Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1934)
- Date
- 1934-08-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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23. August 1934 Der Israelit Nr. 33 Seite 5 lästina von Ländern mit besonders tiefem Lohnniveau umgeben ist, angesichts deren es überhaupt fraglich ist, ob die palästinensisch© Industrie jemals zu einer .ausgesprochenen Exportindustrie werden kann. Wenn Me. Menassa betont, daß der Absatz der palästinensischen Industrie zu 75 Proz. auf die jüdische Bevölkerung beschränkt ist, so besteht gerade darin zumeist zur Zeit ihre gesunde Basis. Wenn Ale. Menassa zur Vermeidung der Krise eine jährliche Einwanderung von 50.000 Menschen für erforderlich hält, so dürfte diese Ziffer bei weitem zu hoch gegriffen sein. Das Jahr 1932 war mit einem Einwanderungsüberschuß von mix ca. 16.000 Personen bereits ein gutes Konjunkturjahr und selbst im Boomjahr 1933 wanderten nur ca. 40.000 Personen ein, im laufenden ersten Halbjahr 1934 sind nur ca. 15.000 Menschen eingewandert, ohne daß eine Konjunkturabschwächung eintrat. Selbstverständlich wird die wirtschaftliche Entwicklung sich um so intensiver gestalten, je höher die Einwanderung ist, zur Aufrechterhaltung des jeweilig erreichten Wirtsehaftsvolumens ist jedoch eine Dauereinwanderung von jährlich 50.000 Menschen nicht erforderlich. Im Interesse der Entwicklung des Landes ist eine möglichst hohe Einwanderung anzustreben, die Dinge liegen aber nicht so, daß ein etwaiger Rückgang der Einwanderung in einem der nächsten Jahre — oder selbst eine Rückwranderungsbewegung gewisser Schichten — den konjunkturellen Zusammenbruch im Gefolge hat. Die sehr starke illegale arabische Einwanderung aus Syrien, Transjordanien, der Sinaihalbinsel und anderswo, die auch Me. Menassa er- Avähnt, ist der stärkste Beweis für die Stabilität der palästinensischen Konjunkturverhältnisse. Sie ist nur der Ausdruck der Tatsache, daß der Bedarf an Arbeitskräften so stark ist, daß er durch die Einwanderungsquoten der Regierung nicht entfernt gedeckt werden kann, und daß das Umsichgreifen einer Arbeitslosigkeit unter der ansässigen Bevölkerung angesichts derartiger Arbeitsreserven auf lange Sicht hinaus nicht zu befürchtQn ist. Zusammenfassend läßt sich also feststellen, daß trotz der Gefahren der Monokultur und hohen Löhne angesichts der umfangreichen Produktionsreserven von Landwirtschaft und Industrie wie der Knappheit an Arbeitskräften andererseits die palästinensische Konjunktur noch einen erheblichen Entwicklungsspielraum hat. rüsten wie zu allen Mizwos, bei denen es auf Verständnis ihres Sinnes ankommt. III. „Weise den Aegypter nicht ganz zurück, denn Gast warst Du in seinem Lande; Kinder, die ihnen (nach dem Uebertritt zum Judentum) geboren werden, das dritte Geschlecht, dürfen von ihnen in die Gemeinde G'ttes (zur Ehe) eingehn." (Kap. 23, V. 8)." Raschi erläutert: Obgleich doch die Aegypter Deine Söhne ertränkt haben, vergiß dennoch nicht, daß Du eine Heimstätte bei ihnen fandest und laß' keinen Haß gegen sie in Dir aufkommen. Die Konsequenz davon ist dann die Begrenzung des Eheverbots auf zwei Generationen für den ägyptischen Proselyten, Einer unsrer Talmudweisen aber knüpft an diese Mahnung des G'ttesworts das Sprüchwort: ,vtbp ->~mt) kV rrs'» nwr sra „In einen Wasserquell, aus dem Du auch nur einmal getrunken hast, darfst Du nie eine Erdscholle werfen". Wieviel hätten wir daraus zu lernen. Was wir auch Schweres erleben in den Ländern der Zerstreuung, nie komme ein Gefühl des Grolles im jüdischen Herzen auf. Das Land, in dem die Wiege unsrer Kinder steht und das die Gräber unsrer Lieben