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Der Israelit · 1934-08-16 · Heft 33 (16.8.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 33 (16.8.1934)
Date
1934-08-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 33 Der 1 s r a e 1 i t .16: August. 1934 Thor a weisen aller Zeiten, die es deuten und verkünden, an den Gestalter der Menschengeschichte, in dessen Namen Jeschajohu das heute wie eine Mahnung klingende Wortgesprochen: •wrr» ]'a»an Wochenrundschau, Das Blutbad in Algerien. Die Ausschreitungen mohammedanischer Volksmassen im Judenviertel der algerischen Stadt Constantine scheinen, wie die jetzt vorliegenden ausführlicheren Meldungen beweisen, einen recht ernsten Charakter getragen zu haben. Die Zahl von 23 ermordeten Juden erschöpft den Umfang des Massakres nicht, ihr sind Hunderte von mehr oder minder schwer Verwundeten, die Opfer bestialischer Mißhandlungen anzureihen und die Ausplünderung fast des ganzen Judenviertels, in dem zahlreiche Häuser in Trümmern liegen. Wenn ein vorsichtig urteilendes Blatt wie die „Times" erklärt, daß ganz offensichtlich ein planmäßigvorbereiteter Angriff auf die Juden vorliegt, zu dem der angeblich in4 eine Moschee eingedrungene betrunkene jüdische Soldat nur den willkommenen Anlaß lieferte, so muß man mit der Möglichkeit rechnen, daß es irgendwelchen mohammedanischen Fanatikern in Nordafrika von der Art des Großmufti in Jerusalem angezeigt scheint, den immer nur leise schlummernden religiösen Fanatismus der arabischen Massen wieder einmal gegen die Juden zu entflammen. Die „Times" glaubt allerdings, daß die Not unter den Bauern in Algier, die tiefgehende Unzufriedenheit der arabischen Bevölkerung mit ihrer ökonomischen Lage der Hintergrund sei, auf dem sehr leicht jeden Augenblick Explosionen sich ereignen können. Provozierend habe, so schreibt das englische Blatt, die an sich interessante und malerische Art gewirkt, in der die alte Constantiner Judengemeinde den Sabbat zu begehen pflege, wobei die Frauen zu führen des Tages in kostbaren Gewändern und mit ihrem ganzen Schmuck angetan an den Hauseingängen sitzen. Die Sidra spricht zu uns . . . i. . ' „Richter und Vollstreckungsbeamte gibst Du Dir in alle Deine Tore, die G'tt, Dein G'tt, Dir gibt für Deine Stämme, auf daß sie das Volk richten nach gerechtem Rechtsspruc h." (Kap. 16, V. 18J Unter pis vavn (das man gewöhnlich mit „gerechtem Rechtsspruch" übersetzt) ist ein öDtrrn, ein formaler, dem Paragraphen entsprechender Rechtsspruch zu verstehen, der zugleich pTX ist, das heißt, der vom Rechtsempfinden beider Parteien als Wohltat <pis und npnx sind ja verwandte Begriffe) empfunden wird. ""p1'35' öiswn pTXa», Du sollst Deinen Nächsten nach pTX richten, heißt ja auch: mar ep^> Ginn i>3 rix yt 'in. Richte jeden Menschen im sozialen Verkehr nicht nach bdpb, nach dem paragraphierten Gesetzbuch, sondern nach Billigkeit, das heißt unter Berücksichtigung seines vorauszusetzenden guten Willens und seiner Besonderheiten. Sollen aber die Richter ein solches pis tsspa. ein die Parteien befriedigendes, von ihnen als richtig anerkanntes Urteil abgeben, dann dürfen nicht die Richter des einen Stammes über die An- " Wenn sich die Juden sonst keine '„Provokation" — wohlgemerkt innerhalb des Ghettos—- zu schulden kommen ließen, so sollte man durch das Heraussuchen so kleinlicher Momente sich über die wahre Ursache der furchtbaren5 Ereignisse nicht selber in Täuschung versetzen. Die „Times" erinnert auch an den Palästina- Pogrom vom Jahre 1929 und benutzt die Gelegenheit, die Führer der palästinensischen Judenheit auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die aus dem Verhalten der radikalen revisionistischen Elemente in Erez Isroel für