Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1934)
- Date
- 1934-08-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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16. August 1934 Der Israelit Nr. 33 Seite 9 thodoxen Frauen und Mädchen in Erez Jisroel tragen wird. Am Schabbos Nachmu fand in Tel Awiw im großen Beth Jacob-Lokal eine Versammlung der Bnos- und N'sche Agudas Jisroel statt, welche eine Menge außenstehender Frauen und Mädchen anzog. Der Saal war so voll, daß zahlreiche Hörerinnen keinen Einlaß mehr finden konnten. Referate hielten die Herren J. M. Kleinlehrer und Meier Schatzreinski über die Ziele und Bestrebungen der Bnos Agudas Jisroel und der Beth Jacob-Schulen. Trotzdem die Referate mehr als 2 Stunden dauerten, wurden sie ohne Rücksicht auf die sommerliche Hitze mit Spannung und Interesse angehört. Vielen Hörerinnen standen die Tränen in den Augen bei der Schilderung der Lage des Töchtererziehungswesens in Erez Jisroel. Viele anwesende Damen versprachen sofort ihre aktive Mitarbeit in der Organisation und für die Beth Jacob-Schule. Auch in Jerusalem fand am Schabbos Nachmu eine große Frauenversammlung statt, in der nur weibliche Rednerinnen auftraten und zwar die Damen Penina Schapira, Lea Chassida, Schauschana Werner, Sahawa Landau, Schauschana Diamant und die Leiterin der Beth JacobrSchule, Frl. Zipora Schurik. Auch hier war der Erfolg ein gewaltiger. Die Mitgliederanmeldungen mehren sich von Tag zu Tag und dank der Hingebung von Frl. Zipora Schurik, die sich geradezu als die Mutter aller organisierten Bnos Agudas Jisroel bewährt, wird der innere Zusammenhang der Mitglieder immer stärker. In Jerusalem und Tel Awiw finden jeden Schabbos Schiurim statt sowienvnSO ttVsr Zusammenkünfte, bei denen ebenfalls über die Organisationsfragen häufig gesprochen wird, abgesehen von dem Studium und der Besprechung der Wochensidra. Vorbereitet ist die Schaffung einer Bathja-Organisation (Schülerinnengruppen). Besonderen Dank verdienen die Herren Meier Schatzreinski und Hillel Liebermann für ihre anregende Tätigkeit. In Bne Brak fand am Sabbat Abend eine Versammlung zur Gründung einer Beth Jacob-Schule und einer Bnos Agudas Jisroel-Gruppe statt. Zahlreiche Anmeldungen wurden sofort vollzogen und es wurde beschlossen, zur nächsten Versammlung Vertreter der Bnos-Zentrale aus Tel Awiw einzuladen. Die Lage des Mädchenwaisenhauses in Jerusalem. Jerusalem, 10. August. Man schreibt uns, daß die Notlage im Israelitischen Mädchenwaisenhaus in Jerusalem so katastrophal ist, daß die Versorgung der Kinder mit Winterkleidung, Schuhen usw. nicht einmal in Angriff genommen werden kann. Mit geringen Mitteln ließen sich bei deutschen Fabrikanten und Großisten Restbestände von Konfektion, Stoffen, Schuhen, Wäsche usw. billigst aufkaufen. Frau Anna Feuchtwanger-Steinitz bittet alle Freunde und alle die, die die Größe ihrer Aufgabe, Waisenkinder im heiligen Lande zu versorgen und zu erziehen, verstehen, ihr zu helfen, in Deutschland Geld für deutsche Waren zu bsechaffen. Jeder Betrag wird in der, Redaktion des „Israelit" dankbar entgegen genommen und der Sammlung zugeführt. Abschlußprüfung in der Mädchenschule der Agudas Jisroel in Tiberias. Tiberias, 1. August. Am Erew Roschchaudesch Aw fand zum ersten Male eine Abschlußprüfung in der agudistischen Mädchenschule statt, bei der Schülerinnen, die die Schule von unten an besucht hatten, zur Entlassung gelangten. Die Leiterin, der Schule, Frau Dr. Israeli- Blechmann, eröffnete die Feier, die von zahlreichen Müttern besucht war, durch eine Ansprache, worin sie die Stellung und Bedeutung der jüdischen Frau für die Aufrechterhaltung des Thorageistes im jüdischen Volke von Anbeginn an in eindrucksvoller Weise darstellte. Sie ermahnte die Schülerinnen, den Traditionen der Schule treu zu bleiben und vor allen Dingen durch die Pflege freundschaftlicher Beziehungen mit der Leiterin der Schule und den Lehrerinnen ein Band dauernder Gesinnungseinheit zwischen Schule und Leben zu knüpfen. An diese