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Der Israelit · 1934-08-16 · Heft 33 (16.8.1934) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 33 (16.8.1934)
Date
1934-08-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite -10 Nr. 33 De , Israelit 16. August 1934 in einer anderen algerischen Stadt zu Störungen der Ordnung gekommen ist. Die Behörden verweigern hierüber jede Auskunft. Nach den. neuesten Meldungen scheinen die Ausschreitungen in Ain Beida..blutiger-'verlaufen zu sein, als anfänglich angenommen wurde) Es heißt jetzt, daß elf jüdische Einwohner ermordet wurden, unter ihnen fünf Frauen, denen die Kehle durchschnitten worden ist. Sehr ernst : waren die Unruhen auch in Tel>essa und Jemmapes; die dortigen jüdischen Einwohner, deren Hauser geplündert und niedergebrannt worden sind, haben in Militärbarackeri Zuflucht gefunden.- Generalgouverneur Carde hat nach Besprechungen mit den Kommandanten der militärischen Kräfte und mit den Führern der mohammedanischen und jüdischen Bevölkerung die Verstärkung der Garnison angeordnet und einen Aufruf zu Frieden und Ei tracht an die Bevölkerung gerichtet. Gleichzeitig wurde eine Sammlung .für die Opfer der Ausschreiti! gen eingeleitet. Die Lage ist noch immer äußerst gespannt. Es > herrscht Besorgnis um.das Schicksal vieler Familien, die auf entlegenen Gehöft e,n u n d in kleinen ■von wilden Stämmen umlagerten Städten lebten. Man rechnet damit, daß diese Fami; Ken niedergemetzelt wurden.. Die 20 Namen umfassende erste Liste der Todesopfer enthält die Namen ''"'■'.■von 4 Kindern und 4: Frauen.; Unte*r den Getöteten befindet sich auch der bekannte Zionist Attali, ehemals Redakteur, der zionistischen Zeitung „La Verite". Die Zahl der Verhafteten ist auf etwa 300 gestiegen, Mehrere Araber aus Jemmapes wurden zu je einem Jahr und einem Tag Gefängnis verurteilt. » Afrika. ' Der südafrikanische Prozeß tun die „Zionistischen Protokolle". Johannesburg, 8. Augus.t Der Herausgeber der Grauhemden - Zeitschrift . „Rapport", David Hermanus Olivier, einer der drei Graühemden-Führer, die sich vor dem Gericht Grahamstown gegen die Beschuldigung der Verleumdung, begangen durch Veröffentlichung eines angeblich aus der Synagoge von' Port Elizabeth entwendeten Dokumentes, zu verantworten haben, das mit den sogenannten „Protokollen der Weisen von Zion" in Zusammenhang gebracht wurde und aus dem das Vorhandensein eines Plans zur Erringung der Weltherrschaft hervorgehen soll, veröffentlicht eine Erklärung, in der er sich von der antisemitischen Grauhemden- Bewegung lossagt. lu, einer-der letzten Gerichtsverhandlungen in dem Prozeß hatte iOlivier erklärt, die ganze Geschichte mit dem Dokument erscheine ihm nunmehr lächerlich, früher aber habe er an sie geglaubt. Auf die Frage des Vorsitzenden Sir Thomas Graham, ob Olivier die ehrliche Ueberzeugnug habe, das Inch (einer seiner beiden Mitangeklagten) kein Fälscher, Meineidiger und Intrigant sei, daß er diese Dokumente nicht selbst zusammengebraut habe, sondern daß sie echt seien, hatte Olivier geantwortet: „Ich darf keine Lüge in diesem Prozeß sagen. Glauben Sie nicht, daß bloße Gefühle sprechen können? Warum muß ich sie zum Ausdruck bringen?" - Schon früher hatte der Angeklagte Inch, der behauptet hatte, das angebliche „Dokument" aus der Synagoge geholt zu haben, versucht, sich von dem Prozeß zurückzuziehen, indem er erklärte, die ganze; Bewegung sei auf die „überhitzte Atmosphäre" zurückzuführen. Der Vorsitzende erklärte