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Der Israelit · 1934-08-30 · Heft 35 (30.8.1934) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 35 (30.8.1934)
Date
1934-08-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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30. August 1934 Der Israelit Nr. 35 Seite 5 Hilfsvereiri bei der Auswanderung nach verschiedenen Ländern beistand, von dort aus an den Hilfsverein gerichtet worden sind. Die Einleitung des Heftes weist auf die Zunahme der Schwierigkeiten hin, die der Auswanderung durch einschränkende Maßnahmen in verschiedenen Staaten bereitet werden, und zitiert bemerkenswerte Aeußerungen des Berliner amerikanischen Botschafters Prof. D o d d und des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes Harold Butler, die beide in der Beschränkung der Freizügigkeit eine der Hauptursachen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise erblicken. Es wird ferner die Zusammenarbeit des Hilfsvereins bei seiner Zusammenstellung von Informationen über Wanderungswesen mit ausländischen Konsulaten, den deutschen Handelskammern und dem deutschen Auslands-Institut in Stuttgart, sowie dem deutschen Wirtschaftsverband für Süd- und Mittelamerika hervorgehoben. Auf die Darstellung der Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse in den einzelnen Ländern folgen Aufzeichnungen von Dr. Felix Mittwoch und die Gegenwart IL Religionsgesetzliche Voraussetzungen. Es scheint uns unzweifelhaft, daß des jugendlichen S. R. Hirsch Haltung zu den jüdischen Zeitproblemen zunächst intuitiv aus jenen Tiefen der Seele hervorbrach, in denen sich bewußtes Denken mit dem instinkthaften Gefühl für das Rechte und Notwendige zu unentwirrbarer Einheit miacht, Aber ebenso sicher ist es, daß er, der in der objektiven Welt der Halaeha das eiserne Fundament alles jüdischen Denkens und alles Philosophierens über Judentum erblickte, sein Programm zur Wiederentfachung des erloschenen jüdischen Lebens in Deutschland mehr als einmal im Lichte dieser Halaeha gewissenhaft durchdacht und geprüft hat. Zwar tritt diese halachische Nachprüfung erst verhältnismäßig spät in der Form der Nachprüfung zutage — im III. Teil des Pentateuch- Kommentars —; aber es dürfte damit die gleiche Bewandtnis haben, wie mit der halachischen Begründung der Austrittsentscheidung, die plötzlich, durch die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem Würzburger Raw ausgelöst, in ihrer grandiosen Geschlossenheit ans Licht tritt, Hörer den Schaufor selbst gehört, so ist er hört er nur den Widerhall, so ist er nicht NXi'- Bei einem Schiur frug mich gelegentlich ein Teilnehmer, ob das Wort T« verwandt sei mit dem ähnlichen im Perek: xtm KT Tin ]">«> „Kein Ungebildeter kann die Sünde fürchten," worauf ich ihm natürlich erwiderte, daß auch jener T3 ein leerer Mensch sei, D»a ia i'Npv in dem kein D"n der Tauroh ist. Bei dieser Gelegenheit kam mir folgende Deutung in den Sinn. Wenn rrn naht, strömen die Menschen zur Synagoge, um Schaufor zu hören, Personen, die man sonst nicht im G'tteshause sieht — wie man scherzweise sagt: worüber spricht man Kol Nidre vor Maariw irnnp, da man doch keinen Kiddusch macht? Antwort: Ueber die Menschen, die man ein ganzes Jahr nicht gesehen hat, worüber man nach manchen Ansichten «'n.w sagen soll. — Man muß sich aber doch im Ernst fragen: Hat das Anhören des Schaufor bei solchen Personen Wert oder nicht? Antwort: Erfassen sie es wirklich als das, was Schaufor bedeuten soll, mir» oyi ...yprvn „Kann der Schaufor ertönen, ohne daß das Volk erschreckt" kommt ihnen der Gedanke der Teschuwoh, so haben sie auch damit etwas vollbracht, hören sie es aber nur wie einen anderen Schall, ein anderes Instrument, so ist es wenig von Bedeutung. So könnte man auch hier erklären: Ttan "pni> ypinn. Wer hineinbläst in die Ohren solch unempfänglicher, entfremdeter Menschen »isw bip DK vnv, hören sie es, wie man Schaufor hören muß, ksv so haben sie vielleicht damit etwas Erwähnenswertes geleistet, yat? man ^>ip DK' hören sie es aber nur wie einen leeren Schall KXVO'X» so ist es kaum anzurechnen. 