Sicherheit und Leben der Juden erwachsen könnten. Wir möchten demgegenüber doch auch auf die schwere Verantwortung hinweisen, die — genau wie 1929 die englische Mandatarmacht — in diesem Falle den französischen Gouverneur und seine Regierung trifft, die über genügende Machtmittel verfügten, um bei pflichtgemäßer Wachsamkeit die katastrophalen Folgen dieses wohlvorbereiteten Aufflammens der mohammedanischen Volksleidenschaft zu verhindern, zumal derartige Vorgänge gerade in Algier und Tunis durchaus nichts Neues sind, sondern mit einer gewissen Regelmäßigkeit wiederkehren. Die Aussichten der Konjunktur in Erez JisroeL Der ehemalige Unterstaatssekretär der syrischen Mandatsregierung, Gabriel M e n a s s a , hat sich in der Fachzeitschrift „Commerce du Levante" über das wohl manchen denkenden Beobachter heute stark beschäftigende Problem geäußert, mit welchem Grade von Sicherheit auf die Fortdauer der starken wirtschaftlichen Prosperität Erez Isroels gerechnet werden könne. Die Kennzeichen dieser wirtschaftlichen BJüte springen in die Augen. Arbeitermangel auf der ganzen Linie. Der städtische Arbeiter erhält einen mehr als doppelt so hohen Lohn wie normal, die fieberhafte Bautätigkeit kann kaum den Wohnungsbedarf decken, die Bodenpreise sind schwindlig in die Höhe getrieben, mehr als ein Dutzend Millionen Pfunde liegen zinslos in den Banken, 4% Millionen Pfund sind in industriellen Unternehmungen investiert, die Warenlager schwellen an, die Orangenu. a. Pflanzungen werden in stürmischem Rhythmus ausgedehnt, der Hektar wird mit 20—30.000 frcs. bezahlt. Palästina hat 1933/34 5% Millionen Kisten Orangen exportiert, 1935 werden es 8, 1938 sogar 12 Millionen Kisten sein. Mit einer Jahresproduktion von 180.000 To. kann „Nesher" den Zementbedarf nicht mehr decken, von 1935 an wird Nesher 350.000 To. produziegehörigen des ander e n urteilen, weil jeder der 12 Stämme seine besonderen Eigentümlichkeiten hatte. So und nur so versteht man, daß das Wort i'üatpV nicht dort steht, wo es hingehört, nämlich nachl'-WB«, sondern am Schlüsse, weil sich das üöPaosnnKitJBCn pix unmittelbar an yvivb wie die Wirkung an die Ursache anschließen soll. Dadurch, daß jeder Stamm sein eigenes Gericht hat, selbst wenn an einer und derselben Stadt zwei Stämme teilhaben, kommt ein pix tsawa heraus. II. „Auf daß sein Herz sich nicht erhebe über seine- Brüder und er nicht weiche vom Gebot rechts und links, damit er lange Tage daure in seiner Herrschaft, er lind seine Söhne inmitten Israels." (Kap. 17, V. 20.) Der jüdische König sollte sich (V. 19) stets und ständig in das Thorawort vertiefen und sein Leben darauf gründen.' Dann wird es ihm, wenn er sich ewig in Ehrfurcht vor G'ttes Angesicht empfindet, gelingen, den Stolz zu überwinden, der für ihn äußerst naheliegt, da er ja seiner Ehre nichts vergeben darf ,(Vina iyd3 p? ttiaa Vnae? -^a) und zweitens wird er der Gefahr entrinnen vom Gesetz abzuweichen nach rechts oder nach links. Nach rechts, indem er ein autokratisches Regiment: führt und jede Freiheitsregung unterdrückt und nach links, indem er den Instinkten der Masse schmeichelt, um populär zu werden. Bleibt er demütig vor G'tt und zugleich auf dem yma» "p> der mittleren Linie, wie sie das G'ttesgesetz lehrt, so sichert er damit die Fortdauer seiner Dynastie in Israel fr-tin) frtnEPMpaimvSo enthält dieser eine Satz ein ganzes Kapitel ewig aktueller politischer Weisheit. ren. Die palästinensische Indüstne prosperiert, obwohl die Löhne fünfmal so hoch wie die syrischen sind: Der Import hat 1933 LP 11 Millionen überschritten und wird 1934 Weiter steigen. Manässe hält nun die ökonomische Struktur Palästinas für gut basiert und gesund. Er macht jedoch für die voraussichtliche