Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1934)
- Date
- 1934-08-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 33 Der Israelit 23. August 1934 Aber das Bild änderte sich gewaltig in den weiteren Jahrzehnten. Eine für diese vorgenommene gründliche Statistik (sie ist in den Mitteilungen der Schülervereinigung vor einigen Jahren veröffenlicht und gewertet worden) zeigt einen Durchschnitt von 60 Proz. endgültiger Erziehungserfolge (zehn Jahre nach Schulentlassung), der bei Hinzurechnung der Mädchen sich wesentlich erhöhen würde, und der von den letzten Gebt der Jugend den Sabbath! Wir haben vor zwei Wochen an dieser Stelle auf die Konsequenzen der neuen Anordnungen des Reichskultusministeriums über den Staatsjugendtag hingewiesen, dabei die Notwendigkeit der Ausnutzung der für die jüdischen Schüler sich ergebenden zwei freien Stunden betont und nur zum Schlüsse die Frage des Schuldispenses am Sabbat gestreift. Gerade sie verdient aber besondere Aufmerksamkeit. Als vor einem halben Jahre der Erlaß herauskam, der die jüdischen Schüler der allgemeinen Schulen vor die Wahl stellte, entweder dem Unterrichte am Sabbat ganz fernzubleiben oder auch zu schreiben und zu zeichnen, da setzte eine zunächst hoffnungsvoll ausschauende Bewegung auch in liberalen oder mittelparteilichen rabbinischen Kreisen ein, einen solidarischen Generaldispens aller jüdischen Kinder zur Heiligung des Sabbats herbeizuführen. Aber man hat den Eindruck, daß diese Bewegung nicht allzuviel Gegenliebe bei den liberalen und indifferenten Eltern fand, die den Wagemut nicht aufbrachten, — auch wenn sie den Sabbat an sich als idealen Wert betrachteten — ihre Kinder den Gefahren des Zurückbleibens in der Schule durch ständiges Fehlen an einem Unterrichtstag regulären Charakters auszusetzen. Dieses Bedenken ist nun vollkommen gegenstandslos geworden. Denn da alle der Hitler-Jugend angehörigen Schüler und Schülerinnen — sicherlich also stets die Mehrheit in den Klassen — am Samstag schulfrei sind, so wird der Stundenplan des Samstags fortan sicherlich keine Hauptfächer Jahrzehnten vermutlich noch 'stark übertroffen werden wird. Damit wäre vorbereitend das Wichtigste gesagt, um die zeitgeschichtlichen Bedingungen aufzuzeigen, die man zur Würdigung der Bildungsziele Rabb.. Hirschs kennen und in Rechnung ziehen muß; suchen wir nun die religionsgesetzlichen Voraussetzungen zu erkennen, die für S. R. Hirsch maßgebend waren. mehr aufweisen können, sondern eher eine Art von Ergänzungsunterricht in Nebenfächern, dessen Ausfall nicht zu wesentlichen Lücken und gewiß nicht zu einer Gefährdung des Mitkommens für den Einzelnen führen kann. Wer also nicht grade den unzeitgemäßen Ehrgeiz hat, seine Kinder bewußt und grundsätzlich zum Chillul Schabbos zu erziehen, dürfte keinen Grund mehr sehen, von der gesetzlichen Freiheit des Dispenses am Sabbat keinen Gebrauch machen. Jedenfalls sollten die geistlichen und weltlichen Führer unsrer Organisationen nunmehr mit größter Energie für die allgemeine Durchführung des Sabbat-Dispenses und Hand in Hand damit für den Aufbau eines würdigen religiösen Sabbat-Unterrichts-Systems in allen großen, mittleren und kleinen Gemeinden eintreten. Nochmals die Palästina-Konjunktur. Zu den an dieser Stelle gewürdigten Ausführungen des syrisch-jüdischen Wirtschaftspolitikers Gabriel M e n a s s a über die Aussichten der gegenwärtigen Blüte der palästinensischen Wirtschaft — ein Thema von lebenswichtiger Bedeutung für Tausende von Auswanderern und Auswanderungslustigen — hat inzwischen ein anderer Wirtschaftskenner in dem