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Der Israelit · 1934-08-16 · Heft 33 (16.8.1934) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 33 (16.8.1934)
Date
1934-08-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 33 Der Israeli! 16. August 1934 Gestattung des rituellen Schächtens in Oberschlesien, B e r 1 i n , 6., August. Der Reichsminister des Innern hat durch eine an den Oberpräsidenten in Oppeln: erlassene Verfügung bestimmt, daß in einem Schlachthof , im oberschlesischen Abstimmungsgebiet die. Möglichkeit gegeben werde, für den Bedarf der jüdischen Minderheit in Oberschlesien Vieh nach jüdischem Ritus zu schlachten/ Die Schächtungen dürfen lediglich für den Bedarf der oberschlesischen Judenheit vorgenommen werden und die Lieferung an außerhalb Qberschlesiens liegende Gemeinden bezw. Fleischereien ist nicht zulässig. Die Verfügung ist erlassen, um den Bestimmungen des für Oberschlejsien geltenden Minderheitsschutzgesetzes Rechnung zu tragen. „Arisch" oder „nichtarisch". Köln, 13. August. •Die „Frankf. Zeitung" meldet; Die Westdeutsche Kauf hof A.-G. hatte den Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung gestellt, dem „Westdeutschen Beobachter" in Köln zu untersagen, daß er das Unternehmen als einen „getarnten Judenladen" bezeichne. Bei der Verhandlung vor der 6. Zivilkammer unter Vorsitz des Landgerichtsrat Meuser führte der; Vertreter der Antragstellerin, u, a. aus, daß es sich bei'-'dem Antrag nicht darum handele, die Warenhaüsfrage' als solche zu. erörtern. Es käme vielmehr darauf an, sich gegen einen Artikel des „Westdeutschen Beobachters" zu wenden, den dieser am .29. Juli veröffentlicht habe und der seinem ganzen Inhalt nach eine Warnung an die Bevölkerung darstelle, bei der Westdeutschen Kaufhof A.-G. zu kaufen, da die Gesellschaft immer noch ein „getarnter Judenladen" sei. B e i juristischen Personen lasse sich der Begriff „arisch" oder „nichtarisch" nicht einwandfrei definieren. Die Westdeutsche Kaufhof-A,-G. habe 1933 / eine grundsätzliche Umstellung vorgenommen. Von den sechs Vorstandsmitgliedern seien vier Arier und die zwei nichtarischen Mitglieder hätten ihre Aemter zur Verfügung gestellt. Es handele sich keineswegs um irgendwelche Verschleierungen. Heute sei „ein einwandfreier arischer Kurs der Westdeutschen Kaufhof- A,-G, garantiert." Am 1. April 1933 hätte die Gesellschaft noch 7,92 Prozent nicht arischer Angestellter beschäftigt. Am 1. April 1934 habe der Prozentsatz nur noch 3,84 betragen. Früher seien von 91 Geschäfts führ er n 69 nichtarisch gewesen, heute seien es 29, davon 16 Frontkämpfer und 6 seit, dem ■ 1. August 1914 Beschäftigte. Unter den 428: jüdischen Angestellten, die heute noch beschäftigt seien, befänden sich 121 Frontkämpfer und ein weiterer Prozentsatz sei bereits seit dem 1 'August 1914 bei dem Unternehmen beschäftigt, Der Vertreter des i,:Wesjtdeüts!3hen Beobach-j ter" führte aus, daß es "sich...bei dem „Westdeut sehen Beobachter" um das SprachröhY der Partei und der Staatsregierung handelt. Wenn die R e g i e r u n g aus arbeitspolitischen Erwägungen heraus gewisse Aktionen gegen das Warenhaus verboten habe, so bedeute das noch lange nicht, daß die Partei ihren Kampf gegen das Warenhaus und das Ziel seiner völligen Beseitigung aufgegeben habe. Die Gerichte seien nicht befugt, irgendwelche Anordnungen der politischen Leitung vorweg zu . nehmen. ' Die Regie liege bei der Westdeutschen 'Kaufhof A.-G. nach wie vor noch in jüdischen Händen. Auch die Industrie- und Handelskammer sowie der Gauwirtschaftsberater der NSDAP., Dr. Schmidt, hätten ihre Auffassung von dem arischen Charakter der Westdeutschen Kaufhof A.-G. wieder geändert. Einem Versuche einer gütlichen Einigung widersetzte sich der „Westdeutsche Beobachter", so daß das Gericht die Sache zum Spruch am 21. August stellte. Die Stellung der jüdischen Jugendorganisationen in Deutschland. Berlin, 14. August. Die „Deutsche Zeitung" veröffentlicht eine Unterredung des stellvertretenden Hauptschriftleiters des Reichsjugend-Pressedienstes mit dem Leiter der Abteilung JV (Jugendverbände) in der Reichsjugendführung, Obergebietsführer Carl Nabersberg. In dieser Unterredung erklärte Obergebietsführer Nabersberg auf die Frage, welche Jugendorganisationen in Deutschland, die außerhalb der Hitlerjugend stehen, neben der Gruppe der katholischen Jugend noch erwähnenswert seien, folgendes; „Es gibt in Deutschland eine große Anzahl von jüdischen Jugendorganisationen, die heute selbstverständlich genau wie früher ungehindert ihrer Arbeit nachgehen. Die jüdischen Organisationen sind im Reichsausschuß jüdischer Jugendverbände zusammengefaßt, deren Vorsitzender unmittelbar der Abteilung Jugendverbände unterstellt ist. Wir haben gerade mit den jüdischen Jugendorganisationen zahlreiche praktische Fragen zu besprechen, die Genehmigung für die Ferienlager der