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Der Israelit · 1934-08-30 · Heft 35 (30.8.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 35 (30.8.1934)
Date
1934-08-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 35 Der Israelit 30. August 1934 gen Auftraggebern vorgelegt und von ihnen bestätigt zu werden. Das Verständigungsprojekt soll zustande bringen, daß die Forderungen der Agudath Israel in Bezug auf die Gerichtsbarkeit in Angelegenheiten des Personenstandes befriedigt werden in dem Rahmen eines rekonstruierten Rabbinischen Rates und daß Agudas Jisroel für den Augenblick darauf verzichten werde, ihre Anerkennung als gesonderte Gemeinde zu fordern. Die zuständigen Organe (cf. der Kneseth Israel und der Agudath Israel) studieren gegenwärtig das Verständigungsprojekt noch zu diesem Behufe und um die weiteren Verhandlungen unter den Parteien nicht zu präjudizieren, hält es die Mandatarmacht für richtig, sich für den Augenblick davon zurückzuhalten, ihre Meinung über die Vorschläge und über die Gegenvorschläge zu äußern, welche von der Agudath Israel-Zentrale, von dem Waad leumi der Jüdischen Gemeinde und von dem Oberrabbinat dieser Gemeinde vorgebracht worden sind über das Verlangen der Agudath Israel als gesonderte Gemeinde in Palästina anerkannt zu werden." Im Verlaufe der Debatten fand zu diesem Punkte dann noch ein Meinungsaustausch zwischen Prof. R a p p a r d und dem Regierungsvertreter Obersekretär Hall statt. Ersterer erklärte, er befinde sich in einer schwierigen Situation, weil er berufen worden sei, einen Bericht zu erstatten über das von der Agudath Israel vorgebrachte Verlangen, als gesonderte Gemeinde anerkannt zu werden. Der bevollmächtigte Vertreter habe heute Morgen erklärt, daß die Regierung keine Beobachtungen über diesen Punkt formuliert habe, weil Unterhandlungen im Gange seien und weil es daher inopportun sei, für den Augenblick eine Erklärung abzugeben. Darf man dies so verstehen, daß es ebenso inopportun sein würde, für die Mandatkommission eine Meinung in der gegenwärtigen Stunde auszusprechen? Hall antwortete, daß wenn die Kommission oder die Regierung Ihrer Majestät jetzt ihre Anschauungen bekannt gäbe, dies die delikaten Verhandlungen, die im Gange sind, präjudizieren würde. Man hat gute Gründe zu glauben, daß sie enden werden oder daß man gelangen werde zu einem Akkord, der den Forderungen der Agudath Israel Befriedigung gewährt ohne die Einheit der jüdischen Gemeinschaft zu kompromittieren. Die Kommission ist dieser Anregung der Mandatarmacht dann nachgekommen und hat eine Resolution gefaßt, in der sie erklärt, sie habe mit Befriedigung Kenntnis genommen von den Mitteilungen des akkreditierten Vertreters, nach welchen eine freundschaftliche Lösung der Frage der jüdischen Gemeinde auf dem Wege sei und erachte es daher als inopportun, zu diesem Gegenstande eine Meinung zu äußern. Regierung und Mandatkommission haben also in dieser schwierigen Frage eine durchaus korrekte Haltung eingenommen. Allerdings folgt daraus noch nicht, daß die Verständigung in der Tat so nahe ist, wie bei diesen Erklärungen anscheinend vorausgesetzt wurde. Wir sind unsererseits des Glaubens, daß eine Lösung der Oberrabbinatsfrage unmöglich wird, solange man daran festhält, eine bevorrechtete und eine benachteiligte Gemeinschaft zur Unterlage des Die Sidra spricht zu uns . . . In der Bekenntnisformel bei der Abführung des Getreidezehnten heißt es »'Iii rinn ]» snpn »mya tp^k "t,Ja^ rn^i „Und Du sprichst von dem ewigen Deinem G'tte: Ich habe das Heilige aus dem Hause geschafft und es auch gegeben dem Leviten, dem Fremdling, der Waise und der Witwe nach Deinem Gebote, das Du mir geboten hast. Ich habe von Deinem Gebote nichts übertreten und nichts vergessen." Anschließend lautet das Bekenntnis: mxa 'n^as xb> '131 13»» „ich habe nicht im Trauerzustande davon gegessen" und nicht im Zustande der Unreinheit, und habe nichts davon für einen Toten verwendet. Ich hörte auf die Stimme des Ewigen meines G'ttes. Tf>wv, Mn>is IVB 5>aa, ich tat ganz, wie Du mir geboten hast." Zu diesen letzten Worten bemerken die