Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1934)
- Date
- 1934-08-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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August 1934 D e i ' 1 k r.ä eilt Nr. 33 Seite 7 für den Betrieb der Heimabende^ sondern ausdrücklich s.uch für Fahrten freigegeben hat. Die Klugheit allerdings hat , es geboten, daß der Landesausschuß Bayern den ihm angeschlossenen Bünden in unbedingt bindender Weise aufgegeben hat, keine Fahrten zu unternehmen, an denen, mehr wie 10 Personen teilhaben. Ich gebe zu,'daß man diese goldene Regel je nach den: besonderen Verhältnissen einzelner Gegenden nach uAten hin abwandeln kann. Wenn ich wiederum auf die mir besonders bekannten bayrischen Veft hältnisse, von denen wohl auch Herr Mannheimer in erster Linie ausgeht, abhebe, dann muß man zwischen Südbayern, also dem altbayrischen und schwäbischen Gebiet und zwischen Nordbayern, also dem fränkischen Gebiet und hier vielleicht wiederum zwischen Mittel- .und. Oberfranken andererseits unterscheiden; In Südbayern besteht •nicht das geringste Bedenken dagegen,; in Gruppen zu 10 Leuten^ und. selbstverständlich« in völlige unauffälliger Weisenundi nachdön 'Richtlinien der bayrischen^ politischen Polizei, der - örtlichen Polizeidirektionen und des Landesausschüsses 'der jüdischen - Jugendverbände auf Fahrt' zu gehen und unseren*;jüdischen Buben <und Mädels Gelegenheit zur . Ausspannung in der Natur» zu - geben. In Franken,: von>udessen besonderen-) Verhältnissen Herr (Mannheimer, wie ich wohl;weiß, ausgeht, wird,es richtig 'sein, wenn man möglichst die iZahl. der an einem Ausflug ^teilnehmenden 'Personen auf. höchstenfalls1 fünf öfter sechs beschränkt. Es gibt Fälle, in denen es richtig ist, eine Fahrt auch völlig'zü unterlassen, ab^r alle dies.e;Variationen'-;int einzelnen sind eine$F*age des Taktes fürJ diejenigen, dic"'iti den Bünden die . Verantwortung tragen; eine grundsätzliche Frage sind sie nicjit. , :< .; In diesem Zusammenhange möchte ich zum, Schluß auf; einen weiteren Gesichtspunkt hinweisen. Gerade im _unterfränkischen;Bezirk,, aber auch in' anderen Gegenden gibt es eine Anzahl von kleinen!und kleinsten Gemüeinden, in denen nur wenige Jugendliche leben. Diese entbehren eine jüdische Umwelt, die sie trägt und hält, in dieser Zeit sehr schwer. Es wäre eine schöne Aufgabe für die Bünde und eine Mizwoh im wahren Sinne, wenn sich Gruppen von jüdischen jungen Leuten aus den; .benachbarten Städten daran •machenwürden, eben solche kleinen Gemeinden .arn:Sonntag-aufzusuchen undr!die seelische; Kraft i|n -Ertragen dessen, was uns auferlegt ist, durch das) Gefühl ein:es . größeren jüdischen Zusammenhangs,, .da^ysie erwecken, bei den jungen Men-, sehendraußen.izu .stärken. ..-Jch'jlaübenalso, daß man. bei aller Würdigung entgegenstellender Bedenken und unter ständiger ,Einpragung der1 Notwendigkeit, Zurückhaltung in allen Dingen zu bewähren,, doch grundsätzlich auf dem Standpunkt stehenmuß, daß,, die jüdische Jugend ihr .Rephtj^die Schönheiten der Heimat zu genießen,; iniefrt. freiwillig aufgeben soll!.; Korrespondenzen. Deutsches Reich. 4; ' " , Die rote Büchse. v v : j :" <*■>■ Frankfurt a/M.,'8. Aug. j Die1 Deutsch-HoÜändfscHe!i Palästina-Verwältüng in Frankfurt a. Mi' (Pekidim und AmarkäUm' der; Israelitischen Gemeinden im HeiKgen Lande) die; älteste Erez Jisroel-Institutioh', welche seit mehr als 120 Jahren — unabhängig von politischen Strömungen — vor allem die aus Deutschland und Holland stammenden Thoragelehrten( nAfcmen, Witwten ünd Waisen unterstützt, darüber hinaus die aschkenasische Thoralehränstalt -Jeschiwath'Zion und die sefardisch-orthödoxe Bürgerschule Doresh Ziori unterhält, macht in einem -dieser Tage zum Versand kommenden Rundschreiben ihre Freunde und Gönner