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Der Israelit · 1934-08-16 · Heft 33 (16.8.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 33 (16.8.1934)
Date
1934-08-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 33 Der Israelit 16, August 1934. jüdischen Volkes in allen Ländern der Zerstreuung, insbesondere auf das tragische Schicksal der 3 Millionen russischen Juden hingewiesen und auf das Aufflammen des Judenhasses in vielen Ländern der Eide. Noch erschütternder sei die geistige Lage des jüdischen Volkes, der Niedergang der Thoraanstalten und der Erziehungsstätten und das Nachlassen der religiösen Gewissenhaftigkeit in den weitesten Kreisen. An der.j in Aussicht genommenen Taanis Zibbur sollen alle Männer und Frauen vom 18. Jahre an bis Mittag fasten, es soll nach dem Morgeng'ttesdienst ganz Tehillirn gesagt und es soll durch Vorträge und Predigten zur Tschuwo gemahnt werden. Kranke und Schwache, die nicht fasten können, sollen den Taanis durch Zdoko zu Gunsten der Thoralehranstalten und Erziehungsslätten des Ortes auslösen. Spenden gleicher Art sollen beim iMincho-G'ttesdienst gesammelt werden. Frankreich. Die Pariser Presse über die Ursachen der Vorfälle in Algier. Paris, 9. August. In der französischen Presse werden die verschiedensten Vermutungen über die Hintergründe der Unruhen in Algerien geäußert. Die antisemitische „L'Action Francaise" behauptet, Schuld an den Unruhen sei die Cremieux'sche Gesetzgebung, die die Juden in Algerien gegenüber den Arabern begünstige und so Feindschaft gegen die Juden bei den Arabern erzeugt habe. Ferner meint das Blatt, daß kommunistische Provokationen die Ausschreitungen mit veranlaßt haben dürften. Die Organe der radikalen Linken sehen hinter den Unruhen eine Provokation der „imperialistischen Polizei" und „faschistische Propaganda. Die gemäßigte Presse, in erster Reihe ,,Le Temps", wendet sich gegen alle diese Kombinationen und erklärt, Schuld sei der religiöse Fanatismus der arabischen Bevölkerung und ihre wirtschaftliche Not. Judenfeindliche Ausschreitungen kehren in Algier und Tunis mit einer gewissen Regelmäßigkeit wieder. Anläßlich eines dieser Exzesse, der in der tunesischen Stadt Sfax verübt worden war, erklärte der damalige Ministerpräsident Herriot auf Vorstellungen der Liga gegen den Antisemitismus, deren Ehrenpräsident er ist, die Ausschreitungen seien von Propagandisten herbeigeführt worden, die aus den wirtschaftlichen Nöten des Landes Nutzen ziehen. Gleichzeitig forderte er die Liga auf, ihren Einfluß unter den Juden dahin geltend zu machen, daß jede Unvorsichtigkeit vermieden werde; es sei unbedingt notwendig, im Hinblick auf den in Tunis erzeugten Religionshaß alles zu vermeiden, was als gegen die mohammedanische Religion gerichtet gedeutet werden könnte. Man möge sich darauf verlassen, daß die Behörden neuerliche Ausschreitungen gegen Juden verhüten würden. Rumänien. Landeskonferenz der Bnos Agudas Jisroel in Rumänien. B a n i 1 a (Bukowina), 1. August. Am 24. und 25. Juli fandhier eine Konferenz agudistischer Mädchen statt, die zum Zusammenschluß der vorhandenen Bnos Agudas Jisroel-Gruppen in den verschiedenen Orten Rumäniens zu einer Landesorganisation führte. Der Initiator der Konferenz, Herr Rabbiner M. Horovitz in Banila, eröffnete die Tagung im Rahmen einer von zahlreichem Publikum besuchten öffentlichen Versammlung und verbreitete sich dann ausführlich über die Probleme der Töchtererziehung in Rumänien und über die Rolle, die hierbei in Verbindung mit den Beth Jacob-Schulen eine die heranreifende Jugend umfassende Bnos Agudas Jisroel-Bewegung zu spielen habe. Das Interesse an der Tagung kam durch eine große Zähl von Begrüßungsschreiben der führenden agudistischen Instanzen verschiedener Länder zum Ausdruck. Ueber die polnische Bnos Agudas Jisroel-Bewegung berichtete Frl. Schiesel, über die bisherige Entwicklung in der Bukowina Frl. Schauber aus Wischnitz. Frau Schenierer, die geistige Mutter der Beth Jacob-Bewegung, hatte durch Frl. Kogan-Chisinau ihre