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Der Israelit · 1934-08-23 · Heft 34 (23.8.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 34 (23.8.1934)
Date
1934-08-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 33 Der Israelit 23. August 1934 J. L. Magnes, ein Ende. Es wird ein Universitätsrat von 9 Mitgliedern geschaffen, bestehend aus dem Rektor, vier Universitätsprofessoren und vier nichtakademischen Mitgliedern. Außerdem treten dem Rate ein Schatzmeister und ein technischer Berater zur Seite. Der Rat hat künftig den Rektor auf eine .bestimmte Anzahl von Jahren zu wählen. Das Kuratorium kooptierte drei neue Mitglieder: Salman Schocken, Berl Katzenellensohn und Richter F r u m k i n. Das Amt des Schatzmeisters wurde Salman Schocken übertragen. Das Budget für 1934/35 beträgt Lst. 48.000, außerdem ist eine Summe von Lst. 10.000 für die Ermöglichung der Anstellung früher in Deutschland tätiger Gelehrter vorgesehen. Der Grundstein zu einer medizinischen Fakultät wird gelegt durch die Gründung eines Hochschluinstituts für Medizin, bestimmt zur medizinischen Fortbildung. Beschlossen wurde ferner, Lehrstühle und Dozenturen für moderne Geschichte, jüdische Religionsphilosophie, Psychologie, physikalische Chemie und Pathologie zu schaffen. Für das Krebsforschungsinstitut ist von einem anonymen Gönner eine Spende von Lst. 40.000 zur Verfügung gestellt worden. Endlich beschloß das Kuratorium, Schritte zur Gründung eines pädagogischen Instituts zu unternehmen. Reorganisation der Jewish Agency, Zürich, 17. August. Gestern fand hier eine inoffizielle Besprechung von Exekutiv-Mitgliedern der Agency und einer Anzahl nichtzionistischer Freunde dieser Körperschaft statt. Unter anderen war Prof. Cyrus Adler, D'Avigdor G o 1 d s m i d , Nevüle L a s k i und von den Mitgliedern der zionistischen Exekutive Prof. Brodetsky, Locker, Grünbaum und Rupp i n anwesend. Neville Laski führte den Vorsitz. Locker referierte über die bisherigen Ergebnisse der Zusammenarbeit zwischen Zionisten und Nichtzionisten in der Agency. Man fordert von den letzteren stärkere Aktivität und vor allem die Gründung von nichtzionistischen Organisationen, in denen alle dem Palästinagedanken nahestehenden Gruppen zur wirksamen Mitarbeit am Aufbauwerk zusammengefaßt werden sollen. Dr. Maurice B. Hexter gab im Anschluß an sein Referat über die Finanzlage der Jewish Agency Informationen über einzelne Posten des Budgets. Er betonte, daß die bisher erzielten Einnahmen des Keren Hajessod zu der Erwartung berechtigen, daß das in Prag angenommene Budget in diesem Jahre gesichert sein wird. Es sei im Laufe des Berichtsjahres gelungen, die Schulden der Jewish Agency und des Keren Hajessod um 75.000 Pfund zu verringern. Der Bericht der Mandatkommission an den Völkerbundrat. Genf, 16. August. Soeben wurde der Bericht der Mandatkommission an den Völkerbundrat und das Protokoll der vom 30. Mai bis 12. Juni abgehaltenen 25. Session der Kommission den Mitgliedsstaaten des Völkerbundes zugestellt. Der Bericht enthält eine Reihe von allgemeinen und besonderen Bemerkungen zu Palästina-Angelegenheiten, die zumeist von den Mitteilungen der Regierung Kenntnis nehmen und gewisse Wünsche äußern, so z. B. den Wunsch, die Wohltaten des öffentlichen Unterrichts insbesondere den arabischen Kindern in erweitertem Umfange zugängig zu machen. Zu den Petitionen von jüdischer Seite sagt der Bericht folgendes: Die Mandatskommission hat während ihrer letzten Tagung eine Anzahl von Petitionen samt den zugehörigen Bemerkungen der Mandatarmacht geprüft. Nach einer Aussprache ist die Kommission zu folgenden Schlüssen gelangt: 1. Memoranda der Exekutive des Hauptrats (Waad Leumi) der jüdischen Gemeinschaft Palästinas (Mai 1933), des Oberrabbinats von Palästina (vom 9. April 1933) und der Central Agudath Israel (vom 11. Mai 1933). Die Kommission stellt bezüglich der Diskriminierung, die nach Ansicht der jüdischen Petenten zu Ungunsten der rabbinischen Gerichte im Vergleich zu Die Woche, Berlin. Die jüdische Gemeinde in Berlin richtet zur Zeit