jedoch, daß eine solche Zurückziehung in diesem Augenblick nicht mehr möglich sei. Das Urteil wird für die nächste Woche erwartet. Personalien. Mainz, 14. Aug. Im Alter von 84 Jahren trug man am 26. Aw einen Mann zu Grabe von der Art derer, die leicht ungekannt unter den Menschen einhergehen, weil sie in Demut und Bescheidenheit, in stiller Geborgenheit mit ihrem G'tte durchs Leben wandeln. An eine goldene Kette hoher Ahnen angeschlossen — der Nachkomme von D>»3ri iviibnein Sproß der 1671 aus Wien ausgewiesenen Familie Mirels-Fraenkel, der auch der msn pnp entstammt, ein Urenkel des Ansbacher Oberrabbiners Moses Hochheimer — hat sich Siegfried Fraenkel **ST* als ein echtes Glieä'-dieser Ahnenreihe bewährt, hat er sich sein Leben läng dieser \ Tradition' '^ürdig gezeigt, allzeit der 'Pflicht gelebt,1 so zu Sein und zu wirken wie seine Vorfahren. Früh vom Ernst des Lebens gehärtet, rtdurch ,;eine Schule der Entsagung gegangen,, ist er sich in allen Lagen des Lebens-gleich geblieben, immer .bestreit, seinen Namen wie einen Ehrenschild zu (hüten. Früh-r; zeitig ins elterliche Geschäft eingetreten, ließ er sich, vom Werktagtreiben nicht erdrücken, ging als Lernender und Strebender mit aufgeschlossenem, :Sinn für alles Geistige durch die. Welt. Das jüdisqhe Wissel^ das er neben seinem Vater seinem Onkel' Rabbi Chain* Fraenkel verdankte, wahrte: er als heiliges Erbgut, und■ er verwandte.jede; freie Minute aufs Lernen.;So( lange die körperlichen Kräfte es erlaubten, besuchte er zu jeder Gebetszeit die Synagoge und war dort ein eifriges Mitglied der Schaß-Chewrah. Er hatte als. Lebensgefährtin eine ihm kongeniale Tochter des Kolmarer Oberrabbiners Salomon Wolf Klein sich erkoren, die ihm schon nach kurzer Ehe entrissen wurde. Den Segen der kindlichen < Dankbarkeit, die er seinen Eltern in unvergleichlicher Weise , entgegengebracht, hat er von seinen Söhnen, seiner Schwiegertochter und seinen Enkeln; erfahren, an dem alt jüdischen.Familienleben, wie es sein Haus auszeichnete. Vom Jahre 1887—1923 bekleidete er hü;nicht zu übertreffender Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit die<-Äemter des Rechners und Sekretärs der Israelitischen- Religipiis- . gemeinde Mainz. Ein treuer SoEn seiner Vatersta'dti; hervorragend bewandert in der Geschichte der alt-• ehrwürdigen jüdischen Gemeinde -Mainz, war;«er bis; in die letzten Tage hin von bewundernswerter geis'ti-- ger Regsamkeit. In -weiser Voraussicht hatte er. vor 50 Jahren die Gründung! der Lehrkurse des Kaufmännischen Vereins angeregt und diese in den ersten Jahren als Vorstandsmitglied dieses Vereins geleitet, Diese Lehrkurse, die .spater.: a!n die Handelskammer übergingen, bildeten'die ■ Grundlage der; heutigen städtischen Handelsschule. Ah seiner Bahre gab Herr Rabbiner Dr. Bamberger dem Schmreze um den Verlust dieses w pxs sr>8 in warmen Worten Ausdruck, der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Kommerzienrat Bernhard Albert Mayer bekundete seinen und der Gemeinde Dank! in'führender Weise. .Wahrhaften Segen hat sein, Wirken; bereit, sein Andenken wird zum Segen sein,. . ' ' n-awn München, 7. Aug. Äm 19.