Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1934)
- Date
- 1934-08-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 33. Der Israelit 23. August 1934 Jischuw Erez Jisroel und Zionismus keinen Augen blick aus den Augen zu lassen, dann aber dafür zu sorgen, daß die jetzt endlich „freie" Alijah nicht zu einer „Alijah der Freien" werde. Jetzt erst sei durch die Beseitigung des zionistischen Einwanderungsmonopols die erste Voraussetzung für den Beginn einer Jischuw-Arebit der Agüdas Jisroel geschaffen. Alles aber sei abhängig von dem Organisationsproblem, daß das Olef und Toph aller agudistischen Arbeit bilden muß. Nachdem Rabbiner Schub die Zusammensetzung verschiedener Arbeitskommissionen mitgeteilt hat, ergreift, während die ganze Versammlung sich erhebt, Rabbi Chajim Oser Grodzenski das Wort zu einer Rede, indem er der Konferenz d< Segen des Himmels wünscht und alsdann interessante geschichtliche Reminiszenzen aus der Entstehungszeit der Agudas Jisroel mitteilt. Schon 5667 habe sich in Wilna ein kleiner Kreis der damaligen bsiv 'SiRl zusammengefunden, darunter Rabbi Chajim Brisker, Rabbi Elieser Telser u. a. und es wurde beschlossen eine Organisation des religiösen Judentums unter dem Namen „Kneses Isroel" zu schaffen. Sie sollte ganz die gleiche Aufgabe haben wie die spätere Agudas Jisroel. Doch scheiterte die Durchführung des Planes an dem Einspruch der damaligen zaristischen Regierung. So mußte man denn versuchen, den Sitz der Organisation ins Ausland zu verlegen. In Homburg bei Frankfurt fand dann im darauffolgenden Jahre auf Initiative des unvergeßlichen Verfassers des o'Jipmn nnn» Rabbi Jizchok Ejsik H a 1 e v i, die grundlegende Konferenz statt, in der die Gründung der Agudas Jisroel beschlossen wurde. Vier Jahre dauerte es dann noch, bis in Kattowitz die offizielle Konstituierung stattfinden konnte. Agudas Jisroel brauche sich über Programmfragen Jen Kopf nicht zu zerbrechen, ihr Programm sei die T h o r a vom Sinai, nur die Organisationsformen bedürfen und unterliegen der Diskussion. Aktive Arbeit auf allen Gebieten, sei es Jischuw Erez Jisroel, sei es Erziehungsarbeit im breitesten Maße, müsse die Losung sein. Das Erfreulichste an der heutigen Versammlung sei, daß die Initiative dazu aus den weitesten Volkskreisen erwachsen sei, aus den sogenannten baalebatischen Elementen. Das beweise das Heraufkommen einer neueren Kraft im jüdischen Leben, der man nur aus vollem Herzen zurufen könne: •13X181 1307 urnw Iva ipinnm ipin Nach der Rede von Rabbi Chajim Oser Grodzenski wird die Eröffnungssitzung; in später Nachtstunde geschlossen. In der zweiten Sitzung am Montag referierte über Organisation und Propaganda Rabbi S c h 1 o m e Cohen, Wilna, alsdann sprach Rabbi Schedraniki aus Bialystok über Erez Isroel. Er betonte ähnlich wie A. S. Friedmann die Notwendigkeit scharfer Grenzabsteckung gegenüber dem Zionismus. Schon in Kattowitz sei die Notwendigkeit der Jischuw-Arbeit energisch betont worden. Es gelte den Heiligkeitscharakter des Landes zu erhalten. Heute dürfe man wirklich nur die geistig stärksten Elemente, die den Prüfungen und Schwierigkeiten gewachsen sind, dorthin schikken und es sei von größter Bedeutung, schon in den Hachscharastätten die jungen Menschen gegenüber diesen Versuchungen zu wappnen. Keren Hajischuw, das finanzielle Instrument der Agudas Jisroel, müsse unter den Massen populär gemacht werden. Das erfordert schwierige, mühselige Arbeit, die aber lohnend sein werde. Der Keren Hajischuw sei das beste Mittel, um den Agudo-Gedanken in seiner Vollständigkeit den Massen allmählich ebenfalls verständlich zu machen. Nach diesem Referat schloß die zweite Sitzung. Die dritte Sitzung war von einer