eine Mitgliederkart e i ein. Zu diesem Zwecke ist von den Gemeindemitgliedern ein außerordentlich stark spezialisierter Fragebogen für jeden einzelnen Haushaltsangehörigen zu beantworten. Die Statistik dient nicht steuerlichen, sondern rein sozialen, wirtschaftlichen und pädagogischen Zwecken. Köln. Unter Bezugnahme auf die vor kurzem veröffentlichten Pressemitteilungen über die Sperre des Strandbades Marienburg-Poll für jüdische Badegäste wird bekanntgegeben: Das antisemitische Plakat im Strandbad Poll ist entfernt und es sind Maßnahmen getroffen worden, die es jedem ermöglichen, das Bad zu benutzen. Nürnberg. Der „Stürmer" versendet an seine Abonnenten eine Mitteilung, worin die Beschlagnahme wegen Beleidigung des tschechoslovakischen Staatsoberhauptes bekanntgegeben wird und es weiter heißt, daß der „Stürmer" am 18. August wieder erscheint: „Mit diesem Tage führt er seinen Kampf gegen den Weltfeind All-Juda in der gewohnten Weise weiter. Amsterdam. Vergangene Woche traten 130 deutsch-jüdische Auswanderer, die seit einem Jahre in Holland lebten, die Reise nach Brasilien an. Bukarest. In einer Besprechung mit den Präfekten des Landes forderte der Innenminister energische Maßnahmen gegen Bolschewismus, Faschismus und gegen die antisemitische Eiserne Garde. Prag. Schülern Asch hat die Aufführung seines Dramas „Gott der Rache" in Budapest verboten. Er wolle nicht, daß in heutiger Zeit durch sein Stück konfessionelle Reibungsflächen geschaffen würden. Die Zeiten hätten sich geändert, seitdem er das Drama, schrieb. Lodz. Aus Anlaß der erneuten antijüdischen Ausschreitungen haben die Behörden drei nationaldemokratische Führer verhaftet und unter Anklage gestellt. Ein Führer der Jugendsektion der nationaldemokratischen Partei wurde in ein Isolierungslager gebracht. Belgrad. Der Ehrenpräsident des Verbandes der jüdischen Ge- meinden in Jugoslavien, Dr, Hugo Spitzer, ist im Alter von 76 Jahren verstorben. — Konsiantinopel. Die türkische Regierung hat die vor einigen Monaten hier gegründete antisemitische Zeitung verboten und ein gerichtliches Verfahren wegen Verhetzung gegen die Herausgeber eingeleitet. Oslo. In Oslo traten vom 5. bis 8. August die skandinavisch-jüdischen Jugendverbände zusammen. Rabbiner Dr. Melchior-Kopenhagen und Rabbiner Samuel-Oslo hielten Referate im religiös-zionistischen Sinne. Sie traten für eine Synthese religiösen Fühlens und nationalen Wollens ein. Jerusalem. In einem Verleumdungsprozeß Ben Gurions gegen den Doar Hajom ist es zu einem Vergleich gekommen. Der Richter appellierte an die Redakteure der hebräischen Zeitungen, in Zukunft mit Anklagen und Verleumdungen vorsichtiger zu sein. — „Palestine-Post" will erfahren haben, daß der Großmufti von Jerusalem die Bewegung zur Bildung von freiwilligen Abteilungen inoffizieller Gendarmen zur Bewachung der Grenzen Palästina gegen illegale jüdische Einwanderung persönlich angeregt oder unter sein Protektorat genommen habe. — Zum Stadtrat von Jerusalem sind nur 4400 Juden, 2800 Mohammedaner und 1600 Christen wahlberechtigt, obgleich etwa 70.000 Juden in Jerusalem wohnen, hiervon 10—12.000 im wahlfähigen Alter. Die meisten jedoch sind nicht palästinensische Landesbürger. — Die arabische Presse erwartet die Ankunft des englischen Faschistenführers Sir Oswald Mosley und befürwortet die Annäherung an diesen, der „ein bekannter Judengegner" sei. — An Schaufensterscheiben und Hausmauern sind in Jerusalem und Haifa Plakate mit Hakenkreuz in arabischer Sprache angebracht worden, die zur Boykottierung der Juden auffordern. — Das Oberrabbinat des Waad hair Aschkenasi und die Agudas Jisroel- Zentrale in Jerusalem haben anläßlich des Hinscheidens des deutschen Reichspräsidenten von Hindenburg warme Beileidsschreiben an das deutsche Generalkonsulat in Jerusalem gerichtet, von dem eine Einladung zur Trauerfeier um den heimgegangenen Reichspräsidenten eingegangen war. den islamitischen Gerichten besteht, fest, daßtatsächlich ein vom ottomanischen Reich übernommenes Statut der moslemitischen Gerichte vorhanden ist, dem kein