interne Schulfeier, an der nur Lehrerinnen, Schülerinnen und deren Mütter teilgenommen hatten, knüpfte sich alsdann eine Feier in weiterem Rahmen unter Teilnahme der Rabbinen und führender Mitarbeiter des Schulwerks. Der neue Raw, Rabbiner Weinberg, feierte die Die Woche Berlin. Das Reichsgericht hat als letzte Instanz nunmehr entschieden, daß der 15. Oktober 1933 als letzter Termin für die Anfechtung von arisch-nichtarischen Mischehen anzusehen ist. Am 15. April seien die gesetzlichen Bestimmungen der neuen Beamtengesetzgebung überall bekannt geworden, so daß die halbjährige Anfechtungsfrist von diesem Tage an läuft. — Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat ein vorläufiges Verzeichnis der , von ihm geschaffenen Wanderunterkünfte herausgegeben. Das Verzeichnis wird Mitgliedern des Bundes und anderen Interessenten gegen Uebersendung eines Freikuverts (Porto 4 Pfg.) übersandt. — Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden regt die Mitgliedsgemeinden an, nach dem Vorbilde der Berliner jüdischen Gemeinde Kurse einzurichten, um Erwachsenen und reiferen Jugendlichen, denen ausreichende Kenntnis des Wesens, der Gebete und der Bräuche der Feiertage fehlen, diese Kenntnisse zu vermitteln. Ein von Prof. Dr. Unna entworfenes Arbeitsprogramm gibt für diese Kurse, die hauptsächlich in das Verständnis der Gebete einführen sollen, die nötige Anweisung. Wien. Für die besonderen Zwecke der jüdischen Volksbildungsarbeit ist eine eigene Stelle im Rahmen des allgemeinen Volksbildungsreferates geschaffen und von dem Religionslehrer der Kultusgemeinde, Prof. Dr. Kaiman Kupfer, besetzt worden. — Nach einer Mitteilung von Dr. Michael Ringel soll die Ueberführung der Gebeine H e r z 1 s nach Erez Jisroel spätestens bis Pessach nächsten Jahres erfolgen. Herzl hat bekanntlich in seinem Testament vom 5. März 1903 verfügt.' „Ich wünsche in einem Metallsarge in der Gruft neben meinem Vater beigesetzt zu werden und dort solange zu liegen, bis das jüdische Volk meine Leiche nach Palästina überführt." Danzig. Nach dem am 6. August zwischen dem Danziger Senat und dem polnischen Generalkommissar zustandegekommenen Wirtschaftsfrieden wird ein staatlicher Wirtschaftsrat zum Schutze der wirtschaftlichen Interessen Danzigs gebildet, dem auch Juden und Polen angehören werden. Die Ernennung eines jüdischen Mitgliedes ist bereits erfolgt. Warschau. Nach zweimonatlicher Pause sind in L o d z in den letzten Tagen Juden wieder von Huligans angegriffen worden. 12' Juden wurden verletzt. — Dank den Bemühungen des jüdischen Büros für Recht auf Arbeit sind in Warschau 175 jüdische Arbeiter zu öffentlichen Arbeiten des Magistrats herangezogen worden. — Joint, Hicem und andere jüdische Organisationen haben sich an dem Hilfswerk für die von der Ueberschwemmung betroffenen mit Beiträgen beteiligt. In den ärmsten Vierteln Warschaus haben die Juden am freigebigsten für die Ueberschwemmungsopfer gespendet. Lodz. Vom 12. August werden weitere antisemitische Ausschreitungen gegen einzelne Juden auf den Straßen berichtet. Auch in ein jüdisches Cafe drangen die Rohlinge ein und demolierten die Einrichtung. Paris. Die afghanische Gesandtschaft in Paris dementiert die in der letzten Zeit aufgetauchte Behauptung, daß irgend welche einschränkende Maßnahmen gegenüber den Juden in Afghanistan getroffen worden seien. — Der Generalsekretär der Alliänce Israelite Universelle, Jacques B i g a r t, ist in seinem Büro bei der Arbeit im Alter von 78 Jahren plötzlich verstorben. Bigart hat 50 Jahre lang im Dienste der Alliance gestanden und an dem Aufbau der Organisation einen wesentlichen Anteil gehabt. London. Der bekannte indische Dichter, Rabindranath T a g o r e , beabsichtigt, im September Palästina zu besuchen. Der Dichter hat sich wiederholt im freundlichen Sinne über die Juden und die jüdische Aufbauarbeit in Palästina geäußert. — Wie bereits früher angekündigt, wird die Abordnung indischer Mohammedaner unter Führung von Schaukat Ali Ende August in London