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Der Israelit · 1934-08-16 · Heft 33 (16.8.1934) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 33 (16.8.1934)
Date
1934-08-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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16, AugUSt: 1934-, .::■■■■.-> . rechtfertigt werden Wird sich die britische Reichspolitik ändern? Jaffa-und Tel Awiw beklagen sich bitter, von der Palästinaregierung vernachlässigt zu werden. Die Bevölkerung dieses Bezirkes beläuft sich auf 180.000 Menschen, in 60 km Entfernung liegt Jerusalem mit 120.000 Einwohnern. Das südliche Palästina umfaßt mehr als zwei Drittel der Bevölkerung des Landes. Warum vernachlässigt man sie zugunsten des Haifaer Hafens?? Der südliche Teil Palästinas konsumiert mehr als drei Viertel des Importes, trotz des Fehlens des Hafens und des stürmischen Wetters im Winter werden drei Fünftel des Orangenexportes über Jaffa verladen. Die palästinensische Konjunktur wird dauern, solange der Rhythmus der Einwanderung anhält. Handel und Industrie Palästinas ruhen auf dem inneren Markt, ihr weiteres Anwachsen setzt weitere Einwanderung voraus. Die Einwanderung ist die große Unbekannte der weiteren Entwicklung. Um die Krise zu vermeiden, braucht Palästina eine jährliche Einwanderung von mindestens 50.000. Nachdem Me. Menassa die Frage einer evtl. einsetzenden Rückwanderung im Falle einer Änderung der Judenpolitik in Deutschland erörtert hat, betont er abschließend, daß das- Andauern der Einwanderung und die Lösung des Arbeiter - und Lohnproblems die Voraussetzung für die Stabilisierung und Sicherung der an sich gesunden und fundierten Struktur der palästinensischen Wirtschaft bilden. Solange der Hauptfaktor eine unbekannte ' Größe bildet, könne man keine Voraussagen machen. Alle an der wirtschaftlichen Prosperität Palästinas Interessierten müssen bemüht sein, Lösungen für die gestellten Probleme zu finden. Zu diesen Gedankengängen des sachkundigen Verfassers wäre mancherlei zu bemerken. Wir möchten uns für heute auf die Frage der Löhne beschränken. Es ist unmöglich, dieses Problem — wie es hier geschieht — lediglich unter dem Gesichtspunkte der höchstmöglichen wirtschaftlichen Rentabilität des Unternehmens zu betrachten. Das geschieht in keinem Kulturstaate mit hochentwickelter Wirtschaft. Vielmehr ist schon das Moment der inneren Kaufkraft, die durch starke Senkung des Lohnniveaus empfindlich geschädigt werden würde, ein starkes Gegenargument gegen die empfohlene Tendenz der Lohnpolitik. Dazu kommt, daß die Erhöhung des Unternehmergewinns durch arabische Arbeit zugleich den Un.terga n g des j ü d i - gegen den Abend ihres Lebens nur mit ihrem Werkzeug beschäftigt angetroffen werden, «as7 Nim naar, es könnte sie i*n der Abruf zu rasch übereilen und sie kämen nur mit weltlichem Arbeitserfolg in das Kan D^ny. So hat auch das dort folgende Wort einen tieferen Sinn ,r»np> nipuin p»n rmii "|tnn vimk tiaxa „In Wirklichkeit hat man gesagt, der Lehrer darf (am Freitag Abend] sehen, was die Kinder lesen, weil es ihm so geläufig ist, daß eine Verbesserung des Licktes nicht zu befürchten ist." Weshalb noch die Betonung nn« nnju worauf unsere Weisen W bekanntlich sagen, nbn n»X3 il»K» t>"> Zu einer erfolgreichen Erziehung wirken mannigfache Faktoren mit: neben Unterricht, Gesellschaft, Vorbild, nicht zuletzt auch, besonders bei unserer heutigen lesedurstigen Jugend die Lektüre. Was viele Stunden ernster, zielbewußter Belehrung bewirken, kann vn das Gift schädlicher Lektüre verderben, was auch der in anderen Kreisen eingesetzte Kampf gegen „Schundliteratur" zum Ausdruck bringt, daher nsn ]tnn der jüdische Lehrer muß auch danach sehen, was die Kinder außerhalb der Schule lesen, wenn sein Unterricht nicht erfolglos sein soll. 2. T3">a rnVnp ns'a- Viele Blätter des Talmuds beschäftigen sich mit dem vielbesprochenen — in thoraentfremdeten Kreisen leider selbst bespöttelten — Thema der am B"»l natt gemolkenen Milch, der frischgelegten