weitere Entwicklung gewisse Bedenken geltend, denen gegenüber man die Augen nicht verschließen darf. Die palästinensische Landwirtschaft, die auf der Orange basiert, hat mit der Gefahr zu rechnen, die jeder Monokultur droht. Die Orange beginnt, sich schwerer zu verkaufen, die Pflanzungen werden aber immer zahlreicher. Was wird man von einem Palästina zu halten haben, das in 10 Jahren 15—20 Millionen Kisten Orangen zu exportieren hat? Das Beispiel der ägyptischen Baumwolle und des brasilianischen Kaffees gibt uns das Beispiel einer Preisentwicklung, die nicht mehr die Kosten der Ernte deckt, geschweige ienn die Anlagekosten amortisiert. Die palästinensische Industrie krankt, nach M anasse, an einem doppelten Uebel: der außerordentlichen Hausse der Löhne und dem Mangel an Absatzmärkten Die Diktatur der Histadruth verhindert alle Lohnriivellierungsversuche durch Beschäftigung arabischer Arbeiter, die im letzten Winter in den Oranganplantagen in der Umgebung Tel Awiws für den dritten Teil der Löhne jüdischer Arbeiter engagiert werden konnten. Dasselbe gilt für die Industrie. Die Araber sind von der Industriearbeit ausgeschlossen. Die Politik der Histadruth führt damit zu einem zweifach nachteiligen Resultat: zu einem sehr hohen Produktionskostenniveau der jüdischen Industrie und einer Niedrighaltung der Kaufkraft der eingeborenen Bevölkerung. Die hohen Produktionskosten hindern auch den Export: die Ausfuhr nach Syrien, Libanon, Aegypten, Irak usw. erreicht noch nicht % Million LP, der industrielle Absatz ist zu etwa 75 Proz. auf die jüdische Bevölkerung Palästinas von rd. 300.000 Menschen beschränkt. Man fragt sich, wie sich die palästinensische Industrie unter diesen Umständen entwickeln soll: intensive Produktion, eingeschränkter Konsum, unbedeutender Export. Und von Monat zu Monat werden beträchtliche neue Kapitalien in der Industrie investiert!!! Wenn das Problem der hohen Löhne nicht gelöst wird, muß sich eine industrielle Ueberproduktionskrise und daraus eine-schwere Gesamtkrise ergeben. Schließlich ist der Handel nicht organisiert: der Bau des Haifaer Hafens kann nur durch den unverzüglichen Bau der Haifa-Bagdadbahn ge- Die Mischnah als Mussarbuch, Vnn Rabbiner Dr. Ansbacher in Wiesbaden. Bei tiefgründigem Lernen kommt uns oft die Erkenntnis, daß die in Mischnah und Gemoro behandelten Fragen nicht lediglich Einzelheiten von msa- und D'pn bedeuten, sondern — bei selbstverständlicher Wahrung des Iowa 'ra H2T> — beachtenswerte Lebensregeln weltanschaulicher A r t in sich fassen, und es nur des verständnisvollen Suchens bedarf, dieselben, zu erkennen und nutzbringend zu verwerten. Einige Beispiele; l) ttvnb iiatj icnaa B»nn ks' kV :a*a R"s kv- „Der Schneider soll nicht mit seiner Nadel hinaus auf die Straße gehen kurz vor Schabbosnacht und nicht der Schreiber mit seiner Feder, er könnte sonst zur Entweihung des Schabbos kommen." Die Dun-1 k e 1 h e i t ist oft das Symbol des Lebensendes, ebenso der Eingang in den Schabbos das Sinnbild des zeitlichen Todes, der uns hineinführt in die jenseitige Welt fia» 1^3«? Dl'- Wenn auch dieses Leben uns mit. starken Armen hineinzieht in den materiellen Broterwerb, und wir uns oft nicht genügend losreißen können, für ewige Güter zu sorgen, wenn wir in die Jahre des Alters' kommen, müssen wir uns mit aller Energie freizumachen : suchen, ,n»,K DK wann dann sollen wir die. Wegzehrung für die Welt , der Ewigkeit bereiten? V So dürfte der Ausspruch der Mischnah auch in, diesem Sinn genommen werden. ö"nn KX» xb- Der Arbeiter, der Handwerker, der Brotsuchende, welcher Art auch immer, Schneider oder Schreiber, Arbeiter der „Faust oder des Kopfes",, sollen nicht

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