< Aw-beging eine markante Persönlichkeit: unseres : orthodoxen: :Kreises,: Herr Meier A m b run n , in l seltener geistiger und körperlicher Frische seinen 8 0. Geburtstag und gleichzeitig mit seiner gleichgesinnten Gattin den 53. Hochzeitstag. Herr' Ambrunn, ein sehr eifriges Mitglied der iwto man und ein geschickter bmo der viele Tausende Knäblein in: den Bund,Abrahams aufnahm und zählt jeden Tag zu den pünktlichsten Synagogenbesuchern. Von allen Seiten wurden ihm Ehrungen zuteil. Möge; er uns noch lange erhalten bleiben. -hi» rutmy Vermischtes. Frankfurt a. M., & ' Aug. Vor dem Einzelrichter des Amtsgerichts Ludwigshafen a. Rh. stand ein grundsätzlicher Fall zur Behandlung. Der Angeklagte hatte bei einer Jüdin, einen Laden gemietet,- konnte jedoch infolge schlechten Geschäftsganges einen Monat die Miete nicht bezahlen. Durch einen arischen Rechtsanwalt klagte die Vermieterin den Betrag ein, worüber sich der Beklagte derart erboste, daß er dem Anwalt einen Zeitungsausschnitt aus einer nationalsozialistischen Zeitung schickte, in dem es u. a. als, „vertiert" und „geldgierig" bezeichnet wurde, wenn ein arischer Rechtsanwalt einen Nichtarier vertrete. Da in dem fraglichen Artikel verschiedene Ausdrücke besonders durch Unterstreichen hervorgehoben wurden, erstattete der Rechtsanwalt gegen den Zusender der Notiz Strafantrag wegen Beleidigung. Der Angeklagte erklärte vor Gericht, daß er den Rechtsanwalt keineswegs habe beleidigen, sondern nur warnen wollen. Ein Sachverständiger aus der Anwaltskammer der Pfalz führte aus,; daß wegen Vertretung von ■ Nichtariern durch arische Rechtsanwälte überhaupt keine . besonderen oder gesetzlichen Bestimmungen bestünden. Ein arischer Rechtsanwalt dürfe nicht nur die Vertretung für nichtarische Personen übernehmen, es sei dies sogar zweckmäßig. Nur wenn ein arischer Rechtsanwalt sich in einer führenden Stellung in der NSDAP, befinde, müsse er sich in dieser Hinsicht eine Reserve auferlegen. Dem Kläger könne deshalb nicht der geringste Vorwurf gemacht werden. Uebrigens sei der fragliche Zeitungsartikel von maßgebender Stelle mißbilligt wödren. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 15 Mark Geldstrafe oder fünf Tagen Gefängnis. Wien, 1. Aug. Dieser Tage fand auf der rumänischen Gesandtschaft in Wien in Anwesenheit des gesamten diplomatischen Korps eine imposante Feier zur Ehrung Prof. Dr. Neumanns statt. Bekanntlich hat Prof. Neumann vor kurzem an dem rumänischen Außenminister Titulescu eine lebensrettende Operation ausgeführt. Prof. Neumann wurde bei dieser Gelegenheit von König. Carol in Audienz empfangen. Nunmehr hat der König zum Zeichen seines besonderen Dankes den Auftrag zur Veranstaltung der Feier gegeben und bei dieser Gelegeenheit mit einem Sonderkurier, einen hohen Orden an Prof. Neumann übersandt, der ihm mit einer Ansprache seitens des rumänischen Gesandten in Anwesenheit der Teilneh-r mer feierlich überreicht würde. Prof. Neumann ist bekanntlich M i-1 g 1 i e d d e r orthodoxen Gemeinde „Adaß. Jisrpel" und ein Anhänger;der A g u d ä s J i s r o e 1. Hundert ten Rabbinern und:Thoragelehrten war er selbstloser Retter aus Lebensgefahr. (AJPB»] ... i Amsterdam, 31., Juli. In Amsterdam fand in Anwesenheit von Vertretern jüdischer und nichtjüdischer Behörden die Feier des'40jährigen Bestehens: des-Verbandes jüdischer Religionslehreri in Holland,1 „Achawah", statt. Oberrabbiner A; S.: O n d e r w i j z!e r - verlieh dem Vorsitzenden E. S tib b e und demr Sekretär M. Mendels, der dieses Amt seit der Grün7 dung des Verbandes versieht, den Ehrentitel „Chower". Im Namen des Bürgermeisters und des . Rates . der Stadt Amsterdam beglückwünschte Stadtverordneter Dr. I. H. J. V o s den Verband und den Ausschuß und richtete an die Religionslehrer den Appell, . ihre Schüler zu treuen Söhnen des Vaterlandes . und ergebenen