Midraschweisen: 'Jin»'cn •>nrmv, „ich habe mich des Ertrages gefreut und damit auch andere erfreut." Diese Zusammenstellung samt der zusätzlichen Bemerkung der Weisen veranlaßt einen späteren Kommentator, eine bemerkenswerte Mahnung an seine Zeit über Sinn, Zweck und Wesen der Wohltätigkeit zu richten. Es gibt Gelegeriheitswohltäter, die sich des Bruders und damit G'ttes, nur dann erinnern, wenn sie durch eigene Not, Krankheit und Leiden daran gemahnt werden, daß der Menssh, auch der Reiche ganzen Baues zu machen. Nur auf der Grundlage voller Gleichberechtigung beider Gemeinden läßt sich eine gesunde und wirkliche Einheit mit einem auf sicherem Fundamente ruhenden Oberbau herstellen. Genfer Kindereien. Wer der von Wise-Goldmann in Genf einberufenen Konferenz noch eine Spur von Beachtung schenkte, mußte durch ihre Resolution in Sachen des Transferabkommens zwischen Palästina und Deutschland vollends einsehen, wie unverantwortlich diese ganze Konferenzkomödie unter Ausschluß alles wahrhaft Verantwortungsbewußten aufgezogen war. Das Transferabkommen ist nach Lage der Dinge der einzige Weg. jüdisches Vermögenin Deutschland für Erez Jisroel zu retten und eine geregelte deutsche Alijah wie neuen Kapitalzufluß für den Aufbau zu sichern, und es ist als solcher von allen ernsten und erfahrenen Führern des Jischuw, denen Auge und Sinn durch die nationale Phrase für die realen Dinge nicht getrübt sind, aufs freudigste begrüßt und unterstüt2t worden. Daß in Palästina selbst einige Heißsporne auf der radikalen linken Seite gegen die Transaktionen Sturm liefen, zählte wenig, da diese von Haus aus auf ein Programm eingeschworen sind, welches sich gegen Kapital in jeder Form, — das ihnen Arbeit und Brot gibt — wendet. Wenn aber nun ein paar Theoretiker in der Völkerbtfndsstadt, ohne Mandat und Mission, „jüdische Konferenz" spielen und in feierlichen Protokollen und Resolutionen diesen Weg gesunder Realpolitik zu verbauen suchen, so haben sie damit all den berufenen Organisationen für ihre strikte Ablehnung der sogenannten Konferenz die beste Rechtfertigung geliefert und, wie wir hoffen, alle Welt, nicht zuletzt auch die deutsche Oeffentlichkeit — gründlicher als es das überflüssige und widerliche Naumann'sche Treugelöbnis vermochte — davon überzeugt, daß jenes ganze kindische Getue in Genf nicht nur den Willen der deutschen Juden nicht widerspiegelt, sondern auch von den repräsentativen Organisationen der Judenheit der Welt aufs schärfste mißbilligt wird. Wir halten es darum auch für eine Mystifikation, wenn polnisch-jüdische Blätter polnische Rabbiner nennen, die sich angeblich anschickten, der zionistischen Organisation und dem Keren Hajessod wegen jenes Transferabkommens den Kampf anzusagen. Es gibt leider der Punkte genug, in denen sich die geistigen Führer der polnischen Judenheit von der zionistischen Organisation und dem Keren Hajessod zu distanzie- und Mächtige, des Menschen bedarf. Auf diese Art könnte die komische Situation entstehen, daß sich Reichs und Arme nie zur gleichen Zeit freuen könnten, denn lacht der Reiche aus sorglosem Wohlergehen, dann weint der Arme in' seiner Verlassenheit. Erst wenn der Mächtige weint, weil plötzlich aus Ruhe und Glück gerissen und dabei des Armen gedenkt, hätte dieser Grund zu lachen. So darf es aber nicht sein, beide Brüder, der große wie der kleine, müssen zu gleicher Zeit mit ihrer Not und mit ihrer Freude vor G'tt erscheinen, darum heißt die Losungen»1»! ">nnnv, erfreue aus deiner Freude heraus. Freue dich mit deinem Bruder und er freue sich mit dir. Und daher das Bekenntnis: n'an p snpn vwa. ich habe das Heilige — aus freudigem Herzen — vom Ertrage dem Leviten, dem Fremdling usw. gegeben und nicht gewartet. Ich habe nicht erst an den armen Bruder gedacht, wenn ich von eigener Trauer daran gemahnt wurde: 13»» ■oisaviVaK sV-Ich habe ihm die Gabe nicht erst verabreicht, wenn sie für mich selber unbrauchbar und ungenießbar war: tf»»a na» vina NVilch habe nicht allein „testamentarisch und letztwillig verfügt", sondern lebendige Wohltat Tag für Tag geübt: ntb ub» 'flna «Vi Ich freute mich und erfreute. 