eintreffen. — Major H. L. Nathan, das bekannte jüdische Unterhausmitglied, wurde zum stellvertretenden Grafschaftsstatthalter von London ernannt. Jerusalem. Der Herausgeber der revisionistischen Zeitschrift „Chassith-Haam", Dr. Y e v i n , ist wegen Geheimbündelei zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Schule als ein kleines Heiligtum, so daß es sich wohl , gebühre, diese Abschlußfeier in der Zeit „zwischen r den Marken" zu begehen. Von den abgehenden Schülerinenn, denen Abgangszeugnisse ausgehändigt wür- - den, dankte eine in einer hübschen Rede für das, was die Schule ihnen geboten habe. Algerien. Der Judenpogrom in Constantine. Paris, 8. August. In einem Communique des Innenministeriums wird die Zahl der Toten in Constantine mit 27, unter ihnen 23 Juden, angegeben. 80 Personen wurden verhaftet. Das Begräbnis der Opfer wurde auf Mittwoch, den 8. August, festgesetzt. Die Ausschreitungen hätten sich auf Constantine und seine Vororte, sowie auf das Städtchen A i n B e i d a erstreckt. London, 8. August. Der Bericht eines in Constantine eingetroffenen Gewährsmannes der ITA. gibt erschütternde Einzelheiten von den in den letzten Tagen dort stattgefundenen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. „Jüdische Mädchen mit abgeschnittenen Brüsten, hingeschlachtete unschuldige jüdische Kinder, ganze Familien, die in ihren Häusern eingeschlossen dem Flammentod preisgegeben wurden, wundenbedeckte Greise — das war das Bild, das sich mir darbot, als ich heute in Constantine eintraf," heißt es in diesem Bericht. „Es werden noch Tage vergehen, bevor die Welt einen Ueberblick über all die Greuel erlangen wird, die während dieses Pogroms verübt wurden, der nur mit den Palästina-Unruhen vom Jahre 1929 verglichen werden kann. Die Listen der Toten und Verwundeten, die wie damals in die Hunderte gehen, sind noch nicht abgeschlossen; aber die Krankenhäuser sind überfüllt mit jüdischen Opfern der Ausschreitungen und die Tore der Krankenhäuser werden von Frauen belagert, die feststellen wollen, ob ihre verschwundenen Gatten und Söhne unter den Toten und Verwundeten sind, oder ob es ihnen gelungen ist, aus der Stadt zu fliehen. Das Juden-Ghetto ist streng bewacht. Viele Häuser liegen in Trümmern, andere sind von ihren Bewohnern vollkommen verlassen. Die bekannten jüdischen Familien Haiini und Dadoun sind vollständig ausgerottet. Constantine, 8. August. Die Behörden sind der Ansicht, daß die Ordnung nunmehr bereits vollkommen wieder hergestellt ist. Trotzdem bleiben die Läden an den Fenstern der jüdischen Häuser weiterhin geschlossen. Die Aerzte in den überfüllten Krankenhäusern erklären, sie hätten selbst im Kriege nicht so gräßliche Verletzungen gesehen, wie bei den Opfern des Massakers. Der in Constantine eingetroffene Generalgouverneur Carde hat das Judenviertel inspiziert und den Umfang der dort angerichteten Verwüstungen festgestellt. Unter den jüdischen Todesopfern befinden sich vier Kinder im Alter von 10, 8, 6 und 2 Jahren. In Ain Beida sind nach den bisher vorliegenden Meldungen keine Todesopfer zu verzeichnen, jedoch wurden elf Juden, unter ihnen sechs Frauen, schwer verwundet. Die Ausschreitungen in den übrigen Distrikten waren .weniger schwer. - Uebergreifen nach Tunis? Tunis, 9. August. Hier wird befürchtet, daß die algerischen Unruhen auch auf die Mohammedaner in Tunis übergreifen könnten. Es werden entsprechende Vorbeugungsmaßnahmen getroffen Die feindselige Stimmung mancher Kreise der mohammedanischen Bevölkerung kommt in Beschimpfungen der Juden zum Ausdruck. Aus Sfax werden einige kleinere Zwischenfälle infolge der erregten Atmosphäre gemeldet. Die Lage in Algerien. — Begräbnis der Opfer ruhig verlaufen. Constantine, 9. August. Das Begräbnis der Opfer der jüngsten Ausschreitungen ist ruhig verlaufen. Der Soldat Elie Kalifa, dessen Benehmen den unmittelbaren Anlaß zu den Ausschreitungen geboten hat, ist von den Militärbehörden verhaftet worden. In Constantine herrscht jetzt Ruhe, doch sind Meldungen eingelaufen, daß es