Anhängern der königlichen Familie zu' erziehen. ,;• i ' Eisenstadt, 1. Aug. Iii dem» alten, schmalen Judengäßchen von Eisens'tadt',' das bekanntlich ünjter dem Namen 1 „Unterberg-Eisenstadt;"''noch' immer: eine autonome 'politische Gemeinde bildet, 'fand: am iSöhnV tag, den '24; Juni eine erhebende Feierlichkeit 1 statt, der aber durch das: Verhalten der: offiziellen staatlichen Behörden eine Bedeutung zukommen dürfte, die| weit über die' eines lpkalen Ereignisses hihausreicht. ' -'-.' ' " ■'•;''-;-'; ... Die Kultusgemeinde hätte' zusammen mit dem Bund; jüdischer -Frontkämpfer eine G e;d e n k t a f e 1 für ihre im' Weltkriege Gefallehen gewidmet, welche am :Gemeindehause; neben der;Synagoge ähgeb'rabht •Wörden war. Zur feierlichen '< Enthüllung ^hätten : sicK außer den Gemeindemitgliedern und; vielen Mitgliedern des Bundes jüdischer Frontkämpfer1 aus Wien auch die Spitzen der Behörden eingefunden. Man hatte Gelegenheit, den Landeshauptmann für das Burgenland, Ing. Sylvester, zu begrüßen, ferner den Kommandanten der burgenländischen Landesschützen iLandesrat Ing. Strobel, den Sicherheitsr direktor für das Burgehländ, Dr. :K,ar o i n s kjy., Vertreter ■ deV Magistrats,' der Bezirkshaüptmannschaft, militärische und. kirchliche Würdenträger. (Außerdem war -eine Ehrenkompanie mit Militärmusik hinkomr mandiert. worden.) Vor der Enthüllung der Gedenktafel hielt Herr Oberlehrer G er o als Gruppenführer der Ortsgruppe .Eisenstadt- des B; J. F. die Festrede. Nach der Enthüllung sprach Herr Oberrabbiner S c h 1 e s i n:g e r. Beide Redner führten aus, daß die Juden zu; allen Zeiten trfeu ihre Pflicht gegenüber, dem Vaterlande erfüllt haben und diese zwanzig Töten seien der Beweis dafür, daß sie auch, im Weltkriege Schulter an 'Schulter mit ihren nichtjüdischen^ Kameraden gelkämpf tf geblutet: und auch .fürs; Vaterland gestorben sind. Nachdem nun Herr Oberkantor Großmann in ergreifender Weise , das, n*»» vorgetragen hatte, bestieg der L a'h d'e s;h a üp t m a n n, die Tribüne und hielt eine längere Ansprache, in der er u. a. sagte, •daß für das Erscheinen so vieler prominenter,, staatlicher Würdenträger: bei dieser kleinen jüdischen Feier nicht zuletzt der Grund maßgebend gewesen sei, daß sie durch ihr Erscheinen; dem Vorurteile entgegentreten wollten, als ob die, Juden eine minder^ wertige Rasse wären, . die kein , Ideal hätte und ausschließlich von : materialistischem, kaufmännischem Geiste erfüllt wäre. Diese Feier zeige .deutlich, daß . auch die Juden idealer Gesinnung fähig ,,sind und als wertvolle Glieder des Staates betrachtet werden müssen. In ähnlichem Sinne sprach nach dem' Landeshauptmann noch Ldsrt. S t r o b 1 und andere nichtjüdische Persönlichkeiten. Zum Schlüsse wurden noch von jüdischer : Seite Loyalitätserklärungen abgegeben, worauf zum ■ Abschluß der; Feier ein Knabenchor die Nationalhymne anstimmte. ' Familien-Nachrichten. Geburtstage: Frau Ester Rosenbaum, früher in Arnstadt, jetzt Fulda, Frankfürterstr. 17, begeht am 15. August den 7 0. Geburtstag. — Am 26. August begeht Herr Isidor U lm an n, erster Vorsteher der Israelitischen Gemeinde Kitzingen, in körperlicher und geistiger Frische den 7 0. Geburtstag. Wochenkalender. Vom 18 — 2 5. Aug. 193 4 / Vom 7. — 14. EIul 5694 'av tp l'B'J Samstag 18 7 TJ> tPBSff Sonntag 19 8 n? Montag 20 9 . w Dienstag 21 10 TS? Mittwoch Aug. 22 bibx 11 ns? Donnerstag 23 12 V>9 Freitag 24 13 a Samstag 25 14 KS ttxma ,

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