Glückwünsche übermitteln und ihr Interesse an der Tagung aussprechen lassen. Ueber die Ideologie der Agudas Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Tel A w i w. Die Stadtverwaltung ist zur Zeit mit einem Projekt beschäftigt, den Tel Awiwer Strand in einer Ausdehnung von 600 Metern um 120 Meter in das Meer hinauszuschieben, wodurch eine neue Landfläche von über 70.000 qm gewonnen würde. — Jerusalem. Wie der Präsident der Jerusalemer Handelskammer in der Jahresversammlung der Kammer mitgeteilt hat, ist die Regierung von Palästina von der Absicht der Einführung einer Einkommensteuer abgekommen. — Tel A w i w. Um dem außerordentlichen Bettenmangel der Tel Awiwer Krankenhäuser abzuhelfen, haben sich 20 namhafte Aerzte in Form einer Aktiengesellschaft zur gemeinsamen Kapitalaufbringung vereinigt. Es werden Lst. 25.000 investiert, der größere Teil durch Aktienausgabe, der kleinere durch Aufnahme einer Hypothek. Das Krankenhaus soll vorerst 60 Kranke aufnehmen und seine Kapazität auf 120 Betten später erweitern. — Beyruth. Nach einer neueren Verordnung der syrischen Regierung erhalten die Exporteure von Apfelsinen, Zitronen und Eiern über die von ihnen ausgeführten Kistenmengen Zollgutscheine mit einer Laufzeit von 6 Monaten, gegen die sie eine entsprechende Menge von Kistenholz zollfrei einführen können. — Tel A w i w. Die 1926 gegründete und im vorigen Jahre an einen neuen Besitzer aus Polen übergegangene Eimerfabrik in Kirjath Arje bei Petach Tikwah hat sich günstig entwickelt. Das Produktionsprogramm umfaßt jetzt neben Eimern verschiedene Baumaterialien wie vor allem Schlosser-Tür- und Fenst-sramarturen Bedarfsgegenstände für die Hauswirtschaft usw. Das Kapital, das sich auf Lst. 5000.- beläuft, soll erhöht werden. — Tel Awiv Rußland macht neuerdings Versuche, auf den Märkten Palästinas Fuß zu fassen, ebenso im Irak und Aegypten. Diese Länder werden zur Zeit von Vertretern der russischen Exporthandelsgesellschaft bereist, um Abschlüsse zur Lieferung von russischem Holz zu erzielen. Der bevorstehende Eintritt Rußlands in den Völkerbund ist für Palästina insofern von Bedeutung, als er Rußland auf em palästinensischen Markt die den Völkerbundstaaten zustehende Vorzugsstellung sichert, während umgekehrt das russische Außenhandelsmonopol keinen Pfennig palästinensische Waren abzunehmen verpflichtet ist. — Tel A w i w. Die palästinensischen Fabriken sind in zahlreichen Fällen nicht mehr in der Lage, ausländischen Bestellungen nachzukommen, so daß die Gefahr droht, daß diese Auslandsmärkte verloren gehen. Die Ursache ist Arbeitermangel. Es fehlen in der palästinensischen Industrie zur Zeit mindestens 500 Spezialarbeiter, insbesondere werden solche in der Metall-, Chemie- und Textil-Industrie, in der Schuh- und Lederbranche, der Karosserie- und Holzindustrie gebraucht. — Tel A w i w. Bei der Durchführung des Kapitaltransfers durch die Haawarah Ltd. stellt sich heraus, daß der Transfer durchschnittlich Lst. 40.000 beträgt, also nur 30 Proz. des monatlichen Exports aus Deutschland erfaßt. Die Bemühungen müssen daher darauf gerichtet sein, die bisher dem Transfer i noch entgehenden 70 Proz. des laufenden Exports restlos in das Clearing überzuführen. — Amman, In das Handelsregister wurde eine transjordanische Ackerbaugesellschaft mit einem Nominalkapital von Lst. 5000.— eingetragen. — Jerusalem. In der Jahresversammlung der Jerusalemer Handelskammer gab der Peäsident dem Bedauern Ausdruck, daß die Verhandlungen mit der Regierung wegen Errichtung einer Zuckerfabrik, die Palästina in der Zuckerversorgung unabhängig machen solle, noch nicht weitergediehen seien. Es stehen die Rücksichten auf die internationale Zuckerkonvention im Wege. Ebenso notwendig sei der Bau einer Papierfabrik, für welche Rohmaterial in ungeheuren Quantitäten im Sudan vorhanden sei. Von. Palästina aus könne der nahe Osten versorgt werden. In Bezug auf die Errichtung einer Glasfabrik sei ein hoffnungsvoller Anfang gemacht, ebenso mit der Erzeugung alkoholischer Getränke. Die