5) ...^vb T>^y -an*!? a-sf ">nvsb laiRn -ra j'smp» nSagt jemand zu einer Frau, du sollst meine .Gattin über die Bestimmungen für den Erwerb der Staatsangehörigkeit in einer großen Reihe von Ländern. Den Abschluß des Heftes, das für jeden, der sich praktisch oder theoretisch mit Auswanderungs- und Siedlungsfragen, insbesondere deutscher Juden, befassen will, einen unentbehrlichen Behelf darstellt, bildet eine Tabelle über Lebenskosten und Gehaltsverhältnisse im Ausland. Der monatliche Bedarf bei sparsamer Haushaltung für Ledige und Familien wird dem monatlichen Durchschnittseinkommen verschiedener Berufskategorien in nicht weniger als 96 Ländern gegenübergestellt, wobei die entsprechenden Verhältnisse in Deutschland zum Vergleich mit herangezogen werden. Das Korrespondenzblatt, das unter der Redaktion des Generalsekretärs des Hilfsvereins der deutschen Juden, Dr. Mark Wischnitzer und Arthur Goldschmidt, erschienen ist, kann zum Preise von Mk. 1.— zuzüglich 30 Rpf. Porto vom Büro Berlin W. 30, Martin Lutherstraße 91, bezogen werden. nachdem sie Jahre zuvor mehr oder minder mitbestimmend im Unterbewußtsein geschlummert haben muß. Auf das Bedürfnis innerer Rechtfertigung vor der Welt der religionsgesetzlichen Tatsachen weist schon die Wahl des vielverkannten Schlagwortes hin, unter dem Rabb. Hirsch seinen Typ jüdischer Erziehung in die Erscheinung treten ließ, das Schlagwort «pK *jYT min". Es ist der M i s c h n a entnommen und will somit in ausgesprochener Eindringlichkeit die Thoragemäßheit des neuen Erziehungssystems auf die Mischna stützen. Gewiß wäre es dem Schöpfer dieses Systems ein Leichtes gewesen, ihm eine andere, allgemeinere, stolzere Marke anzuheften, etwa n»3n 05/ mW zu sagen und damit zugleich auch dem billigen epigonenhaften Vorwurf zu entgehen, er habe keinen ütPQ in der ri3Wö gewußt oder gar für seine Parole eine Bedeutung „erschlichen", die ihr in der Quelle nicht innewohne. Nein! Hirsch hat p» "pT worauf jüngst in diesen Blättern schon hingewiesen wurde, durchaus im wahren Sinne von „bürgerlicher Geschäftstätigkeit" verstanden (von den nur anklingenden Nebenbedeutungen abgesehen); aber er hat eben damit so klar wie nur möglich den ersten und wichtigsten werden unter der Bedingung, daß ich mit dir arbeite oder für dich beim Fürsten vorspreche, erfüllt er die Bedingungen, so gelten die Kiduschin, andernfalls nicht." Warum gerade diese beiden Beispiele? Der Segen eines Ehebundes beruht darauf, daß beide Teile ihre Hände nicht müßig in den Schoß legen, sondern nach Kräften sich regen, den Wohlstand des Hauses zu fördern, nipymtPK yt> nbvn Van, aber auch nicht auf ihre eigene Kraft bauen, sondern in der Tefilloh den Beistand G'ttes erflehen. „Beten und arbeiten". Das dürfte der tiefere Sinn der Mischnah sein: Sagt jemand, unsere Ehe soll geheiligt und geweiht sein, indem ich für dich arbeite, ^sisa nvsx aber auch iwbvb in« für dich beim Herrscher aller Herrscher rrapn ra vorspreche, werden diese beiden Bedingungen erfüllt, so wird auch die Ehe eine g'ttgeweihte sein, bei Nichterfüllung wird auch die Weihe fehlen. 