Eier, die an diesem Tage wegen iVil verboten sind. Ein tieferer Sinn dieses Kapitels dürfte vielleicht der sein: Oft wird diese Welt zum Wochentag verglichen, jene Welt zum Schabbos, wie wir sie' ja neanen. ftSff lVs» BV- , , , t D e r 1 s r a e 1 i t _ . sehen Palästina, die restlose Vertreibung des jüdischen Elements aus der Lohnarbeit bedeuten würde,;denn die primitive Lebensweise des arabischen Fellachen wird dem europäischen jüdischen Arbeiter niemals zugemutet werden können. Denkbar wäre allerdings — und aus politischen Gesichtspunkten ebenso rätlich wie aus wirtschaftlichen — die gemischte arabischjüdische Arbeit in den größeren Unternehmungen, wobei man dem .jüdischen Palästina eine starke einheitliche W i r t s c h a f t s - leitung von oben, fern von der Einseitigkeit der Klasseninteressen wünschen müßte. Wir glauben, daß die Zuspitzung der Verhältnisse schließlich dazu führen wird, daß man diesen Gedanken, der dem herrschenden Manchestertum ungeheuerlich erscheint, doch ernster wird nehmen müssen. Organische Einheit. Nathan Birnbaum hat in seinem ,,Ruf" zu Beginn des Monats Aw wieder einmal das unzeitgemäße Thema der jüdischen Einheit und Einigkeit angeschnitten — unzeitgemäß, wenn man sich die tatsächliche Zerrissenheit nicht nur der Judenheit als eines Ganzen, sondern sogar der einzelnen Parteien und Gruppen in sich vor Augen hält! Man denke nur daran, was im Zionismus, im Misrachi, innerhalb Erez Isroels an Kampf und Streit bis aufs Messer^ vorgeht und man wird dafür auch durch den Blick auf die friedlicheren Beziehungen der liberal gerichteten jüdischen Gruppen in Europa und Amerika keinen Trost finden. Tatsächlich herrscht nur dort Friede, wo die Leidenschaft des Bekennens fehlt. Je stärker diese vorhanden ist, desto heftiger stoßen die Gegensätze aufeinander. Was ober gänzlich fehlt, ist die allgemein anerkannte Autorität, die aus der ungegliederten und anarchisch in tausend Einzel- und Gruppenwillen zersplitterten Masse ein organisiertes volkliches Lebewesen machen könnte. Birnbaum meint, es gebe nur einen Weg, um wieder zu einer jüdischen Einheit und das heißt zu einer echten, organischen Einigkeit zu gelangen: Wiederherstellung der wahren Knesses Jisroel, der jüdischen Welt- oder Allgemeinde unter geistlich-weltlicher Leitung, mit zentraler Repräsentanz und Landes- und Ortsvertretungen. Es war und ist das eigentliche Ziel der „ A g u - das Isroel", diese ..echte organische Einigkeit." zu schaffen, wobei es gewiß gleich gilt, ob man diesem Ziele \inter der Flagge des einen oder des anderen Namens zusteuert. Man begreift daher nicht recht weshalb Birnbaum auch Oder nawa 'ax' vm mos? ">n nur wer auf dieser Welt sich gute Werke gesammelt, wird in jener etwas zu genießen haben. Wie sagt der Parek . . . nmc ny» ns>- Besser ist — bei aller Glückseligkeit jener Welt — eine Stunde Teschuwoh und gute Taten dieser Welt als das ganze Leben der jenseitigen. Dann jene Welt ist nicht mehr da zum Wirken, dazu ist nur diese Welt geschaffen. So lehrt uns nun das Gesetz von ii>i3 und nxpl»: So wie Du keinen Tropfen Milch, der nicht vor Eingang des Schabbos gewonnen, keine Frucht, die,nicht vor Schabbos gepflückt ist, an diesem Tage genießen darfst, so wirst Du auch in jener Welt, von der nach den Worten unserer Weisen bl der Schabbos nur 1/bo darstellt, nur genießen können, was Du Dir auf dieser Welt vorbereitet hast. Deshalb nütze jeden Tag und lasse keinen wertlos verstreichen! Kleines Feuilleton. Vorbereitungen zur Feier des 800. Geburtstages des Rambam in Cairo, Die jüdischen Kreise in Cairo haben Vorbereitungen getroffen, um den 800. Geburtstag des Rambam (Rabbi Moses ben Maimon oder Maimonides) festlich zu begehen. Es wurde ein Organisations-Komitee gebildet, das die Vorbereitung für die im März 1935 stattfindende Feier durchführen soll. Diesem Komitee gehören an: Joseph Cattani Pascha, Präsident der Jüdischen Historischen Forschungsgesellschaft Aegyp- - _ Nr. 33 Seite 5 bei diesem Anlaß Veranlassung zu haben