eingehenden allgemeinen Aussprache, an der sich insbesondere die anwesenden Rabbinen lebhaft beteiligten, ausgefüllt. Unter anderem wurde von der Leitung dabei darauf hingewiesen, daß die Gründung eines Agudo-Mittelpunktes in Wilna keineswegs irgend welche Lockerung der Disziplin bedeute, sondern daß die Zentrale in Warschau bleibe und lediglich für Propagandazwecke eine Unterzentrale in Wilna gebildet werden soll. Abends 8 Uhr fand die feierliche Eröffnung der besonderen Chinnuch-Konferenz der Chorew-Zentrale statt unter Vorsitz von Rabbiner K o r r e 1 i tz aus Lechewitz. Dr. Niemczewitz aus G r o d n o hielt ein ausführliches Referat über alle Chinnuchfragen. Im Anschluß daran behandelte der Vorsüzende der Zeirim-Organisation, Rabbiner Hirschhorn, die Fragen der Jugend bildung im nachschulpflichtigen Alter. An beide Re ferate schlössen sich ausführliche Ansprachen an. An die Konferenz, die am Dienstag Abend 9 Uhr geschlossen wurde, schloß sich die erste Konferenz der Bnos Agudas Jisroel in Litauisch Polen an, über die Bericht noch folgt. Italien. Der Papst begrüßt die gemeinsame Aktion der christlichen und jüdischen Geistlichkeit zur Bekämpfung sittenverderbender Filme. Rom, 14. August. In einer Audienz, die er dem Sekretär des Internationalen Vereins der Film-Presse, Maurizio Wildy und dem Vorsitzenden des belgischen Vereins der Filmzeitungen gewährte, gab Papst Pius XI. seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß sich der von katholischen Bischöfen Amerikas eingeleiteten Aktion zur Bekämpfung sittenverderbender Filme auch die angesehensten Vertreter der jüdischen Geistlichkeit und der übrigen Bekenntnisse angeschlossen haben, Die Kirche erwarte von dieser Zusammenarbeit der christlichen und jüdischen geistlichen Welt hohen Nutzen für die Bewahrung der Jugend vor sittlichen Gefahren und für die sittliche Wohlfahrt der ganzen Mensehheit. Mussolini bei den Exhumierungs- und Ueberführungs-Arbeiten aui dem alten Friedhof in Rom. Rom, 14. August. In Begleitung des Gouverneurs der Stadt Rom, Prinz Buoncompagni Ludovisi, hat Ministerpräsident Mussolini den alten Judenfriedhof auf dem Aventin besucht. Der Friedhof wird bekanntlich zwecks Durchführung des neuen Stadtregulierungsplans aufgelassen, die Gräber und Grafdenkmäler werden nach dem jüdischen Friedhof Verano verlegt. Der Friedhof auf dem Aventin besteht seit 300 Jahren. Auf ihm sind zahlreiche hervorragende Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Rom begraben, unter ihnen auch Feiice Venezian, der in der italienischen Freiheitsbewegung eine bedeutende Rolle gespielt hat. Ministerpräsident Mussolini wurde bei seinem Besuch auf dem Friedhof von dem, stellvertretenden Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Rom Enrico Cohen und von dem Gemeindesekretär Dr. Umberto Scazzocchio empfangen. Mussolini ließ sich geschichtliche Einzelheiten über den alten Friedhof erläutern und erkundigte sich mit großem Interesse nach dem Stand. der Verlegungsarbeiten, die auf Kosten; der Stadtverwaltung Rom durchgeführt' werden. Palästina. Zu den Stadtratswahlen in Jerusalem. Jerusalem, 19. August. Nach vielerlei Verhandlungen zwischen Agudas Jisroel und Misrachi einerseits, der Agudo und' den übrigen Parteien andererseits ist nunmehr ein einheitlicher jüdischer Wahlblock für die Stadtratswahlen zustande gekommen. Von agudistischer Seite sind als Kandidaten die Herren Schmuel Ende oder Rabbi Mosche Blau, sowie als Vertreter der Sfardim der stellvertretende Direktor von ,Barclays Bank, Herr Chachmischwily, vorgesehen. Ein angebliches Schreiben Emir Abdullahs an den High Commissioner. Amman, 13. August. In Amman werden Nachrichten verbreitet, denen zufolge Emir