Er- | zeugung solcher Getränke aus Trauben müsse i im Interesse des palästinensischen Weini baus vom Staate stärker gefördert werden. ' Jisroel sprach Frl. Gertrud Lange aus Sered. Die Organisation wird geleitet von einem engeren dreiglied- - rigen Waad hapoel, dessen Mitglieder in Banila wohnen und von einem weiteren Waad hamerchas, dem die Damen Frau Dr. Normand in Cluj, Frau Rabbiner Horovitz, Burdojeni; Frl. Kogan, Chisinau; Frl. Lange, Sered; Frl. Schauber, Wischnitz angehören. Ein Beirat, bestehend aus den Herren Rabbinen Horovitz, Hager und Stern wird der Leitung wegweisend zur Seite stehen. Am zweiten Tage der Konferenz referierte Frl. Schauber über Erez Jisroel-Arbeit, an der die weibliche Jugend ihren vollen Anteil nehmen müsse. Nach einer stürmisch aufgenommenen Begrüßung durch eine der jüngsten Beth Jacob-Schülerinnen des Ortes hielt Frl. Kogan ein abschließendes Referat über die Rolle der Frauen im Judentum. Von den durch den Waad gefaßten Beschlüssen sind folgende hervorzuheben: 1. Es ist ein einheitlicher Schiur für die Bnos- Gruppen einzurichten, der täglich eine Parscho des laufenden Wochenabschnittes und wöchentlich ein Kapitel Tehillim umfaßt. 2. Im übrigen ist ein einheitlicher Lehrplan für die Bnos-Gruppen von der Zentrale aufzustellen. Die Mitglieder der Bnos-Gruppen haben die Pflicht, die agudistische Presse zu verbreiten, zahlen einen Jahresbeitrag von 40 Lei und sind verpflichtet, für die Zentralfonds nach Möglichkeit zu sammeln sowie für die Bewegung propagandistisch tätig zu sein. Die gleiche Pflicht liege den Beth Jacob-Lehrerinnen ob. Palästina. Das Projekt einer Legislative Assembly in Palästina. Jerusalem, 9. August. Ueber die Pläne der Errichtung einer Legislative Assembly in Palästina erfährt die Zeitung „Iton Mejuchad": Die Regierung ist im Begriff, weitere bedeutsame Schritte zur Bildung eines Advisory Council in Palästina zu tun. Dieser Advisory Council soll gewissermaßen die Funktion eines Unterhauses gegenüber dem jetzigen offiziellen Advisory Councis ausüben, der aus dem High Commissioner als Präsidenten und des Chefsekretär, dem Oberstaatsanwalt, dem Schatzmeister, dem Bodenkommissar, dem Polizeichef, den Direktoren der Regierungsdepartements und den Distriktskommissaren besteht. Der in Bildung begriffene Advisory Council wird, wie verlautet, späterhin durch eine Legislative Assembly abgelöst werden, deren Aufgabenkreis so festgelegt sein wird,-daß er mit den internationalen palästinensischen. Verpflichtungen nicht in Konflikt gerät. Wie die ITA. erfährt, wurden bereits Formulare und Fragebogen gedruckt, die an die Stadtgemeinden versandt werden sollen. Es werden vorläufig keine Wahlen stattfinden, sondern durch Ernennung soll eine Art oberste repräsentative Körperschaft der Gemeinden gebildet werden, die später auf Grund von Wahlen in eine Legislative Assembly umgewandelt werden könnte. Von den Bnos Agudas Jisroel in Erez Jisroel. Jerusalem, 1. August. Die Bnos Agudas Jisroel-Organisation im heiligen Lande entwickelt sich in erfreulichem Maße. In den Kreisen der ernsteren jungen Frauen und Mädchen steigt die Einsicht in die Notwendigkeit eines organisierten Zusammenschlusses, um das religiöse Leben zu stärken. Hand in Hand mit dem Anwachsen der Alijah entwickelt sich auch der Mitgliederbestand. Bisher sind schon Frauen und. Mädeketi aus folgenden Ländern vertreten: Polen, Deutschland, Oesterreich, Holland, Amerika, England, Slovakei, Ungarn und Rumänien. E ist dabei bemsrkenswert, daß trotz der hier unleugbar vorhandenen Verschiedenheit der Lebensgewohnheiten und Anschauungen sich doch ein gegenseitiges Verstehen und Ineinanderleben geltend macht. Die Bnos-Organisation hat in. Jerusalem und in Tel Awiw in der letzten Zeit ihre Örganisationsarbeit und Kulturarbeit verstärkt und es wurde beschlossen,' eine Bnos-Konferenz für ganz Erez Jisroel auf Cholhamoed Sukkos einzuberufen. Es ist zu hoffen, daß die Konferenz starke Begeisterung in die Reihen der or-

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