gleichartiges für die religiösen Gerichte anderer Bekenntnisse zur Seite steht; die Kommission stellt weiter fest, daß dieser Umstand, auch wenn er nicht eine bestimmte Verletzung einer Mandatsbestimmungdarstellt, zum mindesten eine unbestreitbare Verschiedenheit der Behandlung bedeutet; die Kommission ist nicht in der Lage, präzise Vorschläge zur Beseitigung dieser Ungleichheit zu machen, sie hofft aber, daß es der Mandatarmacht möglich sein wird, Wege zu finden, durch die, wenn schon nicht eine formelle Gleichstellung, so zumindest eine gleichartige Behandlung in finanzieller Beziehung erreicht werden könnte. Was die Frage der jüdischen Gemeinden betrifft, so hält es-die Kommission, nachdem sie mit Genugtuung die Erklärung des Vertreters der Mandatarmacht gehört hat, daß diese Frage im Begriffe steht, einvernehmlich gelöst zu werden, nicht für wünschenswert, sich zu diesem Gegenstand zu äußern. 2. Petitionen des Waad hair Aschkenasi in Jerusalem vom 12. Juni und 28. August 1933: Nach Prüfung der Petitionen und der Bemerkungen der Mandatarmacht hat die Kommission einerseits festgestellt, daß die Petenten vollständige religiöse Freiheit genießen und der Einwanderung von Juden, für deren Lebensunterhalt Vorsorge getroffen ist, zu religiösen Zwecken nichts im Wege steht, und andererseits die Erkenntnis gewonnen, daß die Konstituierung aller religiösen Gruppen, die eine eigene offizielle Vertretung bei der Mandatarmacht wünschen, als verwaltungsmäßig autonome Gemeinschaften unerwünscht, ja sogar unmöglich ist; die Kommission ist deshalb der Meinung, daß kein Anlaß besteht, dem Völkerbundsrat besondere Vorschläge betreffend die Forderungen der Petenten zu machen. Aus dem umfassenden Protokoll über die P alästina-Debatte in der Mandatkommission veröffentlicht die ITA. ausführliche Auszüge, denen wir folgendes entnehmen: Die Kommissionsmitglieder Prof. ,R a p p a r d und van Rees erkundigen sich über die auffallende Diskrepanz zwischen den von der Agency verlangten 37.000 Arbeiterzertifikaten und der tatsächlichen Bewilligung von nur 11.000, worauf der Vertreter der Mandatarmacht, der Obersekretär der Palästina-Regierung, Mr. Hall, erklärte, daß die Regierung ein höheres Maß von Verantwortung trage für die künftige Wohlfahrt des Landes, als die Jewish Agency. Der Arbeitermangel sei zum Teil lokal und saisonmäßig bedingt. Auch sei in Betracht zu ziehen, daß jährlich 2—3000 jüdische Kinder und etwa doppelt soviel arabische Kinder dem Arbeitsmarkt zugeführt würden. Die Blüte des Baugewerbes, die den Arbeitermangel hervorrufe, werde keine dauernde Erscheinung sein. Die Agency treffe nicht die entsprechende Auswahl unter den Einwanderern und lasse zuviel Angehörige freier Berufe und geistige Arbeiter einwandern. Die Regierung sei in dieser Frage lediglich von wirtschaftlichen und nicht von politischen Rücksichten bestimmt. Gegenüber diesen Ausführungen berief sich van Rees auf die Zusagen des Macdonald-Briefes über die Verwendung jüdischer Arbeiter in jüdischen Betrieben. Macdonald habe zugesagt, daß jüdische Arbeiter beschäftigt werden für solche Arbeiten, die „von jüdischem oder hauptsächlichem jüdischem Kapital abhängig sind" und wenn auch in dem Briefe davon die Rede sei, daß die Regierung auch auf die arabischen Arbeiter Rücksicht nehmen müssej sei es doch wenig fair, schließlich nur auf diesen letzteren Gesichtspunkt und nicht auf den ersteren zu achten. Mr. Hall antwortete schließlich, er wolle sich nicht in einer Interpretation der Worte des Ministerpräsidenten einlassen, noch den Anschein erwecken, er wolle sie interpretieren. Nach anderer Richtung, nämlich vom arabischen Standpunkt aus, interpellierte der Vorsitzende der Kommission, Marquis T h e o d o 1 i, der auch fragte, ob es richtig sei, daß Araber in denselben Betrieben und für dieselbe Arbeit niedriger bezahlt werden wie die Juden. Obersekretär Hall bestätigt das, doch sei es zu rechtfertigen, da die Araber noch nicht den Lebensstandard erreicht haben, den die Juden be-

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