glaubt, der Orthodoxie ihre Sünden vorzuhalten, indem er schreibt: „Und erst die Orthodoxie! Was brauchte sie erst in fremden Programmen herumzuschnuppern, um Betätigungen zu finden, wenn sie die eine große Aufgabe, dem jüdischen G/ttesvolke neue Elastizität zu geben, erkennen würde, und wenn sie manches Gute, das sich schwer und zögernd genug in der Judenheit durchgesetzt hat, erst als letzte annahm, muß sie auch hier die letzte sein wollen? Wie leicht kann sie da, zum Schaden des Judentums, das Nachsehen haben!" Wir kennen nur zwei großangelegte Versuche, die geschichtlich gegebene nationale Wesenheit des zerstreuten jüdischen Volkes zu aktualisieren und für eine gemeinschaftliche Willensbildung fruchtbar zu machen: den zionistischen und den agudistischen. Jener verfälscht das Wesen der historischen Nation durch Anpassung an die Moderne und hat gerade deswegen den stärksten äußeren Erfolg erzielen müssen, weil er von allen Hemmungen der Geschichte und des Dogmas befreit war, Der a g u - distische Organisationsversuch war sich der ungeheuren Gegenkräfte, die er innen und außen zu überwinden haben würde, vom ersten Augenblick an vollkommen bewußt; er mußte und muß mit langen historischen Zeiträumen rechnen, schon deshalb, weil er um der religiösen Wahrhaftigkeit willen zunächst einen Zellkern derer schaffen muß, die innerlich von der Wahrheit der jüdischen Glaubensvoraussetzungen ergriffen sind, und weil er sich rabbinische Führung heute nicht künstlich erschaffen, sondern sie sich nur erziehen kann. Ueber die Bedeutung des letzteren Punktes ist sich gerade Birnbaum vollkommen im klaren, wenn er schreibt: . „Gewiß, die Sache ist nicht so einfach. Es müssen religionsgesetzliche Voraussetzungen geklärt und erfüllt und ein geeignetes neues geistliches Führermaterial muß erst erzogen werden. Das braucht Zeit ..." Demnach gibt es nur einen Weg, um das von Birnbaum wiederum mit großer Beredsamkeit aufgesteckte Strebeziel zu erreichen: die entschlossene und disziplinierte Mitarbeit an dem längst begonnenen, aber höchst unvollendeten agudistischen Organisationswerke, das in dem kleinsten Punkte die höchste Kraft zu sammeln vermag, wenn ihm die Jugend vor allem mit dem vollen Einsatz der Persönlichkeit ihre Dienste leihen wird. tens; Oberrabbiner Haim Nahum Effendi; Dr. Max Meyerhoff, ein führender Forscher der Arztkunde des Islams; Dr. Israel Wolfensohn, Historiker und Archäologe der Geschichte des Islam; Dr. Alfred Yuleuz und Herr Meise Zanua. — Die Feier wird im Königlichen Opernhaus oder'einem anderen großen Saal in Cairo stattfinden; es werden auch G'ttesdienste in den Synagogen abgehalten werden. Rambams berühmtes Manuskript über „Kitab Al-Akakir", das sich mit medizinischen Fragen beschäftigt, und andere seiner Werke sollen neu herausgebracht werden. Die „Socieie d'Etudes Historiques des Juives d'Egypte", 12 Rue Zakki, Cairo, ersucht um diesbezügliche Vorschläge seitens jüdischer wissenschaftlicher Gesellschaften in der ganzen Welt. (Abreißkalender für 5695.) Die Buchhandlung Kedem in Berlin -Charlottenburg, Dahlmannstr. 8, gibt rechtzeitig zum neuen Jahre einen jüdischen Tages-Abreißkalender heraus, bei dem jedes Tagesblatt das bürgerliche und das jüdische Datum nebst allen zugehörigen kalendarischen Angaben sowie die- Sabbat- und Festtags-Anfang- und Endzeiten für Berlin, Breslau, Frankfurt und München enthält. Deckblatt und Wanddeckel sind 'von einer jüdischen Künstlerin, Frl. Lili S k o 1 n y , gezeichnet. (Bibelausgabe der jüdischen Buchvereinigung.) Qie jüdische Buchvereinigung Berlin W. 15, Pariserstr. , kündigt als dritte Veröffentlichung dieses Jahres den ersten Band der von der jüdischen Gemeinde Berlin veranlaßten deutschen Bibelübersetzung, enthaltend den Pentateuch, an. Als Herausgeber zeichnet Prof. Torcziner an der Universität Jerusalem. Auch sonst sind fast ausschließlich liberale und ultraliberale Persönlichkeiten an der Uebersetzung beteiligt.

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