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Der Israelit · 1934-08-30 · Heft 35 (30.8.1934) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 35 (30.8.1934)
Date
1934-08-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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30. August 1934 Der 1 s r a e 1 i t Nr. 35 Seite 3 Leistung für Lehre und Land! f (Fortsetzung von Seife 1.) recht aus der Tauroh herleitet, aus ihr allein die Prinzipien für ihre Organisationsform und . ihren Arbeitsbereich. Für die Diaspora und gewiß für das Heilige . Land! Man sagt, daß wir unsere Erez Jisroel- Liebe gar spät entdeckt hätten, man sagt, daß wir den Andern die Formen abgeschaut hätten, daß wir uns ihrer Erfahrungen, ihrer Pionierarbeit bedienten, wir wollen darüber nicht streiten. Und wenn sie tausendmal recht haben: uns geht es doch um d i e Sehnsucht, die sie nicht kennen wollen: in Seinem Haus zu weilen; was ihnen Ziel ist, das ist uns nur der Weg zum Ziel! Wir sprechen dies nicht aus, um zu polemisieren, es ist der Elul, dessen Ruf wir hören: der Weg zu G ' 11, ihn bereiten, dies kann und will nur Agudas Jisroel! Den Weg zu G ' 11 e s Land, ihn bereiten, dies kann und will nur Agudas Jisroel! Die Söhne an die Väter binden, den neuen Jischuw mit dem alt e n aussöhnen, bei den Alten Verständnis für die Jugend, bei der Jugend Verehrung für die Alten wecken, dies kann und will nur Agudas Jisroel! In dem großen Ringen zwischen Besitzer und Arbeiter den rechten Weg weisen, dies kann und will nur Agudas Jisroel, nicht weil ihre Führer die klügeren Köpfe, die gewiegteren Diplomaten wären, deshalb nur, weil sie dem Daas Hatauro folgt. Und darum: Mag man „drüben" wenig Verständnis aufbringen für das, was Agudas Jisroel will, wenn w i r es nur wissen — und daraus die Konsequenzen ziehen! Unsere Jugend macht jetzt große Anstrengungen, der Sekunden-Aktion zum Erfolg zu verhelfen, kann und darf es uns stören, wenn die andern sie verächtlich machen? Hindernis auf Hindernis stellte sich einst Abraham in den Weg, er ging zur Höhe, unbeirrt und unbeeinflußt. Blasen wir nicht darum auf dem Widderhorn, uns dies wieder und wieder ins Bewußtsein zu prägen! Nicht Beifall und nicht Hohn dürfen uns berühren, denn dann wären wir schlechte Erben und ungetreue Söhne! „In Seinem Haus zu weilen!" dies der Wunsch und. das Verlangen! Und wiederum: nur die Agudas Jisroel ist bestrebt, diesem Wunsch und diesem Verlangen Rechnung zu tragen. Denn selbst die, welche das Motto Thora w'Aboda auf ihre Fahne geschrieben (indem sie dabei den Betriff Awaudo verbogen!), sie kennen, wollen nur eine Tauroh kennen, die in Beziehung steht zu ihrem Dienst am Land — dieser Dienst soll ein der Tauroh entsprechender sein — daß aber die Tauroh im Zentrum steht, und losgelöst vom Lande das Zentrum bleibt, daß jede Stätte, ihr errichtet, Sein Haus ist, dem die Sehnsucht und die Liebe gehören, dies weiß und bekundet Agudas Jisroel, dies möchte im Leben der Allgemeinheit verwirklichen ihr Keren Hator a h! Und wenn es unsere Gewißheit ist, daß alle Agudisten jetzt ihre volle Kraft in den Dienst der Sekundenaktion stellen, um an der Verwirklichung des Wortes mitzuarbeiten: „Wer in Erez Jisroel wohnt, der erntet die Ewigkeit", dann ist es unsere Hoffnung, daß sie über dieser Aufgabe die andere nicht vergessen: „Wer seine Kinder erzieht zu Talmud Tau roh, der. erntet die Ewigkeit!" Beide Worte sprach Rabbi Jauchonon, das eine ohne das andre ist nur ein Halbes! Und besonders der deutschen Judenheit bleibe es