darauf aufmerksam, daß im Elul die Roten Büchsen geleert werden sollen. Alle Challoh-Rabbi Meir bal Haneß'- Machazis Haschekel — Matnas Ja d — Mas k i r N eis c.h o mm u s - G e 1 d e r ' sowie S p e nden beim Aufruf zur Thora sind an die Deutsc,h-Holländis.che Palästina,-Verwaltung Frankfurt a. M,, 'Rechn'ei^rabe!n|jräße tUO, Postscheckkonto Nr. 9553 Ffm. zu überweisen. Möchten vorgenannter Stelle, ' die auch ' jederzeit gerne bereit*1 ist," 'Interessenten-! Rote'1 Büchsen' sowie alle anderen in Betracht kommenden Materialien Vollständig gratis zugehen zu lassen, Spenden in reichstem Maße zufließen/ welche für ihre Zwecke im Heiligen Lände dringend benötigt werden. Das Ende einer alten ehrwürdigen Institution. ...;;) Berlin, 1. Aug. ,, Eine der. ältesten ehrwürdigsten Institutionen des jüdischen Berlins, die Schaß -Che w r a in der Oranienburgerstraße, stehtvor einer,; schweren Krisis, wahrscheinlich sogar ,yor ,dem Ende. - DieSchaß- Chewra, zu deren Leitern-.im Laufe der Jahrzehnte bekannte Führer des thoratreuen Judentums, . Män^ ner wie: Prof. Dr. Hoffmann, Rabbiner jKaplan Und Dr. Meier. Münk s. A. gehörten, hat durch .den starken Zug nach dem neuen Zentrum der „Adaß Jisroel" im; festen und auch durch Wegzug: aus Berlin den größten Teil ihrer Besucher eingebüßt. Seit einiger Zeit kommen nur noch zwei alte Leute zu den abendlichen Schiurim und das Minjan kann nachmittags , nur sehr-. schwer , zustande. gebracht werden.; 1 . / Da nun;in;der jnäjqjisten N,ähe: sowohl zum Lernen,; als, auch i zum; Gebet; .reichlich Gelegenheit gegeben ist :IAr,tilleriestraße, Kl. Augüststraße,. Heidereutergasse) so hat die Schaß-Chewra in ihrer gegenwärtigen Verfassung keine rechte Existenzberechtigung mehr. Das Interesse der viejen Spender, ,die die Schaß-Chewra heute noch!erhalten, erfordert es. jedoch,, den Versuch zu machen, nichtf nur den (einzigen alten Beamten der Chewra sicher zu., stellen, sondern die Chewra entweder machi, dem Westen zu verlegen, oder mit dem Beshamedrasch in der Heidereutergasse zu vereinigen. Erneuerung des Transferabkommens iür Palästina mit der Reichsbank. >; Berlin, 8, August. Das; ,.Reichssteuerblatt. .,bringt einen Erlaß der „Reichsstelle für.. Devisenbewirtschaftung", der sich . mit. dem Palästina^Transfer beschäftigt. Im wesentlichen handelt es. sich dabei um die Erneuerung der Bestimmungen wegen Uebertragung von Geldern deutscher Juden, die zur Zeit nicht auswandern, sich aber schon jetzt eine Heimstätte in Palästina schaffen wollen. Die Einzahlungen sind bei der Reichshauptbank in Berlin.für die Haawarah Ltd. Tel Awiw zu leisten. Die Markbeträge finden ausschließlich Verwendung zur Bezahlung deutscher Warenlieferungen nach Palästina,''ünd Mer^DeyisWngegehwert wird den Einzahlern in Palästina'zür'Verfügung gestellt;' Die Höchstgrenze der Einzahlungen . beträgt. Mk. 50.000 für jede wirtschaftlich selbständige Person. Bedingung ist, daß die Devisenbeträge in Palästina zur Anlage verwendet werden, also, entweder zum. Ankauf von Häusern, oder von ^Hypotheken, .Schuldverschreibungen oder Beteiligung an Unternehmungen. Auch Auswanderern kann die Genehmigung zur Einzahlung auf dieses Sonderkonto 2 erteilt werden für Beträge, die über die von der Auswandererberatungsstelle als angemessen, erachtete, Summe,, für Sonderkonto. 1 hinausgehen. Einzelheiten erfahren Interessenten von der P(alästina-Treuhandstelle , zur Beratung . deutscher Juden, Berlin: SW. 68, Friedrichstr. 