6) ••••ppiTa nms jn-w :x-a irs sap sna „Vier Arten von Schädigungen gibt es: die Verletzung durch den Ochsen, die Grube, der abweidende Zahn des Tieres und das Feuer". Das Unrecht, das Menschen einander sich zufügen, beruht auf vier Anlässen. Erstens die rohe Gewalt, die in der Stoßkraft des Stieres narn» verkörpert ist, -iaa D'Vm ]im wenn Gewalt vor Recht geht, oder Tia die tückische List und Ränkeschmiede vnsm ms *vd» die dem andern eine Falle stellt. Ferner ]V der Kampf ums Brot, der Menschen und Völker gegeneinander reizt (nanVa-cnV) und endlich das Feuer der Leidenschaft und des Hasses. . . . ni»n tsn allen gemeinschaftlich ist das Bestreben zu schädigen ybs \nvnvr deshalb hast du die Entfesselung dieser niederen Instinkte zu verhüten, und hast du auf irgend eine Weise Schaden angeder halachischen Gesichtspunkte zum Ausdruck gebracht, auf den sich der Einbruch der „profanen" Disziplinen in die alte Taiinud-Thora-Schule (selbst ohne den staatlichen Schulzwang) stützen kann. Es gehört unbestrittenermaßen zu den obersten, dem Thoraunterricht gleichgestellten Pflichten des jüdischen Vaters oder der ihn vertretenden Gemeinschaft, das heranreifende Kind ein nUölN' ein handwerkliches Gewerbe oder in zweiter Linie (siehe n"37 Ti"1? ftPHp) ein Np0',5?' eine reguläre Geschäftstätigkeit erlernen zu lassen, weil eine Unterlassung auf diesem Gebiete, wie der Talmud ausführt, das Kind, in Ermangelung geordneter wirtschaftlicher Einordnung in die bürgerliche Gesellschaft, später zu unregulierter Betätigung des natürlichen Erwerbstriebs, zum sozialen Verbrechen führen würde. (niüO''1? IIB^» l^iO)- Der Begriff aber, der niJölN und NpCtf in einer Rubrik zusammenfaßt, heißt eben *]n pN« Die im Namen des pN "]TI auf talmudischer Grundlage aufgebaute Erziehung setzt die Aneignung desjenigen Mindestmaßes theoretischer Kenntnisse voraus, die notwendig, sind, um, nicht dilettantisch und stümperhaft, sondern systematisch, also wohl vorbereitet, einen geordneten bürgerlichen Beruf — je nachdem wie ihn die jeweilige Gesellschaft erfordert — zu Erwerbszwecken in ehrlicher Weis'e ausüben zu können. Indem somit die Schulerziehung zunächst . einmal in den Dienst des pN *|*n neben der Thora tritt, wird sie als Ganzes halachisch legitimiert, denn die Thora selbst hat nach der talmudischen Ueberlieferung durch die Worte (im zweiten Sch'ma-Abschnitt) "pr? nQONl („Du erntest dein Getreide") das sonst zeitlich unbegrenzt verpflichtende Gebot "pn1? DMWl D3 JT13TI und das noch umfassendere 13 n'lJTI nbibl DöT>, selber eingeschränkt und damit für die Praxis des Lebens und der Erziehung festgestellt, daß notwendige Berufsausübung und daher auch die geforderte notwendige Berufsvorberei t u ng nicht als unerlaubte Vernachlässigung der Pflicht des steten Thorastudiums (min ^1B3) gelten können. Wohl durfte ein Heiliger wie Rabbi Schimon ben Jochai den Grundsatz für sich aufstellen: „Ich verschmähe alles bürgerliche Gewerbe und lehre meinen Sohn nur Thora," aber der Talmud lehnt diese Maxime für die Allgemeinheit ausdrücklich mit den Worten ab: „Viele haben im Geiste Rabbi Schimon ben Jochais gehandelt, aber es ist ihnen nicht gut bekommen." richtet, so mußt du es entschädigen, nB^na nicht immer in dieser irdischen Welt, wo nicht jedes Unrecht Sühne findet, aber in der besseren Welt des K3H uVlJV sofern du es nicht schon auf dieser vergänglichen ausgleichst. Kleines Feuilleton. Der Sabbat ein Weckruf. Eine Rede zu Ehren des Sabbats, gehalten am Pessach 5694 von Rabb. Dr. Jacob Horovitz, Frankfurt a. M. (Verlag J. Kauffmann, Frankfurt-M.) liegt uns in Broschürenform vor. Der bekannte Verfasser schlägt warme Töne für den Sabbat an, die ein Echo in jedem jüdischen Herzen finden müssen. Aus seinem reichen Erfahrungsschatz bietet er Reminiszenzen, die beweisen, daß es nicht unmöglich sei, auch bei solchen, die. sich der jüdischen Religion entfremdet haben, die Liebe zum heiligen Tage zu wecken. Die Lektüre des Büchleins wäre angenehmer, wenn man bei der Drucklegung die Zeilen nicht so zusammengepreßt und auf bessere Lettern und mehr Uebersichtlichkeit gesehen hätte. Aber auch so wird der warme Appell seine Wirkung nicht verfehlen. FESTGESCHENKE J zu den Feiertagen: B —— Siehe Saite 11 — Das Bildungsideal S. R. Hirschs

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