jüdischen Jugendorganisationen zu beschaffen usw." Zwangssonntagsruhe in Lettland. - Forderung nach ihrer Einführung auch in Litauen. Riga, 13. August. In allen Städten und Städtchen Lettlands wird von den lokalen Behörden die Zwangssonntagsruhe angeordnet. Für die jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden, die nunmehr gezwungen sein werden, ihre Geschäfte an zwei Tagen in der Woche geschlossen zu halten, bedeutet dies einen schweren Schlag, Aus Litauen wird berichtet, daß dort eine starke Bewegung für Einführung der Sonntagsruhe nicht nur in den Proyinzstädten, sondern auch in der Hauptstadt Kaunas eingesetzt hat, wo bisher die Geschäfte am Sonntag bis 5 Uhr offen gehalten werden durften. Jüdische Einwanderung in Syrien. Jerusalem, 10. August. Wie „Palestine Post" meldet, bildet die Frage einer jüdischen Einwanderung nach Syrien in großem Maßstab noch immer ein aktuelles Diskussionsthema in der syrischen Oeffentlichkeit. Presse und Bevölkerung sind in dieser Frage streng in zwei Lager geschieden,. Die Angelegenheit, wird weniger vori einem religiösen als von einem nationalen und wirtschaftlichen Standpunkt aus, beurteilt. Die Gegner einer jüdischen Einwanderung machen geltend, daß durch das- Hereinkommen von Juden, die an sich schon. heterogene Bevölkerung des Libanongebiets um ein neues Element vermehrt und damit; der Gefahr ausgesetzt werden würde, die heute für die - Bildung eines Nationalstaats so notwendige Einheit und Solidarität zu verlieren. Besonders wird befürchtet, daß jüdische Kolonisation im südlichen Teil von Libanon,,also an der Grenze Palästinas, dazu führen könnte, daß die Einwanderer den Anschluß dieses Gebietes 'an .Palästina . verlangen. Demgegenüber weisen diejenigen, die für die Zulassung jüdischer Einwanderung eintreten, darauf hin, daß das Land an Kapitalmangel.. leidet und die Einwanderung von 50.000 Juden einen Aufschwung von Handel und Industrie mit sich bringen würde. Die jüdische Einwanderung , würde dem Lande Kapital und geschulte Arbeitskräfte geben... Als Beweis 'hierfür wird das Beispiel; des prosperierenden Palästina angeführt und vor allem auf den dort erzielten Verwaltungsüberschuß. . hingewiesen.;£ i n e G e - f ah r k ö n n e in dieser Ein w ä n de r u n g nicht erblickt werden, da'die Baifour - De k 1 a rät i o'n auf P a lästina'bcschrlnkt s ej.und die nach dem Lib anon kommenden Einwanderer keinep o 1 i t i s c h e n Ziel e v e r.f o 1 g e h„ würden. Die Geschäfts- und" Bank weit steht anscheinend. dem Projekt jüdischer Einäwnderung freundlich gegenüber. Man fürchtet sich in diesen Kreisen nicht vor der zu erwartenden jüdischen Wirtschaftskonkurrenz, sondern ist der Ansicht, daß die Vermehrung von Kapital und Arbeit erhöhte Produktion und allgemeine > Wohlfahrt' bedeuten würde. Die; Bankiers weisen darauf hin, daß jdie Grundbesitzer und Bauern im Libanon den dortigen Banken über 220 Millionen Franken schulden, und daß es für die französischen Bankiers, falls die wirtschaftliche Lage unverändert bleibt, keine Möglichkeit geben wird, zu ihrem Geld zu kommen, außer durch Uebernahme der hypothekarisch belasteten Grundstücke, Allgemein bekannt ist auch die zustimmende Haltung des maronitischen Patriarchen zum Projekt jüdischer Einwanderung nach dem Libanon. Ebenso hat der Präsident der Republik, Habib Pascha Saad, sich in Presse-Aeußerungen für die jüdische Einwanderung ausgesprochen. Der Partei der Einwanderungsgegner gehören vor allem extreme Nationalisten und junge Intellektuelle, wie Aerzte, Rechtsanwälte, Ingenieure und andere Angehörige freier Berufe an, die glauben, daß die Arbeitslosigkeit in ihren Kreisen infolge der Konkurrenz der Einwanderer noch verschärft werden wird. Um die Befürchtungen der Opposition zu zerstreuen, haben die französischen Behörden ein Gesetz verkündet, das den Verkauf von Boden an der libanesisch-palästinensischen Grenze an Ausländer ohne vorherige behördliche Genehmigung verbietet. Im allgemeinen kann gesagt werden, daß die Oeffentlichkeit im Libanon mehr der einwanderungsfreündlichen Ansicht zuneigt,, als der entgegengesetzten.! - - - Aktion für die eingekerkerten üdischen Frauen in Bethlehem. ■>■> Jerusalem, 12; August. Nach Verhandlungen zwischen dem Jerusalemer Komitee für Rechtshilfe an Einwanderer (Legal Aid for Immigrants Committee) und dem Generalinspektor der Polizei Roy Spicer wurden nunmehr den 32 jüdischen Mädchen, die im Frauengefängnis von Bethlehem untergebracht sind, Betten und Koschernahrung gegeben. Die Mädchen-haben alle höhere Bildung. Man hält sie für polnische Staatsangehörige, aber sie weigern sich, ihre Nationalität zu nennen, in der Hoffnung/ daß das völlige Fehlen von Dokumenten,. -, aus ' denen ihre Herkunftsländer ersichtlich sind, die ,ierung zwingen wird, ihnen zu gestatten, in Palästina zu bleiben.

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