoch kennen wir den Brauch nicht. M'kore haminhagim 41: An den Feiertagen (3 Wanderfesten) läßt man einen Knaben, wenn er auch noch nicht Barmizwoh ist, das Abendgebet vortragen, weil es im Gegensatz zu den anderen Gebeten als „freiwillig" rmn gilt, trotzdem es jetzt bereits als nain „Pflichtgebet" anerkannt wurde. Wenn auch die Zulassung eines solchen Knaben für die Gemeinde nicht so ehrenhaft ist, so wird die Gemeinde hier auf ihre Ehre verzichten und ihn zum Vorbeten zulassen. Sefer hachasidim 238: Unsere Weisen waren darauf besonders bedacht, im G'ttesdienst nur traditionelle Gesänge und nicht die der anderen G'tteshäuser zu pflegen, Sch'loh in den wowe hoamudim: Es besteht kein Zweifel darüber, daß der langsam sich hinziehende Gesang der Vorbeter ein langes Golus zur Folge hat. Wttwv' vt» urv^np am» bv nairan bnp bv n^snna snoian xin pi nawa nnyt wn 'am -»an msai .-ps? ■»am« S*nt7' -p .nvwoana warn m^aina Fürther-Minhagbuch aus dem Jahre 1764: Der Gebetstext unserer Gemeinde im 18-Gebet am Sabbat „w-jism'chu w'cho jisroel ohaweh sch'mecho" wird leider nicht immer von derzeitigen Vorbetern beachtet. Mit dem Wissen der Mehrzahl unserer heutigen Vorbeter ist es bedauerlicher Weise so bestellt, daß sie oftmals die einfachen Gebetstexte nicht verstehen, geschweige denn die etwas komplizierteren. Es besteht die Ueberlieferung, daß von dem vorzüglichen Vorbeter Maharil aus Prag die folgenden Gesänge erhalten geblieben seien: für das Gebet an Wochentagen, für Sabbat- und Feiertag und die Singweisen für die Jomim hanoroim. Es gibt aber auch welche Gebetsstücke, die vom Vorbeter beliebig gesungen werden können. Der Vorbeter hat den Brauch beim Gesang die Daumen an die Kehle und auf den Adamsapfel zu drücken, weil sie darin eine Erleichterung erblicken, da die Kehle das Zentrum sei, von welchem die Stimme herkomme. Je mehr durch das Andrücken der Daumen der Innenraum des Kehlkopfes verkleinert werde, desto stärker und kräftiger, auch wohlklingender, quille der Ton hervor. (S. Notizen im Kollegheft.) Der Baal lechem chamudos genehmigt diese Handlungsweise der Kantoren durch Anführung des Bibelverses, wonach man G'tt ehren soll mit dem Vermögen und das Vermögen des Vorbeters in der Kehle liege. Gegner dieser Handlungsweise sind der Rosch d Sch'loh. Diwre kehillos 66: Vor boruch scheomar rufe der Kantor aus: „Sch'tikoh jofoh b'schaas hat-filoh", um die Gemeinde zum Schweigen und zur Andacht beim Gebete zu veranlassen; am Schabbos erfolge dieser Aufruf nach Birchas zizis. Auch vor dem Lesen der M'giloh erfolge der Ausruf: „Sch-tikoh jofoh b'schaas K'rias ham'giloh w'hab'rochos." Einige Bräuche wurden im Laufe der Zeit von den G'dolim beseitigt, weil Andersgläubige sich ihrer in ihrem Kultus bedienten, sdk n'V wnb-\ sa^a n^ wrJ? i^pbk pan n>n«? ra ^b *w aus ov Berachot 53 und Beza 6: Früher war es Brauch, dem Toten Myrthen und wohlriechende Kräuter beigeben und solche auch rechts und links der Bahre zu tragen. M'kore hadinim: König David und nach ihm Salomon, auch Daniel und alle anderen früheren Frommen warfen sich beim Gebete auf die Kniee. Nachdem dieser Brauch aber auch von anderen aufgenommen wurde, so verfahren wir beim Gebete nicht mehr in dieser Weise, mit Ausnahme bei der Awoda am Rosch haschonoh und Jom Kippur. Nachtrag. Ich möchte nicht verfehlen, einige Minhagim zu erwähnen, die den Sch'liach zibbur ganz besonders interessieren und auf historischer Basis beruhen: 1. In Worms, das für die Geschichte unserer Vorfahren betrüblich bekannt ist, wollte man nach

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