Bulletin des ,,Palestine News Service" Stellung genommen und wir möchten daraus einige Sätze, die uns von Bedeutung scheinen, ebenfalls hier registrieren, damit kein einseitiges Bild entsteht, Im eröten Punkt — der Orangenfrage — teilt der palästinensische Wirtschaftspolitiker die Bedenken Menasses. Er schreibt: „Die Ernte 1933/34 basierte auf einer fruchttragenden Fläche von nur 70.000 Dunam, inzwischen dürften bis Ende 1934 bereits 200—225.000 Dunam angepflanzt sein. Im Verlaufe der nächsten 7 Jahre muß sich also das Exportquantum von 5% Millionen Kisten in der letzten Saison reichlich verdreifachen — und noch ist kein Stillstand in den Neuanpflanzungen abzusehen! So sicher auch ist, daß die Aufnahmefähigkeit des Weltmarktes für Jaffaorangen noch erheblich steigerunggfähig ist, so ungewiß ist es jedoch, qb und zu welchen Preisen ein verdreifachtes Exportquantum abgesetzt werden kann. Mit der Anlage weiterer Neuanpflanzungen sollte daher zumindest solange gewartet werden, bis sich die Entwicklung der Marktverhältnisse in den nächsten Jahren klarer übersehen läßt. Es wäre angebracht, daß die Regierung und zentralen Organisationen dieser Frage aktivere Aufmerksamkeit zuwenden würden. Problematisch bleibt im übrigen, inwieweit eine Orangekrise in künftigen Jahren auf eine Teilkrise der Orangewirtschaft beschränkt bleibt oder ob sie sich zu einer Totalkrise erweitern muß." Indessen ist folgendes auf der anderen Seite nicht außer acht zu lassen: Der Krisengefahr von der agrarischen Seite her steht gegenüber, daß andererseits die landwirtschaftliche Produktion noch außerordentlich große Absatzreserven hat und in ihrem heutigen Entwicklungsgrad weder den Getreidebedarf des Landes noch den Fleisch-, Milch-, Butter-, Eier-, Käse-, Kartoffel-, Oelfrucht-, Obstbedarf auch nur annähernd deckt. An diesen Produkten sind im Jahre 1933 für etwa LP 2 Millionen eingeführt. Allerdings sprach bei dieser hohen Einfuhr die besonders schlechte Ernte des letzten Jahres mit. Angesichts der starken Bevölkerungszunahme ist der Konsum andererseits in raschem Wachstum begriffen, so daß die landwirtschaftliche Produktion hier noch ein weites Expansionsfeld hat,, dem sie sich im Laufe der nächsten Jahre stärker zuwenden muß. Der innere Marktbedarf ist immer die sicherste Konjunkturgrundlage. Was das Lohn niveau in der Industrie betrifft — über die prinzipielle Seite des Arbeitsproblems haben wir uns bereits geäußert — so ist es allerdings außerordentlich fraglich, ob das gegenwärtige Lohnniveau auf die Dauer aufrechtzuerhalten ist. Sobald der von Me. Menassa befürchtete Mangel an Absatzmärkten akut werden sollte und der industriellen Produktion Einschränkungstendenzen auferlegt, wird sich automatisch auch ein Druck auf das Lohnniveau auswirken. Es wird allerdings in mehr oder weniger ferner Zeit sich einmal die Situation ergeben, daß die palästinensische Industrie sich so stark entwickelt, daß sie stärker auf Exportspitzen angewiesen ist. In diesem Augenblick wird auch das Problem der hohen Löhne akut werden, da Pa- Dic Sidra spricht zu uns . „ . i. Der Thoraabschnitt vom mini *nio p, dem ungeratenen, widerspenstigen Sohne behandelt, nach einem Ausspruch des Talmuds in Sanhedrin, einen im Leben niemals vorgekommenen und auch für alle Zukunft nicht praktisch werdenden Fall — 7l'n Hb mim mio p nanaa n»^>i — -nvnb Tny »Vi warum hat das G'tteswort diese Parscho dennoch uns gereicht? "Dt? v\")i> damit wir sie erforschen und dafür Lohn empfangen. Rabbi Ißroel Salanter V"XT, hat dieses Talmudwort wie folgt erklärt. Das „Lernen" in der G'tteslehre