218. Rechtsschutz für nichtarische Rechtsanwälte. ,„ ' Berlin,' 9. August. . ,,; Das „Berliner Tageblatt" berichtet über ,ejne für die Frage" des Rechtsschutzes nichtarischer ( Rechtsanwälte grundsätzliche, Entscheidung, die -das Düsseldorfer Berufungsgericht gefällt hat. , Im Frühjahr war der 50jährige H. vom Schöffengericht wegen fortgesetzter Beleidigung und wissent-; lieh falscher Anschuldigung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Gegner des H. in einem Zivilprozeß, warj in den Jahren 1931/32 von dem jüdischen Rechtsanwalt Dr. Goldberg vertreten wordenkder als verdienter Frontoffizier auch nach dem Siege der nationalen Erhebung beim Düsseldorfer Gericht zugelassen blieb. In seinen Schriftsätzen und in einer Eingabe an die Anwaltskammer hatte dann H. 1933 den Anwalt beschuldigt, er habe seinen Prozeßgegner zu einer wissentlich fälschen eidesstattlichen Versicherung veranlaßt. Gegen das Urteil des Schöffengerichts hatte H. Berufung eingelegt, die er auf das Strafmaß beschränkte. - Der Angeklagte erklärte, er bereue seine Aeußerungen, sein, Verteidiger bemerkte, die Art der Prozeßführung des beleidigten^ Anwalts habe den Angeklagten reizen müssen. Der Staatsanwalt war der ,Meinung,; daß die scharfen Aeußerungen des Rechtsanwalts , Dr. Goldberg in seinen; Schriftsätzen durchaus, nicht schwer beleidigender Art ^seien. Es entspreche keineswegs nationalsozialistischem Geiste, einen Prozeß^egner nur darum zu verunglimpfen, weil er Jude sei..- Angesichts der Reue des Angeklagten beantragte der Staatsanwalt eine Herabsetzung der Strafe auf drei Monate Gefängnis. Das Gericht ermäßigte die, Strafe auf 2% Monate, wobei es die strafmildernden Umstände hervorhob. Andererseits .aber möge der, Angeklagte sich für alle Zukunft merken, daß dem jüdischen Rechtsanwalt .derselbe Schutz gewährt werde, wie jedem anderen Anwalt. Selbst wenn er die Art der Prozeßführung des Dr. Goldberg nicht billige, habe er nicht ausfällig werden dürfen. Das,. Rassenproblem.;auf dem Baptisten-Kongreß. B e r 1 i n , 9. August, if- Auf dem in Rerlinr tagenden Weltkongreß der Baptisten kam es zu einer lebhaften Ausspräche , über Rassenfragen. Rev. C. E. Wilson; (England)1 war der Ansicht, daß. der Mensch von Natur keine Rassenunterschiede kenne. Jede Rassenunterdrückung sei eine Beleidigung G'ttes. Der Londoner Generalsekretär Rushbrocke betonte mit Nachdruck, daß der politische Nationalsozialismus und seine Behandlungdes Rassenproblems gänzlich außerhalb ider Diskussion stünden. Die Aussprache befasse sich nicht mit dem innerassischen Problem eines einzelnen Volkes, sondern mit der Weltfrage: Sind alle Rassen, die weißen, braunen und schwarzen, vor G'tt als gleichberechtigt anzusehen? Italien. r! Faschistische Partei in Palästina? Rom, 7, August. Die italienische Presse berichtet,. daß in Palästina unter Führung des Vize-Bürgermeisters von Jerusalem, Fakri Bey Nashashibi, eines Freundes des Emirs Abdullah von Transjordanien, eine faschistische Partei im Entstehen begriffen ist. Der Parteigründer hat in einem Interview erklärt, die neue Richtung werde sich die Ideen und Formen der faschistischen, Bewegung Italiens, zum Beispiel nehmen. Bewunderung für die Leistungen Mussolinis habe ihn veranlaßt, die neue „Arbeiterpartei" genannte,-;Gruppe ins Leben .zu; rufen.;)iSie erstrebe moralische und wirtschaftliche Erneuerung Palästinas und die soziale Wohlfahrt der Arbeiterklasse. ^Den Informationen-des,(offiziellen Organs „Giornale dTtalia". zufolge,soll die neue Partei ein Kompromiß mit dem Zionismus anstreben. Ihre Hauptaufgabe erblickt sie in der Bekämpfung sozialistischer und kommunistischer Tendenzen. Polen. . Taänis-Zibbur am ersten Slichostage. W ar.s c hau, 8, Augus.t. > Wie .das Sekretariat des Mauezes Chachme Hathauro d,e r A g u.d a s Jisroel in Polen mitteilt, hat der Rabbinische Rat beschlossen, auf den ersten Slichostag einen halbtägigen Taanis Zibbur für. Polen anzuordnen und eine entsprechende Anregung allen anderen Ländern d.er.Diaspora zu übermitteln. In dem von . dem Rate versandten Aufruf wird auf die katastrophale . Lage, des