birgt, das uns, oft Jahrhunderte lang, ein gastliches Heim bot, und aus dessen Kulturquellen wir getrunken haben, hat — so will es G'tt — Anspruch auf unsre schweigende Treue und Liebe. Die Mandatskommission und die Orthodoxie. Der jetzt endlich dem Völkerbundsrat erstattete, bisher geheim gehaltene Bericht der Mandatkommission über ihre "Juni-Sitzung bringt dem orthodoxen Judentum Erez Isroels eine unangenehme Ueberraschung. Während gerade die Mandatkommission seit Jahren unter dem Einfluß hochdenkender und vorurteilsfreier Persönlichkeiten wie der verstorbenen Dänin Madame Wessel, des Holländers van Rees und zuletzt des deutschen Referenten Dr. R u p p e 1 volles Verständnis gezeigt hat für den Anspruch der Orthodoxie auf Gewissensfreiheit und Gleichberechtigung — noch die letzten an die Adresse der Mandatarmacht gerichteten Fragen der Session von 1932 zeigten das deutlich —, ist man nun, wie sich aus dem Genfer Bericht im Nachrichtenteil der heutigen Nummer ergibt, mit einer sachlich ganz unhaltbaren Begründung über die Petitionen des „Waad hair hoaschkenasi" in Jerusalem zur Tagesordnung übergegangen, ohne zu bedenken, daß hierdurch der Möglichkeit einer Verständigung zwischen den Parteien, an der dem High Commissioner so viel liegt, der Weg vollkommen verbaut ist. Gespräch, belauscht von B. Cohen. Jude: . . . Da es mir gar nicht gelingen will, Sie von der Heiligkeit zu überzeugen, zu der uns Juden ein Gesetz wie das der Schechita erziehen will, und Sie für die Erlangung reichsgesetzlicher Klauseln zu ihrer Wiederermöglichung zu gewinnen, so verargen Sie mir bitte nicht die Unterstellung, daß Ihnen hierbei vielleicht Ihr lutherisches Dogma maßgeblich ist, nach welchem überhaupt durch Werkheiligkeit eine Rechtfertigung vor G'tt nicht denkbar wäre. N i c h t j u d e : Sie überschätzen meine Kenntnis und meine Festigkeit in den Dogmen meiner Kirche. Ich sehe ganz einfach die Tatsache, daß Ihre Gesetzeslehrer es nicht vermocht haben, Sie, d. h. Ihren ganzen Mittelstand zu getreuen Befolgern der ethischen Grundgesetze des Lebens zu erziehen, und deshalb kann ich mich nicht für die Vorschriften einsetzen, deren Befolgung Sie über diese Grundgesetze hinaus von den Ihrigen verlangen, und zu deren Beachtung Kleines Feuilleton. (Ein Druckfehler im Jore Dea.) Herr Dr. J. Kohn in Leipzig schreibt uns: In Ihren „Literarischen Notizen" in Nr. 28 Ihres gesch. Blattes, weist Herr Dr. Dünner in Köln auf einen sinnentstellenden Fehler im T3 T^D 8"T jia'D TT v"w hin und möchte von den Lesern Auskunft über die Lesart der ersten Ausgabe des TV' Venedig 1565 (nicht 1567) haben. Der Text dieser Ausgabe gleicht — von zwei kleinen, nicht zur Sache gehörigen Abweichungen — völlig dem der meisten y~P-Ausgaben und lautet wie folgt; nawV Vsii rrxo D3ina bau d'i»3 nxo 'ab iVsjt? a">y\m d>na Va« nbvs p nvv •fr'QK 'Dnpa D->n nxo Ich habe auf diesen Fehler in unseren TV -Ausgaben in der Zeitschrift mm Iis Nr. 6 d. J. hingewiesen und die richtigen Lesarten der Hanauer und Amsterdamer Ausgaben dort erwähnt. Ich habe auch meiner Meinung Ausdruck gegeben, daß die Hanauer Lesart die richtige zu sein scheint, und daß unsere falsche Lesarten durch ein Versehen des Setzers, der einen ganzen Satz weggelassen hat, entstanden sein dürfte. Uebrigens haben Rabbi Salomo Ganzfried in seinem Werke nbntfi ünb. Lemberg 1861 und Rabbi Moses Grünwald in seinem mnt) mpn. Uzhorod 1931, die beide mit dem yw -Text gedruckt sind, durch Aenderung des Wortes tintw in o'aiRP die Lesart richtiggestellt. (Vereinigung der ehemaligen Hörer der Preßburger Jeschiwah.) Die vor fünf Jahren ins Leben gerufene Verständigung setzt