deutlich und klar, daß alle Anstrengungen, die sie für ihre Jugend macht, umsonst sind, wenn die Sorge um das Land, die Arbeit für das Land die Sorge um die Tauroh, die Arbeit für die Tauroh verdrängten. Maß um Maß! Die Kraft, die der Mensch aufwendet, die Lehre und ihre Stätten, die Lehre und ihre Erforscher, die Lehre und ihre Jünger zu erhalten, die Kraft fließt ihm doppelt wieder zu! Hier braucht nicht von der Bedeutung des „Lernens" gesprochen zu werden. G'ttlob haben die Großen, die dem deutschen Judentum nach den Zeiten der Abwehr bis in unsere Gegenwart hinein das Gepräge gaben, den Sinn für gründliches Lernen, für den Besuch von Jeschiwaus wieder reif und bereit gemacht, nur die Notwendigkeit sei unterstrichen und wieder unterstrichen, für dieses Lernen die äußersten Opfer an Zeit und Kraft zu bringen! Der deutsche Keren Hatorah war in letzter Zeit schweigsam; er glaubte, denen in ihrer Arbeit für eine Weile den Vortritt lassen zu müssen, die sorgten im Sinn des "pK nöj? "pH DN min, jetzt aber tritt er wieder vor die Oeffentlichkeit mit seiner Devise:nap min pH DK und erinnert an die Nutzlosigkeit aller Bemühung, die über dem Heute das Gestern und den Morgen vergißt. Er tritt vor die jüdische Oeffentlichkeit und meldet vor ihr die Ansprüche der Lernenden und Lehrenden an, Ansprüche, die niemand abweisen darf, denn das bedeutete, den Brunnen zuschütten, aus dem wir trinken. Dieser Ruf .des Keren Hatorah ist ein Ruf an alle: nicht jeder kann ein Jissochor sein, aber jeder ein Sewulun! In einem Segenswort umschließt Moses die Leistung beider, sie stehen nebeneinander, wenn sie füreinander sind! Der deutsche Keren Hatorah steht nicht in eifersüchtiger Haltung neben den Instanzen der Agudor die für das Heilige Land werben, er steht auch in ihrem Dienst, denn er will die Jugend verwurzeln in dem Boden, aus dem allein die volle Kraft und die ganze Hingebung für richtige Palästinaarbeit erwachsen kann! Und darum soll sich nun der Arbeit für die Sekundenaktion, wenn wir sie an allen Orten in heiliger Bereitschaft durchgeführt haben, wieder die regelmäßige, stille Arbeit für d em deutschen Keren Hatorah a n s c h 1 i e ß e n! Der große Mahner zu dieser Arbeit, der Hamburger Raw a'^n hat seine Augen geschlossen, mancher seiner Mitarbeiter ist gehindert, in gleicher Weise wie früher an dem Werk mitzuhelfen, das Werk lebt aber, und es liegt an uns, ihm wieder die alte Kraft und Bedeutung zu geben! „Tage des Wohlgefallens" sind diese Elultage, sie leiten hin zu dem großen Tage, da Moses wiederum die Tafeln des Gesetzes aus G'ttes Hand empfing und uns erklingt als Einleitung dieses Tages allemal feierlich und tröstend entgegen: „Und der Ewige sprach: Ich habe verziehen nach deinem Worte!" Einst verzieh G'tt erst und dann gab er uns die Tafeln, bei uns heute ist es umgekehrt: Sind unsere Gesetzestafeln ganz, dann verzeiht G'tt uns! Wenn wir gut verstehen den Ruf dieses Monats, wenn unsere Treue zur Gesamtheit auslöst unsere Leistung für Lehre und Land, dann wird uns als Trost und Lohn die Botschaft von einst zur Segnung von heute: TinVoj Wochenrundschau, Der Bericht der Mandatkommission. Nachdem wir in voriger Woche auf Grund der ITA.