hat für den Juden eine doppelte Bedeutung: wir bedürfen dieses Forschens una Einprägens als Mittel zur vollkommenen Erfüllung der G'ttesgebote und zur Meidung alles uns Verbotenen im Leben. In diesem Sinne gilt: nwsnn i6k ip'ff unan *b, nicht das theoretische Forschen ist die Hauptsache, sondern die Tat; hier ist das Lernen Mittel zum Zweck. Aber abgesehen von diesem Lernen zum Zwecke des Erfüllcns ist das Lernen auch Selbstzweck, n^i o»i' 13 mam, hat G'tt zu Josua gesprochen, Du sollst in der Lehre sinnen Tag und Nacht, denn das Hineinsenken des menschlichen Denkens in die Thora, die Verbindung des Menschengeistes mit dem G'ttesgeist ist für sich allein eine Mizwo, auch wenn nie Gelegenheit sein sollte, das Gelernte praktisch zu erfüllen, so wie es ja heute im Golus für uns mit weiten Partieen der Tauroh in awp und mmü der Fall ist. Um diese Pflicht des „Lernens an sich" klar zum Ausdruck zu bringen, hat uns G'tt die riens von mini mio p offenbart, die praktisch nie vorkommen sollte, damit sich hier das -DP H^pi bewähre — hier trägt das bloße Forschen ohne Absicht der Tat den reichsten Lohn in sich! Vielleicht, so darf man hinzufügen, ist zur Illustration dieser Lehre gerade n-n»i ino 73 nwis gewählt worden, weil es gerade bei der Erziehung unsrer Kinder wichtig ist, dieses Lernen um des Lernens willen zu lehren und zu betätigen. II. „Wenn Du ein neues Haus erbaust, sollst Du ein Geländer machen für Dein Dach. Du sollst keine Blutschuld auf Dein Haus laden, indem der Fallende davon hinunterfällt" (Kap. 22, V. 8). In seinem „Chaurew" erläutert Rabb. Hirsch ^"ST den Begriff der Berochaus. Er legt dar, daß einenDia über eine Mizwo immer dann gesagt wird, wenn es gilt, eine Mizwo mit geistiger Bewußtheit in einem bestimmten Sinne zu erfüllen; da weckt uns die Berocho dazu, die Mizwo nicht gedankenlos, mechanisch zu üben. Wenn aber die Mizwo vornehmlich eine äußere Wirkung erzielen soll, wobei es auf die innere Beseelung weniger ankommt, sagt man keine nain- So spricht man keinen Segensspruch über npns mx». Die Hauptsache ist, daß der Arme seine Unterstützung erhält, die Mizwo ist damit vollendet, einerlei was einer dabei denkt. Nicht so bei i'Vsn ,rP!PX usw. usw. Nur eine Mizwo, meint Rabb. Hirsch ^"St, bleibe dabei schwer und zwar eben die unsres Wochenabschnitts: npya nix». Hier soll durch ein Geländer der Absturz eines Menschen verhütet werden, eine ganz äußerliche Zweckmaßnahme, und dennoch haben unsre Weisen angeordnet, bei n'Pff npy» eine na-o zu sprechen. Rabb. Hirsen läßt die Frage schwer und schreibt in seiner Ehrlichkeit: „Nur eine Pflichtübung ist es, die mich noch an der Richtigkeit des aufgestellten Maßstabes zweifeln läßt. Ich finde nämlich eine Brochoh vor der Unschädlichmachung eines gefährdenden Besitztums hf)«» tm» bs) und da wird freilich ein äußeres Verhältnis geachtet und hergestellt, ohne Einfluß der Gesinnung, in der es geschieht." Wir möchten die Frage Rabb. Hirschs S>"x: wie folgt beantworten: Raschi bemerkt z. St.: n'^sia '»' nvvn bwb ni 'im ,a«n "»y mim 'nst ->"v ni3T i'hiuaii? kVn „Der Mensch, der fällt, dem ist es durch g'ttliche Fügung so vorherbestimmt, aber dennoch bleibt die Verantwortung, denn man läßt Böses durch einen Schuldigen, Gutes durch einen Unschuldigen bewirken." Somit lehrt np>»» ms» einen der wichtigsten Glaubensgrundsätze des Judentums: die volle Verantwortlichkeit des freien Menschen unbeschadet aller g'ttlichen Vorausbestimmung. Daher ist n;?»» keine bloß äußerliche Schutzmaßnahme, sondern ein Lehrmittel ersten Ranges und man muß sich demnach durch eine Jisiä dazu