Abdullah den High Commissioner von Palästina in einem Schreiben auf das den Arabern im Jahre 1916 von Sir Henry Macmahon gegebene Versprechen betreffend ihre Selbständigkeit in Palästina aufmerksam gemacht und ihn gebeten haben soll, weitere Maßnahmen zur Selbstverwaltung in; Palästina zu treffen. Es heißt, daß der Emir in diesem Brief um Entschuldigung dafür bittet, daß er sich die Freiheit genommen habe, diese Frage aufzuwerfen; er habe dies „als ein um die Wohlfahrt Palästinas besorgter Nachbar und als persönlicher Freund General Wauchopes" getan. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat vor kurzem mehrere Tage mit dem Emir in dem Wüstenlager Al-'Al verbracht. Man: glaubt, daß der Brief das Ergebnis der dort geführten; Besprechungen darstellt. Afrika. Folgen des Verleumdungs-Prozesses gegen die antisemitischen »Grauhemdenführer" in Südafrika. — Bisheriges Grauhemden-Organ ändert den Kurs. Johannesburg, 3. August. (ITA-Briefdienst.) In der bisherigen Zeitschrift der antisemitischen „Grauhemdenbewegung" Südafrikas, „Rapport", veröffentlicht der Hauptschriftleiter des Blattes, David Hermanus Olivier, einer der drei Angeklagten in dem Grahamstowner Verleumdungsprozeß, der von dem Rabbiner der Synagoge in Port Elizabeth gegen die Verbreiter eines angeblich aus dieser Synagoge entwendeten „Dokuments der Weisen von Zion" angestrengt worden ist, eine Mitteilung, in der es heißt: Ich bin soeben von Grahamstown zurückgekommen. Die dieswöchige Ausgabe des „Rapport" ist. fast fertiggestellt, enthält aber wieder nichts als Haß, arglistigen Trug, Ränke und Rachgier. Nunmehr veröffentlichen wir diese Ausgabe in der vorliegenden Form mit folgender unwiderleglicher Feststellung: Es ist eine sehr schwere Aufgabe, eine Lüge zu ändern und sie Wahrheit zu nennen. Aber andererseits wiederum braucht man nicht den Geist eines Weisen, um die Wahrheit festzustellen. Die Wahrheit ist nun, daß ich meine Zeitung dazu benutzt habe, um. die Saat der Verleumdung unter den Nichtjuden zu säen. Die Wahrheit ist, daß mein Sinn verblendet war und ich deshalb zwischen Wahr und Falsch nicht unterscheiden konnte. Die Wahrheit ist, daß: das, was vom Juden gilt, mitunter auch auf Nichtjuden zutrifft! Ich fordere jedermann auf, dies zu widerlegen. Leset den „Rapport" von nun an, und Ihr werdet darin die Beweise für meine Behauptung finden.; Wir werden in Zukunft jegliche Korruption bekämpfen, gehe sie von Juden oder von Nichtjuden aus. Unerwünschte Einwanderer, besonders solche aus kommunistischen Ländern, halten wir für ungeeignet fürunser Land. . Um des Heils unserer Nation, um des Heils der .Christenheit willen sind wir verpflichtet, dieses. gefährliche Element zu bekämpfen. Gleichzeitig ^veröffentlichten der „Port Elizabeth Weekly Telegraph" und der „Port Elizabeth Advertiser" eine Mitteilung von Alfred King, in der er seinen Austritt aus der südafrikanischen Grauhemden- Bewegung bekanntgibt, King, auch König genannt, ist derjenige, der die Nummer des „Rapport", in der die verleumderischen Behauptungen über Rabbi Levy von der Synagoge in Port Elizabeth und die angeblichen jüdischen Weltherrschaftspläne enthalten waren, verbreitet hatte. Er war ursprünglich ebenfalls in dem Grahamstowner Prozeß angeklagt, doch wurde; das Verfahren gegen ihn ausgeschieden, nachdem er sich bereit erklärt-hatte, in allen. Zeitungen der Ostprovinz eine Entschuldigung zu veröffentlichen, und einen Beitrag von 150 Pfund zu den Prozeßunkösten, zu bezahlen. Wochenkalender. Vom 25. Aug. bis 1. Sept. 1934 ( Vom 14. — 21. EIul 5694 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag 1 '»"P sp 25 14 ■ptj'ä KD 26 15 3D 27 16 : as 28 17 13 29 18 HD 30 19 13 31 20 TÖ l| 21 na