-Berichte bereits ziemlich ausführlich über die Palästina betreffenden Verhandlungen und Beschlüsse in der Sommersession der Mandatkommission referiert haben, liegt jetzt endlich das Protokoll über die Sitzung im französischen Original vor. Es gibt zu einigen ergänzenden und berichtigenden Nachbemerkungen Anlaß. Im Mittelpunkt der Aussprache standen wirtschaftliche Fragen, und die politischen Hintergründe dieser Fragen klangen nur in einem wie aus weiter Ferne kommenden Pianissimo durch das Pro und Contra der ökonomischen Diskussionen über die Aufnahmefähigkeit und die Chancen, des Arbeitsmarktes hindurch. Immerhin wagte es Herr van Rees durch seine nicht locker lassende Berufung auf den Macdonald-Brief den Vertreter der Mandatarmacht mit Bezug auf die Drosselung der jüdischen Arbeiter-Einwanderung ' derart in die Enge zu treiben, daß Mr. Hall schließlich mit der Erklärung das Feld räumen mußte, er wolle den Macdonald-Brief, den Vertreter der Mandataraber nicht interpretiert, sondern schlechtweg zur Grundlage genommen, so bleibt es unverständlich, daß durch die Zertifikatpolitik in die mit jüdischem Kapital und für Juden geschaffenen Arbeitsplätze Zehntausende von arabischen Arbeitern, Transjordaniern und Hauraniern, hineingepumpt werden. Bedauerlich scheint uns, daß über die inzwischen plötzlich so aktuell gewordene Frage der Selbstverwaltung, irisbesondere des Legislative Council, in Genf so wenig gesprochen worden ist. Hier müßte auf alle Fälle der Mandatkommission sin wirklicher Einfluß gesichert werden. Was die spezifisch jüdisch-religiösen Fragen betrfft, so ergibt sich zu unsrer Genugtuung aus dem Protokoll, daß wir der Mandat-Kommission in unsrer vorwöchentlichen Betrachtung Unrecht getan haben. Sie hat ihre bisherige, objektiv gerechte Haltung gegenüber den Bestrebungen der „Agudas Jisroel" auf Erlangung der korporativen Gleichberechtigung nicht geändert und die Beratungen und Beschlüsse, von denen wir mißverständlicher Weise sprachen, bezogen sich auf eine in weitesten Kreisen unbekannte Splittergruppe unter dem Namen „Waad A d a t h Aschkenasim", nicht' auf den „Waad hair hoaschkenasi" unter dem Oberrabbinat von "Rabbiner Duschinski. Die erwähnte Gruppe von einigen Hundert Kanoim unter der Führung eines Rabbiners Schorr hatte sich in zwei Eingaben geradewegs an die Mandatkommission gewandt und um Gemeinderechte und eigene Zertifikate gebeten. Irgend ein sachlicher Anlaß zu einer solchen Zersplitterung der Orthodoxie liegt nicht vor und man kann nur billigen, daß die Mandatko'mmission diesen Versuch, im Trüben zu fischen, energisch zurückwies. Ueber die im „Israelit" während des Frühjahrs wiederholt erwähnten Versuche, zwischen Agudath Israel und Kneseth Israel eine Vereinbarung wegen Bildung eines einheitlichen Oberrabbinats zustande zu bringen, sagt der Bericht der Mandatarmacht an die Mandatkommission folgendes: „Verhandlungen von nichtoffiziellem Charakter haben im Laufe des letzten Jahres zwischen dem Waad ieumi und der Agudas Jisroel stattgehabt in der Absicht, festzustellen, ob es möglich sei, zu einer Uebereinkunft zu gelangen, auf Grund deren diese beiden Organismen in den ihre Gemeinschaften interessierenden Angelegenheiten zusammenarbeiten können. Die Diskussionen haben sich hauptsächlich erstreckt über die Lage und die Kompetenz der Rabbiner und der rabbinischen Tribunale der Agudas Jisroel und sie mündeten in einem Projekt als Grundlage für eine Uebereinkunft in diesem Funkte. Offizielle Verhandlungen wurden dann angebahnt und bevollmächtigte Vertreter des Waad leumi und der Agudath Israel-Zentrale haben sich neuerdings vereinigt und in einer Reihe von Sitzungen, welche unter dem Vorsitz eines Staatsbeamten stattfanden, haben sie die Grundzüge einer Uebereinkunft festgelegt, bestimmt dazu, ihren beiderseiti-

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