eine gewisse Gleichheit der Machtposition voraus. Eine religiöse Minderheit, die man vergewaltigt, noch dazu, wenn sie sich vor G'tt und Menschen ihres historischen Rechtes bewußt ist, kann sich nicht verständigen. Sie kann protestieren, kämpfen, unterliegen, um die Zeit abzuwarten, da sie den Kampf um ihr mit Füßen getretenes Recht wieder aufzunehmen vermag — aber verständigen kann sie sich nicht. Wenn die Kommission meint, .es könne nicht jeder ,.religiösen Gruppe" Verwaltungsautonomie gewährt werden, so liegt hierin eine vollkommene Verkennung der Sachlage. Es gibt hier nur zwei „Gruppen", die sich gegenüberstehen, eine, die die Autorität des historisch gegebenen Thoragesetzes bedingungslos anerkennt und eine, die sie gar nicht oder nur verklausuliert anerkennt. Es ist unerträglich, daß im sogenannten jüdischen Nationalheim, dessen Beziehung zu den heutigen Juden ausschließlich auf der Thora beruht, grade die bedingungslos thoratreue Gruppe ewig das Aschenbrödel bleiben und der öffentlichen Rechte beraubt sein soll. Erst wenn diesem empörenden Unrecht ein Ende gemacht ist, wird die Bahn frei für eine verwaltungsmäßige Einheit in politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten. Sie Ausnahmen von unseren ethischen Grundbegriffen, z. B. vom Tierschutz erbitten. Jude: Getreue des „ethischen Grundbegriffs" sind es gewesen, die im Oströmerreich 426 p. durch Aufhebung des Patriarchats und die im Preußenreich um 1800 durch Kampf gegen jede über den ,.Kauscherwächter" hinausgehende Rabbinerfunktion dem berufenen Erzieherstande des Gesetzesvolkes jede Möglichkeit erziehenden Wirkens genommen haben. N i c h t j u d e : Inwiefern waren schon die christlichen Oströmer Getreue des ethischen Grundbegriffs? Jude: Ich kenne mich in den Dogmen der alten Kirche noch weniger als Sie aus, weiß aber, daß sie gegen unsere Kalendergesetze öffentlich agitierten. N i c h t j u d e : Nun habt Ihr doch im heiligen Lande genügend innere Autonomie, um diese erziehenden Behörden, Synhedrien und ordinierte Patriarchen, nach Wunsch und Bedarf einzusetzen, — und es geht doch ganz europäisch demo- Vereinigung, die ihre Zentrale in Bratislava, Schloßstraße 74, hat, begann mit dem Siwan dieses Jahres die Herausgabe einer sowohl den Interessen der Jeschiwoh, als auch der Veröffentlichung halachischer und agadischer Abhandlungen gewidmeten periodischen Schrift unter dem Titel Das uns vorliegende erste Heft enthält eine ungedruckte miEtfi des o~n über die Unterschiede zwischen m bwi 'PI bv |^a»v ferner ungedruckte Bemerkungen zu m'ViD vom 0"3 und o'V, halachische Abhandlungen des gegenwärtigen Jeschiwohleiters Oberrabbiner Akiba Schreiber, sowie des Erlauer Raws und ferner einen talmudischen und agadischen Teil mit diversen □,Emn von der Jeschiwoh nahestehenden Persönlichkeiten. Den Schluß bildet eine Abteilung, in der die Hörer der Jeschiwoh mit den Früchten ihres Nachdenkens ZU Worte kommen. Der Jahresbeitrag zur Vereinigung beträgt Kc. 20.—, auch kann die Schrift gesondert abonniert werden in der Slovakei für Kc. 30.—. (Kataloge.) Die Antiquariatsbuchhandlung David F r ä n k e 1 in Wien beginnt unter dem Titel „A 1 i m" die Veröffentlichung einer Vierteljahrsschrift für Bibliographie und Geschichte des Judentums. Das uns vorliegende erste Heft enthält Abhandlungen bibliographischer Natur von Prof. Dr. Freimann, E. R. Mossowitzki und A. M. Habermann, ferner bibliographische Aufnahmen eines Teiles des Antiquariatslagers der Firma David Frankel. Jedes Heft kostet einen Schweizer Franken und ist bei der Herausgeberin, David Frankel, Wien II, Taborstraße 24a zu beziehen. Um die Seele des Gesetzes.