'nna'P! vin»tf- Das Bekenntnis schließt mit einem Aufblick zur heiligen Stätte G'ttes im Himmel, woher der Segen kommt für Volk und Boden, ns'pffn- Midrasch stellt fest, daß überall «]j?»n im Sinne eines Fluches gebraucht wird, so bei Sedom t]pP'i u. a. m. Hier allein wird der Ausdruck für den g'ttlichen Segen gebraucht. Warum? ren, ja sie auch zu bekämpfen hätten. Die Bemühungen zur Anbahnung eines Waren- und. Geldaustausches zwischen Deutschland und Palästina müssen aber yon uns allen sowohl im Interesse der deutschen Juden wie in dem Palästinas rückhaltlos begrüßt und unterstützt werden. Wir sind auch überzeugt, daß keine führende rabbinische Persönlichkeit sich zum Werkzeug dieses selbstmörderischen Wühlereien,, auch wenn die Gasse ihnen zujubelt, hergeben wird. Einwanderungs- und Nie derlassungs - Möglichkeiten in Europa und Übersee. Das soeben erschienene Äugust-Heft des vom Hilfsverein der deutschen Juden herausgegebenen ,.Korrespondenzblatts über Auswanderungs¬ und Siedlungswesen" gibt eine erschöpfende Uebersicht über die Einwanderungsbedingungen und wirtschaftlichen Verhältnisse inetwahundert Ländern aller Erdteile. Hinter der bescheidenen Bezeichnung eines „Korrespondenzblattes" verbirgt sich ein wahres Ko mpendium des Auswanderungs- und Siedlungswesens, das in so zweckmäßiger und sachkundiger Weise nur durch eine Organisation zusammengestellt werden konnte, der wie dem Hilfsverein der deutschen Juden jahrzehntelange Erfahrung auf diesem Gebiet und die notwendigen Verbindungen mit allen Stellen, die für zuverlässige Informationen in Betracht kommen, zur Verfügung stehen. Wie immer, konnte sich der Hilfsverein auch bei den Vorarbeiten zu dieser bedeutsamen Publikation auf die bewährte Mithilfe der großen ausländischen jüdischen Verbände für Auswandererfürsorge, wie H i c e m und Anglo-Hicem, die Jewish Colon i- . sation Association (JCA), Hias in Amerika und den National Council of Jewish Women in den Vereinigten Staaten stützen, mit denen der Hilfsverein dauernd in Verbindung steht. Das 80 Seiten starke Heft stellt den alphabetisch geordneten Informationen aus den einzelnen Ländern, die vielfach Darstellungen von verschiedener Seite nebeneinander bringen und damit die Möglichkeit zu Vergleichen und einer allseitigen Erfassung der Situation bieten, grundsätzliche Ausführungen über modernes Siedlungswesen und Berichte über das Auswanderer-Fürsorgewerk des Hilfsvereins und die Kolonisationsarbeit der JCA voran. Besonders bemerkenswert sind die in dem Heft veröffentlichten etwa 60 bis 70 Briefe, die von Personen, denen der * In Wahrheit handelt es sich hier nicht um eine | sprachliche Abweichung, sondern diese Ausdrucksf form ist in der Sache begründet. Wenn f^ft ein l Ueberschauen, ein bloßes Anblicken bedeutet, so | wird mit tpwn ein Indietief eschauen zum | Ausdruck gebraucht. Wenn der g'ttliche Richter bei | allen sonstigen Anlässen in die Tiefe unseres Tuns | prüfend schaute, dann hätten wir Grund zu er- * schauern. Es ist vieles in unserem Leben als Volk [ G'ttes, das einer tieferen Prüfung vielleicht nicht ' standhält, eine Sorge, die in den Gebeten zu den hei- '• ligen Tagen sich uns immer und immer wieder auff drängt und zur Besserung zwingt, riyit» nsptfn ^a Hier aber, im Kapitel der Wohltätigkeit und der Bruderjj liebe, können wir ohne Bedenken um m>pvn. tieferes f Schauen bitten. Beherzigen und halten wir „Bikkurim" und „Maasser" dem Sinne und dem Wortlaute nach, dann darf G'tt tiefer in unser Tun >, schauen, wir halten in dieser Beziehung den prüfenden Richterblick aus, hier kann ns'pwn nur naits^ zum \ Guten sein.!' Denn, wie unsere Weisen noch hinzufügen: lJ'wy ' liV nmp rm „Wir taten, was Du uns geboten hast." unmsans? n»\nwy „Es ist nun an Dir, zu erfüllen, was Du uns versprochen hast." (Nach nwynm emanlvon Rabbi Jecheskel Liebschütz h"Zi) Die Mischnah als Mussarbuch. Von Rabb. Dr. Ansbacher in Wiesbaden. (Fortsetzung.) :f~» a-s ms?n Eine eben aktuelle Mischnah: . . . Hart yrb jrpinn, „Wer in eine Grube hinein Sehaufor bläst, hat der

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